Lohnsteuerfalle

17. Juli 2006 05:45

Neben den weithin bekannt-berüchtigten Radarfallen zur Ausraubung des (zu schnell) rollenden KFZ-Verkehrs und den Parkgebühren und Strafmandaten für die (zu lange) Nutzung öffentlichen Parkraums, gibt es jetzt –ebenfalls juristisch abgesichert – die Lohnsteuerfalle zur Abzocke des stehenden KFZ-Verkehrs auch wenn dieser lediglich in der eigenen Hofeinfahrt oder der Garage stattfindet.

Das Handelblatt meldet zwar, dass die Lohnsteuerfalle bei „Park and Ride“ lauere, aber beim genaueren Durchlesen des Artikels schwant dem steuerpflichtigem Arbeitnehmer mit vom Arbeitgeber überlassenem Firmenwagen, dass das Fi-Amt auch beim Parken in der Garage zuschlägt.
Denn Hauptsache ist, dass man einen Firmenwagen hat, aber dennoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt!
Das hat ein Urteil des Finanzgerichts München ergeben, dessen Veröffentlichung mir dieser Tage im Handelsblatt heftigst ins Auge stach:
«Der Arbeitnehmer des Klägers hatte seinen Dienstwagen täglich nur 3,5 km bis zum nächsten Bahnhof bewegt und war die übrigen 114,5 km zu seinem Arbeitsplatz mit der Bahn gefahren. Der klagende Arbeitgeber ersetzte dem Arbeitnehmer zwar die Bahnfahrtkosten. Aber das Finanzamt machte gegenüber dem Arbeitgeber einen Lohnsteueranspruch aus der 0,03%-Regelung des Kfz-Listenpreises geltend, multipliziert mit den Entfernungskilometern zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ohne Abzug der Bahnfahrtkilometer.
Das Finanzgericht gab dem Finanzamt Recht: Nach dem Einkommensteuergesetz und den Lohnsteuerrichtlinien komme es auf die tatsächlich mit dem Dienstwagen gefahrene Strecke nicht an, sondern nur auf die Entfernung zwischen der Wohnung und der Arbeitsstätte. Diese grobe Pauschalregelung des Gesetzes sei ohne Ausnahme anzuwenden und lasse ohnehin die tatsächlichen Verhältnisse des Einzelfalls außer Betracht.
Deshalb komme es auch nicht darauf an, mit welchem Anteil die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln beim Park and Ride zu Buche schlägt. Denn auch die Ableitung der Betriebskosten des Dienstwagens aus dem Listenpreis sei eine gegenüber den tatsächlichen Anschaffungskosten durch den Gesetzgeber bewusst in Kauf genommene Ungenauigkeit.»

Jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie wohnen in München und fahren mit dem Firmenwagen zum 10 km entfernten Flughafen um von dort mit dem Flugzeug die restlichen 800 km nach Hamburg zur Arbeit zu fliegen.
Kurz nachdenken …
Grübel, grübel und studier …
Kleiner Tipp – der Listenpreis des Firmenwagens, ein Volvo S80, beträgt 40.000 Euro. Dass ihr Arbeitgeber darauf 17% Rabatt bekommen spielt bei der Berechnung des geldwerten Vorteils keine Rolle mehr, denn „zu versteuernder geldwerter Vorteil = 40.000 Euro * 0,03% * 800 km“.
Das macht nach Adam Riese 9.600 Euro geldwerten Vorteil für die nicht stattgefundene Fahrt zur Arbeitsstätte nach Hamburg.
Bei eine Steuerlast von 30% sind das netto nur etwa 2.900 Euro vom Gehalt einbehaltene Lohnsteuer. Mancher Arbeitnehmer muss da wohl noch Geld mitbringen.

Jetzt lachen Sie nicht auch wenn Sie meinen, das Thema wäre konstruiert.
Ich selbst habe zwei Jahre lang in Frankfurt am Main gewohnt und bin jeden Montag zu meinem Arbeitsplatz ins schöne Wien nach Österreich „geflogen“.
Allerdings war damals das Steuerrecht noch so strukturiert, dass die „tatsächlich“ gefahrenen Kilometer mit dem Firmenwagen als geldwerter Vorteil zu versteuern waren.
Und tatsächlich „gefahren“ bin ich nur zum Flughafen Frankfurt.

