Hakenkreuz

22. April 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Da denkt man sich nichts Böses und will sich nur ein wenig mit der Logik deutscher Autobauer auseinandersetzen, da steht man plötzlich als Verherrlicher nationalsozialistischer Symbole am Pranger und wird mit Gefängnisstrafe bedroht.

Mein spezieller Dank gebührt allen, die sich schützend zwischen meinen alten Kadaver und die Eiferer, geworfen haben, die “kreuziget ihn” rufen, wo mitdenken, nachdenken und querdenken gefragt ist.
Kaum taucht irgendwo das “Pfui-Symbol auf, schon wirkt es wie eine Hirnblockade.
Der liebe Herr Schnetzi hat wohl verkannt, dass es sich bei dem dargestellten Dokument um eine Sparkarte der Volkswagenwerk GmbH aus dem Jahr 1941 handelt, die vollgeklebt mit Sparmarken zum Bezug eines KDF-Fahrzeuges berechtigt. So eine Art Ratensparvertrag.
Diese Karte ist mit einem stilisierten Zahnrad versehen, in dessen Mitte ein Hakenkreuz platziert ist. Dieses Hakenkreuz findet sich auf vielen Dokumenten aus dieser Zeit. Auf Schulzeugnissen, auf amtlichen Dokumenten, Geburts- und Sterbeurkunden, auf Schriftstücken, auf Impfpässen und sogar auf Briefmarken. Das ist ganz normal und auch nicht weiter schlimm, denn schließlich hat jede Zeit ihre Symbole und Farben.
Schlimm ist, was blinde Eiferer daraus machen. Und damit meine ich sowohl die, die unter diesem Zeichen (wieder) marschieren wollen und -für mich fast noch schlimmer- die Zeitgenossen, die aus blindem Aktionismus auf alles einschlagen was dieses “Pfui”-Zeichen trägt.
Ist das nicht schon fast wieder das gleiche Niveau wie Hexen jagen, Bücher verbrennen oder Bilder von den Wänden reißen? Ist es für diese Verhaltensweise nicht auch schon symptomatisch, wie bei dem lieben Herrn Schnetzi, dass man gleich mit „Wiederbetätigung“ und „Haftstrafe“ droht, ohne sich die Mühe zu machen den textlichen Zusammenhang zur Kenntnis zu nehmen oder gar zu verstehen.
Nun bin ich ja – wie viele andere auch- durch die Gnade der späten Geburt der Zwangsmitgliedschaft in einer nationalsozialistischen Organisation geschickt entkommen. Für Politik begann ich mich erst zu interessieren als J.F. Kennedy ermordet wurde. Seit dem habe ich gelernt, dass man nicht alles glauben darf, was so erzählt wird. Man sollte sich selbst ein Bild von der Lage machen, darüber nachdenken und sich eine eigene Meinung bilden.

Deshalb muss ich auch die Frage des Herrn Schnetzi, ob er das Hakenkreuz-Symbol verbieten darf, mit einem entschiedenen „Nein“ beantworten, denn das Symbol kann nichts dafür, was unter ihm oder in seinem Namen geschehen ist. Das waren die Menschen, die sich unter diesem Symbol versammelt haben. Und das waren auch und vor allem die Menschen, die für Umstände gesorgt haben, dass sich Menschen unter diesem Symbol versammelt haben, weil sie hofften, dass von dort eine Veränderung ihrer bescheidenen Lage ausgehen würde.

Also lassen wir doch dieses Symbol stehen, als Erinnerung und Mahnung für einen großen Fehler, den viele mit dem Leben bezahlen mussten und von dem einige profitiert haben.
Darunter auch die Firma in KDF-Stadt, die heute Billig-Pkw aus Brasilien importiert, natürlich nur zum Wohle des deutschen Arbeiternehmers.
Jetzt muss nur noch jemand auf die Idee kommen, dass man für den vergünstigten Bezug dieser Fahrzeuge durch Werksangehörige so eine Art Ratensparplan mit Ansparung durch Lohnabzug einführen könnte. Was für eine soziale Leistung das wohl wäre?
Und auf dem Dokument würden sicher die Farben der Bundesrepublik Deutschland prangen.
Und kein Mensch würde sich darüber aufregen.
Nicht jetzt, aber sicher in 75 Jahren.

