Anschreiben

5. Oktober 2006 05:45

Arbeitgeber sind verpflichtet ein “wahrheitsgemäßes” und “wohlwollendes” Arbeitszeugnis zu formulieren, das auch der größten Arbeitnehmerpfeife die berufliche Zukunft nicht verbaut.
Und damit der Arbeitnehmer nicht mitbekommt, was er als Anlage zu einer neuen Bewerbung verwendet, werden eben als Beschreibung einer absolut ungenügenden Arbeitsleistung Formulierungen wie „er hat sich stets bemüht den an ihn gestellten Anforderungen gerecht zu werden“ verwendet, damit der neue (mögliche) Arbeitgeber schon mal Bescheid weiß.
Das ist zulässig und solange der Arbeitnehmer nicht versteht, was da für Nettigkeiten über ihn  in diesem „wohlwollenden“ Arbeitszeugnis stehen ist die Welt ja in Ordnung, denn der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel.

Nicht in Ordnung ist es jedoch, wenn der Arbeitnehmer seinerseits eine solche Verklausulierung verwendet um seine Abneigung gegen die Aufnahme einer neuen Tätigkeit zu signalisieren. Das hat nun das Bundessozialgericht entschieden (Aktenzeichen: B 7a AL 14/05 R). Daher sei es rechtens, dem arbeitsunwilligen Bewerber die Arbeitslosenhilfe für zwölf (!) Wochen zu sperren.
Das ist verhältnismäßig viel, wenn man berücksichtigt, dass Michael Ballack für seinen Handtaschenschmuggel nur zu 12 Tagessätzen verdonnert wurde. Gleichzeitig ist es aber auch verhältnismäßig wenig, weil der Tagessatz des Michael Ballack mit 5.000 Euro sicher etwas höher liegt als die Arbeitslosenhilfe für zwölf Wochen.
Da hat der Bewerber ja noch mal richtig Schwein gehabt!
Warum schreibt er auch im Anschreiben zu seiner Bewerbung: „Nach inzwischen langer Arbeitssuche ist es mir vor allem wichtig, wieder einer geregelten Tätigkeit nachzugehen, vorausgesetzt, sie bietet mir eine gewisse Perspektive und liegt im Bereich meiner Interessen und Fähigkeiten! Trotzdem ich denke, über eine gute Qualifikation zu verfügen, möchte ich darauf hinweisen, dass ich im Bereich AV (Arbeitsvorbereitung) weder über eine Ausbildung noch über jedwede Berufspraxis verfüge und dies auch keine Wunsch-Tätigkeit wäre.” und unterstreicht das auch noch!

Die Richter waren der Meinung, dass er damit seinen Pflichten nach dem Sozialgesetzbuch zuwidergehandelt habe, denn Arbeitslose müssen bei einer Bewerbung ihr “Interesse an der Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses zum Ausdruck bringen” und hätten daher alles zu unterlassen, was dem „nach außen hin erkennbar entgegenläuft“.
Auf die innere Einstellung des Arbeitslosen und ob er die Beschäftigung tatsächlich ablehnen wollte, komme es dabei nicht an, urteilten die obersten deutschen Sozialrichter: “Maßgeblich ist nur, ob die Wirkung auf den Arbeitgeber für ihn erkennbar war.“

Und in diesem Zusammenhang wird natürlich die Frage interessant, wie das Bundessozialgericht wohl entschieden hätte, wenn der Arbeitslose an einer Formulierung wie „hat er sich jederzeit bemüht unseren Anforderungen gerecht zu werden“ in seinem Arbeitszeugnis scheitert und „die Wirkung auf den Arbeitgeber für ihn erkennbar war.“

Ach, das habe ich ja ganz vergessen.
Die Formulierungen in den Arbeitszeugnissen versteht der Arbeitnehmer ja gar nicht, die dienen doch nur der „wohlwollenden“ Kommunikation zwischen den Arbeitgebern.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 5. Oktober 2006 um 05:45:55 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

5 Antworten zu “Anschreiben”

  1. erphschwester meint:

    es läßt sich trefflich drüber streiten, ob einer, der keine lust auf arbeit oder aber diesen einen angebotenen job hat, im recht ist. aber ich persönlich habe keine lust, leute, die nach jahrelanger arbeitslosigkeit noch immer auf ihren traumjob warten, ewig zu alimentieren. wenn diese traumjobs auf der straße liegen, hätte man sie ja auch ohne das amt finden können, oder?

