Riester, Rürup & Co.

27. September 2006 05:45

Im Gegensatz zu unserem Gevatter Staat können die meisten Bürger mit ihrem Geld einigermaßen vernünftig umgehen, wenn man mal von den kleineren oder größeren Kaufräuschen zu besonderen Anlässen oder an besonderen Tagen absieht.

Nun wird aber von diesem Gevatter Staat ja permanent gefordert, dass die Bürger nicht alles in den Konsum stecken, sondern auch an das unweigerlich kommende Alter denken und dafür selbst vorsorgen sollen.

Das ist nun nicht ganz so einfach mit dem „selbst“ vorsorgen, wie sich das gewisse Besserwisser vorstellen, denn es muss aus dem wenigen Kapital erfolgen, das der Gevatter Staat nach seinem vorsorglichen Zugriff für die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Abzug der Lohnsteuer und des Solidaritätszuschlag dem Bürger noch übrig lässt

Bei derart knappen Ressourcen wird der mündige Bürger aber sehr sorgfältig abwägen in welcher Form er nun sein Investment tätigt, eine gute bis sehr gute Rendite seines Kapitals sicherstellt und damit seinen Lebensabend absichert.

Nun soll man ja, besonders bei länger laufenden Investitionen, sehr sorgfältig prüfen an wen man sich da bindet, welche Bonität, welchen Ruf und welche Referenzen der zukünftige Vertragspartner hat.
Und man sollte sich den Vertrag vor der Unterschrift sehr gut und sehr genau durchlesen. Auch das Kleingedruckte!
Denn da könnte dann zum Beispiel folgendes stehen:
«Das eingezahlte Kapital und die aufgelaufenen Zinsen dürfen nicht als Einmalbetrag, sondern nur in einer lebenslangen Rente ausgezahlt werden und frühestens mit Vollendung des 60. Lebensjahres. Die Ansprüche aus dem Versicherungsvertrag sind grundsätzlich nicht vererbbar. Allerdings kann der Versicherte eine Hinterbliebenenrente für den Ehepartner oder die Kinder vereinbaren. Die Leistungen können weder übertragen, beliehen noch verkauft werden.»

Jetzt überlegen Sie sich mal ganz genau, was Sie mit Ihrem Geld im Alter eigentlich machen dürfen.
Vergessen Sie den Erwerb einer Immobilie im südlichen Europa, denn Sie kommen nicht an Ihr Geld heran, ja Sie können es noch nicht einmal im Rahmen einer Immobilienfinanzierung als Sicherheit für ein Darlehen beleihen. Sie dürfen das Geld auch nicht zu Lebzeiten Ihren Kindern schenken, damit die ein Haus bauen und Ihnen ein lebenslanges Wohnrecht einräumen können
Sie können mit dem Kapital zu Lebzeiten eigentlich gar nix machen, außer es sich in Form einer monatlichen Rente auszahlen lassen.
Und wenn Sie dann der Herr zu sich holt, können Sie noch nicht einmal das restliche Geld vererben. Das einzige was Sie noch zu Lebzeiten tun könnten, ist für Ehepartner oder Ihre Kinder eine Hinterbliebenenrente zu vereinbaren.
Sonst freuen sich bei Ihrem Ableben nicht die Erben, sondern nur ihr Vertragspartner dem Sie jahrzehntelang Monat für Monat vom mühsam am Mund am Mund abgesparten Geld die Beträge überwiesen haben, denn der kann das eingezahlte Kapital nach Ihrem Tod behalten.
Das ist das gleiche System wie in der gesetzlichen Rentenversicherung – Abzocke auf hohem Niveau!
Außer Sie werden richtig schön alt, je älter Sie werden desto besser. Denn nur dann rechnet sich das Geschäft auch für Sie.
Nehmen wir mal an, Sie sparen ab dem zwanzigsten Lebensjahr 40 Jahre lang jeden Monat 100 Euro. Dann hätten Sie mit 60 Jahren 48.000 Euro angespart und könnten 10 Jahre, bis zu Ihrem siebzigsten Lebensjahr jeden Monat 400 Euro ausgeben bis sie pleite sind.
Berücksichtigt man beim angesparten Kapital noch eine Verzinsung von 1,5% pro Jahr, dann wären nach 40 Jahren rund 66.000 Euro auf dem Konto.
Dass Gevatter Staat sich dabei auch noch an Ihren Zinseinkünften vergreift, lassen wir jetzt mal ebenso weg wie die Berücksichtigung der Inflationsrate, die den Verzinsungseffekt ganz auffrisst oder zumindest erheblich absenkt.
Aber an solche Grausamkeiten wollen wir jetzt mal nicht denken, sondern überlegen was passiert wenn Ihnen nach Ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag die 400 Euro Rente fehlen, denn so lange würde das Geld reichen.

