Schildkrötentaktik

2. Oktober 2006 05:45

Bei MDR INFO kam dieser Tage eine Meldung über den Ticker, dass der Bundesrepublik Deutschland eine Menge Leute abhanden gekommen sind:
«In Deutschland leben vermutlich weit weniger Menschen, als bisher angenommen. Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes ergab, das die bisherige Bevölkerungszahl von 82,5 Millionen um mindestens 1,3 Millionen überhöht ist. Auch die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer ist vermutlich um 600.000 niedriger»

Dabei fällt mir ein, dass ich meinen Nachbar und seine Familie auch schon lange nicht mehr gesehen habe.
Gut, ich bin ja durch die Einführung des Steinbrück’schen Werktorprinzip nun auch gezwungen in der Nähe meines Arbeitplatzes zu nächtigen, weil ich mir vom täglichen Verdienst die Heimfahrt nicht mehr leisten kann. Und zwanzig Entfernungskilometer zu Fuß sind pro Tag für einen älteren Arbeitnehmer auch kein Zuckerschlecken mehr. Auch wen man dafür als Steuerpflichtiger die Kosten für einen Satz Schuhsohlen pro Halbjahr von der Steuer absetzen darf.
Nachdem die Entscheidung über den Wegfall der Pendlerpauschale bekannt geworden ist, habe ich mit meinen drei Kollegen aus der Fahrgemeinschaft beschlossen, dass wir statt dessen eine Wohngemeinschaft bilden. Wir haben die Autos verkauft und bei EBAY ein gebrauchtes Zweimannzelt aus Bundeswehrbeständen ersteigert. Diese Zelte aus einfacher Zeltplane und ohne Gummiboden sind momentan gerade günstig zu bekommen, weil die Bundeswehr nach dem Willen unserer Politiker ihren Dienst am Vaterland zunehmend in heißen Ländern ableisten muss.
Das ist mir erst vor ein paar Wochen bei einem Bekannten aufgefallen, der mir braungebrannt auf der Straße entgegen kam. „Na, warst du im Solarium?“, hab ich ihn gefragt. „Nein“, hat er geantwortet, „am Hindukusch“.
Ich hab zwar nicht so genau gewusst, wo das ist, aber ich wollte dann noch ein bisschen auf Small-Talk machen und hab „im Süden?“ gesagt. „Nein, im Norden“, hat er gesagt bevor er weiterging, „im Süden ist es zu heiß für deutsche Soldaten.“
Ja, und jetzt übernachte ich mit meinen Kumpels aus der Fahrgemeinschaft unter der Woche in den alten Armeezelten auf dem Abstellplatz hinter dem Werksgelände wo früher die Zigeuner kampiert haben.
Nur fließend Wasser und Strom liefert die Gemeindeverwaltung nicht mehr kostenlos seit die Wohnwagen mit den „Sinti und Roma“ nicht mehr da sind. „Die gefühlte sozial Kälte in Deutschland wäre ihnen zu groß“ haben sie in einer Protestnote an die Gemeindeverwaltung geschrieben und außerdem fühlten sie sich diskriminiert, weil in einem japanischen Reiseführer vor der Taschendieben am Hauptbahnhof gewarnt wurde und die Touristengruppen nur noch in der Marschordnung einer römischen Schildkröte über den Bahnhofsvorplatz liefen.

Also der Schwund an Ausländern scheint für mich, zumindest teilweise, erklärbar zu sein. Aber wo die 1,3 Millionen Deutsche hingekommen sein sollen, ist mir auch ein Rätsel.
Vielleicht haben sich die versteckt, eingeigelt oder sind in ihren Panzer zurückgekrochen und warten irgendwo, bis die Zeiten wieder lebenswerter und besser werden.
Natürlich könnte es auch sein, dass sie auch die Absenkung der sozialen Temperatur spüren und es leid sind, dass immer nur ihnen der kalte Reformwind ins Gesicht bläst. Besonders, wenn es immer die breite Masse trifft, kommt so mancher auf die Idee sich nach einem südlicheren Breitengrad umzusehen.