  2. synchrono meint:

    Man muß wohl selbst in der Situation gewesen sein, um dies bewerten zu können. Ich habe meines “Traumjobs” wegen ein fünfjähriges Fernstudium gemacht. Nach dem Verlust des ersten neuen Arbeitsplatzes im neuen Job (die Telegate hatte kein Geld mehr für ein redaktionell betreutes Webportal) hätte ich ohne persönliche Beziehungen nach Deiner Philosophie wieder in meinem alten Job arbeiten müssen. Der, welcher mich krank gemacht hatte. Der, dem ich durch Investition im Wert eines guten Mittelklassewagens zu entrinnen suchte.

    Es stehen immer Menschen hinter solchen Urteilen. Es sind Schicksale, deren Hintergründe man in der Regel nicht kennt. Eine verallgemeinernde Bewertung (und auch ein richterliches Urteil ist dies) sollte sich verbieten.

    Aber wir hatten die Diskussionja schon, liebe Schwester :-)

  3. Machopan meint:

    Oh je, oh je, da habe ich wohl mit meinem Schriftwechsel (ohne es zu wissen) eine schon länger brodelnde Diskussion um das “darf man” oder “muss man” wieder angeheizt.
    “Darf man” noch die Wahrheit oder seine Meinung sagen, oder “muss man” weglassen, beschönigen, vermeiden, unerwähnt lassen, schwindeln, lügen und betrügen.
    So wie wir es jeden Tag von “denen da oben” vorgemacht bekommen!

    Ist es nun schon verboten zu schreiben: “möchte ich darauf hinweisen, dass ich im Bereich AV (Arbeitsvorbereitung) weder über eine Ausbildung noch über jedwede Berufspraxis verfüge und dies auch keine Wunsch-Tätigkeit wäre.”
    Was würden wir wohl schreiben, wenn wir uns als mehrsprachiger (deutsch, englisch türkisch) und international erfahrener Betriebs- oder Volkswirt auf eine Stelle als Geschäftsführer einer Döner-Bude bewerben müssten?
    Wohl sicher nicht: “bietet mir die angestrebte Position ideale Möglichkeiten meine Kenntnisse und Erfahrungen zum Wohle Ihres Unternehmens einzusetzen”.

  4. mitdenker meint:

    Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie sich Menschen mit Ursache und Wirkung auseinandersetzen. Deshalb einige Gedanken:
    Wird es nicht wieder und immer wieder vergessen, dass wir uns in einer arbeitsteiligen Welt befinden?
    Dies bedeutet jedoch, dass es heutzutage jedenfalls in den sogenannten Industrienationen niemanden mehr möglich ist, durch „Arbeit“ seine Ernährung, sein Dasein zu sichern. Und wer will schon in eine unbewohnte Region ziehen, eine Hütte errichten, ein Feld bestellen und auf die Jagd gehen oder Früchte sammeln? Dazu und nur dazu ist jedoch die Arbeitsteilung da: Sicherung der Existenz. Diese wird jedoch durch Menschen selbst pervertiert (siehe Diskussion zur „Grundsicherung“) und heutzutage sogar bewusst verleugnet. Ziel ist und bleibt die „Erhöhung“ einzelner über eine breite Masse von Menschen.
    Ja, die Arbeitslosen werden alimentiert von einer breiten Masse über Steuergelder. Aber doch nur, weil eine Minderheit einschließlich ihrer politischen Händchenhalter der Meinung ist, dass Ihnen die Früchte von Forschung und Entwicklung allein zustehen, weil sie alleiniger Nutznießer dieser Entwicklung sein dürfen (siehe Aussagen von „gerechter Bezahlung von Leistungsträgern“), obwohl sie richtig betrachtet keinen oder bestenfalls einen sehr geringen Anteil an diesen Fortschritten haben. Deshalb werden Menschen arbeitslos. Diese ewige dumme Diskussion um Preise ist dabei doch nur eine bewusste Verschleierung ökonomischer Zusammenhänge. Natürlich ist es sinnvoll und wichtig, was ein Produkt in seiner Herstellung kostet. Aber es gibt weitere Zusammenhänge, die zu wenig beachtet oder sogar negiert werden. Zum Beispiel diese immer wieder geführte dumme Diskussion um Gastarbeiter oder Produktionsauslagerungen. Die Produkte werden nicht wegen ihres Preises oder der Kosten hergestellt, sie sollen bzw. müssen verkauft werden. Ja wie denn, wenn auf Grund der Pervertierung der Arbeitsteilung die Verteilung in einer Weise aus den Bahnen läuft, die zu einem wirtschaftlichen Crash führen muss. Schliesslich gibt es einen Zusammenhang zwischen Preis und Lebenshaltungskosten. Oder wie sind sonst z.B. die Preisunterschiede bei Produkten in verschiedenen Regionen erklärlich? Wieso sind z.B. Reimporte von Autos preiswerter? Preise werden gemacht. Es sind doch nicht nur die ausufernden Vorstandsgehälter, nicht nur die Aktienkurse, die in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Wert von Unternehmen mehr stehen, es sind auch die vielen und zu vielen kleinen Misteln, die an den Unternehmen hängen. Wie ist es erklärlich, dass das Einkommen aus Werbeverträgen höher ist, als das Lebenseinkommen (!) eines sogenannten abhängig Beschäftigten, der tatsächlich die Werte geschaffen hat?
    Und weshalb kann ein Unternehmen die Früchte seiner „Rationalisierung“ (Personalabbau) einstecken, die damit entstehenden Kosten werden jedoch der Gesellschaft aufgebürdet. Für mich einfach nur Widersinnig. Die damit angeblich gesenkten Preise für das Produkt werden doch nur verlagert – auf die Allgemeinheit. In Wirklichkeit jedoch werden die eingesparten Kosten ganz anders verteilt, eben wie oben genannt.
    Und dann kommt jemand daher und meint, er wolle diesen Arbeitslosen, der es wagt, seine Meinung zu sagen, nicht mehr alimentieren. Genau das ist jedoch die falsche Herangehensweise. Alimentiert werden damit ganz andere. Aber wie man sieht, ist es hervorragend gelungen, eine Bewusstseinsveränderung herbeizuführen.
    Tolle Demokratie.
    Ach, und wie haben es dann wohl die Gründungsväter damals gemeint mit dem Grundgesetz dieser Republik? Wie sehr sollen diese Grundrechte denn noch auseinandergenommen, eingeschränkt, missachtet werden, damit eine Minderheit noch „selbstgerechter“ werden kann?

    Artikel 2
    [Allgemeine Handlungsfreiheit; Freiheit der Person; Recht auf Leben]
    (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
    Artikel 12
    [Berufsfreiheit; Verbot der Zwangsarbeit]
    (1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.
    (2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.
    (3) Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.

    Aber machen wir nur so weiter, schließlich ist es egal, ob wir uns in einem Bürgerkrieg die Köpfe einschlagen oder wegen der Interessenlage der o.g. „Leistungsträger“ irgendwo hin geschickt werden zur „Befriedung“ der Region oder vielleicht zum Export von „Demokratie“ und damit die dort reglementierten so sehr verärgern, dass sie die Empörung mit explosivem Druck herauslassen.
    Die wirklichen Verursacher freut es, denn selbst daran verdienen sie.

  5. erphschwester meint:

    ach, mitdenker, ich hab ja nichts gegen die “freie entfaltung der persönlichkeit”, aber wenn wir die in den vordergrund stellen wollen, dann sollten wir´s denen, die´s können, nicht allzu übel nehmen, wenn auch sie sich ihren batzen vom großen kuchen nehmen. ich bin gegen beschiß im großen wie im kleinen und hätte nichts dagegen, wenn wir den großen zuerst den arsch versohlen. davon wird der kleine beschiß aber auch nicht besser.
    und was dich angeht, synchrono, w i e du´s gemacht hast, dir deinen traum zu erfüllen, ist am ende wurscht. du hast´s jedenfalls getan und, wie ich sehe, auch allerhand arbeit reingesteckt. aber du hast, will mir scheinen, dich nicht hingesetzt und gewartet, daß dir wer “vom amt” deinen traum erfüllt. dafür sind die nämlich nicht zuständig.
    und, macho, was soll die frage? du läßt dich doch sowieso nicht vom wahr-reden abhalten. gerade, daß es der besten aller frauen bisher gelungen ist, dich beim baseball-schläger zu greifen, ehe schlimmeres passiert. ;)

    ach, leute, irgendwie ist es ein bißchen wie ein familientreffen … (seufz)