Und jetzt googeln wir doch mal ein bisschen nach der „Lebenserwartung“ der bundesdeutsche Bevölkerung und werden prompt bei www.destatis.de in einer Pressemitteilung vom 28. August 2006 zur 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung fündig: «Heute beträgt die sogenannte “fernere Lebenserwartung” 60-jähriger Männer 20,0 und diejenige gleichaltriger Frauen 24,1 Jahre» heißt es da, und bedeutet wohl, dass Männer nicht zu den Langzeitrentenbeziehern gehören.

Nach obigem Rentenberechnungsmodell würde also bei einem Mann am Ende des Geldes noch etwa fünf Lebensjahre zur Finanzierung anstehen.
Da kommt Mann schon ins Grübeln!
Die Lücke muss unbedingt geschlossen werden!
Denn wer will schon im Alter auf Wein, Weib und Gesang verzichten!

Aber man(n) sollte sich doch sehr genau überlegen, ob es sich wirklich rentiert jemand 40 Jahre lang Geld zu geben, nur damit der dann 15 Jahre Zeit für die vollständige Rückzahlung hat, die man(n) selbst vielleicht gar nicht mehr erlebt.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. September 2006 um 05:45:31 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Riester, Rürup & Co.”

  1. xy12 meint:

    zu kompliziert! Die Knete ausgeben. Jeden Tag. Frisch, frei, fröhlich. Am Ende dann zum Sozialamt latschen. So spätestens ab 60 können die einen auch nicht mehr in Arbeit vermitteln. Ab dann wird man ein glücklicher Hartz IV Empfänger. Da man ohnehin viel Zeit und sonst keine Hobbies hat, kann man sich auch getrost den lieben langen Tag mit Behörden und Formularen herumschlagen.

  2. Andreas meint:

    Wegen so ass** ist unser Staat ja auch pleite. Warum arbeiten, die anderen machen es ja für mich. Nahc dem Motto leben hier viel zu viele.

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Riester, Rürup & Co.

27. September 2006 05:45

Im Gegensatz zu unserem Gevatter Staat können die meisten Bürger mit ihrem Geld einigermaßen vernünftig umgehen, wenn man mal von den kleineren oder größeren Kaufräuschen zu besonderen Anlässen oder an besonderen Tagen absieht.

Nun wird aber von diesem Gevatter Staat ja permanent gefordert, dass die Bürger nicht alles in den Konsum stecken, sondern auch an das unweigerlich kommende Alter denken und dafür selbst vorsorgen sollen.

Das ist nun nicht ganz so einfach mit dem „selbst“ vorsorgen, wie sich das gewisse Besserwisser vorstellen, denn es muss aus dem wenigen Kapital erfolgen, das der Gevatter Staat nach seinem vorsorglichen Zugriff für die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Abzug der Lohnsteuer und des Solidaritätszuschlag dem Bürger noch übrig lässt

Bei derart knappen Ressourcen wird der mündige Bürger aber sehr sorgfältig abwägen in welcher Form er nun sein Investment tätigt, eine gute bis sehr gute Rendite seines Kapitals sicherstellt und damit seinen Lebensabend absichert.

Nun soll man ja, besonders bei länger laufenden Investitionen, sehr sorgfältig prüfen an wen man sich da bindet, welche Bonität, welchen Ruf und welche Referenzen der zukünftige Vertragspartner hat.
Und man sollte sich den Vertrag vor der Unterschrift sehr gut und sehr genau durchlesen. Auch das Kleingedruckte!
Denn da könnte dann zum Beispiel folgendes stehen:
«Das eingezahlte Kapital und die aufgelaufenen Zinsen dürfen nicht als Einmalbetrag, sondern nur in einer lebenslangen Rente ausgezahlt werden und frühestens mit Vollendung des 60. Lebensjahres. Die Ansprüche aus dem Versicherungsvertrag sind grundsätzlich nicht vererbbar. Allerdings kann der Versicherte eine Hinterbliebenenrente für den Ehepartner oder die Kinder vereinbaren. Die Leistungen können weder übertragen, beliehen noch verkauft werden.»

