Verdiente Diplomaten

14. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Plötzlich regt sich der Minister für das Äussere der Republik über ein paar Fotos auf, die in den Gängen des Auswärtigen Amtes an den Wänden hängen und „verdiente Diplomaten“ des Deutschen Volkes zeigen, die ihrem Regime immer treu gedient haben.
Die auch heute noch andauernde Ehrung dieser „verdienten“ Diplomaten, von denen einige wohl besser am Strick, als am Nagel hängen sollten, hat jetzt einen Disput verursacht. Der Außenjoschka hatte sich gebläht und die Entfernung diverser Köpfe aus der Ahnengalerie gefordert und seitdem hing der Haussegen im Auswärtigen Amt schief.
Dazu schreibt der Spiegel: «Jahrzehntelang hat das Amt die eigene Vergangenheit verdrängt. Wohl keiner Bundesbehörde ist es so gründlich gelungen, die Kontinuität von Personal und Institution über das Jahr 1945 hinweg gleichermaßen zu wahren und zu verschleiern. Zum einen wurden zahllose Diplomaten, die unter Hitler Dienst getan hatten, nach der Neugründung des Amts 1951 wieder eingestellt. Auf der anderen Seite gelang es der offiziösen Selbstdarstellung, den eigenen Anteil an deutschen Verbrechen so weit wie möglich zu relativieren. In der kollektiven Rückbetrachtung des Auswärtigen Dienstes galten die Nazis als fremde Eindringlinge, die den Apparat des Amts skrupellos für ihre verbrecherischen Ziele ausgenutzt hatten. Die Diplomaten hingegen sahen sich als aufrechte Deutsche, die allenfalls aus Karrieregründen der Nazi-Partei beigetreten waren und nur im Ausnahmefall - leider, leider - etwas kollaboriert hatten.»

Jetzt ist es sicher für einen aufmerksamen Bürger keine Überraschung, dass Behörden und Ämter sich weitgehend synchron und dennoch unabhängig von der aktuellen politischen Richtung entwickeln und ihre Aufgaben immer im Dienste des Volkes erledigen.
Egal, ob das jetzt Diplomaten des Deutschen Reichs von 1871-1918, Diplomaten der Weimarer Republik von 1918 – 1933, Diplomaten des Dritten Reichs von 1933 – 1945, Diplomaten der Bundesrepublik Deutschland oder der Deutschen Demokratischen Republik von 1949 – 1990 waren oder der wiedervereinten BRddr seit 1990 sind.
Bei jedem Systemwechsel, mit jedem Dienstherrn verschwinden ein paar Köpfe aus dem Amt und dafür tauchen einige neue auf. Ob es Recht oder Unrecht war, was diese Herren so treiben und getrieben haben, wird immer erst beim nächsten Systemwechsel festgestellt, meist zeitgleich mit der Begründung, dass jetzt wieder ein paar Köpfe ausgewechselt werden müssen.
Nazi-Recht wurde erst nach 1945 zu Unrecht. DDR-Recht erst nach 1990.
Ich denke wir hier im Westen können von Glück sagen, dass wir nicht von der DDR annektiert wurden und uns mit der Frage konfrontiert sahen, wie es denn um das BRD-Recht steht.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das 1000-jährige Reich Deutscher Nation ist auch nicht über die ersten zeitlichen Trippelschritte rausgekommen, bevor es auf die Schnauze gefallen ist. Und was sind schon knapp 60 Jahre BRD in der Geschichte der Menschheit?

Dass es leichter ist die Vergangenheit von anderen aufzurollen und man über die eigene lieber das Mäntelchen des Vergessens hängen möchte, kann man daran ersehen, wie lange es gedauert hat bis die Akte von Helmut „Abrissbirne“ Kohl aus den Stasi-Archiven an Tageslicht kam. Selbst das Erinnern fällt dem Altbundeskanzler sichtlich schwer. So kann sicher nicht ausgeschlossen werden, dass eines Tages jemand an seinem Bild Anstoß nimmt und die Entfernung aus den Fluren der Geschichte und den Schulbüchern fordert.

