Das Euroschwein

23. März 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Gestern war ich auf der Bank, weil ich wohl vergessen hatte mein Sparschwein auf Euro umstellen zu lassen. Zu Zeiten der Deutschen Mark blieb am Ende des Monats immer ein bisschen Kleingeld übrig, das ich dann dem wolllüstig grunzenden Schweinchen in den Schlitz stecken durfte.
Aber seit der Einführung des Euro muss ich auf diese liebgewonnene Zeremonie verzichten, denn es gibt für mich nichts mehr zum reinstecken. Wir sind richtig arme Schweine geworden, mein Schwein und ich.

Und deshalb wollte ich mal mit meinem Sparschwein bei der Bank vorsprechen, ob die vielleicht einen Trick wissen, wie man mein Schwein eurofähig machen kann.
Ich hatte gerade mit meinem Schwein unter dem Arm auf dem Besucherstühlchen vor meinem Berater Platz genommen als das Telefon klingelte. Der Herr Berater blickte mich entschuldigend an, zuckte die Schulter und meinte in meine Richtung: “Einen Moment bitte, ich habe gleich Zeit für Sie”.
Und ohne meine Antwort abzuwarten, sprach er dann ins Telefon:

Guten Tag. Mein Name ist Müller von der Bank für die Gemeine Wirtschaft. Was kann ich für Sie tun? Ach Sie sind es schon wieder! Was wollen Sie haben? Einen Konsumentenkredit? Aber jetzt mal langsam, Sie sind doch schon verschuldet bis über beide Ohren. Und außerdem verstoßen Sie schon seit einigen Jahren gegen die Auflage, sich pro Jahr nicht mit mehr als 3% neu zu verschulden.
Ja auch wir wissen, dass die Zeiten schlecht sind und es immer schwieriger wird finanziell über die Runden zu kommen. Bisher ist Ihnen das ja noch durch den Verkauf von Vermögensgegenständen einigermaßen gut gelungen. Doch Sie haben jetzt lange genug Immobilien und Aktienanteile verscherbelt und Forderungen verkauft. Wir beobachten das schon genau, was Sie da treiben, schließlich stehen Sie bei uns ja mit einem erklecklichen Sümmchen in der Kreide.
Nein, jetzt hören SIE mir mal gut zu. Wir haben uns bisher immer kooperativ gezeigt, aber ich muss Ihnen ganz klar sagen, dass es einen Konsumentenkredit in Ihrer finanziellen Lage nicht geben wird. Bringen Sie endlich ihren Haushalt und vor allem Ihre Ausgaben unter Kontrolle.

Ja ich weiß auch, dass Sie das immer wieder versuchen, aber beim Versuch ist es doch leider geblieben und außer Beteuerungen und gebrochenen Versprechungen haben Sie bisher doch nichts vorzuweisen.
Nein - also guter Mann, das nehm ich Ihnen jetzt wirklich nicht mehr ab. Es sind nicht die gesunkenen Einnahmen, die Ihre Finanzprobleme verursachen. Es sind nach Ansicht unseres Wirtschaftsprüfers ihre unverändert hohen Ausgaben für einen - jetzt sind mir bitte nicht böse,
wenn ich das so salopp sage - Haufen unnötigen Brimbamborium und Statussymbole. Wenn man halt kein Geld hat, dann muss man eben auch aufhören auf großem Fuß zu leben, den großen Maxe zu spielen und mit dem Geld nur so um sich zu werfen, wie Sie das tun.

Nein, es bleibt dabei, SIE bekommen kein Geld von uns. Und schon gar nicht als Konsumentenkredit. Wir kennen das schon aus den vergangenen Jahren. Ihre Unterschrift unter dem Kreditvertrag war noch nicht trocken, da haben Sie schon überall herumerzählt, dass jetzt alles wieder OK ist, alles in trockenen Tüchern sei und SIE die Lage im Griff haben und vertrauensvoll in die gesicherte Zukunft schauen können. Lassen Sie sich von mir sagen, dass SIE die Finanzen noch niemals sicher nicht im Griff hatten, denn um mehr auszugeben als einzunehmen braucht man noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss.