Als Ursache für den Schwund an Bevölkerung ausschließen kann man wohl, dass gewisse Teile der Bevölkerung ihrem Geld hinterhergezogen sind.
Von denen sind die meisten schon weg und wenn die anderen könnten, dann wären sie auch schon gegangen.
Aber wenn man erst mal wie die Nomaden im Zelt oder Wohnwagen wohnt, fällt die Entscheidung sicher viel leichter.
Ich muss mal mit meiner Frau und den Kindern reden.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. Oktober 2006 um 05:45:11 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

7 Antworten zu “Schildkrötentaktik”

  1. Bollermann meint:

    Tja, Machopan, da jammern viele natürlich begründet, wenn sie nun in Zelten vor den Werkstoren kampieren müssen, weil es schließlich nicht nur dieser Einschnitt ist.
    Die offizielle Inflationsrate ist ja ein Witz, denn das Statistische Bundesamt bereits am 27.09.2005, der Index der wahrgenommenen Inflation (IWI) liege tatsächlich bei 7,4% !
    Die Verdoppelung der Preise seit Einführung des Euros, zumindest von solchen Dingen die wir täglich brauchen, ist ja hinreichend bekannt.
    Das Zurückschrauben des effektiven Nettoeinkommens und der Renten ebenfalls.
    Das größte Risiko zu verarmen sind Kinder, weshalb wir ja u. a. die demographische Katastrophe haben.
    Nun wird die MWSt erhöht - für Familien ein Desaster. Gleichzeitig kamen Studiengebühren und das Büchergeld an Schulen in Bayern.
    Unsere Kinder haben ca. 1,5 Billionen Staatsschulden und ca. 6 Billionen Pensionsverpflichtungen des Staates gegenüber seinen Staatsdienern an der Backe.
    Nur die Teilnahme meiner 6 Kinder an den Klassenfahrten des Gymnasiums kostet mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt 13.800 Euro.
    Die Beiträge zur Krankenversicherung können wir in Kürze nicht mehr aufbringen, meine Frau, die 6 Kinder sehr erfolgreich erzieht, bildet, verpflegt, kleidet usw. usw. wird nur eine Minimalrente bekommen und unsere Steuern wandern auch weiterhin in dubiose Kanäle die von keinem Bürger ernsthaft gewollt sind.

    Deshalb sind wir dabei den Schwund von 1,3 Millionen Bürgern zu erhöhen. Wir wandern aus.

  2. Machopan meint:

    Auswandern wird wohl, nach dem Versuch sich aktiv einzumischen um sich danach angewidert abzuwenden, die einzige Möglichkeit sein, sich dem bundesdeutschen Wirtschafts- und Politschwachsinn zu entziehen.
    Ich kann deine Gründe nachvollziehen auch wenn es mir immer noch schwer fällt, die Auswanderung als “existenzsichernde Maßnahme” akzeptieren zu müssen.
    Die familiären Finanzdesaster zur Erziehung und Ausbildung der Kinder habe ich zwar hinter mir, wenn man vom Studium des Jüngsten (das mich noch ca. 40.000 Euro kosten wird) mal absieht.
    Aber auch ich werde mir hier von einer korrupten und unfähigen Bande von Politik- und Wirtschaftskriminellen nicht das Fell über die Ohren ziehen lassen.

