Siemens Managergehälter

11. Oktober 2006 05:45

Alle Jahre wieder geht in schöner Regelmäßigkeit ein medienwirksames Aufheulen durch die Reihen der Politiker, wenn mal wieder Managergehälter dem Werteverfall unserer Republik angepasst werden (sollen).
Unisono wird dann in einem empörten und unsachlichen Tonfall herumgezetert und der Eindruck erweckt, als würden sich hier kriminelle Elemente einfach einen kollektiven Griff in die Kasse des Unternehmens zu Lasten der Arbeitnehmerschaft erlauben. Ganz so einfach wie in der Politik ist es aber in der Wirtschaft dann doch nicht, man sollte deshalb nicht immer von sich selbst auf andere schließen.

Im Gegensatz zu Politikern weiß jeder BWL-Student im ersten Semester, dass sich Vorstände einer Aktiengesellschaft ihre Gehälter nicht einfach selbst erhöhen können. Und außerdem, das darf man auch nicht vergessen, werden Managergehälter vom Unternehmen selbst erwirtschaftet und bezahlt und nicht einfach aus ohne Gegenleistung erhobenen Steuern finanziert.
Wenn sich also unser Bundestagsvize Vater Abraham Thierse öffentlich über die satte Gehaltserhöhung der Siemensvorstände erregt und diese als „schlicht obszön und auf skandalöse Weise unanständig“ anprangert und für „asozial hält, weil es die Gemeinschaft und ihre Grundüberzeugungen von Gerechtigkeit und Solidarität beschädigt“, dann offenbart der Bundestagsvizepräsident damit der Öffentlichkeit auch seinen überaus schlichten Kenntnisstand des deutschen Aktienrechts.

Aber auch andere „Spitzen-Politikern“ eiern zwischen Populismus, gespielter Empörung und ihrem sehr übersichtlichem Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge durch die Medien:
«SPD-Fraktionschef Peter Struck nannte die Ausweitung der Bezüge um 30 Prozent für alle zwölf Vorstände des Unternehmens “instinktlos”. Die Erhöhung falle in Zeiten, “da es vielen Menschen darum geht, das Überleben mit einem Mindestlohn zu sichern”, sagte er in der “Bild”-Zeitung (Mittwochausgabe).
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hielt den Managern von Siemens vor, ohne Rücksicht auf die Beschäftigten Geld in die eigene Tasche zu scheffeln. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller betonte in dem Blatt, es sei nicht nachzuvollziehen, warum Unternehmen ständig Opfer von Arbeitnehmern erwarteten und zugleich Managerbezüge derartig aufstockten.» schreibt Reuters am 20.September 2006

Dabei hätte ein Blick auf die Internetseiten der Firma Siemens genügt um zu erfahren, dass Siemens die Rechtsform einer Aktiengesellschaft hat und als solche entscheiden über die Geschicke des Unternehmens die Hauptversammlung, der Vorstand und der Aufsichtsrat, wobei Entscheidungen über die Entlohnung von Vorständen vom Aufsichtsrat und hier vertreten durch den Aufsichtsratvorsitzenden getroffen werden.
Und das hat der Aufsichtsrat der Siemens AG wohl getan, denn wie könnte sonst die Netzeitung vermelden, dass «der Aufsichtsrat von Siemens unter Führung des ehemaligen Vorstandschefs Heinrich von Pierer beschlossen hat, die Bezüge der zwölf Vorstände des Unternehmens um rund 30 Prozent anzuheben. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass im Hinblick auf vergleichbare Unternehmen die Siemens-Vorstände unterbezahlt seien.»

