Muslime in Deutschland

4. Oktober 2006 05:45

Mit und ohne Muslime wird allerorten über Muslime diskutiert und debattiert.
Jüngst hat sich sogar die blonde Plapperfee Christiansen auf die ihr eigene Art mit dem Thema beschäftigt und zum politisch-seichten Smalltalk mit den üblichen Experten geladen.
Sabine, laut eine Exklusiv-Umfrage für tv Hören und Sehen “Deutschlands glaubwürdigste Moderatorin“ rief und es kamen

a. in der Sache „Einknicken vor dem Islam?“

  • Uwe Schünemann, Innenminister des Bundeslandes Niedersachsen, CDU
  • Herta Däubler-Gmelin, MdB und ehemalige Bundesjustizministerin, SPD
  • Ayman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, FDP

b. als Experten, Sachverständige, Gutachter und (Zeit)Zeugen

  • Baha Güngör, Journalist und Autor
  • Hans-Ulrich Wehler, Historiker
  • Jürgen Becker, Kabarettist

Die Sendung selbst war wie immer: „Vom Ansatz her vollmundig, seicht durchmoderiert, inhaltlich gewohnt lau, insgesamt mit zu wenig Biss und im Abgang schal.
Also gerade richtig für den Zuseher, um am Sonntagabend die notwendige Bettschwere zu erlangen. Sandmännchen für Erwachsene eben, nur mit einer blonden Märchentante.

Wer sich dieses sonntägliche „Medienereignis“ life antun möchte, kann übrigens beim TV Ticket Service Eintrittskarten für die Sendung zum Preis von € 10 (zzgl. € 3 Versand) bestellen.

Über das Thema „Muslime“, den damit offensichtlich verbundenen Problemen und gegenseitigen Beschuldigungen sowie speziell über die Bedürfnisse der Muslime in Deutschland, kann man sich jedoch weitaus kostengünstiger informieren.
Und das auch noch aus erster Hand und nicht nur aus den hohlen Sprechblasen von Berufspolitikern, den persönlichen Meinungen von Journalisten und Historikern und den flotten Sprüchen von Kabarettisten.

Man muss dazu nur auf die Internetseite des Zentralrats der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD), denn dort findet sich mit Datum vom 20. Februar 2002 die „Islamische Charta“, eine (kostenlose) Grundsatzerklärung des ZMD zur Beziehung der Muslime zum Staat und zur Gesellschaft Deutschlands.
Diese Erklärung kann man sich als kostenbewusster Mitteleuropäer für nur € 3 (inklusive Versand) auch zusenden lassen.

Diese Erklärung liest sich eigentlich ganz locker und wiederholt meist brav in Anlehnung an das Grundgesetz die üblichen (Selbst)Verständlichkeiten und Regelwerke einer westlichen Demokratie, ohne dabei auf die wesentlichen Unterschiede zwischen Grundgesetz und Schari’a einzugehen.
So sieht das wohl auch der etwa 20.000 Mitglieder umfassende ZMD und formuliert dann unter Punkt 20 der Charta weiter, was denn aus seiner Sicht für eine würdige Lebensweise der Muslime mitten in der bundesdeutschen Gesellschaft noch zu tun wäre.
Dazu gehören aus Sicht des ZMD u.a.:

  • Einführung eines deutschsprachigen islamischen Religionsunterrichts,
  • Einrichtung von Lehrstühlen zur akademischen Ausbildung islamischer Religionslehrer und Vorbeter (Imame),
  • Genehmigung des Baus innerstädtischer Moscheen,
  • Erlaubnis des lautsprechverstärkten Gebetsrufs, Respektierung islamischer Bekleidungsvorschriften in Schulen und Behörden,
  • Beteiligung von Muslimen an den Aufsichtsgremien der Medien,
  • Vollzug des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zum Schächten,
  • Beschäftigung muslimischer Militärbetreuer,
  • Muslimische Betreuung in medizinischen und sozialen Einrichtungen,
  • Staatlicher Schutz der beiden islamischen Feiertage,
  • Einrichtung muslimischer Friedhöfe und Grabfelder.

