Heldenmutter

3. Oktober 2006 05:45

Frauen und Soldaten sind ein Thema, das in den unterschiedlichsten Variationen ganze Bibliotheken füllt.
Ein ganz besonderes Thema aber sind Soldaten und ihre Mütter. Auch hier gibt es verschiedene Ausprägungen und eine der davon sind die „Heldenmütter“, die mit Stolz geschwelltem Mieder und zum Wohle des Vaterlandes die Frucht ihres Schoßes auf das Feld der Ehre schicken.
Eigentlich hatte ich gedacht, dass derartiges Gedankengut das Ende der Nazi-Zeit nicht überdauert hat und selbst Eva Herrmann mit ihrem Aufruf zur Rückkehr der deutschen Frau an den heimischen Herd und die Rückbesinnung auf weibliche Fähigkeiten wohl anderes im Sinn hat.

Doch scheint die „Heldenmutter“ die Jahre überdauert zu haben oder feiert gar in den Tagen der globalen Militarisierung eine nicht unbedingt wünschenswerte Auferstehung.
Eine Mutter namens Eva beantwortete im Forum eines großen wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazins die Frage zum Einsatz der „Bundeswehr im Kongo?“ wie folgt:

Erstens: Ich habe vier Kinder; noch sind sie klein, aber wenn eines oder mehrere von ihnen, wenn sie groß sind, für einen humanitären Einsatz bei der Bundeswehr, UNO, NATO oder auch einer zivilen Organisation ihr Leben aufs Spiel setzten, hätte ich zwar fürchterliche Angst um sie, aber ich wäre sicherlich auch sehr stolz auf ihren Mut und ihren Idealismus. Ich würde sie ganz bestimmt nicht davon abhalten wollen, und ich denke, das ist etwas anderes als das Getöne irgendwelcher Eltern von Selbstmordattentätern, die stolz darauf sind, daß ihr Kind sich für den rechten Glauben geopfert hat.

Dieser Frau und Bürgerin dieses Landes ist wohl nicht (mehr) bewusst, dass man zur humanitären Hilfe kein militärisches Personal einsetzen muss und es sich bei unserer Bundeswehr um bewaffnete „Streitkräfte“ handelt, die “zur Verteidigung des eigenen Landes gegen Feinde von außen” eingesetzt werden oder eingesetzt werden sollten. Auch wenn man uns noch während der Fußballweltmeisterschaft unbedingt den Einsatz im Innern schmackhaft machen wollte, wird Militär zur Bewachung innenpolitischer Gegner in den Fußballstadien nur in Diktaturen zum Einsatz gebracht.
Wir kennen die Bilder aus dem Fernsehen.

Auch scheint es wenig Sinn zu machen, dieser Mutter von vier Kindern die Frage nach dem „rechten Glauben“ zu stellen, wenn sie selbst das Leben ihrer Kinder für die „gute Sache“ einzusetzen bereit ist, wie andere Mütter auf der Welt das auch tun, weil sie an eine „gute Sache“ glauben.
Doch was ist eine „gute Sache“? Wer hat entschieden was „eine gute Sache“ ist?
Aus Sicht einer amerikanischen Mutter ist die „Befriedung“ des Irak sicher eine „gute Sache“, doch ob es dies auch aus Sicht einer irakischen Mutter ist, hat wohl kaum jemand interessiert oder wurde einfach als selbstverständlich angenommen.

Zweitens: So sehr wir UNSERE Kinder lieben, so sehr lieben die kongolesischen Eltern die ihren sicher auch. Warum soll das Leben eines deutschen Soldaten mehr wert sein als das eines kongolesischen Zivilisten?

An der Frage nach dem Wert eines Menschenlebens haben sich schon viele Leute die Zähne ausgebissen oder eine blutige Nase geholt. Im vorliegenden Fall ist wohl der einzige Unterschied, dass der kongolesische Zivilist in seinem Heimatland von seinen eigenen Landsleuten getötet wird.
Wenn Ausländer dies verhindern wollen, dann gibt es in unserer globalisierten Welt andere Möglichkeiten um Einfluss auf innenpolitische Ereignisse zu nehmen und steuernd einzugreifen, denn Geld regiert die Welt. Oder liegt etwa genau darin das eigentliche Problem? Sowohl beim Geld, als auch bei der Einflussnahme von außen. Und das nicht nur im Kongo.

