Bonusmeilen

8. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Für viele Zeitgenossen sind sie begehrter Status, für andere Raffkes Stolpersteine auf dem Weg nach oben, für mich nur lästige Überbleibsel aus einer Zeit vor Hartz IV.
Lästig deshalb, weil die restlichen Bonusmeilen, die nicht mehr für einen Flug auf die Kanarischen Inseln ausreichten und deren finanzieller Gegenwert von jedem Billigflieger bei Flügen innerhalb Europas lässig unterboten werden konnte, für die Lufthansa gerne genutzter Grund für die Zusendung von Werbepost und Werbeemails war.

Anfang des Jahres 2005 stand schließlich mein Entschluss fest – die Dinger müssen weg.
Irgendwie. Egal wie, aber möglichst sofort. Die Lösung war das Angebot an Designerschnickschnack im neuen Warenkatalog der Lufthansa. Sie kennen solche Waren auch. Egal was es ist, Hauptsache es steht der Name eines Designers drauf, damit andere Menschen erkennen können, dass der Besitzer des Gegenstandes ein Mensch von Niveau und gutem Geschmack ist und über Bonusmeilen verfügt. Daraus kann man weiter schließen, dass dieser Mensch so wichtig ist, dass er geschäftlich viel mit dem Flugzeug reist und das macht ja nicht jeder Kreti und Pleti.
Sicher würde es auch Designertoilettenpapier geben, wenn die öffentliche Reinigung des Managerdarmausganges von wirtschaftlichem Interesse und der eigenen Karriere dienlich wäre.

Doch zurück zum eigentlichen Thema, den Bonusmeilen. Tatkräftig unterstützt durch die Beste aller Frauen gelang es, die zur Verfügung stehenden Bonusmeilen derart auf verschiedene Gegenstände aus dem Lufthansakatalog zu verteilen, dass keine monetären Zuzahlungen notwendig wurden und die Bonusmeilen bis auf einen kleinen Rest verbraucht waren.
Also flugs, wie es sich für eine Fluggesellschaft gehört, den Bestellschein ausgefüllt und per Fax (Bestellungen auf Papier dienen der Rechtssicherheit) an die Firma mit dem Kranich übermittelt.
Die Reaktion kam einige Tage später. Nicht als Paket, sondern als Brief mit der Mitteilung, dass bedingt durch die große Nachfrage, die von mit georderten Artikel leider vergriffen wären. Man bedaure dies zutiefst und würde sich freuen mich bald wieder als Kunde des Lufthansa Worldshops oder an Bord eines Lufthansaflugzeuges begrüßen zu dürfen. Die Ablage des Schreibens erledigte mein Mitarbeiter Wolf für mich. Reiss Wolf, stets zuverlässig, diskret und verschwiegen. Nur mit Krawatten darf man ihm nicht zu nahe kommen.

Wieder einige Tage später lag im Briefkasten eine Benachrichtigung der Deutschen Post, man habe ein Päckchen für mich, aber mich leider nicht zu Hause angetroffen. Das Päckchen möge auf dem Hauptpostamt zu den üblichen Öffnungszeiten, aber nicht heute und auch nicht am nächsten Tag vor 15.00 Uhr von mir abgeholt werden.
Ein verhältnismäßig schwieriges Unterfangen für einen Päckchenempfänger, der zu den üblichen Öffnungszeiten einer Deutschen Post Filiale nicht vor Ort ist, weil er an einem anderen Ort hauptberuflich einer Erwerbstätigtätigkeit nachgehen muss, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Mit Hilfe einer Vollmacht für die Beste aller Frauen und deren Bereitschaft ihren eigenen Arbeitsplatz frühzeitig zu verlassen, gelang es schließlich das Päckchen in meinen Besitz zu bringen. Absender war der Lufthansa Worldshop, der sich mit beigefügtem Schreiben darüber freute, dass das Warenangebot der Lufthansa meinen Geschmack getroffen habe und nun doch möglich war meine Bestellung zur Auslieferung zu bringen. Allerdings wäre die Nachfrage unverändert groß, dass es trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen sei alle von mir bestellten Artikel auszuliefern. Die Nachlieferung werde selbstverständlich umgehend nach Verfügbarkeit der Ware erfolgen.

