Leermaterial

29. März 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Irgendwie kam mir die Meldung gleich komisch vor.
Da hatte doch ein Pädagoge gegen seine Versetzung geklagt, weil er die von ihm erstellten Unterrichtsmaterialen bis zu seiner Pensionierung weiter verwenden wollte.

«Ein 55-jähriger Musiklehrer aus Göttingen wurde von seinem Arbeitgeber von der Orientierungsstufe an die Hauptschule versetzt. Der Lehrer wollte aber lieber Gymnasiasten unterrichten und klagte gegen die Versetzung: Er könne so seine Unterrichtsmaterialien nicht bis zur Pensionierung weiterverwenden.
Seine Klage scheiterte jedoch vor dem Verwaltungsgericht Göttingen: Ein Lehrer dürfe nicht darauf vertrauen, dass er einmal erstellte Materialien bis zur Pensionierung weiterverwenden könne, befanden die Richter in ihrem Beschluss (Aktenzeichen: 3 B 264/04).»

Mich erinnert das an meine eigene Ausbildung und das Fach „Informationsverarbeitung“.
Da hatten wir einen Dozenten mit Namen „Maier“ (der hieß wirklich so). Der gute Mann kam immer mit einem total zerfledderten Lehrbuch, in dem die wichtigen Dinge rot markiert waren und die weniger wichtigen Dinge gelb. Mit diesem Ding hat er sich „hingesetzt“ und daraus 45 Minuten lang vorgelesen. Dann ist er aufgestanden und ist gegangen. Das war seine „Vorlesung“, deshalb heißen die Dinger wahrscheinlich so. Bei uns hieß das nur „Maier’s Märchenstunde. Denn er las uns von Lochkarten und binären und analogen Signalen, von RPG und Sortiermaschinen, von Magnetkarten, Schnelldruckern und Batchverarbeitung vor, während im Rechenzentrum ein IBM 4041 Mainframe stand und wir längst im „Closed Shop Betrieb“ an Bildschirmen mit PL1, COBOL und Fortran programmierten.

Ich hatte geglaubt, mit der Pensionierung von „Informations-Maier“ wäre der letzte „Pädagoge“ diese Art aus dem Bildungsprozess entfernt worden. Da habe ich mich wohl getäuscht!
Na ja gut, immerhin ist „Musik“ ja nicht so wichtig wie „Informationsverarbeitung“.
Oder sind hier die Gründe für den Niedergang der deutschen Musikindustrie zu suchen?
Wie hieß denn dieser Superhit mit dem anspruchsvollen Text und der beindruckenden Melodie in den Charts da noch mal?
War das „Schnappi“ oder die „Perfekte Welle“?

Was waren das doch noch für Zeiten als in der westlichen, nach Osten zugemauerten BRD „The Egerländers“ und Songs wie die „Sauerkrautpolka“ oder „Da Da Da“ aus den Lautsprechern pupsten.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 29. März 2005 um 05:45:50 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Irgendwie kam mir die Meldung gleich komisch vor.
Da hatte doch ein Pädagoge gegen seine Versetzung geklagt, weil er die von ihm erstellten Unterrichtsmaterialen bis zu seiner Pensionierung weiter verwenden wollte.

«Ein 55-jähriger Musiklehrer aus Göttingen wurde von seinem Arbeitgeber von der Orientierungsstufe an die Hauptschule versetzt. Der Lehrer wollte aber lieber Gymnasiasten unterrichten und klagte gegen die Versetzung: Er könne so seine Unterrichtsmaterialien nicht bis zur Pensionierung weiterverwenden.
Seine Klage scheiterte jedoch vor dem Verwaltungsgericht Göttingen: Ein Lehrer dürfe nicht darauf vertrauen, dass er einmal erstellte Materialien bis zur Pensionierung weiterverwenden könne, befanden die Richter in ihrem Beschluss (Aktenzeichen: 3 B 264/04).»

Mich erinnert das an meine eigene Ausbildung und das Fach „Informationsverarbeitung“.
Da hatten wir einen Dozenten mit Namen „Maier“ (der hieß wirklich so). Der gute Mann kam immer mit einem total zerfledderten Lehrbuch, in dem die wichtigen Dinge rot markiert waren und die weniger wichtigen Dinge gelb. Mit diesem Ding hat er sich „hingesetzt“ und daraus 45 Minuten lang vorgelesen. Dann ist er aufgestanden und ist gegangen. Das war seine „Vorlesung“, deshalb heißen die Dinger wahrscheinlich so. Bei uns hieß das nur „Maier’s Märchenstunde. Denn er las uns von Lochkarten und binären und analogen Signalen, von RPG und Sortiermaschinen, von Magnetkarten, Schnelldruckern und Batchverarbeitung vor, während im Rechenzentrum ein IBM 4041 Mainframe stand und wir längst im „Closed Shop Betrieb“ an Bildschirmen mit PL1, COBOL und Fortran programmierten.

Ich hatte geglaubt, mit der Pensionierung von „Informations-Maier“ wäre der letzte „Pädagoge“ diese Art aus dem Bildungsprozess entfernt worden. Da habe ich mich wohl getäuscht!
Na ja gut, immerhin ist „Musik“ ja nicht so wichtig wie „Informationsverarbeitung“.
Oder sind hier die Gründe für den Niedergang der deutschen Musikindustrie zu suchen?
Wie hieß denn dieser Superhit mit dem anspruchsvollen Text und der beindruckenden Melodie in den Charts da noch mal?
War das „Schnappi“ oder die „Perfekte Welle“?

Was waren das doch noch für Zeiten als in der westlichen, nach Osten zugemauerten BRD „The Egerländers“ und Songs wie die „Sauerkrautpolka“ oder „Da Da Da“ aus den Lautsprechern pupsten.

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