Siemens - Der Duft des Erfolges

Ein weiterer Blick auf die Webseiten der Firma Siemens und die Namen der Mitglieder des Aufsichtsrats hätte offenbart, wer denn da beschlossen hat, dass die Gehälter des Vorstandes um 30% angehoben werden müssen.
Bei Durchsicht der Namen wird schnell klar, dass sich im paritätisch besetzten Aufsichtsrat der Siemens AG wohl nicht nur der Aufsichtsratvorsitzende Heinrich von Pierer für eine derartige Erhöhung ausgesprochen hat, denn der 1. stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrat ist Ralf Heckmann, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Siemens AG. Neben ihm wird die Arbeitnehmerschaft der Siemens AG im Aufsichtsrat verstärkt durch:

  • Lothar Adler, den stellv. Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats,
  • Gerhard Bieletzki, Mitglied des Konzernbetriebsrats der Siemens AG
  • Hildegard Cornudet, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der SBS GmbH & Co. OHG
  • Birgit Grube, Bürokauffrau
  • Berthold Huber, 2. Vorsitzender der IG Metall
  • Wolfgang Müller, Leiter des Siemens-Teams der IG Metall
  • Georg Nassauer, Stahlformenbauer
  • Thomas Rackow, Industriekaufmann
  • Peter von Siemens, Industriekaufmann

Es waren also wohl nicht nur, wie von den Politikern behauptet die „bösen“ raffgierigen Managern von Siemens, die ohne Rücksicht auf die Beschäftigten das Geld in die eigene Tasche scheffeln und dabei ständig Opfer von den Arbeitnehmern erwarten.Und die Farce, um nicht zu sagen das Affentheater, wird komplett wenn der Chef der IG-Metall, Jürgen Peters in der Berliner Zeitung erzählt, dass es „eine Unverfrorenheit ohnegleichen ist, auf der einen Seite Tausende Stellen zu streichen und auf der anderen Seite sich maßlos die eigenen Taschen zu füllen“.
Bevor er diesen Satz ausscheidet, hätte er sich wohl besser mal mit seinem Stellvertreter bei der IG Metall, dem Berthold Huber unterhalten sollen. Denn der ist (siehe oben) Mitglied im Aufsichtsrat der Siemens AG.
Im vorliegenden Fall stellt sich eigentlich nur die Frage, wie denn die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat bei solch „instinktlosen Entscheidungen“ abstimmen, zu Zeiten “da es vielen Menschen darum geht, das Überleben mit einem Mindestlohn zu sichern“.

Fragen kann man sich auch, ob es eigentlich sinnvoll ist oder eher den Bock zum Gärtner macht, wenn man den ehemaligen Vorsitzenden des Vorstandes zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats macht. Aber diese Frage müssen die Aktionäre des Unternehmens im Rahmen der Hauptversammlung beantworten. Für eine entsprechende Änderung des Aktienrechts wären allerdings die Zeter-und-Mordio-Schreier aus Berlin verantwortlich.
Und wenn die „großartigen Koalitionäre“ in Berlin es dann auch noch schaffen würden, die Zahl der maximal möglichen Aufsichtsratmandate je Person auf maximal 3 zu begrenzen …
… dann müsste sich der Herr Dr. o.e.c. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Bank AG, wohl oder übel zwischen seinen Aufsichtsratmandaten bei der Bayer AG, der Deutschen Lufthansa AG, der Linde AG und der Siemens AG entscheiden müssen.


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4 Antworten zu “Siemens Managergehälter”

  1. Der Zedernpflanzer meint:

    Zeter und Mordio!

  2. Machopan meint:

    Danke!
    Lag wohl an dem Zedernwäldchen in dem ich meine Siesta gehalten habe.

  3. lyriost meint:

    Bei allen Kungeleien, die es natürlich gibt, haben die Arbeitnehmervertreter auf jeden Fall nirgendwo eine Mehrheit im Aufsichtsrat, es sei denn, die Manager werden als Arbeitnehmer gezählt, was ja immer wieder gern gemacht wird. Und ist es nicht so, daß die Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden bei Stimmenpatt doppelt zählt?