  3. mitdenker meint:

    Mmm, und was machen die, die keine Chance mehr haben, sich durch Auswanderung dem zu entziehen? Ich glaube, auch das Auswandern kostet etwas (so etwa die Fahrtkosten); ebenso der Versuch, sich in einem fremden Land die notwendigsten Dinge zu beschaffen - und sei es nur eine Unterkunft. Wie viele gibt es inzwischen, die nicht einmal dafür die notwendigen Mittel aufbringen können.
    Also doch das Fell hinhalten? Oder sollte man vielleicht auch mal in Erwägung ziehen, dem Einen oder Anderen selbiges mal anständig einer angemessenen Gerbung zuzuführen. Vor Jahren habe ich schon auf solche Gesellen aufmerksam gemacht wie das Kläuschen Kleinfeld oder der Rieck oder der Ackermann und wie sie noch so alle heißen. Aber da war ja noch die Rede von der Sicherung des sozialen Charakters einer Gesellschaft, die es unter diesen Bedingungen nie geben wird.
    Wenn der Satz “die Hoffnung stirbt zuletzt” stimmen sollte, dann wünsche ich uns einen schnellen Tod.

  4. Bollermann meint:

    Für viele Rentner, Arbeitslose, Familien etc. wird es die einzige Möglichkeit sein zu überleben. Schließlich gibt es genügend Länder in denen man mit 800 Euro monatlich ein kleiner König ist. Oftmals hane solche Länder sogar wesentlich mehr zu bieten als Deutschland: wunderschöne, endlose Küsten. Über das ganze Jahr angenehme Temperaturen. Frische Produkte ohne Ende (Fisch, Obst, Gemüse).
    Wer sich also nicht an einen kleinen Flecken in Deutschland gebunden fühlt, hat gute Möglichkeiten, sich zu verbessern.
    Und für Familien gilt on top: schlechter als es Schule, Bildung und zukünftige Arbeitsplatzsicherheit in Deutschland sind, kann es eigentlich nirgendwo mehr werden.

  5. Bollermann meint:

    @ mitdenker:
    Über das Auswandern gibt es im TV eine Sendung. Mit wenig “Kohle” unter der Mütze sich Menschen in eine andere Welt aufmachen, ist mir auch ein Rätsel. Aber es geht.

  6. falkenauge meint:

    Ein derber Aus(Rück)blick eines „fast” davon gemachten

    Früher schimpfte man sie Pfeffersäcke und dicke Pfaffen, heut findet man dort politische mit ihren Lobbyistenaffen, ob zu damals oder ob zu heut’ger Zeit,
    geblieben sind’s dieselben Leut’!

    Sie paffen und gaffen ob nicht noch was zu raffen,
    sie lügen und trügen um das Volk zu bekriegen,
    dabei ist’s egal welch’ Blut wird vergossen, Hauptsache bleibt, Gewinn ist geflossen!

    Sie drehen an Rädchen, spinnen Ihre Fädchen.
    se(i)lige Reihen auf Verderb und Gedeih, man möchte fast speien, wenn man sieht wer dabei!
    Gewählte, Ernannte, missbrauchen Stellung, Mandat,
    fast möcht’ man denken, ist das Verrat?

    Der Magen wohl riesig, Gewissen scheint klein, sollt’s vermutlich nicht vorhanden sein?
    Gesagtes wird unwahr getanes kommt vor, dabei sitzt das Volk als orwellscher Tor.
    Fürwahr liebe Bürger und ehrliche Leut’, ihr werdet gehetzt von selbst geschaff ‘ner Meut’!

    Sind wie ein Schlund der alles verschlingt, ein Sturm in der Nacht der nur Ungemach bringt, gieren nach allem, Macht, Gold und Tand, glauben dann alles, läge in Ihre Hand. Vergessen tun’s, in Ihrem Wahn - am letzten Hemd sind keine Taschen mehr dran!

    Sollt’der Tag einst gekommen sein, zeig’ ich Ihnen die Fratze, schiffe mich ein, ich würd’s Ihnen schenken, mein letztes Hemd, wenn ich sie nicht so zum Kotzen fänd’!
    Und wenn’s mich erst soweit bringen, dürfen’s mich auch, den Götz von Berlichingen!