Nein, ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Sie von uns nochmals Geld für Ihren ausschweifenden Lebenswandel bekommen. Für Konsum und Statussymbole gibt es nix mehr. Anders wäre es wenn Sie konkrete Projekte haben und Geld investieren wollen. Auch für Umschuldungen und Tilgung von Altschulden würden wir eventuell zur Verfügung stehen.
Ach deswegen rufen Sie an! Sie wollen einen Umschuldungskredit. Ja warum sagen Sie das denn nicht gleich! Was wollen Sie denn umschulden? Ja, da gebe ich Ihnen recht, dass man in schwierigen Zeiten kreative und innovative Finanzierungsmodelle braucht. Und was heißt das jetzt konkret im vorliegenden Fall?
Ja, das habe ich verstanden. Sie wollen die Zins- und Tilgungsleistungen für ihre Altschulden umfinanzieren und dafür brauchen Sie einen neuen Kredit.
Darf ich Sie fragen, was Sie mit den dadurch freiwerdenden Geldmitteln, die Sie bisher für Zins und Tilgung aufwenden mussten, dann machen wollen?
Ach die wollen Sie in den Konsum stecken und ihren Lebensstandard finanzieren.

Ich habe ihr Finanzierungsmodell jetzt zwar noch nicht bis zum Ende durchgedacht, aber auf den ersten Blick sieht das von der Idee her wirklich sehr innovativ aus.
Sie müssten aber für die Unterzeichnung des Kreditvertrages bei uns vorbeikommen. Wann wäre ihnen das möglich? Morgen? Ja, das ist zwar ein bisschen kurzfristig, aber ich könnte den Vertrag bis morgen fertig machen. An welche Summe hatten Sie denn gedacht? Ach, Sie haben noch keine Vorstellung wieviel Geld Sie benötigen werden. Dann lassen wir im Vertrag doch einfach die Darlehenssumme offen. Na , ist das ein Vorschlag zur Güte? Gut, in Ordnung, dann sehen wir uns morgen früh gegen 10:00 Uhr zur Vertragsunterschrift hier bei uns.
Oh, 10:00 Uhr geht nicht bei Ihnen, da haben Sie schon eine Besprechung im Ministerium. Entschuldigen Sie meine Neugier, aber darf ich Sie fragen was Sie jetzt beruflich machen? Hatten Sie nicht mal Germanistik, Philosophie, Erziehungswissenschaft und Geschichte studiert und sind dann ins Lehramt gegangen? So, so Sie sind immer noch in der Lehre tätig, aber jetzt auf ganz anderem Niveau. Das ist ja interessant, darf ich fragen was Sie lehren?
Ach ja, Sie lehren den Bürgern der Republik mit leerem Beutel und leeren Sprüchen das Fürchten! Ja, das ist aber mal ein schönes Wortspiel, das muss ich mir merken. Ja, ja ein kleiner Spaß am Rand muss auch mal sein, auch wenn es um Geld geht. Solange es nicht das eigene ist, sag ich immer.
Gut, dann verschieben wir also den Termin morgen auf 11:00 Uhr. Schön, dass Sie sich das einrichten können.
Bis dann und einen schönen Tag noch, Herr Eichel.

Dann legte der Herr Banksachbearbeiter und Kundenbetreuer den Hörer auf die Gabel, machte sich in aller Ruhe ein paar Notizen und hob den Kopf. Offensichtlich nahm er mich erst jetzt wieder zur Kenntnis und meinte “Entschuldigung, aber das war ein alter Kunde, den konnte ich jetzt nicht hängen lassen. Was kann ich für Sie tun?”

“Das hat sich erledigt”, meinte ich kleinlaut und drückte mein eurounfähiges Sparschwein an mich, “aber wenn Sie den Eichel mal hängen lassen, dann sagen sie mir Bescheid. Dann komm ich vorbei um das Schwein eurofähig zu machen. Sie würden mir persönlich eine große Freude bereiten, wenn ich das noch erleben dürfte”.

Meinem unglücklichen Sparschein habe ich dann erzählt, dass es nicht mehr auf Euromünzen umgestellt werden braucht, denn es wird bald eine Zeit kommen, wo es nur noch Papiergeld mit vielen, vielen Nullen geben wird. Und weil das dumme Schwein mir das nicht glauben wollte, haben ich ihm einen solchen Geldschein gezeigt:
1 Milliarde Reichsmark stand da drauf und dem Schwein ist vor lauter Nullen ganz schwindelig geworden.