Aber das war noch bevor der Studienrat aus Kassel Finanzminister dieser Republik wurde.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

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Lohnsteuerfalle

17. Juli 2006 05:45

Neben den weithin bekannt-berüchtigten Radarfallen zur Ausraubung des (zu schnell) rollenden KFZ-Verkehrs und den Parkgebühren und Strafmandaten für die (zu lange) Nutzung öffentlichen Parkraums, gibt es jetzt –ebenfalls juristisch abgesichert – die Lohnsteuerfalle zur Abzocke des stehenden KFZ-Verkehrs auch wenn dieser lediglich in der eigenen Hofeinfahrt oder der Garage stattfindet.

Das Handelblatt meldet zwar, dass die Lohnsteuerfalle bei „Park and Ride“ lauere, aber beim genaueren Durchlesen des Artikels schwant dem steuerpflichtigem Arbeitnehmer mit vom Arbeitgeber überlassenem Firmenwagen, dass das Fi-Amt auch beim Parken in der Garage zuschlägt.
Denn Hauptsache ist, dass man einen Firmenwagen hat, aber dennoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt!
Das hat ein Urteil des Finanzgerichts München ergeben, dessen Veröffentlichung mir dieser Tage im Handelsblatt heftigst ins Auge stach:
«Der Arbeitnehmer des Klägers hatte seinen Dienstwagen täglich nur 3,5 km bis zum nächsten Bahnhof bewegt und war die übrigen 114,5 km zu seinem Arbeitsplatz mit der Bahn gefahren. Der klagende Arbeitgeber ersetzte dem Arbeitnehmer zwar die Bahnfahrtkosten. Aber das Finanzamt machte gegenüber dem Arbeitgeber einen Lohnsteueranspruch aus der 0,03%-Regelung des Kfz-Listenpreises geltend, multipliziert mit den Entfernungskilometern zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ohne Abzug der Bahnfahrtkilometer.
Das Finanzgericht gab dem Finanzamt Recht: Nach dem Einkommensteuergesetz und den Lohnsteuerrichtlinien komme es auf die tatsächlich mit dem Dienstwagen gefahrene Strecke nicht an, sondern nur auf die Entfernung zwischen der Wohnung und der Arbeitsstätte. Diese grobe Pauschalregelung des Gesetzes sei ohne Ausnahme anzuwenden und lasse ohnehin die tatsächlichen Verhältnisse des Einzelfalls außer Betracht.
Deshalb komme es auch nicht darauf an, mit welchem Anteil die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln beim Park and Ride zu Buche schlägt. Denn auch die Ableitung der Betriebskosten des Dienstwagens aus dem Listenpreis sei eine gegenüber den tatsächlichen Anschaffungskosten durch den Gesetzgeber bewusst in Kauf genommene Ungenauigkeit.»

Jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie wohnen in München und fahren mit dem Firmenwagen zum 10 km entfernten Flughafen um von dort mit dem Flugzeug die restlichen 800 km nach Hamburg zur Arbeit zu fliegen.
Kurz nachdenken …
Grübel, grübel und studier …
Kleiner Tipp – der Listenpreis des Firmenwagens, ein Volvo S80, beträgt 40.000 Euro. Dass ihr Arbeitgeber darauf 17% Rabatt bekommen spielt bei der Berechnung des geldwerten Vorteils keine Rolle mehr, denn „zu versteuernder geldwerter Vorteil = 40.000 Euro * 0,03% * 800 km“.
Das macht nach Adam Riese 9.600 Euro geldwerten Vorteil für die nicht stattgefundene Fahrt zur Arbeitsstätte nach Hamburg.
Bei eine Steuerlast von 30% sind das netto nur etwa 2.900 Euro vom Gehalt einbehaltene Lohnsteuer. Mancher Arbeitnehmer muss da wohl noch Geld mitbringen.

Jetzt lachen Sie nicht auch wenn Sie meinen, das Thema wäre konstruiert.
Ich selbst habe zwei Jahre lang in Frankfurt am Main gewohnt und bin jeden Montag zu meinem Arbeitsplatz ins schöne Wien nach Österreich „geflogen“.
Allerdings war damals das Steuerrecht noch so strukturiert, dass die „tatsächlich“ gefahrenen Kilometer mit dem Firmenwagen als geldwerter Vorteil zu versteuern waren.
Und tatsächlich „gefahren“ bin ich nur zum Flughafen Frankfurt.

Aber das war noch bevor der Studienrat aus Kassel Finanzminister dieser Republik wurde.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. Juli 2006 um 05:45:40 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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