Die Qual der Wahl

18. März 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Manche Zeitgenossen nennen Heide Simonis auch „die Pattex-Heide“, weil sie an ihrem Ministersessel klebt wie angeschweißt. Seit dem Auszählen der Wählerstimmen nach der Wahl am 20. Februar war vielen klar, dass es so wie bisher nicht weitergehen wird.
Heide Simonis gehörte nicht dazu.
Das Lachen ist der „roten Heide“ heute am 17. März, wohl endgültig vergangen, denn in vier Wahlgängen hat es nicht zur Wahl zur Ministerpräsidentin gereicht, weil einer der Abgeordneten das Geklüngel um die Machtverteilung nicht mitgemacht und sich eisern seiner Stimme enthalten hat.
Wer immer es auch sein mag, das ist sein gutes Recht als Abgeordneter, der nach der Landesverfassung nur seinem (eigenen) Gewissen verantwortlich ist. Von Fraktionszwang steht nichts in der Verfassung, den haben die Parteichefs erst später dazu erfunden.
Statt nach dem knappen Wahlergebnis das einzig Richtige zu machen und eine „große“ Koalition zu suchen, versuchte Simonis den Ritt auf der Rasierklinge und dabei hat sie sich jetzt das Sitzfleisch ziemlich heftig zerschnitten.
So heftig, dass hässliche Narben bleiben werden, wenn nicht gar der politische Tod eintritt. Nach vier verlorenen Wahlgängen muss man schon ziemlich verbohrt, verblendet und lernresistent sein, um die Zeichen der Zeit nicht mehr zur Kenntnis nehmen zu können.
Ein bei Politikern mit zunehmender Amtszeit häufig zu beobachtendes Phänomen.

„Das Spiel ist aus, Heide“, möchte man ihr zurufen, „the party is over“ und „ich hab’s schon immer kommen sehen“. Denn seit 1993, seit Heide als Nachfolgerin von Björn Engholm Ministerpräsidentin (die einzige in der BRddr) von Schleswig-Holstein wurde, hat die SPD bei jeder Wahl Stimmen verloren. 1996 sogar die absolute Mehrheit.
Und nu ist der Sack zu!

Was jetzt kommt? Hoffentlich nicht noch mal so eine Wackelkonstruktion wie mit der SSW, von denen es ja keiner gewesen sein will, der der Heide die Gefolgschaft versagte. Aber was Genaues weiß man nicht, denn „Dänen lügen nicht“.
Vernünftig wären nun Neuwahlen, ein anderer rot-grüner Kandidat als Ministerpräsident oder eine „große“ Koalition. Aber das wäre das endgültige Eingeständnis der Niederlage und das würde einigen Herren in Berlin gar nicht gefallen.
Und der neue Ministerpräsident des Landes würde sicher nicht Simonis heißen.

Soweit hätte es nicht kommen müssen, wenn die Heide eben rechtzeitig eingesehen hätte, dass sie nicht die „Landesmutter“ auf Lebenszeit, sondern nur eine auswechselbare Angestellte des Landes Schleswig-Holstein ist.
«Dabei hatte sie noch vor der jüngsten Landtagswahl erklärt: “Ich würde es mir gerne ersparen, wie Kurt Biedenkopf vom Stuhl gekratzt und raus getragen zu werden.”», schreibt der Spiegel und weiß über den Abweichler, der seine Stimme so konstant enthalten hat, zu berichten, dass «da wohl irgendwelche persönlichen Animositäten eine Rolle gespielt haben müssen».

Also vom Stuhl gekratzt worden ist sie heute schon, denn mit ihrem Machtanspruch und ihrem teilweise auch sehr rustikalem Umgangston, hat sich die „rote Heide“ auch in ihrer eigenen Partei nicht nur Freunde gemacht.
Peer (wer?) Steinbrück, ehemaliger Wirtschaftsminister in Simonis’ Kabinett, bezeichnete ihre Politik einmal als “Klein-klein auf Pepita-Niveau”.
Ich nenn das eher „kleinkariert“ und außerdem wäre mir persönlich ein „Ende mit Schrecken“ lieber als ein „Schrecken ohne Ende“.
Oder können sie mir erklären, wie die Frau Ministerpräsidentin Simonis unter solchen Voraussetzungen auf die Idee kommt, noch mal für fünf Jahre im Amt bleiben und zum Wohle des Landes agieren zu wollen.
Doch sicher nur zum Wohle der Ministerpräsidentin und zur Befriedigung des eigenen Egos.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 18. März 2005 um 05:45:57 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Die Qual der Wahl