Echt!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 23. März 2005 um 05:45:20 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Das Euroschwein

23. März 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Gestern war ich auf der Bank, weil ich wohl vergessen hatte mein Sparschwein auf Euro umstellen zu lassen. Zu Zeiten der Deutschen Mark blieb am Ende des Monats immer ein bisschen Kleingeld übrig, das ich dann dem wolllüstig grunzenden Schweinchen in den Schlitz stecken durfte.
Aber seit der Einführung des Euro muss ich auf diese liebgewonnene Zeremonie verzichten, denn es gibt für mich nichts mehr zum reinstecken. Wir sind richtig arme Schweine geworden, mein Schwein und ich.

Und deshalb wollte ich mal mit meinem Sparschwein bei der Bank vorsprechen, ob die vielleicht einen Trick wissen, wie man mein Schwein eurofähig machen kann.
Ich hatte gerade mit meinem Schwein unter dem Arm auf dem Besucherstühlchen vor meinem Berater Platz genommen als das Telefon klingelte. Der Herr Berater blickte mich entschuldigend an, zuckte die Schulter und meinte in meine Richtung: “Einen Moment bitte, ich habe gleich Zeit für Sie”.
Und ohne meine Antwort abzuwarten, sprach er dann ins Telefon:

Guten Tag. Mein Name ist Müller von der Bank für die Gemeine Wirtschaft. Was kann ich für Sie tun? Ach Sie sind es schon wieder! Was wollen Sie haben? Einen Konsumentenkredit? Aber jetzt mal langsam, Sie sind doch schon verschuldet bis über beide Ohren. Und außerdem verstoßen Sie schon seit einigen Jahren gegen die Auflage, sich pro Jahr nicht mit mehr als 3% neu zu verschulden.
Ja auch wir wissen, dass die Zeiten schlecht sind und es immer schwieriger wird finanziell über die Runden zu kommen. Bisher ist Ihnen das ja noch durch den Verkauf von Vermögensgegenständen einigermaßen gut gelungen. Doch Sie haben jetzt lange genug Immobilien und Aktienanteile verscherbelt und Forderungen verkauft. Wir beobachten das schon genau, was Sie da treiben, schließlich stehen Sie bei uns ja mit einem erklecklichen Sümmchen in der Kreide.
Nein, jetzt hören SIE mir mal gut zu. Wir haben uns bisher immer kooperativ gezeigt, aber ich muss Ihnen ganz klar sagen, dass es einen Konsumentenkredit in Ihrer finanziellen Lage nicht geben wird. Bringen Sie endlich ihren Haushalt und vor allem Ihre Ausgaben unter Kontrolle.

Ja ich weiß auch, dass Sie das immer wieder versuchen, aber beim Versuch ist es doch leider geblieben und außer Beteuerungen und gebrochenen Versprechungen haben Sie bisher doch nichts vorzuweisen.
Nein - also guter Mann, das nehm ich Ihnen jetzt wirklich nicht mehr ab. Es sind nicht die gesunkenen Einnahmen, die Ihre Finanzprobleme verursachen. Es sind nach Ansicht unseres Wirtschaftsprüfers ihre unverändert hohen Ausgaben für einen - jetzt sind mir bitte nicht böse,
wenn ich das so salopp sage - Haufen unnötigen Brimbamborium und Statussymbole. Wenn man halt kein Geld hat, dann muss man eben auch aufhören auf großem Fuß zu leben, den großen Maxe zu spielen und mit dem Geld nur so um sich zu werfen, wie Sie das tun.

Nein, es bleibt dabei, SIE bekommen kein Geld von uns. Und schon gar nicht als Konsumentenkredit. Wir kennen das schon aus den vergangenen Jahren. Ihre Unterschrift unter dem Kreditvertrag war noch nicht trocken, da haben Sie schon überall herumerzählt, dass jetzt alles wieder OK ist, alles in trockenen Tüchern sei und SIE die Lage im Griff haben und vertrauensvoll in die gesicherte Zukunft schauen können. Lassen Sie sich von mir sagen, dass SIE die Finanzen noch niemals sicher nicht im Griff hatten, denn um mehr auszugeben als einzunehmen braucht man noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss.

