Spargelstecher

6. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Mit Politikern ist es wie mit dem Spargel.
Der Spargel sollte frisch sein, dann ist er am besten. Dann hat er unbeschädigte Stangen und feste Köpfe, ist nicht bräunlich verfärbt oder ausgetrocknet, verfügt meist über einen angenehmen Geruch und Äußeres und -das ist ganz wichtig.-, die Spargelstange ist dann noch prall und glänzend.

Leider gibt es bei Politikern keine EU-Handelsklassen zur Beurteilung der Qualität wie beim Spargel, denn sonst wäre für jeden Kunden erkennbar, dass der Politmarkt mit Ware in Handelsklasse III geradezu überschwemmt ist.

Zur Lösung der seit Jahren andauernden Problem am Arbeitsmarkt hat nun einige Politiker wieder der Hafer gestochen und sie sind der Meinung, dass wir jetzt nach Billiglohn wie in Vietnam, Arbeitsschutz wie in Indien, Korruption wie in Indonesien, Toiletten wie in China, Rechtssicherheit wie im Kongo und Preisen wie in Deutschland jetzt unbedingt auch noch Langzeitarbeitslose als Saisonarbeiter zum Spargelstechen brauchen.

Und über diesen Hirnfurz wird in den Medien berichtet. Da wird diskutiert, argumentiert, manipuliert und diffamiert.
Dabei hat sich kaum einer mal Gedanken über das Spargelstechen gemacht. Und noch weniger haben auch nur einen Hauch von Ahnung was das für eine Arbeit ist, mit der am Ende der Verarbeitungskette ein Pfund frischer Spargel mit zwei Kartöffelchen und etwas zerlassener Butter für 25,60 Euro auf dem Teller liegt.
Dafür muss ein Spargelstecher um 5:30 Uhr auf dem Acker stehen und kann am Tag bis zu 250 Kilo Spargel stechen um mit 100 Euro netto nach Hause zu wanken, denn gehen oder stehen kann er nach 8 Stunden gebückter Haltung nicht mehr. Gestochen wird im Akkord. Wer darin keine Übung hat und nicht körperlich fit ist, steht das garantiert nicht durch.
Langzeitarbeitslose zum Spargelstechen zu schicken ist wie Rollstuhlfahrer zum Marathonlauf zu schieben. Die ersten fallen gleich um und der Rest ist am nächsten Tag krank.

Und jetzt schauen wir uns mal den Lohn an.
Bei 100 Euro Tagesverdienst sind dasrund 40 Cent pro Kilo, also 20 Cent pro Pfund, das geschält und gekocht, mit etwas Butter und zwei Dekorationskartoffeln für 25,60 Euro verfüttert wird.
Ein guter Stecher schafft ca. 9 Kilo pro Stunde, ein ungeübter Stecher gerade mal zwei Kilo.
Dementsprechend sieht sein „Verdienst“ aus.

Wenn Sie das alles nicht davon abhält sich mit dem Beruf des „Spargelstechers“ den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt ergattern zu wollen, dann schauen sie sich doch mal bei der Bundesagentur das Berufsbild dazu an. Dort finden Sie auch interessante Stellenangebote für die Spargelzeit von April bis Juni. Verdienstmöglichkeiten zwischen 4,84 Euro und 5,17 Euro, je Stunde versteht sich. Oder trauen Sie sich für 10,50 Euro einen halben Hektar abzuernten?

Also bewerben Sie sich. Sie würden dem Herrn Clement einen großen Gefallen erweisen.
Oder wollen Sie warten, bis er Sie im Austausch gegen indische Spargelstecher zum Straßenbau nach Indien schickt.

Ganz interessant übrigens ist auch ein Artikel, der bei „Jungle World“ erschienen ist. Achten Sie aber vor dem Lesen auf das Datum dieser Veröffentlichung, damit Sie erkennen können, was sich seit dem Jahr der rot-grünen Machtübernahme durch Reformen auf dem deutschen Arbeitsmarkt geändert hat.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. April 2005 um 05:45:18 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Spargelstecher”

  1. tomas suchy meint:

    ich will sargeln abrahmen .