Sicher nicht nur dem konfessionslosen Bürger stoßen dabei einige Dinge sauer auf und eliminieren rückstandsfrei jegliches Verständnis für die „Muslime in Deutschland“.
Nicht nur weil man eine abendländisch angeborene Abneigung gegen den „lautsprecherverstärkten Gebetsruf“ sein eigen nennen mag, sondern auch weil die „islamischen Bekleidungsvorschriften in Schulen und Behörden“ nun überhaupt nicht in ein westliches Land mit Trennung von Staat und Kirchen passen.
Richtig lustig wird es aber mit der Forderung nach „Beteiligung von Muslimen an den Aufsichtsgremien der Medien“ und dem „staatlichen Schutz der beiden islamischen Feiertage“.
Es keimt der Verdacht auf, dass man zumindest beim ZMD noch nicht ganz begriffen hat oder nicht begreifen will oder gar kann, wie eine westliche Demokratie funktioniert oder sagen wir es in Anbetracht unserer politisch-wirtschaftlich dürftigen Lage vorsichtiger ausgedrückt „eigentlich funktionieren sollte“.
Üblicherweise entscheiden in unserem Land „die Mehrheiten des Volkes“ obschon seit Jahrzehnten der Trend zur „politisch-wirtschaftlichen Bandenbildung mit starken Eigeninteressen“ nicht zu leugnen ist.
Auch wenn erst die nächsten Volkszählung im Jahre 2010 Klärung bringen wird und wir zur Zeit noch auf der Suche nach etwa 1,6 Millionen verschwundenen Deutschländern und ca. 600.000 Ausländern sind, leben laut „Statistischem Bundesamt“ derzeit etwa 82,5 Millionen Menschen in Deutschland.
Davon sind

  • 25,9 Millionen (31,5%) römisch-katholischen Glaubens,
  • 25,6 Millionen (31,1%) protestantisch,
  • 25,5 Millionen (31,0%) konfessionslos,
  • 3,2 Millionen (3,9%) Muslime,
  • 164.000 (0,2%) Zeugen Jehovas,
  • 106.000 (0,1%) Juden

Von den 3,2 Millionen Muslimen besitzen etwa 730.000 (0,9%) die deutsche Staatsbürgerschaft, was nichts anderes bedeutet, dass sich ca. 2,5 Millionen muslimische Ausländer (bis auf Weiteres) nur befristet in Deutschland aufhalten (dürfen).Und vor diesem Hintergrund muss man sich fragen (lassen), wie die Muslime in Deutschland und ihre Standesorganisation ZMD eigentlich auf die Idee kommen, dass

  1. der überwiegenden Mehrheit unserer Bevölkerung „der lautsprecherverstärkte Gebetsruf zum Besuch der innerstädtischen Moschee und die RESPEKTIERUNG islamischer Bekleidungsvorschriften in Schulen und Behörden“ verordnet werden sollte und
  2. „die Beteiligung von Muslimen in den AUFSICHTSGREMIEN der Medien notwendig ist“, sowie
  3. „STAATLICHER Schutz der beiden islamischen Feiertage“ gefordert wird und
  4. „MUSMILIMISCHE Betreuung in medizinischen, sozialen und MILITÄRISCHEN Einrichtungen“ opportun erscheint.

Dass man selbst im Tod noch unter seinesgleichen bleiben möchte, und die „Einrichtung muslimischer Friedhöfe und Grabfelder“ durchsetzen will, ist ja durchaus verständlich, gab es doch einst auch in der Geschichte der BRddr „katholische“ und „evangelische“ Friedhöfe, während die „Ungläubigen“ an der Außenmauer des „Gottesackers“ verscharrt wurden.
Aber, mal im Ernst, haben wir das nicht längst hinter uns gelassen?
Generell gibt es sicher gegen eine Reform des bundesdeutschen „Friedhofs- und Bestattungsrechts“ nichts einzuwenden, auch wenn nach dem Tod die Menschen wohl endlich alle gleich sein werden. Aber so was richtig Genaues weiß man nicht!
Aber deshalb haben wir ja den Glauben und irren lieber im Dieseits!

Wer sich über den „Islam und die Muslime in Deutschland“ informieren möchte, der sollte sich statt der Laberrunde „Sabine Christiansen“ lieber den Artikel „Die Grenzen der Religionsfreiheit“ von Prof. Dr. Ursula Spuler-Stegemann zu Gemüte führen, der in der Reihe „Der Bürger im Staat“ von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg herausgegeben wurde.