Drittens: Es geht hier um 500 Soldaten. Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, oder?

Besonders dieser eine Satz hat mir (persönlich) die Galle gehoben und mich dazu veranlasst die Antworten dieser Heldenmutter mit Namen „Eva“ zu kommentieren.
Sind wir schon wieder so weit, dass es auf ein paar Menschen mehr oder weniger nicht ankommt, auch wenn man zu ihrer Entschuldigung unterstellen muss oder kann, dass sie nur die Zahl der „Soldaten“ gemeint hat und nicht die Zahl derer, die beim Einsatz im Kongo ihr Leben verlieren könnten.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Und hätte der Vater dieser heldenhaften Mutter sein Sperma auf einen heißen Stein getropft, dann wäre uns Eva und ihre Sicht der Dinge sicher erspart geblieben.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 3. Oktober 2006 um 05:45:32 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Heldenmutter”

  1. falkenauge meint:

    Eigentlich eine gute Idee, mit dem Stein, um ihn aber zum Stein der Weisen zu machen, sollte er an den richtigen Stellen plaziert werden.
    Denn die Mütter(auch Väter)die solche Kommentare von sich geben, sind bloß nach gerichtet worden. Genau wie Ihre Vorfahren, welche für Gott, Kirche und Vaterland,für “Freiheit”,”Gleichheit”,”Brüderlichkeit”, Kommunismus und Kapital, jeden “Bruder” auf dem Altar der Notwendigkeitsfloskeln Ihrer Führung, der Freiheit, Gleichheit und wenn nötig des Lebens berauben,zur Not auch mit eigenen Blut.Seltsam nur das von den Führern solch ein Opfergang nicht erwartet noch gebracht wird oder wurde, siehe Irakkrieg, nur ein Kongressmitglied hat einen Sohn in diesem Feldzug! Also sollte man diesen Stein nicht lieber jenen zur Verfügung stellen, welche für die Ursachen verantwortlich sind ? Als echten Stein der Weisen sozusagen ? Eine Korrektur in der Natur, Vernichtung des Erbguts von stoibigen, becksteinfarbigen, merkelwürdig aussehenden und sonst wie gearteteten Bushmannspermien! Ich muß dringend zum nachrichten, weil:
    Ich bin jetzt auch ein Michel aus Bollerdingsda !
    Jeden Morgen stelle ich eine neue Figur auf meinen Altar der Verehrung und bete sie an.Ich zwinge mich dazu,in einer Art von Notwehr, nein Reformwillen,Glauben nachzukommen. Selbstdisziplin, Zusammenreißen, Gürtel enger schnallen, so um den Kopf herum, so habe ich das verstanden. Abends sehe ich mir deshalb die Nachrichten an. Das Wort brachte die Idee, Nachrichten, es wird also nach gerichtet, fein justiert an Volkesmeinung- und stimmung. Da war sie die Erleuchtung, ich bin ein Auserwählter ein Wissender geworden. Ich lasse mich nun täglich mindestens 2x pro Tag nach richten. Egal wie vorher justiert, noch wie Profalla ich mein wie profan die Themen sind, Hauptsache die Richtung wird eingehalten, später dann, nach gerichtet! Wie gesagt, seit dem schnitze ich auch diese Figuren, Heilige, Propheten und Gelehrte vom „A” wie Altkanzler über „S” wie von Sinn bis „Z” wie Zwick, ich habe alle und täglich kommen neue hinzu. Einige hab ich schon mehr als doppelt, sind halt doppelt oder dreifaltig Heilige. Einige sehen schon recht merkelwürdig, stoibig oder becksteinfarbig aus, aber ich mach da keinen Unterschied. Bin halt ein Michel, liebe diese Figuren mit dem Holzkopf,- sind Marionetten nicht auch aus Holz? Schnell zum nach richten, Figur gefällig oder doch einen heißen Stein?

