REITs

17. Oktober 2006 05:45

Ein derzeit nur unter Befürworter und Gegner kontrovers diskutiertes REIT’s-Thema sind die Real Estate Investment Trusts (REITs), eine bisher in Deutschland (noch) nicht zugelassene Rechtsform einer börsennotierten Immobilien-Aktiengesellschaft.
Von den eigentlich Betroffenen wird die Problematik noch weitgehend ignoriert bzw. ist gar nicht erkannt, doch die schwarz-rote Bundesregierung hat sich bereits zu REIT’s bekannt und will Ende September 2006 dem Parlament einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen.

REITs

Egal, wie man zu diesem Thema steht, muss man anerkennen, dass hier ein hervorragendes Stück Lobbyarbeit geleistet wurde und die Initiatoren sicher schon bald die Früchte ihrer Investments ernten können. Es lohnt sich daher, das Geschäftsfeld der REIT’s, die agierenden Personen und ihre Argumente mal näher unter die Lupe zu nehmen. Man muss sich jetzt nicht sämtliche Argumente für und wider REIT’s anhören oder gar wiederholen. Es genügt zur ersten eigenen Meinungsbildung vollkommen sich das Geschäftsfeld der REIT’s anzusehen, denn meist genügt schon der erste Eindruck und die mehr und minder offensichtlichen Interessen der Befürworten besorgen dann den Rest.

Da für die Zulassung der REIT’s in der BRddr erst mal ein Gesetz geformt werden muss, können wir davon ausgehen, dass es bei diesem Immobilien-Monopoly um sehr viel Geld geht.
Und da sich in solchen Fällen, zumindest mir, immer die Frage stellt woher das Geld, das hier verdient werden soll, wohl kommen wird, habe ich mich zuerst mal bei Wikipedia über den Geschäftszweck der REIT’s aufgeschlaut. Speziell die Beschreibung der Situation in Deutschland und wer die Zulassung der REIT’s denn so vehement betreibt, sollte dabei Ihre besondere Aufmerksamkeit finden.

Nun wissen Insider, dass ähnlich wie auf dem Energiesektor auch im Immobilienbereich Deutschland innerhalb Europas eine Sonderstellung einnimmt, die man nicht unbedingt als Führungsposition bezeichnen muss.
Es handelt sich eher um Schutzzonen für gewisse Geschäftsinteressen und obwohl Energie und Immobilien auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, habe sie doch mindestens eines gemeinsam:
Die Kunden können nicht einfach weglaufen und sie brauchen das Produkt, denn jeder Mensch braucht ein Dach über dem Kopf und Strom in der Hütte.

Zu den Energiekosten und der Ohnmacht der Konsumenten braucht man nichts mehr zu sagen. Hier können im Rahmen der Notwehr nur noch konkrete Maßnahmen gegen die Viererbande für eine „Normalisierung“ sorgen, wobei bei mir persönlich die Gewaltbereitschaft bereits wesentlich weiter fortgeschritten und bereits (zu mindest traumatisch) der warme Abriss diverser Vorstandsbunker und -sessel durchgespielt wurde.

Aber lassen wir das und schlauen uns mal wieder bei Wikipedia auf um zu erfahren, warum gewisse Personen und Interessengruppierung so scharf darauf sind, dass REIT’s in der BRddr zugelassen werden. Dazu schlagen wir mal unter dem Stichwort „Wohneigentum“ nach, den wie gesagt „jeder Mensch braucht Strom in der Hütte und ein Dach über dem Kopf“.
Beim „Wohneigentum“ liegt Deutschland innerhalb der europäischen Länder auf dem zweitletzten Platz. Nur noch in der Schweiz wohnen (prozentual) mehr Menschen in angemieteten Räumen und nicht in den eigenen vier Wänden. Und genau um diesen, im bevölkerungsreichsten Land Europas, einmaligen Immobilienbestand geht es, denn in Deutschland wohnen mehr Menschen „zur Miete“ als ganz Spanien Einwohner hat.

„Ahaaa, Nachtigall ick hör dir trapsen“, zuckt vermutlich nicht nur mir durch’s Hirn, wenn es gleichzeitig daran denkt, wo denn die attraktiven (prozentual zweistelligen) Renditen für die internationalen Finanzinvestoren herkommen sollen, denn soweit ich mich gleichzeitig erinnere, sind doch „Mieten“ für die Überlassung von fremden Wohnraum zu bezahlen.