Den Kommentar der Besten aller Frauen will ich Ihnen ersparen.
Doch es kam klar zum Ausdruck, dass sie nicht noch einmal frühzeitig ihren Arbeitsplatz verlassen und einen Teil ihrer Arbeitszeit mit einer Vollmacht zur Entgegennahme eines Päckchens in der Warteschlange auf dem Hauptpostamt verbringen würde.

Jetzt warte ich auf den Benachrichtigungsschein der Deutschen Bundespost im Briefkasten, dass man ein Päckchen für mich habe, mich aber leider nicht zu Hause angetroffen habe.
Das Päckchen möge darum auf dem Hauptpostamt zu den üblichen Öffnungszeiten, aber nicht heute und auch nicht am nächsten Tag vor 15.00 Uhr von mir abgeholt werden.

Die Bestellung bestand übrigens aus zwei Artikeln, die jeder für sich in einem Brief verschickt werden könnten.
Jetzt überleg ich mir, ob es nicht einfacher gewesen wäre, die Bonusmeilen irgendeinem ins Gerede gekommen Politiker der Grünen/B90 zu schenken oder der Lufthansa zu schreiben, dass sie sich die Bonusmeilen in den …..

Aber nein, das wäre zu ordinär gewesen, wo sich doch das Lufthansa Worldshop Team so viel Mühe gegeben hat und die Briefe sogar vom Herrn Geschäftsführer Christian Teutsch höchstpersönlich unterzeichnet worden sind.

Wenn Sie auch was bei Lufthansa bestellen wollen, schauen Sie doch einfach mal bei www.lh-worldshop.de vorbei. Es gibt ganz schicke Sachen da.
Alles vom Designer natürlich.

Nur Toilettenpapier werden Sie da vergeblich suchen

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. April 2005 um 05:45:57 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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8. April 2005 05:45

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Für viele Zeitgenossen sind sie begehrter Status, für andere Raffkes Stolpersteine auf dem Weg nach oben, für mich nur lästige Überbleibsel aus einer Zeit vor Hartz IV.
Lästig deshalb, weil die restlichen Bonusmeilen, die nicht mehr für einen Flug auf die Kanarischen Inseln ausreichten und deren finanzieller Gegenwert von jedem Billigflieger bei Flügen innerhalb Europas lässig unterboten werden konnte, für die Lufthansa gerne genutzter Grund für die Zusendung von Werbepost und Werbeemails war.

Anfang des Jahres 2005 stand schließlich mein Entschluss fest – die Dinger müssen weg.
Irgendwie. Egal wie, aber möglichst sofort. Die Lösung war das Angebot an Designerschnickschnack im neuen Warenkatalog der Lufthansa. Sie kennen solche Waren auch. Egal was es ist, Hauptsache es steht der Name eines Designers drauf, damit andere Menschen erkennen können, dass der Besitzer des Gegenstandes ein Mensch von Niveau und gutem Geschmack ist und über Bonusmeilen verfügt. Daraus kann man weiter schließen, dass dieser Mensch so wichtig ist, dass er geschäftlich viel mit dem Flugzeug reist und das macht ja nicht jeder Kreti und Pleti.
Sicher würde es auch Designertoilettenpapier geben, wenn die öffentliche Reinigung des Managerdarmausganges von wirtschaftlichem Interesse und der eigenen Karriere dienlich wäre.