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5. Oktober 2006 05:45

Arbeitgeber sind verpflichtet ein “wahrheitsgemäßes” und “wohlwollendes” Arbeitszeugnis zu formulieren, das auch der größten Arbeitnehmerpfeife die berufliche Zukunft nicht verbaut.
Und damit der Arbeitnehmer nicht mitbekommt, was er als Anlage zu einer neuen Bewerbung verwendet, werden eben als Beschreibung einer absolut ungenügenden Arbeitsleistung Formulierungen wie „er hat sich stets bemüht den an ihn gestellten Anforderungen gerecht zu werden“ verwendet, damit der neue (mögliche) Arbeitgeber schon mal Bescheid weiß.
Das ist zulässig und solange der Arbeitnehmer nicht versteht, was da für Nettigkeiten über ihn  in diesem „wohlwollenden“ Arbeitszeugnis stehen ist die Welt ja in Ordnung, denn der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel.

Nicht in Ordnung ist es jedoch, wenn der Arbeitnehmer seinerseits eine solche Verklausulierung verwendet um seine Abneigung gegen die Aufnahme einer neuen Tätigkeit zu signalisieren. Das hat nun das Bundessozialgericht entschieden (Aktenzeichen: B 7a AL 14/05 R). Daher sei es rechtens, dem arbeitsunwilligen Bewerber die Arbeitslosenhilfe für zwölf (!) Wochen zu sperren.
Das ist verhältnismäßig viel, wenn man berücksichtigt, dass Michael Ballack für seinen Handtaschenschmuggel nur zu 12 Tagessätzen verdonnert wurde. Gleichzeitig ist es aber auch verhältnismäßig wenig, weil der Tagessatz des Michael Ballack mit 5.000 Euro sicher etwas höher liegt als die Arbeitslosenhilfe für zwölf Wochen.
Da hat der Bewerber ja noch mal richtig Schwein gehabt!
Warum schreibt er auch im Anschreiben zu seiner Bewerbung: „Nach inzwischen langer Arbeitssuche ist es mir vor allem wichtig, wieder einer geregelten Tätigkeit nachzugehen, vorausgesetzt, sie bietet mir eine gewisse Perspektive und liegt im Bereich meiner Interessen und Fähigkeiten! Trotzdem ich denke, über eine gute Qualifikation zu verfügen, möchte ich darauf hinweisen, dass ich im Bereich AV (Arbeitsvorbereitung) weder über eine Ausbildung noch über jedwede Berufspraxis verfüge und dies auch keine Wunsch-Tätigkeit wäre.” und unterstreicht das auch noch!

Die Richter waren der Meinung, dass er damit seinen Pflichten nach dem Sozialgesetzbuch zuwidergehandelt habe, denn Arbeitslose müssen bei einer Bewerbung ihr “Interesse an der Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses zum Ausdruck bringen” und hätten daher alles zu unterlassen, was dem „nach außen hin erkennbar entgegenläuft“.
Auf die innere Einstellung des Arbeitslosen und ob er die Beschäftigung tatsächlich ablehnen wollte, komme es dabei nicht an, urteilten die obersten deutschen Sozialrichter: “Maßgeblich ist nur, ob die Wirkung auf den Arbeitgeber für ihn erkennbar war.“

Und in diesem Zusammenhang wird natürlich die Frage interessant, wie das Bundessozialgericht wohl entschieden hätte, wenn der Arbeitslose an einer Formulierung wie „hat er sich jederzeit bemüht unseren Anforderungen gerecht zu werden“ in seinem Arbeitszeugnis scheitert und „die Wirkung auf den Arbeitgeber für ihn erkennbar war.“

Ach, das habe ich ja ganz vergessen.
Die Formulierungen in den Arbeitszeugnissen versteht der Arbeitnehmer ja gar nicht, die dienen doch nur der „wohlwollenden“ Kommunikation zwischen den Arbeitgebern.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 5. Oktober 2006 um 05:45:55 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

5 Antworten zu “Anschreiben”

  1. erphschwester meint:

    es läßt sich trefflich drüber streiten, ob einer, der keine lust auf arbeit oder aber diesen einen angebotenen job hat, im recht ist. aber ich persönlich habe keine lust, leute, die nach jahrelanger arbeitslosigkeit noch immer auf ihren traumjob warten, ewig zu alimentieren. wenn diese traumjobs auf der straße liegen, hätte man sie ja auch ohne das amt finden können, oder?

