Trendwende

29. April 2005 05:45

“Ich seh etwas, was du nicht siehst” ist ein beliebtes Spiel unter Kleinkindern.
Doch auch Erwachsene spielen dieses Spiel immer wieder gerne. In regelmäßigen Abständen sieht irgendein Minister etwas, was andere nicht sehen., sei es der „Aufschwung“ oder die „Beitragssenkung“.
Derzeit sieht der Superwolli Clement auf dem Arbeitsmarkt die “Trendwende im Westen“.
Ja, sie haben richtig gelesen “eine Trendwende”.
Ja, genau diiiiiieeeee “Trendwende”.

Dagegen meinte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, dass die Zahl der registrierten Arbeitslosen vor allem aus jahreszeitlichen Gründen abgenommen habe. Wegen des schlechten Wetters in den vergangenen beiden Monaten sei die saisonale Erholung im April eben umso stärker ausgefallen. Laut Bundesagentur gab es im Monat April 208.000 Job-Suchende weniger als im März - aber immer noch 524.000 mehr als im April des vergangenen Jahres, als die Statistik allerdings noch anders berechnet wurde.

Supperwolli Clement hatte bereits am Vorabend vor der Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen ein Versprechen gewagt: “Wir werden ab jetzt nie mehr die fünf Millionen überschreiten”, sagte er. “Da können sie Gift drauf nehmen.”

Jetzt grüble ich darüber nach, wen er mit “sie” gemeint haben könnte. Sich selbst sicher nicht, obwohl der Gedanke an ein solches Ereignis bei manchem Mitbürger spontane Zuneigung auslösen dürfte!
Also kann er damit doch nur die Langzeitarbeitslosen gemeint haben!
Eine solche Maßnahme der kollektiven Vergiftung würde wahrlich zu einer nicht unbedeutenden Senkung der Arbeitslosenzahlen führen und gleichzeitig dem Bestattungsgewerbe einen wahren Boom bescheren. Warum ist denn der Superwolli mit dieser Idee nicht früher rübergekommen? Da hätte man sich doch den ganzen Umbau der Agentur und den Ärger mit HARTZ IV und ALGII ersparen können. Und außerdem wäre Vergiftung doch auch noch humaner als langsames Dahinsiechen.

Das Statistische Bundesamt meldete derweil, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Februar (man höre und staune) angestiegen ist! Sie werden es sicher nicht glauben, aber im Vergleich zum Februar erhöhte sich demnach die Zahl der Erwerbstätigen um sagenhafte 1000 (in Worten: eintausend) auf insgesamt 38,887 Millionen.
Also, ich habe mal ausgerechnet, wenn das in der gleichen Geschwindigkeit so weiter geht, dann wird in etwa knapp 5000 Monaten jeder Arbeitslose einen neuen Job haben. Wir müssen uns also nur noch etwa 416 Jahre gedulden. Und damit wir in dieser langen Zeit wissen, wo sich die Langzeitarbeitslosen vergnügen, verpassen wir allen, wie vom hessischen Justizminister Wagner vorgeschlagen, eine elektronische Fußfessel. Denn was für Straftäter und Junkies gut ist, kann doch für Langzeitfaulenzer und Sozialschmarotzer nicht schlecht sein.

Und außerdem hätte die Fußfessel einen wesentlichen Vorteil: Man könnte die Langzeitarbeitslosen, die sich wegen Superwollis Prognose das Leben genommen haben, per GPS besser orten, auffinden und ihre Leichen einer ordnungsgemäßen Entsorgung zuführen um die Umwelt nicht zu belasten.
Wenn wir dann noch rechtzeitig dafür sorgen, dass die Friedhofsordnungen reformiert werden und als weitere Bestattungsart die Kompostierung zugelassen wird, dann könnten sich auch noch die Grünen darüber freuen.

Aber bevor wir uns jetzt nach einer kostengünstigen Grabstelle umsehen, sollten wir dem Superwolli ganz feste die Daumen drücken, dass die Arbeitslosenzahlen nicht wieder über fünf Millionen steigen.
Denn es gab schon einmal einen Minister, der groß getönt hatte, dass er „Meier heißen wolle, wenn jemals auch nur ein feindliches Flugzeug über Deutschland erscheinen sollte“.
Der Herr Meier hat seinem Leben am 15. Oktober 1946 in Nürnberg durch Suizid mit Zyankali ein Ende gesetzt.
Wann sind denn eigentlich Bundestagswahlen?
Könnte terminlich hinkommen – genau 60 Jahre später.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 29. April 2005 um 05:45:30 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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29. April 2005 05:45

“Ich seh etwas, was du nicht siehst” ist ein beliebtes Spiel unter Kleinkindern.
Doch auch Erwachsene spielen dieses Spiel immer wieder gerne. In regelmäßigen Abständen sieht irgendein Minister etwas, was andere nicht sehen., sei es der „Aufschwung“ oder die „Beitragssenkung“.
Derzeit sieht der Superwolli Clement auf dem Arbeitsmarkt die “Trendwende im Westen“.
Ja, sie haben richtig gelesen “eine Trendwende”.
Ja, genau diiiiiieeeee “Trendwende”.