  7. mitdenker meint:

    @falkenauge
    Wohl war, diese Worte. Aber (wie immer ein aber…)
    “…, am letzten Hemd sind keine Taschen mehr dran!”
    Wirklich? Wieso fiel mir sofort dieser Blondsschopf aus den Staaten ein mit diesem Vornamen einer schönen Stadt (Paris). Die aus dem Werbespott mit dem Chinesen und den “Blödchen”. Keine Taschen? Doch eher Taschen mit Löchern, wo Ausgewählte dann vorübergehend ihre Taschen unterhalten….
    @Bollermann
    Ja, solche Sendungen gibt es. Unterhaltung auf hohem Niewo…wo…wo wo…
    An eine erinnere ich mich. Neuseeland war die neue Wahlheimat. Nach dem dritten Versuch eine Arbeitserlaubnis zu erhalten fiel dann auch mal ein Betrag. Ohne Anwaltskosten waren dies ein halbes HARTZ-IV-Einkommen. Und was wird wohl ein Flug dorthin kosten? Also liebe HARTZ-IV-Empfänger - schaut euch schon mal um. Das kostet nämlich (noch) nichts.
    Ach was waren das für seelige Zeiten, als die “Überflüssigen” von ihren Landesfürsten verkauft wurden und so wenigstens die Reisekosten minimiert wurden. Geht heute auch nicht mehr - ohne grüne Karte…
    Und wenn dann alle gewandert sind, wird gezählt. 2010/11 soll ja wieder. Auswanderungswillige vor! Ihr seid die künftigen Kostenreduzierer. Jawohl. Denn nach Schätzungen wird dieser Spaß dem Steuersäckl wohl 500 Millionen kosten, also überschlagsweise zum Schnäppchenpreis von 6,10 Euro pro Kopf (egal ob mit oder ohne Inhalt).
    Dann, ja dann endlich werden die eingesetzten Zähler aus den Übrigebliebenen, den Hiergebliebenen, den Verlassenen, den Vergessenen, den Zurückgebliebenen in diesem Ländle endlich annähernd den geforderten Mindestlohn erhalten….

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Schildkrötentaktik

2. Oktober 2006 05:45

Bei MDR INFO kam dieser Tage eine Meldung über den Ticker, dass der Bundesrepublik Deutschland eine Menge Leute abhanden gekommen sind:
«In Deutschland leben vermutlich weit weniger Menschen, als bisher angenommen. Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes ergab, das die bisherige Bevölkerungszahl von 82,5 Millionen um mindestens 1,3 Millionen überhöht ist. Auch die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer ist vermutlich um 600.000 niedriger»

Dabei fällt mir ein, dass ich meinen Nachbar und seine Familie auch schon lange nicht mehr gesehen habe.
Gut, ich bin ja durch die Einführung des Steinbrück’schen Werktorprinzip nun auch gezwungen in der Nähe meines Arbeitplatzes zu nächtigen, weil ich mir vom täglichen Verdienst die Heimfahrt nicht mehr leisten kann. Und zwanzig Entfernungskilometer zu Fuß sind pro Tag für einen älteren Arbeitnehmer auch kein Zuckerschlecken mehr. Auch wen man dafür als Steuerpflichtiger die Kosten für einen Satz Schuhsohlen pro Halbjahr von der Steuer absetzen darf.
Nachdem die Entscheidung über den Wegfall der Pendlerpauschale bekannt geworden ist, habe ich mit meinen drei Kollegen aus der Fahrgemeinschaft beschlossen, dass wir statt dessen eine Wohngemeinschaft bilden. Wir haben die Autos verkauft und bei EBAY ein gebrauchtes Zweimannzelt aus Bundeswehrbeständen ersteigert. Diese Zelte aus einfacher Zeltplane und ohne Gummiboden sind momentan gerade günstig zu bekommen, weil die Bundeswehr nach dem Willen unserer Politiker ihren Dienst am Vaterland zunehmend in heißen Ländern ableisten muss.
Das ist mir erst vor ein paar Wochen bei einem Bekannten aufgefallen, der mir braungebrannt auf der Straße entgegen kam. „Na, warst du im Solarium?“, hab ich ihn gefragt. „Nein“, hat er geantwortet, „am Hindukusch“.
Ich hab zwar nicht so genau gewusst, wo das ist, aber ich wollte dann noch ein bisschen auf Small-Talk machen und hab „im Süden?“ gesagt. „Nein, im Norden“, hat er gesagt bevor er weiterging, „im Süden ist es zu heiß für deutsche Soldaten.“
Ja, und jetzt übernachte ich mit meinen Kumpels aus der Fahrgemeinschaft unter der Woche in den alten Armeezelten auf dem Abstellplatz hinter dem Werksgelände wo früher die Zigeuner kampiert haben.
Nur fließend Wasser und Strom liefert die Gemeindeverwaltung nicht mehr kostenlos seit die Wohnwagen mit den „Sinti und Roma“ nicht mehr da sind. „Die gefühlte sozial Kälte in Deutschland wäre ihnen zu groß“ haben sie in einer Protestnote an die Gemeindeverwaltung geschrieben und außerdem fühlten sie sich diskriminiert, weil in einem japanischen Reiseführer vor der Taschendieben am Hauptbahnhof gewarnt wurde und die Touristengruppen nur noch in der Marschordnung einer römischen Schildkröte über den Bahnhofsvorplatz liefen.