Dort heißt es am Ende des Artikels mit den Worten des türkischstämmigen deutschen Staatsbürgers Ahmet Senyurt:
Wir wollen nichts anderes als Normalität. Wir wollen keine Benachteiligung, keine Bevorzugung, keine Sonderrechte. Wir wollen nur einfach als Menschen akzeptiert werden!

Dem kann man nur erwidern: „Dann schüttelt doch die Bevormundung der diversen selbsternannten Standesorganisationen und Interessenverbände ab und handelt endlich als „deutsche“ Muslime. Und überlegt noch mal, ob für eine „würdige Lebensweise der Muslime mitten in der bundesdeutschen Gesellschaft“ wirklich alle Punkte der „Islamische Charta“ auf den Webseiten des Zentralrats der Muslime in Deutschland e.V. so stehen bleiben müssen“.

Außerdem darf man ruhig mal (auch laut) darüber nachdenken, dass in der wiedervereinten BRddr nur Gefängnisinsassen am Weggehen gehindert werden.
Und das gilt nicht nur für Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 4. Oktober 2006 um 05:45:34 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

5 Antworten zu “Muslime in Deutschland”

  1. erphschwester meint:

    womit wir, auch jenseits der muslime, bei einem hübschen thema wären: soweit ich das an der o.a. auflistung erkennen kann, gehöre ich zu dem beachtlichen teil der bürger, die es vorziehen, ohne religiöse ideale zu leben, muß es mir aber gefallen lassen, daß meine kinder in der schule mit religionsunterricht überzogen werden, ebenso wie ich in ansprachen unserer regierungsmitglieder regelmäßig religiös gefärbte appelle über mich ergehen lassen muß.
    ich finde, staat und religion haben nichts miteinander zu tun und sollten getrennt gehalten werden. irgendwann war man sich in dieser frage auch einig, ein bißchen, irgendwie. und, wenn ich´s recht betrachte, sind muslime nichts anderes als leute mit einem bestimmten glauben, der meinetwegen in die moschee gehört, nicht jedoch in politische gesprächsrunden.

  2. pathologe meint:

    Es wundert mich, dass die Hindus sich noch nicht aufgemacht haben, einen Gesetzentwurf zum Verbot der Rinderschlachtung durchzusetzen. Denn schließlich leben ja auch einige Hindus in Deutschland. Und aus Gründen der religiösen Toleranz… Ein Gutes hätte das ja: man würde der (inzwischen vergessenen) BSE-Krankheit ein für alle mal Einhalt gebieten.
    Und wenn ich an die ganzen Japaner in Düsseldorf denke, welcher Religion gehören die eigentlich an? Und wann kommt die Forderung, dass sich Deutschland, natürlich nur aus rein wissenschaftlichen Gründen, auch mal wieder am Walfang beteiligen sollte?
    Oder, und da könnten sich die Angehörigen muslimischen und jüdischen Glaubens zusammentun, das Verbot von Schweinefleisch?
    Und ein oder zwei Vertreter der Amish wären auch gut, mit Verzicht auf all diese technischen Neuerungen. Dann bräuchte man auch keine Autoproduktion mehr in Deutschland. Oder die Produktion von Mobiltelefonen. Ach nee, das wurde ja jetzt schon anders gelöst…

  3. majoky meint:

    /me grüsst als recht schweigsamer und gelegentlicher Leser über die Monitorkante

  4. Minotaurus meint:

    Am besten hat mir diese Passage gefallen: “… sondern auch weil die „islamischen Bekleidungsvorschriften in Schulen und Behörden“ nun überhaupt nicht in ein westliches Land mit Trennung von Staat und Kirchen passen.”
    Hahahahaha!!! Sag mal, welches Märchenbuch hast Du denn gerade gelesen, als Dir diese Bemerkung aus den Fingern floß?
    Wo ist denn dieses “westliche Land mit Trennung von Staat und Kirche?”
    Daß die BRDDR dies nicht sein kann, dürfte jedem Kind und jedem Kirchensteuerzahler hinreichend bekannt sein.
    Kemal Atatürk, der die faktische Trennung von Staat und Kirche durchsetzte, lebte in einem ganz anderen Land. Aber das ist lange her.
    Guckstu hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Atat%C3%BCrk
    Etwas weniger Arroganz gegenüber anderen Kulturen würde uns vielleicht ganz gut anstehen?
    Atheistische Grüße vom Minotaurus