Zu diesem REIT’s-Thema äußert sich dazu in einem Artikel des Focus (Fakten, Fakten, Fakten – Das Blatt für den Lokus) ein Herr Puhl, Experte“ bei der Firma Morgan Stanley wie folgt: „Deutschland habe ein strenges Mietrecht. Immobilienfirmen, die von Finanzinvestoren geführt werden, sind servicefreundlicher.

Ich weiß nun nicht wo der Mann die „besondere Servicefreundlichkeit“ der Finanzinvestoren ausgepuhlt hat, aber mit dem Mietrecht hat er Recht. Da haben die rot-grünen Genossen, allen voran die Frau Herta Däubler-Gmelin mit der Mietrechtsreform 2001 herumgewürgt und herumgebogen auf dass es der Sau graust, die Juristen sich die Hände reiben und der Bundesgerichtshof das Machwerk in zahlreichen Punkten korrigieren musste.
Die Opposition sah damals sogar den Mietfrieden gefährdet, schreibt die WELT. Aber das war ja auch noch die Opposition von 2001 und die sind ja jetzt nun nicht mehr in der Opposition.
Und wie wir oben gesehen haben, können mit entsprechend erfolgreicher Lobbyarbeit auch Gesetze geändert werden. Sensibilisieren Sie doch mal Ihre Sinne in diese Richtung und achten darauf, von wem seit einiger Zeit in den Medien verstärkt nach einer Änderung des Mietrechts gerufen wird. Aus aktuellem Anlass hat sich der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V. (BFW) schon mal ein „Eckpunktepapier zur Reform des Mietrechts“ ausgedacht. Jetzt muss man nur noch dafür sorgen, dass es auch mit der Lobbyarbeit klappt, was aber bei den zukünftig „prozentual zweistelligen Renditen“ für Finanzinvestoren im Immobilienbereich sicher kein großes (finanzielles) Problem darstellen wird.

Wenn Ihnen das alles nicht gefällt, dann können Sie ja umziehen!
Die Stadt Dresden sollten Sie dabei allerdings meiden. Leipzig und Freiburg sind auch nur noch bedingt empfehlenswert und über die Situation in anderen Städten sollten Sie sich vorher aus der Presse aufschlauen.

Und wenn Sie glauben sollten, sie könnten bei so einem Umzug auch noch gleich den Stromanbieter wechseln – vergessen Sie’s, das wär dann doch zu viel “an Reits“.

Denn „Vier Gewinnt“ und “wir sind das Volk”.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. Oktober 2006 um 05:45:37 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

5 Antworten zu “REITs”

  1. BrainBomb meint:

    Der Vergleich mit der Situation auf dem Energiemarkt ist genau richtig!

    Ich selbst bin Mieter der Immeo (48.000 Wohnungen von Thyssen-Krupp-Immobilien-AG in NRW gekauft für 2,1Mrd. Euro also 44.000 Euro pro Wohnung), welche jetzt nach 2 Jahren mit einer Rendite für den Hedge-Fond von Morgan Stanley (und Corpus, einer Immobilientochter der Düsseldorfer Sparkasse) von 15 Prozent an einen französischen REIT-Fond verkauft wurde. Dieser gehört übrigens ebenfalls Morgan Stanley. Die ganze Operation kann durchaus als Operation betrachtet werden, in Zukunft keine Unternehmenssteuern mehr zahlen zu müssen.

    Für mich als Mieter sieht die Situation so aus: Meine Miete wird um 120 Euro erhöht (80 Euro Grundmiete, 40 Euro Nebenkosten, ich weigere mich allerdings z.Z. noch, die Mieterhöhungen zu aktzeptieren). Die Miete befindet sich zwar innerhalb des Mietspiegelspanne (am oberen Rand). Die ist aber viel zu hoch angesetzt, denn die resultierende Warmmiete ließe sich niemals am Markt durchsetzen, sprich, die Wohnungen würden keine Abnehmer (Mieter) finden. Die Immeo will aber die Mieter raushaben, um die Wohnungen verkaufen zu können. Es gibt dabei eine Menge weiterer unsauberer Tricks, die mit diesem Ziel eingesetzt werden, um die Mieter mürbe zu machen, aber das hier aufzuzählen, würde jetzt zu weit führen. Nur soviel, diese Tricks sind tatsächlich sehr effektiv.

