Rechtschreibreform

13. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Es wächst zusammen, was zusammen gehört“, sagte einst Alt-Bundeskanzler Willy Brandt und meinte damit sicher nicht die buschigen Augenbrauen Alt-Finanzminister Theo Waigel.

Jetzt soll nach den Vorschlägen des Rats für deutsche Rechtschreibreform zur Korrektur der Korrektur des neureformatorischen Schriftdeutsch wieder zusammen geschrieben werden, was zusammen gehört.

Aus “viel versprechenden” Politikern werden wieder “vielversprechende“ Politiker” werden. Wenn Sie den feinen Unterschied auch nicht erkennen können, schreiben Sie doch zukünftig einfach weiterhin „Labersack“ und jeder Mitbürger weiß ganz konkret wen Sie meinen, aber nicht was Sie meinen.

Denn “Wohl durchdacht und viel versprechend, ist nicht wohldurchdacht und vielversprechend” meinte schon im Jahre 2000 der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes in einem Artikel im MedienDialog 08/2000.
Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Auch jemanden “voll quatschen” oder “fest nageln” soll zukünftig, genau so wie “Leid tun” oder “Kopf stehen”, wieder zusammengeschrieben werden.
Das ist fein, dient es doch der Klarheit der deutschen Sprache, die eben einen feinen Unterschied zwischen „Kopfstand“ und „Kopf stand“ macht. Oder wie würden Sie den Satz verstehen, dass nach „dem Kopfstand von Claudia Roth das Parlament Kopf stand“.
Sie sollten sich dabei auf die Frage der richtigen Schreibweise konzentrieren und nicht darauf, dass das „auf dem Kopf stehen des Parlamentes“ etwas damit zu tun haben könnte, dass Claudia Roth unter ihrem Zweimannzelt keinen Schlüpfer trug. Slips ab Größe 52 nennt man(n) auch nach der Korrektur der Rechtschreibreform Schlüpfer, und Strings in dieser Größe wurden vom Bundesministerium für familiäre Angelegenheiten verboten, da die Gefahr einer Unterleibsstrangulierung bestehen könnte. Hauptursächlich für den Rückgang der Geburtenrate verantwortlich. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Aber ein äußerst interessantes.

Mich selbst betrifft die Änderung der Verkehrsregeln zum kollisionsfreien Umgang mit der deutschen Sprache ja nicht direkt, denn ich schreibe immer solange bis meine computergestützte US-amerikanische Textverarbeitung keine „Ameisenstraße“ mehr unter dem geschriebenen Wort anzeigt. Mir ist es also vollkommen egal, ob man „Kopfstand“ oder „ Kopf stand“ oder „kopfstand“ oder „kopf stand“. Und wenn es sich um ganz hartnäckige Ameisenstraßen handelt – ändere ich einfach das Wörterbuch, das mir die Jungs aus Seattle auf dem Rechner installiert haben.

So einfach haben es die PISA-Kinder an den Schulen nicht. Daher erwarte der Rat für deutsche Rechtschreibreform von den Lehrern während der Wiedereingewöhnungsphase eine “gewisse pädagogische Sensibilität” die ehemals richtigen, nun jedoch falschen Worte nicht als Fehler anzustreichen. Als ob das noch eine Rolle spielen würde, es schreibt doch sowieso jeder wie er will und so, dass es kein Schwein mehr versteht..
Daher bin ich dafür gleichzeitig mit der Einführung der „Wiederzusammenschreibung“ auch die „generelle kleinschreibung“ in das Regelwerk aufzunehmen.
Dies würde der Meldung „Die Rechtschreibreform wird in einem ihrer zentralen Punkte nochmals geändert“ ihren Schrecken nehmen und man könnte gleich schreiben „dierechtschreibreformwirdineinemihrerzentralenpunktenochmalsgeändert“.

Als nächstes will sich der Rat übrigens die Trennung am Zeilenende und die Zeichensetzung vornehmen. “Wir werden dazu raten, wieder mehr Kommas zu setzen”, drohte der Rat.

Na das kann ja heiter werden.
Würde der Rat meinem Rat der „kleingeschriebenenzusammenschreibung“ folgen, könnte er sich die Trennung am Zeilenende und die Zeichensetzung in die Haare schmieren.

Aber auf mich hört ja (mal wieder) keiner.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

P.S.
Durch die Änderung der geänderten Rechtschreibreform werden laut Superwolli Clement Jobs in der Schulbuchdruckindustrie gesichert. Also mindestens, wenn nicht noch mehr, aber soviel ganz bestimmt.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. April 2005 um 05:45:11 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Rechtschreibreform

13. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Es wächst zusammen, was zusammen gehört“, sagte einst Alt-Bundeskanzler Willy Brandt und meinte damit sicher nicht die buschigen Augenbrauen Alt-Finanzminister Theo Waigel.