  5. Machopan meint:

    Ich kenne Kemal Atatürk ohne bei Wikipedia nachlesen zu müssen :-)
    Auch ist mir bekannt, dass an Schulen und Universitäten KEIN Kopftuch getragen werden darf … in der Türkei.
    Und da ich
    a. kein Kind und
    b. auch kein Kirchensteuerzahler
    mehr bin, hat wohl jemand vergessen mir zu sagen, dass die Trennung von Staat und Kirche in der BRddr, die seit 1919 Verfassungsrang hat, aufgehoben wurde.
    Guckst du hier!

    Kemal Atatürk hat übrigens erst im Oktober 1923 angefangen die Türkei zu reformieren, vorher hat er sich mit den Griechen gekloppt.
    Seine Zeit als Gesellschaftsreformer und Erziehungsdiktator kam erst in den Jahren 1924 - 1938.
    Guckst du hier!

    Dass es für die (gelebte) Trennung von Staat und Kirche nicht genügt nur ein Gesetz zu erlassen, darüber brauchen wir nicht lange zu diskutieren.
    Man müsste nur die Kruzifixe in den Klassenzimmern (freiwillig) entfernen und den §7 Abs. 3 des Grundgesetzes etwas anpassen.
    Es braucht ja nicht gleich so ausarten wie beim §12a, mit dem man 1956 wortreich die Wehrpflicht für den deutschen Mann installiert hat.
    Und auch das Inkasso der Kirchensteuer könnte man schon mal aus dem staatlichen Aufgabenkatalog entfernen und im Rahmen einer „europäischen Harmonisierung der kirchlichen Aufgaben“ den Kirchen selbst überlassen.

    Kleiner Hinweis noch in eigener Sache:
    In der Bezeichnung für unser wiedervereintes Vaterland die Buchstaben “BR” bitte immer groß und “ddr” bitte immer klein schreiben.
    Wir wollen doch nicht schon wieder Geschichtsverfälschung betreiben, oder? ;-)

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Muslime in Deutschland

4. Oktober 2006 05:45

Mit und ohne Muslime wird allerorten über Muslime diskutiert und debattiert.
Jüngst hat sich sogar die blonde Plapperfee Christiansen auf die ihr eigene Art mit dem Thema beschäftigt und zum politisch-seichten Smalltalk mit den üblichen Experten geladen.
Sabine, laut eine Exklusiv-Umfrage für tv Hören und Sehen “Deutschlands glaubwürdigste Moderatorin“ rief und es kamen

a. in der Sache „Einknicken vor dem Islam?“

  • Uwe Schünemann, Innenminister des Bundeslandes Niedersachsen, CDU
  • Herta Däubler-Gmelin, MdB und ehemalige Bundesjustizministerin, SPD
  • Ayman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, FDP

b. als Experten, Sachverständige, Gutachter und (Zeit)Zeugen

  • Baha Güngör, Journalist und Autor
  • Hans-Ulrich Wehler, Historiker
  • Jürgen Becker, Kabarettist

Die Sendung selbst war wie immer: „Vom Ansatz her vollmundig, seicht durchmoderiert, inhaltlich gewohnt lau, insgesamt mit zu wenig Biss und im Abgang schal.
Also gerade richtig für den Zuseher, um am Sonntagabend die notwendige Bettschwere zu erlangen. Sandmännchen für Erwachsene eben, nur mit einer blonden Märchentante.

Wer sich dieses sonntägliche „Medienereignis“ life antun möchte, kann übrigens beim TV Ticket Service Eintrittskarten für die Sendung zum Preis von € 10 (zzgl. € 3 Versand) bestellen.

Über das Thema „Muslime“, den damit offensichtlich verbundenen Problemen und gegenseitigen Beschuldigungen sowie speziell über die Bedürfnisse der Muslime in Deutschland, kann man sich jedoch weitaus kostengünstiger informieren.
Und das auch noch aus erster Hand und nicht nur aus den hohlen Sprechblasen von Berufspolitikern, den persönlichen Meinungen von Journalisten und Historikern und den flotten Sprüchen von Kabarettisten.