    Ich habe aufgrund des sogenannten “servicefreundlichen” Verhaltens der Wohnungsgesellschaft mal örtliche Politiker angeschrieben, und zwar eine Partei, die sich öffentlich durchaus kritisch z.B. zum Verkauf der LEG-Wohungen hier in NRW äußert. Deren Argumentation ist jetzt sehr interessant:

    1. Die Immobiliengesellschaften hätten in der Vergangenheit ihre Möglichkeiten der Mieterhöhung nicht voll ausgenutzt. Soll wohl sagen, eine Mieterhöhung auf oberes Mietspiegelniveau sei absolut in Ordnung, obwohl Wohnungen auf dem Markt zu solchen Mieten tatsächlich nicht vermietbar wären.

    2. In der Vergangenheit wären zuviele solcher Wohnungen gebaut worden. Es gäbe hier ein Überangebot.

    Und da zeigt in der Tat die Analogie zu den Energieunternehmen bei gleichzeitiger Unbedarftheit der Politiker.

    Wenn der Markt tatsächlich funktionieren würde, müssten ja die Preise (Mieten) sinken nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Sie tun aber genau das Gegenteil! Hier funktionier “Markt” also nicht mehr, weil Angebotsmonopolisten jeden Preis durchsetzen können.

    Ein zweites Pseudoargument der Politiker (jetzt allgemein, nicht die angeschriebenen!) lautet, dass wir ja die Heuschrecken brauchen, da diese ja so wahnsinnig effektiv für die Bewirtschaftung von Wohnungseigentum seien. Dazu ist zu sagen, dass man die Heuschrecken eigentlich gar nicht braucht. Bedenkt man mal, dass dier Verkaufspreis einer einfachen 75m2-Wohnung 44.000 Euro betragen hat, hätte man leicht soziale Finanzierungsmodelle finden können - etwa mit Hilfe der öffentlich-rechtlichen dem gemeinwohl verpflichteten Sparkassen - mit denen diese Wohnungen etwa am Ende genossenschaftlich bewirtschaftet würden. Sogar Tyssen-Krupp hätte mehr rausschlagen können. Ohne das hier vorzurechnen kann man sich denken, wenn man die Profit-Margen der Heuschrecken weglässt, dass hier Wohnungen zum Teil preisgünstig und damit werterhaltend an Eigentümergemeinschaften (Genossenschaften) hätten verkauft werden können um dann zu sozial verträglichen Mieten am Markt angeboten zu werden. Alle an dem Deal beteiligten hätten mehr bekommen: Der Verkäufer (Thyssen-Krupp), die neuen Eigentümer (Genossenschaftler) und die letztendlichen Mieter.

    Es hätte also Alternativen gegeben, wenn man etwas mehr Gehirnschmalz in die Sache investiert hätte. Aber da Politiker und Unternehmen immer nur an das schnelle Geld denken, steigen hier im Lande entgegen den Gesetzen des Marktes die Immobilienpreise und die Mieten.

  2. synchrono meint:

    Aber wir leben doch nun mal im Kapitalismus.
    Und dessen Existenzgrundlage ist doch nun mal das Streben nach Maximalprofit.
    Und zur Sicherung dessen handelt die Politik doch nun mal.
    Oder? Sacht doch mal…

    Wenn man sich das immer vor Augen hält, werden viele Beschlüsse unserer Politiker viel schlüssiger.

  3. Machopan meint:

    Das Streben nach Profit ist sicher Grundlage jeden wirtschaftlichen Handelns. Auch gegen die Optimierung des Profits lässt sich grundsätzlich nichts einwenden.
    Ob es sich bei dem Optimum aber um ein Minimum oder Maximum handelt, hängt vom Kontext des Problems ab, nämlich davon, ob Schlechtes minimiert oder Gutes maximiert werden soll. Hier haben sicher REITs und Mieter eine unterschiedliche Sicht der Dinge, denn im vorliegenden Fall der REITs kann die Maximierung des Profits nur durch höhere Mieteinnahmen erfolgen.
    Um dies zu ermöglichen sollen sogar nun Gesetze geändert werden um kurzfristig höhere Mieten realisieren zu können.
    Für die REITs mit entsprechend großem Wohnungsbestand eine Kleinigkeit. Und der Mieter kann nur bedingt durch Umzug ausweichen.