  2. synchrono meint:

    Man muß wohl selbst in der Situation gewesen sein, um dies bewerten zu können. Ich habe meines “Traumjobs” wegen ein fünfjähriges Fernstudium gemacht. Nach dem Verlust des ersten neuen Arbeitsplatzes im neuen Job (die Telegate hatte kein Geld mehr für ein redaktionell betreutes Webportal) hätte ich ohne persönliche Beziehungen nach Deiner Philosophie wieder in meinem alten Job arbeiten müssen. Der, welcher mich krank gemacht hatte. Der, dem ich durch Investition im Wert eines guten Mittelklassewagens zu entrinnen suchte.

    Es stehen immer Menschen hinter solchen Urteilen. Es sind Schicksale, deren Hintergründe man in der Regel nicht kennt. Eine verallgemeinernde Bewertung (und auch ein richterliches Urteil ist dies) sollte sich verbieten.

    Aber wir hatten die Diskussionja schon, liebe Schwester :-)

  3. Machopan meint:

    Oh je, oh je, da habe ich wohl mit meinem Schriftwechsel (ohne es zu wissen) eine schon länger brodelnde Diskussion um das “darf man” oder “muss man” wieder angeheizt.
    “Darf man” noch die Wahrheit oder seine Meinung sagen, oder “muss man” weglassen, beschönigen, vermeiden, unerwähnt lassen, schwindeln, lügen und betrügen.
    So wie wir es jeden Tag von “denen da oben” vorgemacht bekommen!

    Ist es nun schon verboten zu schreiben: “möchte ich darauf hinweisen, dass ich im Bereich AV (Arbeitsvorbereitung) weder über eine Ausbildung noch über jedwede Berufspraxis verfüge und dies auch keine Wunsch-Tätigkeit wäre.”
    Was würden wir wohl schreiben, wenn wir uns als mehrsprachiger (deutsch, englisch türkisch) und international erfahrener Betriebs- oder Volkswirt auf eine Stelle als Geschäftsführer einer Döner-Bude bewerben müssten?
    Wohl sicher nicht: “bietet mir die angestrebte Position ideale Möglichkeiten meine Kenntnisse und Erfahrungen zum Wohle Ihres Unternehmens einzusetzen”.

  4. mitdenker meint:

    Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie sich Menschen mit Ursache und Wirkung auseinandersetzen. Deshalb einige Gedanken:
    Wird es nicht wieder und immer wieder vergessen, dass wir uns in einer arbeitsteiligen Welt befinden?
    Dies bedeutet jedoch, dass es heutzutage jedenfalls in den sogenannten Industrienationen niemanden mehr möglich ist, durch „Arbeit“ seine Ernährung, sein Dasein zu sichern. Und wer will schon in eine unbewohnte Region ziehen, eine Hütte errichten, ein Feld bestellen und auf die Jagd gehen oder Früchte sammeln? Dazu und nur dazu ist jedoch die Arbeitsteilung da: Sicherung der Existenz. Diese wird jedoch durch Menschen selbst pervertiert (siehe Diskussion zur „Grundsicherung“) und heutzutage sogar bewusst verleugnet. Ziel ist und bleibt die „Erhöhung“ einzelner über eine breite Masse von Menschen.
    Ja, die Arbeitslosen werden alimentiert von einer breiten Masse über Steuergelder. Aber doch nur, weil eine Minderheit einschließlich ihrer politischen Händchenhalter der Meinung ist, dass Ihnen die Früchte von Forschung und Entwicklung allein zustehen, weil sie alleiniger Nutznießer dieser Entwicklung sein dürfen (siehe Aussagen von „gerechter Bezahlung von Leistungsträgern“), obwohl sie richtig betrachtet keinen oder bestenfalls einen sehr geringen Anteil an diesen Fortschritten haben. Deshalb werden Menschen arbeitslos. Diese ewige dumme Diskussion um Preise ist dabei doch nur eine bewusste Verschleierung ökonomischer Zusammenhänge. Natürlich ist es sinnvoll und wichtig, was ein Produkt in seiner Herstellung kostet. Aber es gibt weitere Zusammenhänge, die zu wenig beachtet oder sogar negiert werden. Zum Beispiel diese immer wieder geführte dumme Diskussion um Gastarbeiter oder Produktionsauslagerungen. Die Produkte werden nicht wegen ihres Preises oder der Kosten hergestellt, sie sollen bzw. müssen verkauft werden. Ja wie denn, wenn auf Grund der Pervertierung der Arbeitsteilung die Verteilung in einer Weise aus den Bahnen läuft, die zu einem wirtschaftlichen Crash führen muss. Schliesslich gibt es einen Zusammenhang zwischen Preis und Lebenshaltungskosten. Oder wie sind sonst z.B. die Preisunterschiede bei Produkten in verschiedenen Regionen erklärlich? Wieso sind z.B. Reimporte von Autos preiswerter? Preise werden gemacht. Es sind doch nicht nur die ausufernden Vorstandsgehälter, nicht nur die Aktienkurse, die in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Wert von Unternehmen mehr stehen, es sind auch die vielen und zu vielen kleinen Misteln, die an den Unternehmen hängen. Wie ist es erklärlich, dass das Einkommen aus Werbeverträgen höher ist, als das Lebenseinkommen (!) eines sogenannten abhängig Beschäftigten, der tatsächlich die Werte geschaffen hat?
    Und weshalb kann ein Unternehmen die Früchte seiner „Rationalisierung“ (Personalabbau) einstecken, die damit entstehenden Kosten werden jedoch der Gesellschaft aufgebürdet. Für mich einfach nur Widersinnig. Die damit angeblich gesenkten Preise für das Produkt werden doch nur verlagert – auf die Allgemeinheit. In Wirklichkeit jedoch werden die eingesparten Kosten ganz anders verteilt, eben wie oben genannt.
    Und dann kommt jemand daher und meint, er wolle diesen Arbeitslosen, der es wagt, seine Meinung zu sagen, nicht mehr alimentieren. Genau das ist jedoch die falsche Herangehensweise. Alimentiert werden damit ganz andere. Aber wie man sieht, ist es hervorragend gelungen, eine Bewusstseinsveränderung herbeizuführen.
    Tolle Demokratie.
    Ach, und wie haben es dann wohl die Gründungsväter damals gemeint mit dem Grundgesetz dieser Republik? Wie sehr sollen diese Grundrechte denn noch auseinandergenommen, eingeschränkt, missachtet werden, damit eine Minderheit noch „selbstgerechter“ werden kann?

    Artikel 2
    [Allgemeine Handlungsfreiheit; Freiheit der Person; Recht auf Leben]
    (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
    Artikel 12
    [Berufsfreiheit; Verbot der Zwangsarbeit]
    (1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.
    (2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.
    (3) Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.

    Aber machen wir nur so weiter, schließlich ist es egal, ob wir uns in einem Bürgerkrieg die Köpfe einschlagen oder wegen der Interessenlage der o.g. „Leistungsträger“ irgendwo hin geschickt werden zur „Befriedung“ der Region oder vielleicht zum Export von „Demokratie“ und damit die dort reglementierten so sehr verärgern, dass sie die Empörung mit explosivem Druck herauslassen.
    Die wirklichen Verursacher freut es, denn selbst daran verdienen sie.

  5. erphschwester meint:

    ach, mitdenker, ich hab ja nichts gegen die “freie entfaltung der persönlichkeit”, aber wenn wir die in den vordergrund stellen wollen, dann sollten wir´s denen, die´s können, nicht allzu übel nehmen, wenn auch sie sich ihren batzen vom großen kuchen nehmen. ich bin gegen beschiß im großen wie im kleinen und hätte nichts dagegen, wenn wir den großen zuerst den arsch versohlen. davon wird der kleine beschiß aber auch nicht besser.
    und was dich angeht, synchrono, w i e du´s gemacht hast, dir deinen traum zu erfüllen, ist am ende wurscht. du hast´s jedenfalls getan und, wie ich sehe, auch allerhand arbeit reingesteckt. aber du hast, will mir scheinen, dich nicht hingesetzt und gewartet, daß dir wer “vom amt” deinen traum erfüllt. dafür sind die nämlich nicht zuständig.
    und, macho, was soll die frage? du läßt dich doch sowieso nicht vom wahr-reden abhalten. gerade, daß es der besten aller frauen bisher gelungen ist, dich beim baseball-schläger zu greifen, ehe schlimmeres passiert. ;)

    ach, leute, irgendwie ist es ein bißchen wie ein familientreffen … (seufz)

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