Dagegen meinte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, dass die Zahl der registrierten Arbeitslosen vor allem aus jahreszeitlichen Gründen abgenommen habe. Wegen des schlechten Wetters in den vergangenen beiden Monaten sei die saisonale Erholung im April eben umso stärker ausgefallen. Laut Bundesagentur gab es im Monat April 208.000 Job-Suchende weniger als im März - aber immer noch 524.000 mehr als im April des vergangenen Jahres, als die Statistik allerdings noch anders berechnet wurde.

Supperwolli Clement hatte bereits am Vorabend vor der Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen ein Versprechen gewagt: “Wir werden ab jetzt nie mehr die fünf Millionen überschreiten”, sagte er. “Da können sie Gift drauf nehmen.”

Jetzt grüble ich darüber nach, wen er mit “sie” gemeint haben könnte. Sich selbst sicher nicht, obwohl der Gedanke an ein solches Ereignis bei manchem Mitbürger spontane Zuneigung auslösen dürfte!
Also kann er damit doch nur die Langzeitarbeitslosen gemeint haben!
Eine solche Maßnahme der kollektiven Vergiftung würde wahrlich zu einer nicht unbedeutenden Senkung der Arbeitslosenzahlen führen und gleichzeitig dem Bestattungsgewerbe einen wahren Boom bescheren. Warum ist denn der Superwolli mit dieser Idee nicht früher rübergekommen? Da hätte man sich doch den ganzen Umbau der Agentur und den Ärger mit HARTZ IV und ALGII ersparen können. Und außerdem wäre Vergiftung doch auch noch humaner als langsames Dahinsiechen.

Das Statistische Bundesamt meldete derweil, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Februar (man höre und staune) angestiegen ist! Sie werden es sicher nicht glauben, aber im Vergleich zum Februar erhöhte sich demnach die Zahl der Erwerbstätigen um sagenhafte 1000 (in Worten: eintausend) auf insgesamt 38,887 Millionen.
Also, ich habe mal ausgerechnet, wenn das in der gleichen Geschwindigkeit so weiter geht, dann wird in etwa knapp 5000 Monaten jeder Arbeitslose einen neuen Job haben. Wir müssen uns also nur noch etwa 416 Jahre gedulden. Und damit wir in dieser langen Zeit wissen, wo sich die Langzeitarbeitslosen vergnügen, verpassen wir allen, wie vom hessischen Justizminister Wagner vorgeschlagen, eine elektronische Fußfessel. Denn was für Straftäter und Junkies gut ist, kann doch für Langzeitfaulenzer und Sozialschmarotzer nicht schlecht sein.

Und außerdem hätte die Fußfessel einen wesentlichen Vorteil: Man könnte die Langzeitarbeitslosen, die sich wegen Superwollis Prognose das Leben genommen haben, per GPS besser orten, auffinden und ihre Leichen einer ordnungsgemäßen Entsorgung zuführen um die Umwelt nicht zu belasten.
Wenn wir dann noch rechtzeitig dafür sorgen, dass die Friedhofsordnungen reformiert werden und als weitere Bestattungsart die Kompostierung zugelassen wird, dann könnten sich auch noch die Grünen darüber freuen.

Aber bevor wir uns jetzt nach einer kostengünstigen Grabstelle umsehen, sollten wir dem Superwolli ganz feste die Daumen drücken, dass die Arbeitslosenzahlen nicht wieder über fünf Millionen steigen.
Denn es gab schon einmal einen Minister, der groß getönt hatte, dass er „Meier heißen wolle, wenn jemals auch nur ein feindliches Flugzeug über Deutschland erscheinen sollte“.
Der Herr Meier hat seinem Leben am 15. Oktober 1946 in Nürnberg durch Suizid mit Zyankali ein Ende gesetzt.
Wann sind denn eigentlich Bundestagswahlen?
Könnte terminlich hinkommen – genau 60 Jahre später.

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