Doch solange die Karawane der Ämter und Behörden weiterziehen kann, ist es deren Vertretern doch letztendlich egal, in welcher Sprache die politischen Hunde heulen.
Ob da nun ein paar Bilder von „großen“ Männern vom Flur weg müssen spielt doch gar keine Rolle. Sobald die Hunde wieder anders jaulen, kann man die ehemaligen Kollegen ja wieder aus der Rumpelkammer holen.
Viel wichtiger als die Aufregung über ein paar Bilder an den Wänden irgendwelcher Ministerien ist doch die Frage wo sich denn die ganzen Nazis und Mitglieder der NSDAP nach 1945 alle hingebeamt haben.
Sicher nicht alle nach Argentinien, sondern wohl eher auf irgendein lukratives Pöstchen in irgendeinem Ministerium, irgendeiner Behörde oder irgendeiner „demokratischen“ Partei.
Oder nehmen wir mal die offiziellen und inoffiziellen Mitarbeiter des „Horch und Guck“-Ministeriums der Deutschen Demokratischen Republik, die Mitglieder der SED und die noch nicht von Alterssenilität befallenen Diplomaten.
Ei verbibscht, wo sind die Kolleschen alle hingegommen?
Die haben sich doch sicher nicht alle selbst entleibt, oder sind in einen der Bruderstaaten geflüchtet, die jetzt von der EU „heim ins Reich“ eingekauft werden.

Dass es sich bei den Bildern, die dem Außenjoschka die Nüstern gebläht haben, nur um ein mögliches Ablenkungsmanöver zur VISA-Affäre handeln könnte, will ich erst gar nicht unterstellen. Aber man sollte durchaus auch mal diesen Aspekt betrachten.

Die wirklich großen Männer erkenne an der Mäßigkeit beim Erfolg, hat Otto von Bismarck mal gesagt und wenn das stimmt, dann kann man sich ausrechnen wie lang die Flure in den Ministerien sein müssen um die großen Männer der rot-grünen Regierung aufhängen zu können.

Aber lassen Sie uns diesen Aspekt ein anderes Mal beleuchten, sonst besteht die Gefahr dass wir in der Liste der rot-grünen Heldentaten die Übersicht auf Ross und Reiter verlieren.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. April 2005 um 05:45:28 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Verdiente Diplomaten

14. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Plötzlich regt sich der Minister für das Äussere der Republik über ein paar Fotos auf, die in den Gängen des Auswärtigen Amtes an den Wänden hängen und „verdiente Diplomaten“ des Deutschen Volkes zeigen, die ihrem Regime immer treu gedient haben.
Die auch heute noch andauernde Ehrung dieser „verdienten“ Diplomaten, von denen einige wohl besser am Strick, als am Nagel hängen sollten, hat jetzt einen Disput verursacht. Der Außenjoschka hatte sich gebläht und die Entfernung diverser Köpfe aus der Ahnengalerie gefordert und seitdem hing der Haussegen im Auswärtigen Amt schief.
Dazu schreibt der Spiegel: «Jahrzehntelang hat das Amt die eigene Vergangenheit verdrängt. Wohl keiner Bundesbehörde ist es so gründlich gelungen, die Kontinuität von Personal und Institution über das Jahr 1945 hinweg gleichermaßen zu wahren und zu verschleiern. Zum einen wurden zahllose Diplomaten, die unter Hitler Dienst getan hatten, nach der Neugründung des Amts 1951 wieder eingestellt. Auf der anderen Seite gelang es der offiziösen Selbstdarstellung, den eigenen Anteil an deutschen Verbrechen so weit wie möglich zu relativieren. In der kollektiven Rückbetrachtung des Auswärtigen Dienstes galten die Nazis als fremde Eindringlinge, die den Apparat des Amts skrupellos für ihre verbrecherischen Ziele ausgenutzt hatten. Die Diplomaten hingegen sahen sich als aufrechte Deutsche, die allenfalls aus Karrieregründen der Nazi-Partei beigetreten waren und nur im Ausnahmefall - leider, leider - etwas kollaboriert hatten.»