    Besser wäre es gewesen, den Mietern die von ihnen gemieteten Wohnungen zu einem ähnlich günstigen Preis zum Kauf anzubieten und über die Banken entsprechende Finanzierungsmodelle zur Verfügung zu stellen.
    Das hätte zwar etwas mehr Aufwand beim Verkauf bedeutet, wäre aber langfristig für die Mieter und auch für unsere Gesellschaft besser gewesen.

    Und dass hier gehörige Lobbyarbeit geleistet wird, werden wir dann sehen, wenn die ersten Politiker in den Aufsichtsräten und Vorständen der REITs auftauchen. Das wäre dann nach der Energiebranche ein weiterer Wirtschaftsbereich in dem man sich ins vorher gemachte Nest setzen kann.

  4. Machopan meint:

    Man liegt fast im Zeitplan.
    Jetzt müssen nur noch die Regelwerke für Mieterhöhungen verändert werden um Kasse machen zu können.
    Schön für die Investoren, werden doch 80-90% der Erträge als Dividende ausgeschüttet, denn diese sind auf Unternehmensebene von Steuerzahlungen befreit.
    Guckst du hier

  5. BrainBomb meint:

    Genau! Die Bank, die im Handelsblatt die neue Gesetzeslage bejubelt, ist Sal. Oppenheim. Die selbe, die gutachterlich zum Verkauf der LEG-Wohnungen von der Landesregierung NRW beauftragt war und dort die Möglichkeit, die Wohnungen direkt und einzeln zu verkaufen, abgelehnt hat. Wie heißt es so schön? Wenn man den Sumpf trocken legen will, sollte man nicht die Frösche fragen. Man muss wirklich mal die Frage stellen, wessen Interessen die Politiker eigentlich vertreten. Die Interessen amerikanischer Pensionskassen oder die Interessen deutscher Bürger.

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17. Oktober 2006 05:45

Ein derzeit nur unter Befürworter und Gegner kontrovers diskutiertes REIT’s-Thema sind die Real Estate Investment Trusts (REITs), eine bisher in Deutschland (noch) nicht zugelassene Rechtsform einer börsennotierten Immobilien-Aktiengesellschaft.
Von den eigentlich Betroffenen wird die Problematik noch weitgehend ignoriert bzw. ist gar nicht erkannt, doch die schwarz-rote Bundesregierung hat sich bereits zu REIT’s bekannt und will Ende September 2006 dem Parlament einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen.

REITs

Egal, wie man zu diesem Thema steht, muss man anerkennen, dass hier ein hervorragendes Stück Lobbyarbeit geleistet wurde und die Initiatoren sicher schon bald die Früchte ihrer Investments ernten können. Es lohnt sich daher, das Geschäftsfeld der REIT’s, die agierenden Personen und ihre Argumente mal näher unter die Lupe zu nehmen. Man muss sich jetzt nicht sämtliche Argumente für und wider REIT’s anhören oder gar wiederholen. Es genügt zur ersten eigenen Meinungsbildung vollkommen sich das Geschäftsfeld der REIT’s anzusehen, denn meist genügt schon der erste Eindruck und die mehr und minder offensichtlichen Interessen der Befürworten besorgen dann den Rest.

Da für die Zulassung der REIT’s in der BRddr erst mal ein Gesetz geformt werden muss, können wir davon ausgehen, dass es bei diesem Immobilien-Monopoly um sehr viel Geld geht.
Und da sich in solchen Fällen, zumindest mir, immer die Frage stellt woher das Geld, das hier verdient werden soll, wohl kommen wird, habe ich mich zuerst mal bei Wikipedia über den Geschäftszweck der REIT’s aufgeschlaut. Speziell die Beschreibung der Situation in Deutschland und wer die Zulassung der REIT’s denn so vehement betreibt, sollte dabei Ihre besondere Aufmerksamkeit finden.