Doch zurück zum eigentlichen Thema, den Bonusmeilen. Tatkräftig unterstützt durch die Beste aller Frauen gelang es, die zur Verfügung stehenden Bonusmeilen derart auf verschiedene Gegenstände aus dem Lufthansakatalog zu verteilen, dass keine monetären Zuzahlungen notwendig wurden und die Bonusmeilen bis auf einen kleinen Rest verbraucht waren.
Also flugs, wie es sich für eine Fluggesellschaft gehört, den Bestellschein ausgefüllt und per Fax (Bestellungen auf Papier dienen der Rechtssicherheit) an die Firma mit dem Kranich übermittelt.
Die Reaktion kam einige Tage später. Nicht als Paket, sondern als Brief mit der Mitteilung, dass bedingt durch die große Nachfrage, die von mit georderten Artikel leider vergriffen wären. Man bedaure dies zutiefst und würde sich freuen mich bald wieder als Kunde des Lufthansa Worldshops oder an Bord eines Lufthansaflugzeuges begrüßen zu dürfen. Die Ablage des Schreibens erledigte mein Mitarbeiter Wolf für mich. Reiss Wolf, stets zuverlässig, diskret und verschwiegen. Nur mit Krawatten darf man ihm nicht zu nahe kommen.

Wieder einige Tage später lag im Briefkasten eine Benachrichtigung der Deutschen Post, man habe ein Päckchen für mich, aber mich leider nicht zu Hause angetroffen. Das Päckchen möge auf dem Hauptpostamt zu den üblichen Öffnungszeiten, aber nicht heute und auch nicht am nächsten Tag vor 15.00 Uhr von mir abgeholt werden.
Ein verhältnismäßig schwieriges Unterfangen für einen Päckchenempfänger, der zu den üblichen Öffnungszeiten einer Deutschen Post Filiale nicht vor Ort ist, weil er an einem anderen Ort hauptberuflich einer Erwerbstätigtätigkeit nachgehen muss, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Mit Hilfe einer Vollmacht für die Beste aller Frauen und deren Bereitschaft ihren eigenen Arbeitsplatz frühzeitig zu verlassen, gelang es schließlich das Päckchen in meinen Besitz zu bringen. Absender war der Lufthansa Worldshop, der sich mit beigefügtem Schreiben darüber freute, dass das Warenangebot der Lufthansa meinen Geschmack getroffen habe und nun doch möglich war meine Bestellung zur Auslieferung zu bringen. Allerdings wäre die Nachfrage unverändert groß, dass es trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen sei alle von mir bestellten Artikel auszuliefern. Die Nachlieferung werde selbstverständlich umgehend nach Verfügbarkeit der Ware erfolgen.

Den Kommentar der Besten aller Frauen will ich Ihnen ersparen.
Doch es kam klar zum Ausdruck, dass sie nicht noch einmal frühzeitig ihren Arbeitsplatz verlassen und einen Teil ihrer Arbeitszeit mit einer Vollmacht zur Entgegennahme eines Päckchens in der Warteschlange auf dem Hauptpostamt verbringen würde.

Jetzt warte ich auf den Benachrichtigungsschein der Deutschen Bundespost im Briefkasten, dass man ein Päckchen für mich habe, mich aber leider nicht zu Hause angetroffen habe.
Das Päckchen möge darum auf dem Hauptpostamt zu den üblichen Öffnungszeiten, aber nicht heute und auch nicht am nächsten Tag vor 15.00 Uhr von mir abgeholt werden.

Die Bestellung bestand übrigens aus zwei Artikeln, die jeder für sich in einem Brief verschickt werden könnten.
Jetzt überleg ich mir, ob es nicht einfacher gewesen wäre, die Bonusmeilen irgendeinem ins Gerede gekommen Politiker der Grünen/B90 zu schenken oder der Lufthansa zu schreiben, dass sie sich die Bonusmeilen in den …..

Aber nein, das wäre zu ordinär gewesen, wo sich doch das Lufthansa Worldshop Team so viel Mühe gegeben hat und die Briefe sogar vom Herrn Geschäftsführer Christian Teutsch höchstpersönlich unterzeichnet worden sind.

Wenn Sie auch was bei Lufthansa bestellen wollen, schauen Sie doch einfach mal bei www.lh-worldshop.de vorbei. Es gibt ganz schicke Sachen da.
Alles vom Designer natürlich.

Nur Toilettenpapier werden Sie da vergeblich suchen

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