Also der Schwund an Ausländern scheint für mich, zumindest teilweise, erklärbar zu sein. Aber wo die 1,3 Millionen Deutsche hingekommen sein sollen, ist mir auch ein Rätsel.
Vielleicht haben sich die versteckt, eingeigelt oder sind in ihren Panzer zurückgekrochen und warten irgendwo, bis die Zeiten wieder lebenswerter und besser werden.
Natürlich könnte es auch sein, dass sie auch die Absenkung der sozialen Temperatur spüren und es leid sind, dass immer nur ihnen der kalte Reformwind ins Gesicht bläst. Besonders, wenn es immer die breite Masse trifft, kommt so mancher auf die Idee sich nach einem südlicheren Breitengrad umzusehen.

Als Ursache für den Schwund an Bevölkerung ausschließen kann man wohl, dass gewisse Teile der Bevölkerung ihrem Geld hinterhergezogen sind.
Von denen sind die meisten schon weg und wenn die anderen könnten, dann wären sie auch schon gegangen.
Aber wenn man erst mal wie die Nomaden im Zelt oder Wohnwagen wohnt, fällt die Entscheidung sicher viel leichter.
Ich muss mal mit meiner Frau und den Kindern reden.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. Oktober 2006 um 05:45:11 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

7 Antworten zu “Schildkrötentaktik”

  1. Bollermann meint:

    Tja, Machopan, da jammern viele natürlich begründet, wenn sie nun in Zelten vor den Werkstoren kampieren müssen, weil es schließlich nicht nur dieser Einschnitt ist.
    Die offizielle Inflationsrate ist ja ein Witz, denn das Statistische Bundesamt bereits am 27.09.2005, der Index der wahrgenommenen Inflation (IWI) liege tatsächlich bei 7,4% !
    Die Verdoppelung der Preise seit Einführung des Euros, zumindest von solchen Dingen die wir täglich brauchen, ist ja hinreichend bekannt.
    Das Zurückschrauben des effektiven Nettoeinkommens und der Renten ebenfalls.
    Das größte Risiko zu verarmen sind Kinder, weshalb wir ja u. a. die demographische Katastrophe haben.
    Nun wird die MWSt erhöht - für Familien ein Desaster. Gleichzeitig kamen Studiengebühren und das Büchergeld an Schulen in Bayern.
    Unsere Kinder haben ca. 1,5 Billionen Staatsschulden und ca. 6 Billionen Pensionsverpflichtungen des Staates gegenüber seinen Staatsdienern an der Backe.
    Nur die Teilnahme meiner 6 Kinder an den Klassenfahrten des Gymnasiums kostet mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt 13.800 Euro.
    Die Beiträge zur Krankenversicherung können wir in Kürze nicht mehr aufbringen, meine Frau, die 6 Kinder sehr erfolgreich erzieht, bildet, verpflegt, kleidet usw. usw. wird nur eine Minimalrente bekommen und unsere Steuern wandern auch weiterhin in dubiose Kanäle die von keinem Bürger ernsthaft gewollt sind.

