Volkswagen

21. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Im Handelsblatt habe ich dieser Tage unter der Überschrift „Mehr Mut zum Drittwagen“ gelesen, dass es bald wieder einen richtigen „Volkswagen“ geben wird.
Natürlich nicht so ein KdF-Auto, dessen Kaufpreis in Höhe von 1.250 Reichsmark inklusive 60 Reichsmark für Sonderausstattung und 200 Reichsmark für Versicherung, man über Rabattmarken kleben ansparen konnte.

Nein, nein, ein richtiges Auto, ein maximales Auto für minimales Geld wird es nach Aussage von Marketingleiter Ludger Fretzen sein, das da ab dem 29. April im Jahre des Herrn 2005 knapp 70 Jahre später in den Schaufenstern der VW-Vertragshändler auf seine Käufer warten wird.

Ab 8.950 Euro wird das Autochen in der Minimalausstattung mit vier Sitzen, zwei Airbags und
ABS angeboten. Irgendwelche Statussymbole wie Seitenairbags, Zigarettenanzünder, Nebelscheinwerfer oder die Farben Rot, Schwarz und Gelb müssen extra bestellt und bezahlt werden. Auch Servolenkung, Klimaanlage, elektrisch verstellbare Außenspiegel,
Zentralverriegelung oder ESP gehören nicht zum Basispaket.
Während das Basismodell, mit ergonomischen Tretpedalen, keine Mühe hat die europäischen Abgasvorschriften zu unterschreiten, benötigt das E-Klasse Modell mit dynamobetriebenem Einzylindermotor einen Elektrosmogkatalysator mit Feinstaubfilter.
Auf Wunsch sind beide Modelle auch mit vier Rädern lieferbar.

Unter 10.000 Teuronen soll das Basismodell des Volkswagens mit dem lustigen Namen „Fox“ kosten. Jegliche Namensähnlichkeit mit dem Spürpanzer deutscher Bauart ist rein zufällig und lässt nicht auf einen ähnlichen militärischen Hintergrund schließen, wie annodunnemals bei dem KdF-Gefährt.

Warum das Teil so günstig ist, wollen Sie wissen?
Na weil der Fox zu 100% in Brasilien gebaut wird und da sich die Brasilianer das Ding selbst nicht leisten können, muss die Produktion in Deutschland an den Bürger gebracht werden. Natürlich unter Berücksichtigung der in den letzten Jahren extrem gefallenen Kaufkraft bundesdeutscher Arbeitsloser, die nach längerer Einlern- und Gewöhnungsphase in die Aussichtslosigkeit ihrer Lage wieder mehr Mut zum Drittwagen zeigen.

Kraft durch Freude halt.
Das war das Motto der so genannten Arbeitsfront, einem von den Nationalsozialisten erzwungenen Zusammenschluss aller Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände.
Stellen Sie sich das heute mal vor.

Übrigens soll von den mehr als 300.000 Menschen, die bis Kriegsende Raten für ihren Kdf-Wagen angespart hatten, niemand etwas für sein Geld bekommen haben.
Doch die Stadt des KDF-Wagens, den Ortsteil Steimkerberg und die Strasse Unter den Eichen gibt es noch. Die Stadt heißt heute Wolfsburg. Ob es allerdings das Haus mit der Nummer 48 noch gibt und wer dort wohnt, das konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

Ist auch nicht so wichtig, aber ich würde gerne mal mit so einer Rabattkarte zum VW-Händler gehen und meinen “Fox“ abholen, denn aus den 990 Reichsmark von damals wäre mit Zins und Zinseszins bis heute sicher zumindest ein gute Anzahlung auf den Kaufpreis des brasilianischen „Fox“ geworden.
Oder wurden in Sparkarten geklebte Marken bei der Währungsreform etwa nicht umgestellt? Bei der Berechnung des Vermögens der ALG II Antragsteller wurden sie aber doch sicher als “geldwertes Sachvermögen” berücksichtigt um die Ablehnung des Antrags begründen zu können.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 21. April 2005 um 05:45:45 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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21. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Im Handelsblatt habe ich dieser Tage unter der Überschrift „Mehr Mut zum Drittwagen“ gelesen, dass es bald wieder einen richtigen „Volkswagen“ geben wird.
Natürlich nicht so ein KdF-Auto, dessen Kaufpreis in Höhe von 1.250 Reichsmark inklusive 60 Reichsmark für Sonderausstattung und 200 Reichsmark für Versicherung, man über Rabattmarken kleben ansparen konnte.