Nun wissen Insider, dass ähnlich wie auf dem Energiesektor auch im Immobilienbereich Deutschland innerhalb Europas eine Sonderstellung einnimmt, die man nicht unbedingt als Führungsposition bezeichnen muss.
Es handelt sich eher um Schutzzonen für gewisse Geschäftsinteressen und obwohl Energie und Immobilien auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, habe sie doch mindestens eines gemeinsam:
Die Kunden können nicht einfach weglaufen und sie brauchen das Produkt, denn jeder Mensch braucht ein Dach über dem Kopf und Strom in der Hütte.

Zu den Energiekosten und der Ohnmacht der Konsumenten braucht man nichts mehr zu sagen. Hier können im Rahmen der Notwehr nur noch konkrete Maßnahmen gegen die Viererbande für eine „Normalisierung“ sorgen, wobei bei mir persönlich die Gewaltbereitschaft bereits wesentlich weiter fortgeschritten und bereits (zu mindest traumatisch) der warme Abriss diverser Vorstandsbunker und -sessel durchgespielt wurde.

Aber lassen wir das und schlauen uns mal wieder bei Wikipedia auf um zu erfahren, warum gewisse Personen und Interessengruppierung so scharf darauf sind, dass REIT’s in der BRddr zugelassen werden. Dazu schlagen wir mal unter dem Stichwort „Wohneigentum“ nach, den wie gesagt „jeder Mensch braucht Strom in der Hütte und ein Dach über dem Kopf“.
Beim „Wohneigentum“ liegt Deutschland innerhalb der europäischen Länder auf dem zweitletzten Platz. Nur noch in der Schweiz wohnen (prozentual) mehr Menschen in angemieteten Räumen und nicht in den eigenen vier Wänden. Und genau um diesen, im bevölkerungsreichsten Land Europas, einmaligen Immobilienbestand geht es, denn in Deutschland wohnen mehr Menschen „zur Miete“ als ganz Spanien Einwohner hat.

„Ahaaa, Nachtigall ick hör dir trapsen“, zuckt vermutlich nicht nur mir durch’s Hirn, wenn es gleichzeitig daran denkt, wo denn die attraktiven (prozentual zweistelligen) Renditen für die internationalen Finanzinvestoren herkommen sollen, denn soweit ich mich gleichzeitig erinnere, sind doch „Mieten“ für die Überlassung von fremden Wohnraum zu bezahlen.

Zu diesem REIT’s-Thema äußert sich dazu in einem Artikel des Focus (Fakten, Fakten, Fakten – Das Blatt für den Lokus) ein Herr Puhl, Experte“ bei der Firma Morgan Stanley wie folgt: „Deutschland habe ein strenges Mietrecht. Immobilienfirmen, die von Finanzinvestoren geführt werden, sind servicefreundlicher.

Ich weiß nun nicht wo der Mann die „besondere Servicefreundlichkeit“ der Finanzinvestoren ausgepuhlt hat, aber mit dem Mietrecht hat er Recht. Da haben die rot-grünen Genossen, allen voran die Frau Herta Däubler-Gmelin mit der Mietrechtsreform 2001 herumgewürgt und herumgebogen auf dass es der Sau graust, die Juristen sich die Hände reiben und der Bundesgerichtshof das Machwerk in zahlreichen Punkten korrigieren musste.
Die Opposition sah damals sogar den Mietfrieden gefährdet, schreibt die WELT. Aber das war ja auch noch die Opposition von 2001 und die sind ja jetzt nun nicht mehr in der Opposition.
Und wie wir oben gesehen haben, können mit entsprechend erfolgreicher Lobbyarbeit auch Gesetze geändert werden. Sensibilisieren Sie doch mal Ihre Sinne in diese Richtung und achten darauf, von wem seit einiger Zeit in den Medien verstärkt nach einer Änderung des Mietrechts gerufen wird. Aus aktuellem Anlass hat sich der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V. (BFW) schon mal ein „Eckpunktepapier zur Reform des Mietrechts“ ausgedacht. Jetzt muss man nur noch dafür sorgen, dass es auch mit der Lobbyarbeit klappt, was aber bei den zukünftig „prozentual zweistelligen Renditen“ für Finanzinvestoren im Immobilienbereich sicher kein großes (finanzielles) Problem darstellen wird.

