Der kleine Stern

18. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

«Profitieren Sie jetzt vom Girokonto: kostenlose Kontoführung, jeden Monat 1 Euro dazu – und keine Depotgebühren»
So lautet der Betreff eines Schreibens, das mir dieser Tage von einer börsennotierten deutschen Directbank zuging, die am 14.02.2005 im Rahmen einer Adhoc-Mitteilung stolz bekannt gab, dass man im Jahre 2004 einen Rekordgewinn erzielt habe und für 2005 ein Programm für mehr Wachstum und Wertsteigerung plane.

Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen Banken hätte, die in diesen schweren wirtschaftlichen Zeiten Rekordgewinne erzielen. Und wenn dazu kostenlose Konten für Arbeitnehmer beitragen – warum nicht. Ein Geschäft ist es doch schließlich immer dann, wenn es ein Geschäft für beide Seiten ist.
Und so lese ich interessiert weiter, denn es kommt nicht alle Tage vor, dass sich eine Bank Gedanken um MEIN Geld macht:

Sehr geehrter Herr Machopan,

wenn Sie jetzt ein kostenloses * Girokonto bei comdirect eröffnen, sparen Sie bares Geld – insgesamt bis zu 90 Euro pro Jahr. Und das Beste daran: Sie erhalten zusätzlich jeden Monat 1 Euro als Gutschrift aufs Konto.
Lassen Sie sich dieses Vorteile nicht entgehen, eröffnen Sie jetzt Ihr kostenloses * comdirect Girokonto.

  • Jeden Monat 1 Euro für Sie – das sind 12 Euro extra im Jahr
  • Kostenlose * Online-Kontenführung
  • ex-/Maestro- und VISA-Karte gratis
  • Gebührenfreier Bargeldzugang an 7.600 Geldautomaten bundesweit

Ein besonderer Vorteil kommt für Sie als Inhaber eines Depots noch hinzu:
Sie zahlen keine Depotgebühren mehr.

usw. usw. bla bla bla.

Mit freundlichen Grüßen
Richard Welge
Leiter Marketing & Vertrieb

Nun hatte ich schon seit meiner Studienzeit und den Worten von Henry Ford zur Frage der Farbe der von ihm in Massen produzierten „Tin Lizzy“: „Der Kunde kann jede beliebige Farbe haben - Hauptsache sie ist schwarz.“ eine schlechte Meinung für Marketing und darüber hinaus habe ich auch noch den dumpfen Verdacht, dass vielfach die Bezeichnung „Vertrieb“ als aus dem gleichen Wortstamm wie „Vertreibung“ kommend verstanden wird.

Im Falle der kostenlosen * Girokonto Werbung der comdirect Bank scheint man zusätzlich die Personen der Zielgruppe auch noch für strunzdumm zu halten. Denn während man sich nicht scheut die vermeintlichen Vorteile des kostenlosen * Girokontos fett gedruckt anzupreisen, reicht für die Nachteile gerade mal ein kleines *-chen.
Dieses *-chen bringt der comdirect Bank auf jeden Fall einen Umsatz von 4,90 € pro Monat wenn nicht monatlich mindestens 1.250,– Euro auf das Konto eingezahlt werden.
Das sind im Jahr immerhin 58,80 Euro für’s Nixtun.
Die entsprechende Passage findet nur der interessierte Leser am unteren Ende des Schreibens in einer Schriftgröße kleiner 10 Pixel:
* Ab einem monatlichen Geldeingang von 1.250 Euro kostenlos. Ansonsten betragen die Kontoführungsgebühren günstige 4,90 Euro pro Monat. Studenten und Auszubildende zahlen generell keine Kontoführungsgebühren.

Nun bin ich nicht Wächter und Anwalt der möglichen Neukunden der comdirect Bank AG, die auf dieses „Angebot“ hereinfallen. Schließlich ist jeder seines eigenen Glückes Schmied.
Aber als Alt- oder Bestandkunde der comdirect Bank AG frage ich mich, warum mein Konto und mein Depot nicht kostenfrei geführt wird, da die Bank mit mir als Kunde im Jahr 2004 ja nach eigenen Aussagen einen „Rekordgewinn“ erzielt hat.

Sollte das etwa daran liegen, dass ich kein Student und Auszubildender bin?
Oder bin ich für ein kostenfreies (ohne *-chen) Konto nur zu blöd?

Ich werde mal dem Herrn Richard Welge schreiben, denn wenn ich ihn über die Telefonnummer 01803-336366 anrufe, dann kostet mich das 0,09 Euro pro Minute.
Und da es durchaus ein längeres Gespräch werden könnte, bevorzuge ich lieber die Schriftform. Auch wenn es um arglistige Täuschung oder gar versuchten Betrug bei Neukunden und Übervorteilung bei Altkunden geht, kann man nicht früh genug mit dem Beweise sammeln anfangen.
Außerdem muss man ja auch jede außerordentliche Kündigung einer Bankverbindung begründen können. Ein Verstoß gegen die „guten Sitten“ oder gar gegen „Treu und Glauben“ reicht dazu sicher nicht aus. Nicht bei Bänkern.
Wussten Sie, dass auch Bänker entlassen werden, wenn die Gewinne nicht in Rekordhöhe bleiben und die Eigenkapitalrendite unter 20% liegt? Das kann zum Beispiel leicht passieren, wenn die guten Kunden pleite -oder noch schlimmer- zu einer anderen Bank gehen.
Übrigens, ALG II Bezieher zahlen auf jeden Fall bei der comdirect Bank AG 4,90 Euro im Monat.
Auch wenn die Bank 1 Euro pro Monat zurückerstattet, kein gutes Geschäft – für den ALG II Bezieher.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 18. April 2005 um 05:45:20 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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18. April 2005 05:45

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«Profitieren Sie jetzt vom Girokonto: kostenlose Kontoführung, jeden Monat 1 Euro dazu – und keine Depotgebühren»
So lautet der Betreff eines Schreibens, das mir dieser Tage von einer börsennotierten deutschen Directbank zuging, die am 14.02.2005 im Rahmen einer Adhoc-Mitteilung stolz bekannt gab, dass man im Jahre 2004 einen Rekordgewinn erzielt habe und für 2005 ein Programm für mehr Wachstum und Wertsteigerung plane.

Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen Banken hätte, die in diesen schweren wirtschaftlichen Zeiten Rekordgewinne erzielen. Und wenn dazu kostenlose Konten für Arbeitnehmer beitragen – warum nicht. Ein Geschäft ist es doch schließlich immer dann, wenn es ein Geschäft für beide Seiten ist.
Und so lese ich interessiert weiter, denn es kommt nicht alle Tage vor, dass sich eine Bank Gedanken um MEIN Geld macht:

Sehr geehrter Herr Machopan,

wenn Sie jetzt ein kostenloses * Girokonto bei comdirect eröffnen, sparen Sie bares Geld – insgesamt bis zu 90 Euro pro Jahr. Und das Beste daran: Sie erhalten zusätzlich jeden Monat 1 Euro als Gutschrift aufs Konto.
Lassen Sie sich dieses Vorteile nicht entgehen, eröffnen Sie jetzt Ihr kostenloses * comdirect Girokonto.

  • Jeden Monat 1 Euro für Sie – das sind 12 Euro extra im Jahr
  • Kostenlose * Online-Kontenführung
  • ex-/Maestro- und VISA-Karte gratis
  • Gebührenfreier Bargeldzugang an 7.600 Geldautomaten bundesweit

Ein besonderer Vorteil kommt für Sie als Inhaber eines Depots noch hinzu:
Sie zahlen keine Depotgebühren mehr.

usw. usw. bla bla bla.

Mit freundlichen Grüßen
Richard Welge
Leiter Marketing & Vertrieb

Nun hatte ich schon seit meiner Studienzeit und den Worten von Henry Ford zur Frage der Farbe der von ihm in Massen produzierten „Tin Lizzy“: „Der Kunde kann jede beliebige Farbe haben - Hauptsache sie ist schwarz.“ eine schlechte Meinung für Marketing und darüber hinaus habe ich auch noch den dumpfen Verdacht, dass vielfach die Bezeichnung „Vertrieb“ als aus dem gleichen Wortstamm wie „Vertreibung“ kommend verstanden wird.

Im Falle der kostenlosen * Girokonto Werbung der comdirect Bank scheint man zusätzlich die Personen der Zielgruppe auch noch für strunzdumm zu halten. Denn während man sich nicht scheut die vermeintlichen Vorteile des kostenlosen * Girokontos fett gedruckt anzupreisen, reicht für die Nachteile gerade mal ein kleines *-chen.
Dieses *-chen bringt der comdirect Bank auf jeden Fall einen Umsatz von 4,90 € pro Monat wenn nicht monatlich mindestens 1.250,– Euro auf das Konto eingezahlt werden.
Das sind im Jahr immerhin 58,80 Euro für’s Nixtun.
Die entsprechende Passage findet nur der interessierte Leser am unteren Ende des Schreibens in einer Schriftgröße kleiner 10 Pixel:
* Ab einem monatlichen Geldeingang von 1.250 Euro kostenlos. Ansonsten betragen die Kontoführungsgebühren günstige 4,90 Euro pro Monat. Studenten und Auszubildende zahlen generell keine Kontoführungsgebühren.

Nun bin ich nicht Wächter und Anwalt der möglichen Neukunden der comdirect Bank AG, die auf dieses „Angebot“ hereinfallen. Schließlich ist jeder seines eigenen Glückes Schmied.
Aber als Alt- oder Bestandkunde der comdirect Bank AG frage ich mich, warum mein Konto und mein Depot nicht kostenfrei geführt wird, da die Bank mit mir als Kunde im Jahr 2004 ja nach eigenen Aussagen einen „Rekordgewinn“ erzielt hat.

Sollte das etwa daran liegen, dass ich kein Student und Auszubildender bin?
Oder bin ich für ein kostenfreies (ohne *-chen) Konto nur zu blöd?

Ich werde mal dem Herrn Richard Welge schreiben, denn wenn ich ihn über die Telefonnummer 01803-336366 anrufe, dann kostet mich das 0,09 Euro pro Minute.
Und da es durchaus ein längeres Gespräch werden könnte, bevorzuge ich lieber die Schriftform. Auch wenn es um arglistige Täuschung oder gar versuchten Betrug bei Neukunden und Übervorteilung bei Altkunden geht, kann man nicht früh genug mit dem Beweise sammeln anfangen.
Außerdem muss man ja auch jede außerordentliche Kündigung einer Bankverbindung begründen können. Ein Verstoß gegen die „guten Sitten“ oder gar gegen „Treu und Glauben“ reicht dazu sicher nicht aus. Nicht bei Bänkern.
Wussten Sie, dass auch Bänker entlassen werden, wenn die Gewinne nicht in Rekordhöhe bleiben und die Eigenkapitalrendite unter 20% liegt? Das kann zum Beispiel leicht passieren, wenn die guten Kunden pleite -oder noch schlimmer- zu einer anderen Bank gehen.
Übrigens, ALG II Bezieher zahlen auf jeden Fall bei der comdirect Bank AG 4,90 Euro im Monat.
Auch wenn die Bank 1 Euro pro Monat zurückerstattet, kein gutes Geschäft – für den ALG II Bezieher.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 18. April 2005 um 05:45:20 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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