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Spargelstecher

6. April 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Mit Politikern ist es wie mit dem Spargel.
Der Spargel sollte frisch sein, dann ist er am besten. Dann hat er unbeschädigte Stangen und feste Köpfe, ist nicht bräunlich verfärbt oder ausgetrocknet, verfügt meist über einen angenehmen Geruch und Äußeres und -das ist ganz wichtig.-, die Spargelstange ist dann noch prall und glänzend.

Leider gibt es bei Politikern keine EU-Handelsklassen zur Beurteilung der Qualität wie beim Spargel, denn sonst wäre für jeden Kunden erkennbar, dass der Politmarkt mit Ware in Handelsklasse III geradezu überschwemmt ist.

Zur Lösung der seit Jahren andauernden Problem am Arbeitsmarkt hat nun einige Politiker wieder der Hafer gestochen und sie sind der Meinung, dass wir jetzt nach Billiglohn wie in Vietnam, Arbeitsschutz wie in Indien, Korruption wie in Indonesien, Toiletten wie in China, Rechtssicherheit wie im Kongo und Preisen wie in Deutschland jetzt unbedingt auch noch Langzeitarbeitslose als Saisonarbeiter zum Spargelstechen brauchen.

Und über diesen Hirnfurz wird in den Medien berichtet. Da wird diskutiert, argumentiert, manipuliert und diffamiert.
Dabei hat sich kaum einer mal Gedanken über das Spargelstechen gemacht. Und noch weniger haben auch nur einen Hauch von Ahnung was das für eine Arbeit ist, mit der am Ende der Verarbeitungskette ein Pfund frischer Spargel mit zwei Kartöffelchen und etwas zerlassener Butter für 25,60 Euro auf dem Teller liegt.
Dafür muss ein Spargelstecher um 5:30 Uhr auf dem Acker stehen und kann am Tag bis zu 250 Kilo Spargel stechen um mit 100 Euro netto nach Hause zu wanken, denn gehen oder stehen kann er nach 8 Stunden gebückter Haltung nicht mehr. Gestochen wird im Akkord. Wer darin keine Übung hat und nicht körperlich fit ist, steht das garantiert nicht durch.
Langzeitarbeitslose zum Spargelstechen zu schicken ist wie Rollstuhlfahrer zum Marathonlauf zu schieben. Die ersten fallen gleich um und der Rest ist am nächsten Tag krank.

Und jetzt schauen wir uns mal den Lohn an.
Bei 100 Euro Tagesverdienst sind dasrund 40 Cent pro Kilo, also 20 Cent pro Pfund, das geschält und gekocht, mit etwas Butter und zwei Dekorationskartoffeln für 25,60 Euro verfüttert wird.
Ein guter Stecher schafft ca. 9 Kilo pro Stunde, ein ungeübter Stecher gerade mal zwei Kilo.
Dementsprechend sieht sein „Verdienst“ aus.

Wenn Sie das alles nicht davon abhält sich mit dem Beruf des „Spargelstechers“ den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt ergattern zu wollen, dann schauen sie sich doch mal bei der Bundesagentur das Berufsbild dazu an. Dort finden Sie auch interessante Stellenangebote für die Spargelzeit von April bis Juni. Verdienstmöglichkeiten zwischen 4,84 Euro und 5,17 Euro, je Stunde versteht sich. Oder trauen Sie sich für 10,50 Euro einen halben Hektar abzuernten?

Also bewerben Sie sich. Sie würden dem Herrn Clement einen großen Gefallen erweisen.
Oder wollen Sie warten, bis er Sie im Austausch gegen indische Spargelstecher zum Straßenbau nach Indien schickt.

Ganz interessant übrigens ist auch ein Artikel, der bei „Jungle World“ erschienen ist. Achten Sie aber vor dem Lesen auf das Datum dieser Veröffentlichung, damit Sie erkennen können, was sich seit dem Jahr der rot-grünen Machtübernahme durch Reformen auf dem deutschen Arbeitsmarkt geändert hat.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. April 2005 um 05:45:18 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Spargelstecher”

  1. tomas suchy meint:

    ich will sargeln abrahmen .

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