Jetzt überlegen Sie sich mal ganz genau, was Sie mit Ihrem Geld im Alter eigentlich machen dürfen.
Vergessen Sie den Erwerb einer Immobilie im südlichen Europa, denn Sie kommen nicht an Ihr Geld heran, ja Sie können es noch nicht einmal im Rahmen einer Immobilienfinanzierung als Sicherheit für ein Darlehen beleihen. Sie dürfen das Geld auch nicht zu Lebzeiten Ihren Kindern schenken, damit die ein Haus bauen und Ihnen ein lebenslanges Wohnrecht einräumen können
Sie können mit dem Kapital zu Lebzeiten eigentlich gar nix machen, außer es sich in Form einer monatlichen Rente auszahlen lassen.
Und wenn Sie dann der Herr zu sich holt, können Sie noch nicht einmal das restliche Geld vererben. Das einzige was Sie noch zu Lebzeiten tun könnten, ist für Ehepartner oder Ihre Kinder eine Hinterbliebenenrente zu vereinbaren.
Sonst freuen sich bei Ihrem Ableben nicht die Erben, sondern nur ihr Vertragspartner dem Sie jahrzehntelang Monat für Monat vom mühsam am Mund am Mund abgesparten Geld die Beträge überwiesen haben, denn der kann das eingezahlte Kapital nach Ihrem Tod behalten.
Das ist das gleiche System wie in der gesetzlichen Rentenversicherung – Abzocke auf hohem Niveau!
Außer Sie werden richtig schön alt, je älter Sie werden desto besser. Denn nur dann rechnet sich das Geschäft auch für Sie.
Nehmen wir mal an, Sie sparen ab dem zwanzigsten Lebensjahr 40 Jahre lang jeden Monat 100 Euro. Dann hätten Sie mit 60 Jahren 48.000 Euro angespart und könnten 10 Jahre, bis zu Ihrem siebzigsten Lebensjahr jeden Monat 400 Euro ausgeben bis sie pleite sind.
Berücksichtigt man beim angesparten Kapital noch eine Verzinsung von 1,5% pro Jahr, dann wären nach 40 Jahren rund 66.000 Euro auf dem Konto.
Dass Gevatter Staat sich dabei auch noch an Ihren Zinseinkünften vergreift, lassen wir jetzt mal ebenso weg wie die Berücksichtigung der Inflationsrate, die den Verzinsungseffekt ganz auffrisst oder zumindest erheblich absenkt.
Aber an solche Grausamkeiten wollen wir jetzt mal nicht denken, sondern überlegen was passiert wenn Ihnen nach Ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag die 400 Euro Rente fehlen, denn so lange würde das Geld reichen.

Und jetzt googeln wir doch mal ein bisschen nach der „Lebenserwartung“ der bundesdeutsche Bevölkerung und werden prompt bei www.destatis.de in einer Pressemitteilung vom 28. August 2006 zur 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung fündig: «Heute beträgt die sogenannte “fernere Lebenserwartung” 60-jähriger Männer 20,0 und diejenige gleichaltriger Frauen 24,1 Jahre» heißt es da, und bedeutet wohl, dass Männer nicht zu den Langzeitrentenbeziehern gehören.

Nach obigem Rentenberechnungsmodell würde also bei einem Mann am Ende des Geldes noch etwa fünf Lebensjahre zur Finanzierung anstehen.
Da kommt Mann schon ins Grübeln!
Die Lücke muss unbedingt geschlossen werden!
Denn wer will schon im Alter auf Wein, Weib und Gesang verzichten!

Aber man(n) sollte sich doch sehr genau überlegen, ob es sich wirklich rentiert jemand 40 Jahre lang Geld zu geben, nur damit der dann 15 Jahre Zeit für die vollständige Rückzahlung hat, die man(n) selbst vielleicht gar nicht mehr erlebt.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. September 2006 um 05:45:31 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Riester, Rürup & Co.”

  1. xy12 meint:

    zu kompliziert! Die Knete ausgeben. Jeden Tag. Frisch, frei, fröhlich. Am Ende dann zum Sozialamt latschen. So spätestens ab 60 können die einen auch nicht mehr in Arbeit vermitteln. Ab dann wird man ein glücklicher Hartz IV Empfänger. Da man ohnehin viel Zeit und sonst keine Hobbies hat, kann man sich auch getrost den lieben langen Tag mit Behörden und Formularen herumschlagen.

  2. Andreas meint:

    Wegen so ass** ist unser Staat ja auch pleite. Warum arbeiten, die anderen machen es ja für mich. Nahc dem Motto leben hier viel zu viele.

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