Suggestivfrage

11. Juli 2006 05:45

In Zeiten der allgemeinen Konzeptionslosigkeit sieht sich der (aufmerksame) Bürger zunehmend mit Suggestivfragen konfrontiert und nicht immer gelingt es auf Anhieb diese auch als solche zu entlarven.
So ging es mir bei der Beantwortung der Frage:

Sollen Privatkassen stärker zur Gesundheitsreform beitragen?

die bei der FTD im Rahmen einer Stimmungsabfrage in der BRddr zur Lage der Nation und der Regierungsparteien durchgeführt wird.
Es ist nicht so einfach diese Frage zu beantworten, suggeriert sie doch, dass zum Erfolg der Gesundheitsreform eine stärkere (natürlich finanzielle) Beteiligung der PKV notwendig ist.

Spontan könnte man durchaus mit „Ja“ antworten um nach kurzem Zögern noch ein „aber“ nachzuschieben, bevor man sich nach einigem Nachdenken für ein entrüstetes „Nein“ entscheidet.

Dazu muss man noch nicht einmal Mitglied einer PKV sein, auch als Zwangsmitglied in der GKV sollte man noch in der Lage sein vernünftige Entscheidungen treffen zu können.
Denn sind wir doch mal ehrlich, zusätzliches Geld für die weitere Finanzierung des kranken Gesundheitssystems zu beschaffen, können sich doch nur wirklich kranke Hirne ausdenken.

Das wäre ja genauso, als wolle man einer toten Kuh noch eine Hormonspritze verpassen.
Der Produzent der Hormone und seine Vertriebsorganisation hätten sicher nichts dagegen einzuwenden und auch der Hersteller der Spritze würde das für eine gute Idee halten.
Selbst die Standesorganisation des Tiermediziners wird sich dem Vorhaben nicht in den Weg stellen, ganz im Gegenteil.
Der Tierarzt wird die Verabreichung der Hormone aus medizinischer Sicht zwar nicht unbedingt für notwendig erachten, aber schaden tun sie ja auch nicht (mehr).
Die Kuh selbst hat zu dem Vorgang keine eigene Meinung. Somit wird dem Besitzer der Kuh in Anbetracht der ihn umgebenden Sach- und Fachkompetenz wohl nichts anderes übrig bleiben, als der Transaktion zuzustimmen und die Kosten zu übernehmen.
Ja, so weit, so gut.

Das Problem ist nur, dass die Kuh nach der Behandlung immer noch tot ist.

Glauben Sie nun wirklich, dass es Sinn macht der Kuh jetzt noch einmal eine Hormonspritze zu geben?“
Gut, ok, Sie werden nach kurzem Nachdenken vielleicht mit „Ja“ antworten, „aber“ einwenden, dass diese Spritze jetzt von der Solidargemeinschaft der Melkkuhbauern bezahlt werden sollte um soziale Härten für den einzelnen Kuhbesitzer zu vermeiden.
Darum wiederhole ich die Frage: „Glauben Sie wirklich, dass es Sinn macht der Kuh jetzt noch einmal eine Hormonspritze zu verpassen?“

Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit irgendwelchen Experten oder Gutachtern, die letztendlich für den Schwachsinn den sie erzählen, vom Kuhbesitzer fürstlich bezahlt werden müssen.
Erzählen Sie mir auch nicht, dass die Kuh mehr Auslauf braucht oder gar einen anderen Stier. Kommen Sie mir auch nicht mit dem Vorschlag, die Kuh von der Milchkuh zum Ochsen umschulen zu lassen. Auch für den Neubau eines Stalls kann ich mich nicht begeistern, denn wir werden den bald zur Abdeckerei oder zum Krematorium umbauen müssen.
Denn die Sache stinkt bereits zum Himmel.
Natürlich könnte man noch zuwarten, denn der Kadaver wird auf der Zeitachse durch Madenbefall ein zunehmendes Eigenleben entwickeln.

Darum wiederhole ich die Frage nochmals: „Glauben Sie wirklich, dass es Sinn macht der Kuh jetzt noch einmal ein Hormonspritze zu geben?“

„Nein?“
OK, dann lassen Sie uns endlich beschließen, dass diese Kuh tot ist.
Das Wichtigste aber wird sein, sich endlich für eine andere, „state of the art“ Milcherzeugung zur Gesundung des Volkes zu entscheiden.
Und ersparen Sie sich und mir die Suggestivfrage:

Sollen die bisherigen Experten und Partner auch am neuen Gesundheitssystem mitwirken?