Deshalb vorher mitdenken, nachdenken und querdenken. Das hat noch nie geschadet.
Und in 75 Jahren ist es zu spät, denn die Zukunft ändert man heute.

Übrigens: Ludwig van Beethoven der auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben ist, war Deutscher und Adolf Hitler, der sich in Berlin selbst eingeäschert hat, war Österreicher.
Und damit mir jetzt keiner vorwerfen muss ich wäre ein unverbesserlicher Nationalist – mein Vater ist Deutscher und meine Mutter stammt aus Wien.
Und damit lasst uns wieder zur Normalität zurückkehren und auf sachlicher Basis diskutieren, wer denn ein Interesse an der derzeitigen Lage dieser Nation hat.
Sonst könnte ich auf die Idee kommen aus meiner Briefmarkensammlung noch ein paar ältere Stücke der Deutschen Reichspost herauszukramen und hier zu veröffentlichen. Neben dem Hakenkreuz und dem kleinen Österreicher sind da auch ein paar Marken dabei, die nachdenklich stimmen. „Wiederaufbau der Provinz Sachsen“, „Die Saar kehrt heim“, „Eupen-Malmedy wieder deutsch“, „Wien Tor zum Südosten“, „Böhmen und Mähren“ und einige Marken mit nachträglichem Aufdruck von „Elsaß“, „Ostland“ und –man höre und staune- derzeit gerade wieder hochaktuell „Ukraine“.
Und dann ist da noch Marken mit irren Wert drauf: „400 Tausend“, „2 Millionen“, „50 Millionen“, „100 Millionen“, bis zu „20 Milliarden“.
Nein, das waren noch nicht Euro, das waren noch Reichsmark. Irgendwas scheint damals wohl mit der Währung nicht so richtig funktioniert zu haben.

Und mit der Arbeit scheint es auch nicht zum Besten gestanden haben.
Aber sowas kann heute ja nicht mehr passieren.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 22. April 2006 um 05:45:13 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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Hakenkreuz

22. April 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Da denkt man sich nichts Böses und will sich nur ein wenig mit der Logik deutscher Autobauer auseinandersetzen, da steht man plötzlich als Verherrlicher nationalsozialistischer Symbole am Pranger und wird mit Gefängnisstrafe bedroht.

Mein spezieller Dank gebührt allen, die sich schützend zwischen meinen alten Kadaver und die Eiferer, geworfen haben, die “kreuziget ihn” rufen, wo mitdenken, nachdenken und querdenken gefragt ist.
Kaum taucht irgendwo das “Pfui-Symbol auf, schon wirkt es wie eine Hirnblockade.
Der liebe Herr Schnetzi hat wohl verkannt, dass es sich bei dem dargestellten Dokument um eine Sparkarte der Volkswagenwerk GmbH aus dem Jahr 1941 handelt, die vollgeklebt mit Sparmarken zum Bezug eines KDF-Fahrzeuges berechtigt. So eine Art Ratensparvertrag.
Diese Karte ist mit einem stilisierten Zahnrad versehen, in dessen Mitte ein Hakenkreuz platziert ist. Dieses Hakenkreuz findet sich auf vielen Dokumenten aus dieser Zeit. Auf Schulzeugnissen, auf amtlichen Dokumenten, Geburts- und Sterbeurkunden, auf Schriftstücken, auf Impfpässen und sogar auf Briefmarken. Das ist ganz normal und auch nicht weiter schlimm, denn schließlich hat jede Zeit ihre Symbole und Farben.
Schlimm ist, was blinde Eiferer daraus machen. Und damit meine ich sowohl die, die unter diesem Zeichen (wieder) marschieren wollen und -für mich fast noch schlimmer- die Zeitgenossen, die aus blindem Aktionismus auf alles einschlagen was dieses “Pfui”-Zeichen trägt.
Ist das nicht schon fast wieder das gleiche Niveau wie Hexen jagen, Bücher verbrennen oder Bilder von den Wänden reißen? Ist es für diese Verhaltensweise nicht auch schon symptomatisch, wie bei dem lieben Herrn Schnetzi, dass man gleich mit „Wiederbetätigung“ und „Haftstrafe“ droht, ohne sich die Mühe zu machen den textlichen Zusammenhang zur Kenntnis zu nehmen oder gar zu verstehen.
Nun bin ich ja – wie viele andere auch- durch die Gnade der späten Geburt der Zwangsmitgliedschaft in einer nationalsozialistischen Organisation geschickt entkommen. Für Politik begann ich mich erst zu interessieren als J.F. Kennedy ermordet wurde. Seit dem habe ich gelernt, dass man nicht alles glauben darf, was so erzählt wird. Man sollte sich selbst ein Bild von der Lage machen, darüber nachdenken und sich eine eigene Meinung bilden.