Jetzt soll nach den Vorschlägen des Rats für deutsche Rechtschreibreform zur Korrektur der Korrektur des neureformatorischen Schriftdeutsch wieder zusammen geschrieben werden, was zusammen gehört.

Aus “viel versprechenden” Politikern werden wieder “vielversprechende“ Politiker” werden. Wenn Sie den feinen Unterschied auch nicht erkennen können, schreiben Sie doch zukünftig einfach weiterhin „Labersack“ und jeder Mitbürger weiß ganz konkret wen Sie meinen, aber nicht was Sie meinen.

Denn “Wohl durchdacht und viel versprechend, ist nicht wohldurchdacht und vielversprechend” meinte schon im Jahre 2000 der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes in einem Artikel im MedienDialog 08/2000.
Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Auch jemanden “voll quatschen” oder “fest nageln” soll zukünftig, genau so wie “Leid tun” oder “Kopf stehen”, wieder zusammengeschrieben werden.
Das ist fein, dient es doch der Klarheit der deutschen Sprache, die eben einen feinen Unterschied zwischen „Kopfstand“ und „Kopf stand“ macht. Oder wie würden Sie den Satz verstehen, dass nach „dem Kopfstand von Claudia Roth das Parlament Kopf stand“.
Sie sollten sich dabei auf die Frage der richtigen Schreibweise konzentrieren und nicht darauf, dass das „auf dem Kopf stehen des Parlamentes“ etwas damit zu tun haben könnte, dass Claudia Roth unter ihrem Zweimannzelt keinen Schlüpfer trug. Slips ab Größe 52 nennt man(n) auch nach der Korrektur der Rechtschreibreform Schlüpfer, und Strings in dieser Größe wurden vom Bundesministerium für familiäre Angelegenheiten verboten, da die Gefahr einer Unterleibsstrangulierung bestehen könnte. Hauptursächlich für den Rückgang der Geburtenrate verantwortlich. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Aber ein äußerst interessantes.

Mich selbst betrifft die Änderung der Verkehrsregeln zum kollisionsfreien Umgang mit der deutschen Sprache ja nicht direkt, denn ich schreibe immer solange bis meine computergestützte US-amerikanische Textverarbeitung keine „Ameisenstraße“ mehr unter dem geschriebenen Wort anzeigt. Mir ist es also vollkommen egal, ob man „Kopfstand“ oder „ Kopf stand“ oder „kopfstand“ oder „kopf stand“. Und wenn es sich um ganz hartnäckige Ameisenstraßen handelt – ändere ich einfach das Wörterbuch, das mir die Jungs aus Seattle auf dem Rechner installiert haben.

So einfach haben es die PISA-Kinder an den Schulen nicht. Daher erwarte der Rat für deutsche Rechtschreibreform von den Lehrern während der Wiedereingewöhnungsphase eine “gewisse pädagogische Sensibilität” die ehemals richtigen, nun jedoch falschen Worte nicht als Fehler anzustreichen. Als ob das noch eine Rolle spielen würde, es schreibt doch sowieso jeder wie er will und so, dass es kein Schwein mehr versteht..
Daher bin ich dafür gleichzeitig mit der Einführung der „Wiederzusammenschreibung“ auch die „generelle kleinschreibung“ in das Regelwerk aufzunehmen.
Dies würde der Meldung „Die Rechtschreibreform wird in einem ihrer zentralen Punkte nochmals geändert“ ihren Schrecken nehmen und man könnte gleich schreiben „dierechtschreibreformwirdineinemihrerzentralenpunktenochmalsgeändert“.

Als nächstes will sich der Rat übrigens die Trennung am Zeilenende und die Zeichensetzung vornehmen. “Wir werden dazu raten, wieder mehr Kommas zu setzen”, drohte der Rat.

Na das kann ja heiter werden.
Würde der Rat meinem Rat der „kleingeschriebenenzusammenschreibung“ folgen, könnte er sich die Trennung am Zeilenende und die Zeichensetzung in die Haare schmieren.

Aber auf mich hört ja (mal wieder) keiner.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

P.S.
Durch die Änderung der geänderten Rechtschreibreform werden laut Superwolli Clement Jobs in der Schulbuchdruckindustrie gesichert. Also mindestens, wenn nicht noch mehr, aber soviel ganz bestimmt.

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