    Deshalb sind wir dabei den Schwund von 1,3 Millionen Bürgern zu erhöhen. Wir wandern aus.

  2. Machopan meint:

    Auswandern wird wohl, nach dem Versuch sich aktiv einzumischen um sich danach angewidert abzuwenden, die einzige Möglichkeit sein, sich dem bundesdeutschen Wirtschafts- und Politschwachsinn zu entziehen.
    Ich kann deine Gründe nachvollziehen auch wenn es mir immer noch schwer fällt, die Auswanderung als “existenzsichernde Maßnahme” akzeptieren zu müssen.
    Die familiären Finanzdesaster zur Erziehung und Ausbildung der Kinder habe ich zwar hinter mir, wenn man vom Studium des Jüngsten (das mich noch ca. 40.000 Euro kosten wird) mal absieht.
    Aber auch ich werde mir hier von einer korrupten und unfähigen Bande von Politik- und Wirtschaftskriminellen nicht das Fell über die Ohren ziehen lassen.

  3. mitdenker meint:

    Mmm, und was machen die, die keine Chance mehr haben, sich durch Auswanderung dem zu entziehen? Ich glaube, auch das Auswandern kostet etwas (so etwa die Fahrtkosten); ebenso der Versuch, sich in einem fremden Land die notwendigsten Dinge zu beschaffen - und sei es nur eine Unterkunft. Wie viele gibt es inzwischen, die nicht einmal dafür die notwendigen Mittel aufbringen können.
    Also doch das Fell hinhalten? Oder sollte man vielleicht auch mal in Erwägung ziehen, dem Einen oder Anderen selbiges mal anständig einer angemessenen Gerbung zuzuführen. Vor Jahren habe ich schon auf solche Gesellen aufmerksam gemacht wie das Kläuschen Kleinfeld oder der Rieck oder der Ackermann und wie sie noch so alle heißen. Aber da war ja noch die Rede von der Sicherung des sozialen Charakters einer Gesellschaft, die es unter diesen Bedingungen nie geben wird.
    Wenn der Satz “die Hoffnung stirbt zuletzt” stimmen sollte, dann wünsche ich uns einen schnellen Tod.

  4. Bollermann meint:

    Für viele Rentner, Arbeitslose, Familien etc. wird es die einzige Möglichkeit sein zu überleben. Schließlich gibt es genügend Länder in denen man mit 800 Euro monatlich ein kleiner König ist. Oftmals hane solche Länder sogar wesentlich mehr zu bieten als Deutschland: wunderschöne, endlose Küsten. Über das ganze Jahr angenehme Temperaturen. Frische Produkte ohne Ende (Fisch, Obst, Gemüse).
    Wer sich also nicht an einen kleinen Flecken in Deutschland gebunden fühlt, hat gute Möglichkeiten, sich zu verbessern.
    Und für Familien gilt on top: schlechter als es Schule, Bildung und zukünftige Arbeitsplatzsicherheit in Deutschland sind, kann es eigentlich nirgendwo mehr werden.

  5. Bollermann meint:

    @ mitdenker:
    Über das Auswandern gibt es im TV eine Sendung. Mit wenig “Kohle” unter der Mütze sich Menschen in eine andere Welt aufmachen, ist mir auch ein Rätsel. Aber es geht.