Jetzt ist es sicher für einen aufmerksamen Bürger keine Überraschung, dass Behörden und Ämter sich weitgehend synchron und dennoch unabhängig von der aktuellen politischen Richtung entwickeln und ihre Aufgaben immer im Dienste des Volkes erledigen.
Egal, ob das jetzt Diplomaten des Deutschen Reichs von 1871-1918, Diplomaten der Weimarer Republik von 1918 – 1933, Diplomaten des Dritten Reichs von 1933 – 1945, Diplomaten der Bundesrepublik Deutschland oder der Deutschen Demokratischen Republik von 1949 – 1990 waren oder der wiedervereinten BRddr seit 1990 sind.
Bei jedem Systemwechsel, mit jedem Dienstherrn verschwinden ein paar Köpfe aus dem Amt und dafür tauchen einige neue auf. Ob es Recht oder Unrecht war, was diese Herren so treiben und getrieben haben, wird immer erst beim nächsten Systemwechsel festgestellt, meist zeitgleich mit der Begründung, dass jetzt wieder ein paar Köpfe ausgewechselt werden müssen.
Nazi-Recht wurde erst nach 1945 zu Unrecht. DDR-Recht erst nach 1990.
Ich denke wir hier im Westen können von Glück sagen, dass wir nicht von der DDR annektiert wurden und uns mit der Frage konfrontiert sahen, wie es denn um das BRD-Recht steht.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das 1000-jährige Reich Deutscher Nation ist auch nicht über die ersten zeitlichen Trippelschritte rausgekommen, bevor es auf die Schnauze gefallen ist. Und was sind schon knapp 60 Jahre BRD in der Geschichte der Menschheit?

Dass es leichter ist die Vergangenheit von anderen aufzurollen und man über die eigene lieber das Mäntelchen des Vergessens hängen möchte, kann man daran ersehen, wie lange es gedauert hat bis die Akte von Helmut „Abrissbirne“ Kohl aus den Stasi-Archiven an Tageslicht kam. Selbst das Erinnern fällt dem Altbundeskanzler sichtlich schwer. So kann sicher nicht ausgeschlossen werden, dass eines Tages jemand an seinem Bild Anstoß nimmt und die Entfernung aus den Fluren der Geschichte und den Schulbüchern fordert.

Doch solange die Karawane der Ämter und Behörden weiterziehen kann, ist es deren Vertretern doch letztendlich egal, in welcher Sprache die politischen Hunde heulen.
Ob da nun ein paar Bilder von „großen“ Männern vom Flur weg müssen spielt doch gar keine Rolle. Sobald die Hunde wieder anders jaulen, kann man die ehemaligen Kollegen ja wieder aus der Rumpelkammer holen.
Viel wichtiger als die Aufregung über ein paar Bilder an den Wänden irgendwelcher Ministerien ist doch die Frage wo sich denn die ganzen Nazis und Mitglieder der NSDAP nach 1945 alle hingebeamt haben.
Sicher nicht alle nach Argentinien, sondern wohl eher auf irgendein lukratives Pöstchen in irgendeinem Ministerium, irgendeiner Behörde oder irgendeiner „demokratischen“ Partei.
Oder nehmen wir mal die offiziellen und inoffiziellen Mitarbeiter des „Horch und Guck“-Ministeriums der Deutschen Demokratischen Republik, die Mitglieder der SED und die noch nicht von Alterssenilität befallenen Diplomaten.
Ei verbibscht, wo sind die Kolleschen alle hingegommen?
Die haben sich doch sicher nicht alle selbst entleibt, oder sind in einen der Bruderstaaten geflüchtet, die jetzt von der EU „heim ins Reich“ eingekauft werden.

Dass es sich bei den Bildern, die dem Außenjoschka die Nüstern gebläht haben, nur um ein mögliches Ablenkungsmanöver zur VISA-Affäre handeln könnte, will ich erst gar nicht unterstellen. Aber man sollte durchaus auch mal diesen Aspekt betrachten.

Die wirklich großen Männer erkenne an der Mäßigkeit beim Erfolg, hat Otto von Bismarck mal gesagt und wenn das stimmt, dann kann man sich ausrechnen wie lang die Flure in den Ministerien sein müssen um die großen Männer der rot-grünen Regierung aufhängen zu können.

Aber lassen Sie uns diesen Aspekt ein anderes Mal beleuchten, sonst besteht die Gefahr dass wir in der Liste der rot-grünen Heldentaten die Übersicht auf Ross und Reiter verlieren.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. April 2005 um 05:45:28 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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