18. März 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Manche Zeitgenossen nennen Heide Simonis auch „die Pattex-Heide“, weil sie an ihrem Ministersessel klebt wie angeschweißt. Seit dem Auszählen der Wählerstimmen nach der Wahl am 20. Februar war vielen klar, dass es so wie bisher nicht weitergehen wird.
Heide Simonis gehörte nicht dazu.
Das Lachen ist der „roten Heide“ heute am 17. März, wohl endgültig vergangen, denn in vier Wahlgängen hat es nicht zur Wahl zur Ministerpräsidentin gereicht, weil einer der Abgeordneten das Geklüngel um die Machtverteilung nicht mitgemacht und sich eisern seiner Stimme enthalten hat.
Wer immer es auch sein mag, das ist sein gutes Recht als Abgeordneter, der nach der Landesverfassung nur seinem (eigenen) Gewissen verantwortlich ist. Von Fraktionszwang steht nichts in der Verfassung, den haben die Parteichefs erst später dazu erfunden.
Statt nach dem knappen Wahlergebnis das einzig Richtige zu machen und eine „große“ Koalition zu suchen, versuchte Simonis den Ritt auf der Rasierklinge und dabei hat sie sich jetzt das Sitzfleisch ziemlich heftig zerschnitten.
So heftig, dass hässliche Narben bleiben werden, wenn nicht gar der politische Tod eintritt. Nach vier verlorenen Wahlgängen muss man schon ziemlich verbohrt, verblendet und lernresistent sein, um die Zeichen der Zeit nicht mehr zur Kenntnis nehmen zu können.
Ein bei Politikern mit zunehmender Amtszeit häufig zu beobachtendes Phänomen.

„Das Spiel ist aus, Heide“, möchte man ihr zurufen, „the party is over“ und „ich hab’s schon immer kommen sehen“. Denn seit 1993, seit Heide als Nachfolgerin von Björn Engholm Ministerpräsidentin (die einzige in der BRddr) von Schleswig-Holstein wurde, hat die SPD bei jeder Wahl Stimmen verloren. 1996 sogar die absolute Mehrheit.
Und nu ist der Sack zu!

Was jetzt kommt? Hoffentlich nicht noch mal so eine Wackelkonstruktion wie mit der SSW, von denen es ja keiner gewesen sein will, der der Heide die Gefolgschaft versagte. Aber was Genaues weiß man nicht, denn „Dänen lügen nicht“.
Vernünftig wären nun Neuwahlen, ein anderer rot-grüner Kandidat als Ministerpräsident oder eine „große“ Koalition. Aber das wäre das endgültige Eingeständnis der Niederlage und das würde einigen Herren in Berlin gar nicht gefallen.
Und der neue Ministerpräsident des Landes würde sicher nicht Simonis heißen.

Soweit hätte es nicht kommen müssen, wenn die Heide eben rechtzeitig eingesehen hätte, dass sie nicht die „Landesmutter“ auf Lebenszeit, sondern nur eine auswechselbare Angestellte des Landes Schleswig-Holstein ist.
«Dabei hatte sie noch vor der jüngsten Landtagswahl erklärt: “Ich würde es mir gerne ersparen, wie Kurt Biedenkopf vom Stuhl gekratzt und raus getragen zu werden.”», schreibt der Spiegel und weiß über den Abweichler, der seine Stimme so konstant enthalten hat, zu berichten, dass «da wohl irgendwelche persönlichen Animositäten eine Rolle gespielt haben müssen».

Also vom Stuhl gekratzt worden ist sie heute schon, denn mit ihrem Machtanspruch und ihrem teilweise auch sehr rustikalem Umgangston, hat sich die „rote Heide“ auch in ihrer eigenen Partei nicht nur Freunde gemacht.
Peer (wer?) Steinbrück, ehemaliger Wirtschaftsminister in Simonis’ Kabinett, bezeichnete ihre Politik einmal als “Klein-klein auf Pepita-Niveau”.
Ich nenn das eher „kleinkariert“ und außerdem wäre mir persönlich ein „Ende mit Schrecken“ lieber als ein „Schrecken ohne Ende“.
Oder können sie mir erklären, wie die Frau Ministerpräsidentin Simonis unter solchen Voraussetzungen auf die Idee kommt, noch mal für fünf Jahre im Amt bleiben und zum Wohle des Landes agieren zu wollen.
Doch sicher nur zum Wohle der Ministerpräsidentin und zur Befriedigung des eigenen Egos.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 18. März 2005 um 05:45:57 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)