Wenn Ihnen das alles nicht gefällt, dann können Sie ja umziehen!
Die Stadt Dresden sollten Sie dabei allerdings meiden. Leipzig und Freiburg sind auch nur noch bedingt empfehlenswert und über die Situation in anderen Städten sollten Sie sich vorher aus der Presse aufschlauen.

Und wenn Sie glauben sollten, sie könnten bei so einem Umzug auch noch gleich den Stromanbieter wechseln – vergessen Sie’s, das wär dann doch zu viel “an Reits“.

Denn „Vier Gewinnt“ und “wir sind das Volk”.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. Oktober 2006 um 05:45:37 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

5 Antworten zu “REITs”

  1. BrainBomb meint:

    Der Vergleich mit der Situation auf dem Energiemarkt ist genau richtig!

    Ich selbst bin Mieter der Immeo (48.000 Wohnungen von Thyssen-Krupp-Immobilien-AG in NRW gekauft für 2,1Mrd. Euro also 44.000 Euro pro Wohnung), welche jetzt nach 2 Jahren mit einer Rendite für den Hedge-Fond von Morgan Stanley (und Corpus, einer Immobilientochter der Düsseldorfer Sparkasse) von 15 Prozent an einen französischen REIT-Fond verkauft wurde. Dieser gehört übrigens ebenfalls Morgan Stanley. Die ganze Operation kann durchaus als Operation betrachtet werden, in Zukunft keine Unternehmenssteuern mehr zahlen zu müssen.

    Für mich als Mieter sieht die Situation so aus: Meine Miete wird um 120 Euro erhöht (80 Euro Grundmiete, 40 Euro Nebenkosten, ich weigere mich allerdings z.Z. noch, die Mieterhöhungen zu aktzeptieren). Die Miete befindet sich zwar innerhalb des Mietspiegelspanne (am oberen Rand). Die ist aber viel zu hoch angesetzt, denn die resultierende Warmmiete ließe sich niemals am Markt durchsetzen, sprich, die Wohnungen würden keine Abnehmer (Mieter) finden. Die Immeo will aber die Mieter raushaben, um die Wohnungen verkaufen zu können. Es gibt dabei eine Menge weiterer unsauberer Tricks, die mit diesem Ziel eingesetzt werden, um die Mieter mürbe zu machen, aber das hier aufzuzählen, würde jetzt zu weit führen. Nur soviel, diese Tricks sind tatsächlich sehr effektiv.

    Ich habe aufgrund des sogenannten “servicefreundlichen” Verhaltens der Wohnungsgesellschaft mal örtliche Politiker angeschrieben, und zwar eine Partei, die sich öffentlich durchaus kritisch z.B. zum Verkauf der LEG-Wohungen hier in NRW äußert. Deren Argumentation ist jetzt sehr interessant:

    1. Die Immobiliengesellschaften hätten in der Vergangenheit ihre Möglichkeiten der Mieterhöhung nicht voll ausgenutzt. Soll wohl sagen, eine Mieterhöhung auf oberes Mietspiegelniveau sei absolut in Ordnung, obwohl Wohnungen auf dem Markt zu solchen Mieten tatsächlich nicht vermietbar wären.

    2. In der Vergangenheit wären zuviele solcher Wohnungen gebaut worden. Es gäbe hier ein Überangebot.

    Und da zeigt in der Tat die Analogie zu den Energieunternehmen bei gleichzeitiger Unbedarftheit der Politiker.

    Wenn der Markt tatsächlich funktionieren würde, müssten ja die Preise (Mieten) sinken nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Sie tun aber genau das Gegenteil! Hier funktionier “Markt” also nicht mehr, weil Angebotsmonopolisten jeden Preis durchsetzen können.