Deshalb muss ich auch die Frage des Herrn Schnetzi, ob er das Hakenkreuz-Symbol verbieten darf, mit einem entschiedenen „Nein“ beantworten, denn das Symbol kann nichts dafür, was unter ihm oder in seinem Namen geschehen ist. Das waren die Menschen, die sich unter diesem Symbol versammelt haben. Und das waren auch und vor allem die Menschen, die für Umstände gesorgt haben, dass sich Menschen unter diesem Symbol versammelt haben, weil sie hofften, dass von dort eine Veränderung ihrer bescheidenen Lage ausgehen würde.

Also lassen wir doch dieses Symbol stehen, als Erinnerung und Mahnung für einen großen Fehler, den viele mit dem Leben bezahlen mussten und von dem einige profitiert haben.
Darunter auch die Firma in KDF-Stadt, die heute Billig-Pkw aus Brasilien importiert, natürlich nur zum Wohle des deutschen Arbeiternehmers.
Jetzt muss nur noch jemand auf die Idee kommen, dass man für den vergünstigten Bezug dieser Fahrzeuge durch Werksangehörige so eine Art Ratensparplan mit Ansparung durch Lohnabzug einführen könnte. Was für eine soziale Leistung das wohl wäre?
Und auf dem Dokument würden sicher die Farben der Bundesrepublik Deutschland prangen.
Und kein Mensch würde sich darüber aufregen.
Nicht jetzt, aber sicher in 75 Jahren.

Deshalb vorher mitdenken, nachdenken und querdenken. Das hat noch nie geschadet.
Und in 75 Jahren ist es zu spät, denn die Zukunft ändert man heute.

Übrigens: Ludwig van Beethoven der auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben ist, war Deutscher und Adolf Hitler, der sich in Berlin selbst eingeäschert hat, war Österreicher.
Und damit mir jetzt keiner vorwerfen muss ich wäre ein unverbesserlicher Nationalist – mein Vater ist Deutscher und meine Mutter stammt aus Wien.
Und damit lasst uns wieder zur Normalität zurückkehren und auf sachlicher Basis diskutieren, wer denn ein Interesse an der derzeitigen Lage dieser Nation hat.
Sonst könnte ich auf die Idee kommen aus meiner Briefmarkensammlung noch ein paar ältere Stücke der Deutschen Reichspost herauszukramen und hier zu veröffentlichen. Neben dem Hakenkreuz und dem kleinen Österreicher sind da auch ein paar Marken dabei, die nachdenklich stimmen. „Wiederaufbau der Provinz Sachsen“, „Die Saar kehrt heim“, „Eupen-Malmedy wieder deutsch“, „Wien Tor zum Südosten“, „Böhmen und Mähren“ und einige Marken mit nachträglichem Aufdruck von „Elsaß“, „Ostland“ und –man höre und staune- derzeit gerade wieder hochaktuell „Ukraine“.
Und dann ist da noch Marken mit irren Wert drauf: „400 Tausend“, „2 Millionen“, „50 Millionen“, „100 Millionen“, bis zu „20 Milliarden“.
Nein, das waren noch nicht Euro, das waren noch Reichsmark. Irgendwas scheint damals wohl mit der Währung nicht so richtig funktioniert zu haben.

Und mit der Arbeit scheint es auch nicht zum Besten gestanden haben.
Aber sowas kann heute ja nicht mehr passieren.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 22. April 2006 um 05:45:13 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

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