Man muss dazu nur auf die Internetseite des Zentralrats der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD), denn dort findet sich mit Datum vom 20. Februar 2002 die „Islamische Charta“, eine (kostenlose) Grundsatzerklärung des ZMD zur Beziehung der Muslime zum Staat und zur Gesellschaft Deutschlands.
Diese Erklärung kann man sich als kostenbewusster Mitteleuropäer für nur € 3 (inklusive Versand) auch zusenden lassen.

Diese Erklärung liest sich eigentlich ganz locker und wiederholt meist brav in Anlehnung an das Grundgesetz die üblichen (Selbst)Verständlichkeiten und Regelwerke einer westlichen Demokratie, ohne dabei auf die wesentlichen Unterschiede zwischen Grundgesetz und Schari’a einzugehen.
So sieht das wohl auch der etwa 20.000 Mitglieder umfassende ZMD und formuliert dann unter Punkt 20 der Charta weiter, was denn aus seiner Sicht für eine würdige Lebensweise der Muslime mitten in der bundesdeutschen Gesellschaft noch zu tun wäre.
Dazu gehören aus Sicht des ZMD u.a.:

  • Einführung eines deutschsprachigen islamischen Religionsunterrichts,
  • Einrichtung von Lehrstühlen zur akademischen Ausbildung islamischer Religionslehrer und Vorbeter (Imame),
  • Genehmigung des Baus innerstädtischer Moscheen,
  • Erlaubnis des lautsprechverstärkten Gebetsrufs, Respektierung islamischer Bekleidungsvorschriften in Schulen und Behörden,
  • Beteiligung von Muslimen an den Aufsichtsgremien der Medien,
  • Vollzug des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zum Schächten,
  • Beschäftigung muslimischer Militärbetreuer,
  • Muslimische Betreuung in medizinischen und sozialen Einrichtungen,
  • Staatlicher Schutz der beiden islamischen Feiertage,
  • Einrichtung muslimischer Friedhöfe und Grabfelder.

Sicher nicht nur dem konfessionslosen Bürger stoßen dabei einige Dinge sauer auf und eliminieren rückstandsfrei jegliches Verständnis für die „Muslime in Deutschland“.
Nicht nur weil man eine abendländisch angeborene Abneigung gegen den „lautsprecherverstärkten Gebetsruf“ sein eigen nennen mag, sondern auch weil die „islamischen Bekleidungsvorschriften in Schulen und Behörden“ nun überhaupt nicht in ein westliches Land mit Trennung von Staat und Kirchen passen.
Richtig lustig wird es aber mit der Forderung nach „Beteiligung von Muslimen an den Aufsichtsgremien der Medien“ und dem „staatlichen Schutz der beiden islamischen Feiertage“.
Es keimt der Verdacht auf, dass man zumindest beim ZMD noch nicht ganz begriffen hat oder nicht begreifen will oder gar kann, wie eine westliche Demokratie funktioniert oder sagen wir es in Anbetracht unserer politisch-wirtschaftlich dürftigen Lage vorsichtiger ausgedrückt „eigentlich funktionieren sollte“.
Üblicherweise entscheiden in unserem Land „die Mehrheiten des Volkes“ obschon seit Jahrzehnten der Trend zur „politisch-wirtschaftlichen Bandenbildung mit starken Eigeninteressen“ nicht zu leugnen ist.
Auch wenn erst die nächsten Volkszählung im Jahre 2010 Klärung bringen wird und wir zur Zeit noch auf der Suche nach etwa 1,6 Millionen verschwundenen Deutschländern und ca. 600.000 Ausländern sind, leben laut „Statistischem Bundesamt“ derzeit etwa 82,5 Millionen Menschen in Deutschland.
Davon sind

  • 25,9 Millionen (31,5%) römisch-katholischen Glaubens,
  • 25,6 Millionen (31,1%) protestantisch,
  • 25,5 Millionen (31,0%) konfessionslos,
  • 3,2 Millionen (3,9%) Muslime,
  • 164.000 (0,2%) Zeugen Jehovas,
  • 106.000 (0,1%) Juden