  6. falkenauge meint:

    Ein derber Aus(Rück)blick eines „fast” davon gemachten

    Früher schimpfte man sie Pfeffersäcke und dicke Pfaffen, heut findet man dort politische mit ihren Lobbyistenaffen, ob zu damals oder ob zu heut’ger Zeit,
    geblieben sind’s dieselben Leut’!

    Sie paffen und gaffen ob nicht noch was zu raffen,
    sie lügen und trügen um das Volk zu bekriegen,
    dabei ist’s egal welch’ Blut wird vergossen, Hauptsache bleibt, Gewinn ist geflossen!

    Sie drehen an Rädchen, spinnen Ihre Fädchen.
    se(i)lige Reihen auf Verderb und Gedeih, man möchte fast speien, wenn man sieht wer dabei!
    Gewählte, Ernannte, missbrauchen Stellung, Mandat,
    fast möcht’ man denken, ist das Verrat?

    Der Magen wohl riesig, Gewissen scheint klein, sollt’s vermutlich nicht vorhanden sein?
    Gesagtes wird unwahr getanes kommt vor, dabei sitzt das Volk als orwellscher Tor.
    Fürwahr liebe Bürger und ehrliche Leut’, ihr werdet gehetzt von selbst geschaff ‘ner Meut’!

    Sind wie ein Schlund der alles verschlingt, ein Sturm in der Nacht der nur Ungemach bringt, gieren nach allem, Macht, Gold und Tand, glauben dann alles, läge in Ihre Hand. Vergessen tun’s, in Ihrem Wahn - am letzten Hemd sind keine Taschen mehr dran!

    Sollt’der Tag einst gekommen sein, zeig’ ich Ihnen die Fratze, schiffe mich ein, ich würd’s Ihnen schenken, mein letztes Hemd, wenn ich sie nicht so zum Kotzen fänd’!
    Und wenn’s mich erst soweit bringen, dürfen’s mich auch, den Götz von Berlichingen!

  7. mitdenker meint:

    @falkenauge
    Wohl war, diese Worte. Aber (wie immer ein aber…)
    “…, am letzten Hemd sind keine Taschen mehr dran!”
    Wirklich? Wieso fiel mir sofort dieser Blondsschopf aus den Staaten ein mit diesem Vornamen einer schönen Stadt (Paris). Die aus dem Werbespott mit dem Chinesen und den “Blödchen”. Keine Taschen? Doch eher Taschen mit Löchern, wo Ausgewählte dann vorübergehend ihre Taschen unterhalten….
    @Bollermann
    Ja, solche Sendungen gibt es. Unterhaltung auf hohem Niewo…wo…wo wo…
    An eine erinnere ich mich. Neuseeland war die neue Wahlheimat. Nach dem dritten Versuch eine Arbeitserlaubnis zu erhalten fiel dann auch mal ein Betrag. Ohne Anwaltskosten waren dies ein halbes HARTZ-IV-Einkommen. Und was wird wohl ein Flug dorthin kosten? Also liebe HARTZ-IV-Empfänger - schaut euch schon mal um. Das kostet nämlich (noch) nichts.
    Ach was waren das für seelige Zeiten, als die “Überflüssigen” von ihren Landesfürsten verkauft wurden und so wenigstens die Reisekosten minimiert wurden. Geht heute auch nicht mehr - ohne grüne Karte…
    Und wenn dann alle gewandert sind, wird gezählt. 2010/11 soll ja wieder. Auswanderungswillige vor! Ihr seid die künftigen Kostenreduzierer. Jawohl. Denn nach Schätzungen wird dieser Spaß dem Steuersäckl wohl 500 Millionen kosten, also überschlagsweise zum Schnäppchenpreis von 6,10 Euro pro Kopf (egal ob mit oder ohne Inhalt).
    Dann, ja dann endlich werden die eingesetzten Zähler aus den Übrigebliebenen, den Hiergebliebenen, den Verlassenen, den Vergessenen, den Zurückgebliebenen in diesem Ländle endlich annähernd den geforderten Mindestlohn erhalten….

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