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Frauen und Soldaten sind ein Thema, das in den unterschiedlichsten Variationen ganze Bibliotheken füllt.
Ein ganz besonderes Thema aber sind Soldaten und ihre Mütter. Auch hier gibt es verschiedene Ausprägungen und eine der davon sind die „Heldenmütter“, die mit Stolz geschwelltem Mieder und zum Wohle des Vaterlandes die Frucht ihres Schoßes auf das Feld der Ehre schicken.
Eigentlich hatte ich gedacht, dass derartiges Gedankengut das Ende der Nazi-Zeit nicht überdauert hat und selbst Eva Herrmann mit ihrem Aufruf zur Rückkehr der deutschen Frau an den heimischen Herd und die Rückbesinnung auf weibliche Fähigkeiten wohl anderes im Sinn hat.

Doch scheint die „Heldenmutter“ die Jahre überdauert zu haben oder feiert gar in den Tagen der globalen Militarisierung eine nicht unbedingt wünschenswerte Auferstehung.
Eine Mutter namens Eva beantwortete im Forum eines großen wöchentlich erscheinenden Nachrichtenmagazins die Frage zum Einsatz der „Bundeswehr im Kongo?“ wie folgt:

Erstens: Ich habe vier Kinder; noch sind sie klein, aber wenn eines oder mehrere von ihnen, wenn sie groß sind, für einen humanitären Einsatz bei der Bundeswehr, UNO, NATO oder auch einer zivilen Organisation ihr Leben aufs Spiel setzten, hätte ich zwar fürchterliche Angst um sie, aber ich wäre sicherlich auch sehr stolz auf ihren Mut und ihren Idealismus. Ich würde sie ganz bestimmt nicht davon abhalten wollen, und ich denke, das ist etwas anderes als das Getöne irgendwelcher Eltern von Selbstmordattentätern, die stolz darauf sind, daß ihr Kind sich für den rechten Glauben geopfert hat.

Dieser Frau und Bürgerin dieses Landes ist wohl nicht (mehr) bewusst, dass man zur humanitären Hilfe kein militärisches Personal einsetzen muss und es sich bei unserer Bundeswehr um bewaffnete „Streitkräfte“ handelt, die “zur Verteidigung des eigenen Landes gegen Feinde von außen” eingesetzt werden oder eingesetzt werden sollten. Auch wenn man uns noch während der Fußballweltmeisterschaft unbedingt den Einsatz im Innern schmackhaft machen wollte, wird Militär zur Bewachung innenpolitischer Gegner in den Fußballstadien nur in Diktaturen zum Einsatz gebracht.
Wir kennen die Bilder aus dem Fernsehen.

Auch scheint es wenig Sinn zu machen, dieser Mutter von vier Kindern die Frage nach dem „rechten Glauben“ zu stellen, wenn sie selbst das Leben ihrer Kinder für die „gute Sache“ einzusetzen bereit ist, wie andere Mütter auf der Welt das auch tun, weil sie an eine „gute Sache“ glauben.
Doch was ist eine „gute Sache“? Wer hat entschieden was „eine gute Sache“ ist?
Aus Sicht einer amerikanischen Mutter ist die „Befriedung“ des Irak sicher eine „gute Sache“, doch ob es dies auch aus Sicht einer irakischen Mutter ist, hat wohl kaum jemand interessiert oder wurde einfach als selbstverständlich angenommen.

Zweitens: So sehr wir UNSERE Kinder lieben, so sehr lieben die kongolesischen Eltern die ihren sicher auch. Warum soll das Leben eines deutschen Soldaten mehr wert sein als das eines kongolesischen Zivilisten?

An der Frage nach dem Wert eines Menschenlebens haben sich schon viele Leute die Zähne ausgebissen oder eine blutige Nase geholt. Im vorliegenden Fall ist wohl der einzige Unterschied, dass der kongolesische Zivilist in seinem Heimatland von seinen eigenen Landsleuten getötet wird.
Wenn Ausländer dies verhindern wollen, dann gibt es in unserer globalisierten Welt andere Möglichkeiten um Einfluss auf innenpolitische Ereignisse zu nehmen und steuernd einzugreifen, denn Geld regiert die Welt. Oder liegt etwa genau darin das eigentliche Problem? Sowohl beim Geld, als auch bei der Einflussnahme von außen. Und das nicht nur im Kongo.