Von den 3,2 Millionen Muslimen besitzen etwa 730.000 (0,9%) die deutsche Staatsbürgerschaft, was nichts anderes bedeutet, dass sich ca. 2,5 Millionen muslimische Ausländer (bis auf Weiteres) nur befristet in Deutschland aufhalten (dürfen).Und vor diesem Hintergrund muss man sich fragen (lassen), wie die Muslime in Deutschland und ihre Standesorganisation ZMD eigentlich auf die Idee kommen, dass

  1. der überwiegenden Mehrheit unserer Bevölkerung „der lautsprecherverstärkte Gebetsruf zum Besuch der innerstädtischen Moschee und die RESPEKTIERUNG islamischer Bekleidungsvorschriften in Schulen und Behörden“ verordnet werden sollte und
  2. „die Beteiligung von Muslimen in den AUFSICHTSGREMIEN der Medien notwendig ist“, sowie
  3. „STAATLICHER Schutz der beiden islamischen Feiertage“ gefordert wird und
  4. „MUSMILIMISCHE Betreuung in medizinischen, sozialen und MILITÄRISCHEN Einrichtungen“ opportun erscheint.

Dass man selbst im Tod noch unter seinesgleichen bleiben möchte, und die „Einrichtung muslimischer Friedhöfe und Grabfelder“ durchsetzen will, ist ja durchaus verständlich, gab es doch einst auch in der Geschichte der BRddr „katholische“ und „evangelische“ Friedhöfe, während die „Ungläubigen“ an der Außenmauer des „Gottesackers“ verscharrt wurden.
Aber, mal im Ernst, haben wir das nicht längst hinter uns gelassen?
Generell gibt es sicher gegen eine Reform des bundesdeutschen „Friedhofs- und Bestattungsrechts“ nichts einzuwenden, auch wenn nach dem Tod die Menschen wohl endlich alle gleich sein werden. Aber so was richtig Genaues weiß man nicht!
Aber deshalb haben wir ja den Glauben und irren lieber im Dieseits!

Wer sich über den „Islam und die Muslime in Deutschland“ informieren möchte, der sollte sich statt der Laberrunde „Sabine Christiansen“ lieber den Artikel „Die Grenzen der Religionsfreiheit“ von Prof. Dr. Ursula Spuler-Stegemann zu Gemüte führen, der in der Reihe „Der Bürger im Staat“ von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg herausgegeben wurde.

Dort heißt es am Ende des Artikels mit den Worten des türkischstämmigen deutschen Staatsbürgers Ahmet Senyurt:
Wir wollen nichts anderes als Normalität. Wir wollen keine Benachteiligung, keine Bevorzugung, keine Sonderrechte. Wir wollen nur einfach als Menschen akzeptiert werden!

Dem kann man nur erwidern: „Dann schüttelt doch die Bevormundung der diversen selbsternannten Standesorganisationen und Interessenverbände ab und handelt endlich als „deutsche“ Muslime. Und überlegt noch mal, ob für eine „würdige Lebensweise der Muslime mitten in der bundesdeutschen Gesellschaft“ wirklich alle Punkte der „Islamische Charta“ auf den Webseiten des Zentralrats der Muslime in Deutschland e.V. so stehen bleiben müssen“.

Außerdem darf man ruhig mal (auch laut) darüber nachdenken, dass in der wiedervereinten BRddr nur Gefängnisinsassen am Weggehen gehindert werden.
Und das gilt nicht nur für Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 4. Oktober 2006 um 05:45:34 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

5 Antworten zu “Muslime in Deutschland”

  1. erphschwester meint:

    womit wir, auch jenseits der muslime, bei einem hübschen thema wären: soweit ich das an der o.a. auflistung erkennen kann, gehöre ich zu dem beachtlichen teil der bürger, die es vorziehen, ohne religiöse ideale zu leben, muß es mir aber gefallen lassen, daß meine kinder in der schule mit religionsunterricht überzogen werden, ebenso wie ich in ansprachen unserer regierungsmitglieder regelmäßig religiös gefärbte appelle über mich ergehen lassen muß.
    ich finde, staat und religion haben nichts miteinander zu tun und sollten getrennt gehalten werden. irgendwann war man sich in dieser frage auch einig, ein bißchen, irgendwie. und, wenn ich´s recht betrachte, sind muslime nichts anderes als leute mit einem bestimmten glauben, der meinetwegen in die moschee gehört, nicht jedoch in politische gesprächsrunden.