  4. Machopan meint:

    Ja, bei Patt zählt die Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden doppelt.
    Aber nur bei Patt.
    Und über eine Kampfabstimmung im AR habe ich in der Presse nix gefunden. Da stand nur dass “der Aufsichtsrat von Siemens unter Führung des ehemaligen Vorstandschefs Heinrich von Pierer beschlossen hat, die Bezüge der zwölf Vorstände des Unternehmens um rund 30 Prozent anzuheben.”

    Auch hat keiner der Gewerkschaftsvertreter kundgetan, dass die Arbeitnehmerschaft dagegen gestimmt hätte, aber man diesen “skandalösen Vorgang” mit den Stimmen der AN nicht verhindern konnte.
    ;-)

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Siemens Managergehälter

11. Oktober 2006 05:45

Alle Jahre wieder geht in schöner Regelmäßigkeit ein medienwirksames Aufheulen durch die Reihen der Politiker, wenn mal wieder Managergehälter dem Werteverfall unserer Republik angepasst werden (sollen).
Unisono wird dann in einem empörten und unsachlichen Tonfall herumgezetert und der Eindruck erweckt, als würden sich hier kriminelle Elemente einfach einen kollektiven Griff in die Kasse des Unternehmens zu Lasten der Arbeitnehmerschaft erlauben. Ganz so einfach wie in der Politik ist es aber in der Wirtschaft dann doch nicht, man sollte deshalb nicht immer von sich selbst auf andere schließen.

Im Gegensatz zu Politikern weiß jeder BWL-Student im ersten Semester, dass sich Vorstände einer Aktiengesellschaft ihre Gehälter nicht einfach selbst erhöhen können. Und außerdem, das darf man auch nicht vergessen, werden Managergehälter vom Unternehmen selbst erwirtschaftet und bezahlt und nicht einfach aus ohne Gegenleistung erhobenen Steuern finanziert.
Wenn sich also unser Bundestagsvize Vater Abraham Thierse öffentlich über die satte Gehaltserhöhung der Siemensvorstände erregt und diese als „schlicht obszön und auf skandalöse Weise unanständig“ anprangert und für „asozial hält, weil es die Gemeinschaft und ihre Grundüberzeugungen von Gerechtigkeit und Solidarität beschädigt“, dann offenbart der Bundestagsvizepräsident damit der Öffentlichkeit auch seinen überaus schlichten Kenntnisstand des deutschen Aktienrechts.

Aber auch andere „Spitzen-Politikern“ eiern zwischen Populismus, gespielter Empörung und ihrem sehr übersichtlichem Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge durch die Medien:
«SPD-Fraktionschef Peter Struck nannte die Ausweitung der Bezüge um 30 Prozent für alle zwölf Vorstände des Unternehmens “instinktlos”. Die Erhöhung falle in Zeiten, “da es vielen Menschen darum geht, das Überleben mit einem Mindestlohn zu sichern”, sagte er in der “Bild”-Zeitung (Mittwochausgabe).
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hielt den Managern von Siemens vor, ohne Rücksicht auf die Beschäftigten Geld in die eigene Tasche zu scheffeln. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller betonte in dem Blatt, es sei nicht nachzuvollziehen, warum Unternehmen ständig Opfer von Arbeitnehmern erwarteten und zugleich Managerbezüge derartig aufstockten.» schreibt Reuters am 20.September 2006

Dabei hätte ein Blick auf die Internetseiten der Firma Siemens genügt um zu erfahren, dass Siemens die Rechtsform einer Aktiengesellschaft hat und als solche entscheiden über die Geschicke des Unternehmens die Hauptversammlung, der Vorstand und der Aufsichtsrat, wobei Entscheidungen über die Entlohnung von Vorständen vom Aufsichtsrat und hier vertreten durch den Aufsichtsratvorsitzenden getroffen werden.
Und das hat der Aufsichtsrat der Siemens AG wohl getan, denn wie könnte sonst die Netzeitung vermelden, dass «der Aufsichtsrat von Siemens unter Führung des ehemaligen Vorstandschefs Heinrich von Pierer beschlossen hat, die Bezüge der zwölf Vorstände des Unternehmens um rund 30 Prozent anzuheben. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass im Hinblick auf vergleichbare Unternehmen die Siemens-Vorstände unterbezahlt seien.»