Nein, ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Sie von uns nochmals Geld für Ihren ausschweifenden Lebenswandel bekommen. Für Konsum und Statussymbole gibt es nix mehr. Anders wäre es wenn Sie konkrete Projekte haben und Geld investieren wollen. Auch für Umschuldungen und Tilgung von Altschulden würden wir eventuell zur Verfügung stehen.
Ach deswegen rufen Sie an! Sie wollen einen Umschuldungskredit. Ja warum sagen Sie das denn nicht gleich! Was wollen Sie denn umschulden? Ja, da gebe ich Ihnen recht, dass man in schwierigen Zeiten kreative und innovative Finanzierungsmodelle braucht. Und was heißt das jetzt konkret im vorliegenden Fall?
Ja, das habe ich verstanden. Sie wollen die Zins- und Tilgungsleistungen für ihre Altschulden umfinanzieren und dafür brauchen Sie einen neuen Kredit.
Darf ich Sie fragen, was Sie mit den dadurch freiwerdenden Geldmitteln, die Sie bisher für Zins und Tilgung aufwenden mussten, dann machen wollen?
Ach die wollen Sie in den Konsum stecken und ihren Lebensstandard finanzieren.

Ich habe ihr Finanzierungsmodell jetzt zwar noch nicht bis zum Ende durchgedacht, aber auf den ersten Blick sieht das von der Idee her wirklich sehr innovativ aus.
Sie müssten aber für die Unterzeichnung des Kreditvertrages bei uns vorbeikommen. Wann wäre ihnen das möglich? Morgen? Ja, das ist zwar ein bisschen kurzfristig, aber ich könnte den Vertrag bis morgen fertig machen. An welche Summe hatten Sie denn gedacht? Ach, Sie haben noch keine Vorstellung wieviel Geld Sie benötigen werden. Dann lassen wir im Vertrag doch einfach die Darlehenssumme offen. Na , ist das ein Vorschlag zur Güte? Gut, in Ordnung, dann sehen wir uns morgen früh gegen 10:00 Uhr zur Vertragsunterschrift hier bei uns.
Oh, 10:00 Uhr geht nicht bei Ihnen, da haben Sie schon eine Besprechung im Ministerium. Entschuldigen Sie meine Neugier, aber darf ich Sie fragen was Sie jetzt beruflich machen? Hatten Sie nicht mal Germanistik, Philosophie, Erziehungswissenschaft und Geschichte studiert und sind dann ins Lehramt gegangen? So, so Sie sind immer noch in der Lehre tätig, aber jetzt auf ganz anderem Niveau. Das ist ja interessant, darf ich fragen was Sie lehren?
Ach ja, Sie lehren den Bürgern der Republik mit leerem Beutel und leeren Sprüchen das Fürchten! Ja, das ist aber mal ein schönes Wortspiel, das muss ich mir merken. Ja, ja ein kleiner Spaß am Rand muss auch mal sein, auch wenn es um Geld geht. Solange es nicht das eigene ist, sag ich immer.
Gut, dann verschieben wir also den Termin morgen auf 11:00 Uhr. Schön, dass Sie sich das einrichten können.
Bis dann und einen schönen Tag noch, Herr Eichel.

Dann legte der Herr Banksachbearbeiter und Kundenbetreuer den Hörer auf die Gabel, machte sich in aller Ruhe ein paar Notizen und hob den Kopf. Offensichtlich nahm er mich erst jetzt wieder zur Kenntnis und meinte “Entschuldigung, aber das war ein alter Kunde, den konnte ich jetzt nicht hängen lassen. Was kann ich für Sie tun?”

“Das hat sich erledigt”, meinte ich kleinlaut und drückte mein eurounfähiges Sparschwein an mich, “aber wenn Sie den Eichel mal hängen lassen, dann sagen sie mir Bescheid. Dann komm ich vorbei um das Schwein eurofähig zu machen. Sie würden mir persönlich eine große Freude bereiten, wenn ich das noch erleben dürfte”.

Meinem unglücklichen Sparschein habe ich dann erzählt, dass es nicht mehr auf Euromünzen umgestellt werden braucht, denn es wird bald eine Zeit kommen, wo es nur noch Papiergeld mit vielen, vielen Nullen geben wird. Und weil das dumme Schwein mir das nicht glauben wollte, haben ich ihm einen solchen Geldschein gezeigt:
1 Milliarde Reichsmark stand da drauf und dem Schwein ist vor lauter Nullen ganz schwindelig geworden.

Echt!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 23. März 2005 um 05:45:20 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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