  2. pathologe meint:

    Es wundert mich, dass die Hindus sich noch nicht aufgemacht haben, einen Gesetzentwurf zum Verbot der Rinderschlachtung durchzusetzen. Denn schließlich leben ja auch einige Hindus in Deutschland. Und aus Gründen der religiösen Toleranz… Ein Gutes hätte das ja: man würde der (inzwischen vergessenen) BSE-Krankheit ein für alle mal Einhalt gebieten.
    Und wenn ich an die ganzen Japaner in Düsseldorf denke, welcher Religion gehören die eigentlich an? Und wann kommt die Forderung, dass sich Deutschland, natürlich nur aus rein wissenschaftlichen Gründen, auch mal wieder am Walfang beteiligen sollte?
    Oder, und da könnten sich die Angehörigen muslimischen und jüdischen Glaubens zusammentun, das Verbot von Schweinefleisch?
    Und ein oder zwei Vertreter der Amish wären auch gut, mit Verzicht auf all diese technischen Neuerungen. Dann bräuchte man auch keine Autoproduktion mehr in Deutschland. Oder die Produktion von Mobiltelefonen. Ach nee, das wurde ja jetzt schon anders gelöst…

  3. majoky meint:

    /me grüsst als recht schweigsamer und gelegentlicher Leser über die Monitorkante

  4. Minotaurus meint:

    Am besten hat mir diese Passage gefallen: “… sondern auch weil die „islamischen Bekleidungsvorschriften in Schulen und Behörden“ nun überhaupt nicht in ein westliches Land mit Trennung von Staat und Kirchen passen.”
    Hahahahaha!!! Sag mal, welches Märchenbuch hast Du denn gerade gelesen, als Dir diese Bemerkung aus den Fingern floß?
    Wo ist denn dieses “westliche Land mit Trennung von Staat und Kirche?”
    Daß die BRDDR dies nicht sein kann, dürfte jedem Kind und jedem Kirchensteuerzahler hinreichend bekannt sein.
    Kemal Atatürk, der die faktische Trennung von Staat und Kirche durchsetzte, lebte in einem ganz anderen Land. Aber das ist lange her.
    Guckstu hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Atat%C3%BCrk
    Etwas weniger Arroganz gegenüber anderen Kulturen würde uns vielleicht ganz gut anstehen?
    Atheistische Grüße vom Minotaurus

  5. Machopan meint:

    Ich kenne Kemal Atatürk ohne bei Wikipedia nachlesen zu müssen :-)
    Auch ist mir bekannt, dass an Schulen und Universitäten KEIN Kopftuch getragen werden darf … in der Türkei.
    Und da ich
    a. kein Kind und
    b. auch kein Kirchensteuerzahler
    mehr bin, hat wohl jemand vergessen mir zu sagen, dass die Trennung von Staat und Kirche in der BRddr, die seit 1919 Verfassungsrang hat, aufgehoben wurde.
    Guckst du hier!

    Kemal Atatürk hat übrigens erst im Oktober 1923 angefangen die Türkei zu reformieren, vorher hat er sich mit den Griechen gekloppt.
    Seine Zeit als Gesellschaftsreformer und Erziehungsdiktator kam erst in den Jahren 1924 - 1938.
    Guckst du hier!

    Dass es für die (gelebte) Trennung von Staat und Kirche nicht genügt nur ein Gesetz zu erlassen, darüber brauchen wir nicht lange zu diskutieren.
    Man müsste nur die Kruzifixe in den Klassenzimmern (freiwillig) entfernen und den §7 Abs. 3 des Grundgesetzes etwas anpassen.
    Es braucht ja nicht gleich so ausarten wie beim §12a, mit dem man 1956 wortreich die Wehrpflicht für den deutschen Mann installiert hat.
    Und auch das Inkasso der Kirchensteuer könnte man schon mal aus dem staatlichen Aufgabenkatalog entfernen und im Rahmen einer „europäischen Harmonisierung der kirchlichen Aufgaben“ den Kirchen selbst überlassen.

    Kleiner Hinweis noch in eigener Sache:
    In der Bezeichnung für unser wiedervereintes Vaterland die Buchstaben “BR” bitte immer groß und “ddr” bitte immer klein schreiben.
    Wir wollen doch nicht schon wieder Geschichtsverfälschung betreiben, oder? ;-)

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