Nein, nein, ein richtiges Auto, ein maximales Auto für minimales Geld wird es nach Aussage von Marketingleiter Ludger Fretzen sein, das da ab dem 29. April im Jahre des Herrn 2005 knapp 70 Jahre später in den Schaufenstern der VW-Vertragshändler auf seine Käufer warten wird.

Ab 8.950 Euro wird das Autochen in der Minimalausstattung mit vier Sitzen, zwei Airbags und
ABS angeboten. Irgendwelche Statussymbole wie Seitenairbags, Zigarettenanzünder, Nebelscheinwerfer oder die Farben Rot, Schwarz und Gelb müssen extra bestellt und bezahlt werden. Auch Servolenkung, Klimaanlage, elektrisch verstellbare Außenspiegel,
Zentralverriegelung oder ESP gehören nicht zum Basispaket.
Während das Basismodell, mit ergonomischen Tretpedalen, keine Mühe hat die europäischen Abgasvorschriften zu unterschreiten, benötigt das E-Klasse Modell mit dynamobetriebenem Einzylindermotor einen Elektrosmogkatalysator mit Feinstaubfilter.
Auf Wunsch sind beide Modelle auch mit vier Rädern lieferbar.

Unter 10.000 Teuronen soll das Basismodell des Volkswagens mit dem lustigen Namen „Fox“ kosten. Jegliche Namensähnlichkeit mit dem Spürpanzer deutscher Bauart ist rein zufällig und lässt nicht auf einen ähnlichen militärischen Hintergrund schließen, wie annodunnemals bei dem KdF-Gefährt.

Warum das Teil so günstig ist, wollen Sie wissen?
Na weil der Fox zu 100% in Brasilien gebaut wird und da sich die Brasilianer das Ding selbst nicht leisten können, muss die Produktion in Deutschland an den Bürger gebracht werden. Natürlich unter Berücksichtigung der in den letzten Jahren extrem gefallenen Kaufkraft bundesdeutscher Arbeitsloser, die nach längerer Einlern- und Gewöhnungsphase in die Aussichtslosigkeit ihrer Lage wieder mehr Mut zum Drittwagen zeigen.

Kraft durch Freude halt.
Das war das Motto der so genannten Arbeitsfront, einem von den Nationalsozialisten erzwungenen Zusammenschluss aller Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände.
Stellen Sie sich das heute mal vor.

Übrigens soll von den mehr als 300.000 Menschen, die bis Kriegsende Raten für ihren Kdf-Wagen angespart hatten, niemand etwas für sein Geld bekommen haben.
Doch die Stadt des KDF-Wagens, den Ortsteil Steimkerberg und die Strasse Unter den Eichen gibt es noch. Die Stadt heißt heute Wolfsburg. Ob es allerdings das Haus mit der Nummer 48 noch gibt und wer dort wohnt, das konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

Ist auch nicht so wichtig, aber ich würde gerne mal mit so einer Rabattkarte zum VW-Händler gehen und meinen “Fox“ abholen, denn aus den 990 Reichsmark von damals wäre mit Zins und Zinseszins bis heute sicher zumindest ein gute Anzahlung auf den Kaufpreis des brasilianischen „Fox“ geworden.
Oder wurden in Sparkarten geklebte Marken bei der Währungsreform etwa nicht umgestellt? Bei der Berechnung des Vermögens der ALG II Antragsteller wurden sie aber doch sicher als “geldwertes Sachvermögen” berücksichtigt um die Ablehnung des Antrags begründen zu können.

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