Sicher nicht, denn das wäre doch echt zum Mäuse melken!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. Juli 2006 um 05:45:28 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Suggestivfrage

11. Juli 2006 05:45

In Zeiten der allgemeinen Konzeptionslosigkeit sieht sich der (aufmerksame) Bürger zunehmend mit Suggestivfragen konfrontiert und nicht immer gelingt es auf Anhieb diese auch als solche zu entlarven.
So ging es mir bei der Beantwortung der Frage:

Sollen Privatkassen stärker zur Gesundheitsreform beitragen?

die bei der FTD im Rahmen einer Stimmungsabfrage in der BRddr zur Lage der Nation und der Regierungsparteien durchgeführt wird.
Es ist nicht so einfach diese Frage zu beantworten, suggeriert sie doch, dass zum Erfolg der Gesundheitsreform eine stärkere (natürlich finanzielle) Beteiligung der PKV notwendig ist.

Spontan könnte man durchaus mit „Ja“ antworten um nach kurzem Zögern noch ein „aber“ nachzuschieben, bevor man sich nach einigem Nachdenken für ein entrüstetes „Nein“ entscheidet.

Dazu muss man noch nicht einmal Mitglied einer PKV sein, auch als Zwangsmitglied in der GKV sollte man noch in der Lage sein vernünftige Entscheidungen treffen zu können.
Denn sind wir doch mal ehrlich, zusätzliches Geld für die weitere Finanzierung des kranken Gesundheitssystems zu beschaffen, können sich doch nur wirklich kranke Hirne ausdenken.

Das wäre ja genauso, als wolle man einer toten Kuh noch eine Hormonspritze verpassen.
Der Produzent der Hormone und seine Vertriebsorganisation hätten sicher nichts dagegen einzuwenden und auch der Hersteller der Spritze würde das für eine gute Idee halten.
Selbst die Standesorganisation des Tiermediziners wird sich dem Vorhaben nicht in den Weg stellen, ganz im Gegenteil.
Der Tierarzt wird die Verabreichung der Hormone aus medizinischer Sicht zwar nicht unbedingt für notwendig erachten, aber schaden tun sie ja auch nicht (mehr).
Die Kuh selbst hat zu dem Vorgang keine eigene Meinung. Somit wird dem Besitzer der Kuh in Anbetracht der ihn umgebenden Sach- und Fachkompetenz wohl nichts anderes übrig bleiben, als der Transaktion zuzustimmen und die Kosten zu übernehmen.
Ja, so weit, so gut.

Das Problem ist nur, dass die Kuh nach der Behandlung immer noch tot ist.

Glauben Sie nun wirklich, dass es Sinn macht der Kuh jetzt noch einmal eine Hormonspritze zu geben?“
Gut, ok, Sie werden nach kurzem Nachdenken vielleicht mit „Ja“ antworten, „aber“ einwenden, dass diese Spritze jetzt von der Solidargemeinschaft der Melkkuhbauern bezahlt werden sollte um soziale Härten für den einzelnen Kuhbesitzer zu vermeiden.
Darum wiederhole ich die Frage: „Glauben Sie wirklich, dass es Sinn macht der Kuh jetzt noch einmal eine Hormonspritze zu verpassen?“

Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit irgendwelchen Experten oder Gutachtern, die letztendlich für den Schwachsinn den sie erzählen, vom Kuhbesitzer fürstlich bezahlt werden müssen.
Erzählen Sie mir auch nicht, dass die Kuh mehr Auslauf braucht oder gar einen anderen Stier. Kommen Sie mir auch nicht mit dem Vorschlag, die Kuh von der Milchkuh zum Ochsen umschulen zu lassen. Auch für den Neubau eines Stalls kann ich mich nicht begeistern, denn wir werden den bald zur Abdeckerei oder zum Krematorium umbauen müssen.
Denn die Sache stinkt bereits zum Himmel.
Natürlich könnte man noch zuwarten, denn der Kadaver wird auf der Zeitachse durch Madenbefall ein zunehmendes Eigenleben entwickeln.

Darum wiederhole ich die Frage nochmals: „Glauben Sie wirklich, dass es Sinn macht der Kuh jetzt noch einmal ein Hormonspritze zu geben?“

„Nein?“
OK, dann lassen Sie uns endlich beschließen, dass diese Kuh tot ist.
Das Wichtigste aber wird sein, sich endlich für eine andere, „state of the art“ Milcherzeugung zur Gesundung des Volkes zu entscheiden.
Und ersparen Sie sich und mir die Suggestivfrage:

Sollen die bisherigen Experten und Partner auch am neuen Gesundheitssystem mitwirken?

Sicher nicht, denn das wäre doch echt zum Mäuse melken!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. Juli 2006 um 05:45:28 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)