Koma Komma

24. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Man muss kein Fußballfreund sein um mit dem Auge an einer solchen Schlagzeile bei Spiegel-Online hängen zu bleiben:

FUSSBALL- BUNDESLIGA: Bayern fast durch Freiburg abgestiegen.

„Da haben doch die Freiburger den Bayern die Lederhosen ausgezogen“, freut es sich mir schadenfroh durchs unsportliche Gemüt. Oh, oh, oh, da wird der dicke Uli aber wieder dicke Backen machen und der Presse irgendwas vom unfairen Verhalten des Gegners erzählen.

Ich wusste gar nicht, dass es schon so schlecht um die Bayern stand, dass sie vom Abstieg bedroht waren. Also guckte ich noch mal genießerisch auf die Schlagzeile, fing an den Artikel zu lesen und begriff langsam, dass –so ähnlich wie meist bei der Bildzeitung- Aufmacher und Text in einer seltsamen Diskrepanz zueinander standen. Das bin ich eigentlich vom Spiegel nicht gewohnt und fing an mir Sorgen zu machen. Sollte die Manipulation des Spielgeschehens sich jetzt auch außerhalb des Spielfeldrandes verbreiten? Sind jetzt die Sportreporter in die Fußstapfen von Spielern und Schiedsrichtern getreten und auf die Gehaltsliste der Wettmafiosi gewechselt?

Da ist doch sicher wieder irgendwo eine Schweinerei im Gange, über die man sich als möglicher Besucher einer Sportveranstaltung oder als Zwangskonsument der täglichen Nachrichten, fürchterlich aufregen oder ins Koma fallen kann.
Und weil ich mir sowas ja nicht entgehen lassen konnte, las ich interessiert weiter, doch mit zunehmender Lesedauer wurde meine Enttäuschung immer größer.
Nix mit „Bayern steigt ab“. Nix mit „Lederhose runter“. Nix mit Häme und „hab ich ja schon immer gewusst“.

Gott sei Dank habe ich noch keine WebCam am Bildschirm klemmen, denn als mir diese Erkenntnis langsam ins Gesicht stieg, habe ich vermutlich nicht sehr intelligent ausgesehen.

Doch während ich noch darüber nachdachte, warum sich der Spiegel mit seinen Lesern einen solch tumben Scherz erlaubt, stieß ich beim Griff nach dem Bierglas versehentlich gegen mein im Dämmerlicht des untergehenden Tages erotisch vor sich hin glimmendes Infrarotmäuschen.
Und artig verzog sich der Mauszeiger an den rechten Bildschirmrand und gab mitten in der Überschrift ein klitzeskleines Komma frei.
Nicht irgendein Komma, sondern ein ganz wichtiges Komma, denn jetzt hieß der Aufmacher plötzlich:

FUSSBALL- BUNDESLIGA: Bayern fast durch, Freiburg abgestiegen.

Hey, die Jungs von Spiegel sollten doch in ihren Texten die Beistriche (Komma, Kommas, Kommatas) größer machen.

Mindestens soooooooooo groß:

Damit die Bayern-Fans beim Lesen des Spiegel nicht den plötzlichen Herzkomatod erleiden.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. April 2005 um 05:45:21 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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24. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Man muss kein Fußballfreund sein um mit dem Auge an einer solchen Schlagzeile bei Spiegel-Online hängen zu bleiben:

FUSSBALL- BUNDESLIGA: Bayern fast durch Freiburg abgestiegen.

„Da haben doch die Freiburger den Bayern die Lederhosen ausgezogen“, freut es sich mir schadenfroh durchs unsportliche Gemüt. Oh, oh, oh, da wird der dicke Uli aber wieder dicke Backen machen und der Presse irgendwas vom unfairen Verhalten des Gegners erzählen.

Ich wusste gar nicht, dass es schon so schlecht um die Bayern stand, dass sie vom Abstieg bedroht waren. Also guckte ich noch mal genießerisch auf die Schlagzeile, fing an den Artikel zu lesen und begriff langsam, dass –so ähnlich wie meist bei der Bildzeitung- Aufmacher und Text in einer seltsamen Diskrepanz zueinander standen. Das bin ich eigentlich vom Spiegel nicht gewohnt und fing an mir Sorgen zu machen. Sollte die Manipulation des Spielgeschehens sich jetzt auch außerhalb des Spielfeldrandes verbreiten? Sind jetzt die Sportreporter in die Fußstapfen von Spielern und Schiedsrichtern getreten und auf die Gehaltsliste der Wettmafiosi gewechselt?

Da ist doch sicher wieder irgendwo eine Schweinerei im Gange, über die man sich als möglicher Besucher einer Sportveranstaltung oder als Zwangskonsument der täglichen Nachrichten, fürchterlich aufregen oder ins Koma fallen kann.
Und weil ich mir sowas ja nicht entgehen lassen konnte, las ich interessiert weiter, doch mit zunehmender Lesedauer wurde meine Enttäuschung immer größer.
Nix mit „Bayern steigt ab“. Nix mit „Lederhose runter“. Nix mit Häme und „hab ich ja schon immer gewusst“.

Gott sei Dank habe ich noch keine WebCam am Bildschirm klemmen, denn als mir diese Erkenntnis langsam ins Gesicht stieg, habe ich vermutlich nicht sehr intelligent ausgesehen.

Doch während ich noch darüber nachdachte, warum sich der Spiegel mit seinen Lesern einen solch tumben Scherz erlaubt, stieß ich beim Griff nach dem Bierglas versehentlich gegen mein im Dämmerlicht des untergehenden Tages erotisch vor sich hin glimmendes Infrarotmäuschen.
Und artig verzog sich der Mauszeiger an den rechten Bildschirmrand und gab mitten in der Überschrift ein klitzeskleines Komma frei.
Nicht irgendein Komma, sondern ein ganz wichtiges Komma, denn jetzt hieß der Aufmacher plötzlich:

FUSSBALL- BUNDESLIGA: Bayern fast durch, Freiburg abgestiegen.

Hey, die Jungs von Spiegel sollten doch in ihren Texten die Beistriche (Komma, Kommas, Kommatas) größer machen.

Mindestens soooooooooo groß:

Damit die Bayern-Fans beim Lesen des Spiegel nicht den plötzlichen Herzkomatod erleiden.

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