Drittens: Es geht hier um 500 Soldaten. Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, oder?

Besonders dieser eine Satz hat mir (persönlich) die Galle gehoben und mich dazu veranlasst die Antworten dieser Heldenmutter mit Namen „Eva“ zu kommentieren.
Sind wir schon wieder so weit, dass es auf ein paar Menschen mehr oder weniger nicht ankommt, auch wenn man zu ihrer Entschuldigung unterstellen muss oder kann, dass sie nur die Zahl der „Soldaten“ gemeint hat und nicht die Zahl derer, die beim Einsatz im Kongo ihr Leben verlieren könnten.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Und hätte der Vater dieser heldenhaften Mutter sein Sperma auf einen heißen Stein getropft, dann wäre uns Eva und ihre Sicht der Dinge sicher erspart geblieben.


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Eine Antwort zu “Heldenmutter”

  1. falkenauge meint:

    Eigentlich eine gute Idee, mit dem Stein, um ihn aber zum Stein der Weisen zu machen, sollte er an den richtigen Stellen plaziert werden.
    Denn die Mütter(auch Väter)die solche Kommentare von sich geben, sind bloß nach gerichtet worden. Genau wie Ihre Vorfahren, welche für Gott, Kirche und Vaterland,für “Freiheit”,”Gleichheit”,”Brüderlichkeit”, Kommunismus und Kapital, jeden “Bruder” auf dem Altar der Notwendigkeitsfloskeln Ihrer Führung, der Freiheit, Gleichheit und wenn nötig des Lebens berauben,zur Not auch mit eigenen Blut.Seltsam nur das von den Führern solch ein Opfergang nicht erwartet noch gebracht wird oder wurde, siehe Irakkrieg, nur ein Kongressmitglied hat einen Sohn in diesem Feldzug! Also sollte man diesen Stein nicht lieber jenen zur Verfügung stellen, welche für die Ursachen verantwortlich sind ? Als echten Stein der Weisen sozusagen ? Eine Korrektur in der Natur, Vernichtung des Erbguts von stoibigen, becksteinfarbigen, merkelwürdig aussehenden und sonst wie gearteteten Bushmannspermien! Ich muß dringend zum nachrichten, weil:
    Ich bin jetzt auch ein Michel aus Bollerdingsda !
    Jeden Morgen stelle ich eine neue Figur auf meinen Altar der Verehrung und bete sie an.Ich zwinge mich dazu,in einer Art von Notwehr, nein Reformwillen,Glauben nachzukommen. Selbstdisziplin, Zusammenreißen, Gürtel enger schnallen, so um den Kopf herum, so habe ich das verstanden. Abends sehe ich mir deshalb die Nachrichten an. Das Wort brachte die Idee, Nachrichten, es wird also nach gerichtet, fein justiert an Volkesmeinung- und stimmung. Da war sie die Erleuchtung, ich bin ein Auserwählter ein Wissender geworden. Ich lasse mich nun täglich mindestens 2x pro Tag nach richten. Egal wie vorher justiert, noch wie Profalla ich mein wie profan die Themen sind, Hauptsache die Richtung wird eingehalten, später dann, nach gerichtet! Wie gesagt, seit dem schnitze ich auch diese Figuren, Heilige, Propheten und Gelehrte vom „A” wie Altkanzler über „S” wie von Sinn bis „Z” wie Zwick, ich habe alle und täglich kommen neue hinzu. Einige hab ich schon mehr als doppelt, sind halt doppelt oder dreifaltig Heilige. Einige sehen schon recht merkelwürdig, stoibig oder becksteinfarbig aus, aber ich mach da keinen Unterschied. Bin halt ein Michel, liebe diese Figuren mit dem Holzkopf,- sind Marionetten nicht auch aus Holz? Schnell zum nach richten, Figur gefällig oder doch einen heißen Stein?

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