    Ein zweites Pseudoargument der Politiker (jetzt allgemein, nicht die angeschriebenen!) lautet, dass wir ja die Heuschrecken brauchen, da diese ja so wahnsinnig effektiv für die Bewirtschaftung von Wohnungseigentum seien. Dazu ist zu sagen, dass man die Heuschrecken eigentlich gar nicht braucht. Bedenkt man mal, dass dier Verkaufspreis einer einfachen 75m2-Wohnung 44.000 Euro betragen hat, hätte man leicht soziale Finanzierungsmodelle finden können - etwa mit Hilfe der öffentlich-rechtlichen dem gemeinwohl verpflichteten Sparkassen - mit denen diese Wohnungen etwa am Ende genossenschaftlich bewirtschaftet würden. Sogar Tyssen-Krupp hätte mehr rausschlagen können. Ohne das hier vorzurechnen kann man sich denken, wenn man die Profit-Margen der Heuschrecken weglässt, dass hier Wohnungen zum Teil preisgünstig und damit werterhaltend an Eigentümergemeinschaften (Genossenschaften) hätten verkauft werden können um dann zu sozial verträglichen Mieten am Markt angeboten zu werden. Alle an dem Deal beteiligten hätten mehr bekommen: Der Verkäufer (Thyssen-Krupp), die neuen Eigentümer (Genossenschaftler) und die letztendlichen Mieter.

    Es hätte also Alternativen gegeben, wenn man etwas mehr Gehirnschmalz in die Sache investiert hätte. Aber da Politiker und Unternehmen immer nur an das schnelle Geld denken, steigen hier im Lande entgegen den Gesetzen des Marktes die Immobilienpreise und die Mieten.

  2. synchrono meint:

    Aber wir leben doch nun mal im Kapitalismus.
    Und dessen Existenzgrundlage ist doch nun mal das Streben nach Maximalprofit.
    Und zur Sicherung dessen handelt die Politik doch nun mal.
    Oder? Sacht doch mal…

    Wenn man sich das immer vor Augen hält, werden viele Beschlüsse unserer Politiker viel schlüssiger.

  3. Machopan meint:

    Das Streben nach Profit ist sicher Grundlage jeden wirtschaftlichen Handelns. Auch gegen die Optimierung des Profits lässt sich grundsätzlich nichts einwenden.
    Ob es sich bei dem Optimum aber um ein Minimum oder Maximum handelt, hängt vom Kontext des Problems ab, nämlich davon, ob Schlechtes minimiert oder Gutes maximiert werden soll. Hier haben sicher REITs und Mieter eine unterschiedliche Sicht der Dinge, denn im vorliegenden Fall der REITs kann die Maximierung des Profits nur durch höhere Mieteinnahmen erfolgen.
    Um dies zu ermöglichen sollen sogar nun Gesetze geändert werden um kurzfristig höhere Mieten realisieren zu können.
    Für die REITs mit entsprechend großem Wohnungsbestand eine Kleinigkeit. Und der Mieter kann nur bedingt durch Umzug ausweichen.

    Besser wäre es gewesen, den Mietern die von ihnen gemieteten Wohnungen zu einem ähnlich günstigen Preis zum Kauf anzubieten und über die Banken entsprechende Finanzierungsmodelle zur Verfügung zu stellen.
    Das hätte zwar etwas mehr Aufwand beim Verkauf bedeutet, wäre aber langfristig für die Mieter und auch für unsere Gesellschaft besser gewesen.

    Und dass hier gehörige Lobbyarbeit geleistet wird, werden wir dann sehen, wenn die ersten Politiker in den Aufsichtsräten und Vorständen der REITs auftauchen. Das wäre dann nach der Energiebranche ein weiterer Wirtschaftsbereich in dem man sich ins vorher gemachte Nest setzen kann.

  4. Machopan meint:

    Man liegt fast im Zeitplan.
    Jetzt müssen nur noch die Regelwerke für Mieterhöhungen verändert werden um Kasse machen zu können.
    Schön für die Investoren, werden doch 80-90% der Erträge als Dividende ausgeschüttet, denn diese sind auf Unternehmensebene von Steuerzahlungen befreit.
    Guckst du hier

  5. BrainBomb meint:

    Genau! Die Bank, die im Handelsblatt die neue Gesetzeslage bejubelt, ist Sal. Oppenheim. Die selbe, die gutachterlich zum Verkauf der LEG-Wohnungen von der Landesregierung NRW beauftragt war und dort die Möglichkeit, die Wohnungen direkt und einzeln zu verkaufen, abgelehnt hat. Wie heißt es so schön? Wenn man den Sumpf trocken legen will, sollte man nicht die Frösche fragen. Man muss wirklich mal die Frage stellen, wessen Interessen die Politiker eigentlich vertreten. Die Interessen amerikanischer Pensionskassen oder die Interessen deutscher Bürger.

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