Siemens - Der Duft des Erfolges

Ein weiterer Blick auf die Webseiten der Firma Siemens und die Namen der Mitglieder des Aufsichtsrats hätte offenbart, wer denn da beschlossen hat, dass die Gehälter des Vorstandes um 30% angehoben werden müssen.
Bei Durchsicht der Namen wird schnell klar, dass sich im paritätisch besetzten Aufsichtsrat der Siemens AG wohl nicht nur der Aufsichtsratvorsitzende Heinrich von Pierer für eine derartige Erhöhung ausgesprochen hat, denn der 1. stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrat ist Ralf Heckmann, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Siemens AG. Neben ihm wird die Arbeitnehmerschaft der Siemens AG im Aufsichtsrat verstärkt durch:

  • Lothar Adler, den stellv. Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats,
  • Gerhard Bieletzki, Mitglied des Konzernbetriebsrats der Siemens AG
  • Hildegard Cornudet, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der SBS GmbH & Co. OHG
  • Birgit Grube, Bürokauffrau
  • Berthold Huber, 2. Vorsitzender der IG Metall
  • Wolfgang Müller, Leiter des Siemens-Teams der IG Metall
  • Georg Nassauer, Stahlformenbauer
  • Thomas Rackow, Industriekaufmann
  • Peter von Siemens, Industriekaufmann

Es waren also wohl nicht nur, wie von den Politikern behauptet die „bösen“ raffgierigen Managern von Siemens, die ohne Rücksicht auf die Beschäftigten das Geld in die eigene Tasche scheffeln und dabei ständig Opfer von den Arbeitnehmern erwarten.Und die Farce, um nicht zu sagen das Affentheater, wird komplett wenn der Chef der IG-Metall, Jürgen Peters in der Berliner Zeitung erzählt, dass es „eine Unverfrorenheit ohnegleichen ist, auf der einen Seite Tausende Stellen zu streichen und auf der anderen Seite sich maßlos die eigenen Taschen zu füllen“.
Bevor er diesen Satz ausscheidet, hätte er sich wohl besser mal mit seinem Stellvertreter bei der IG Metall, dem Berthold Huber unterhalten sollen. Denn der ist (siehe oben) Mitglied im Aufsichtsrat der Siemens AG.
Im vorliegenden Fall stellt sich eigentlich nur die Frage, wie denn die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat bei solch „instinktlosen Entscheidungen“ abstimmen, zu Zeiten “da es vielen Menschen darum geht, das Überleben mit einem Mindestlohn zu sichern“.

Fragen kann man sich auch, ob es eigentlich sinnvoll ist oder eher den Bock zum Gärtner macht, wenn man den ehemaligen Vorsitzenden des Vorstandes zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats macht. Aber diese Frage müssen die Aktionäre des Unternehmens im Rahmen der Hauptversammlung beantworten. Für eine entsprechende Änderung des Aktienrechts wären allerdings die Zeter-und-Mordio-Schreier aus Berlin verantwortlich.
Und wenn die „großartigen Koalitionäre“ in Berlin es dann auch noch schaffen würden, die Zahl der maximal möglichen Aufsichtsratmandate je Person auf maximal 3 zu begrenzen …
… dann müsste sich der Herr Dr. o.e.c. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Bank AG, wohl oder übel zwischen seinen Aufsichtsratmandaten bei der Bayer AG, der Deutschen Lufthansa AG, der Linde AG und der Siemens AG entscheiden müssen.


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  1. Der Zedernpflanzer meint:

    Zeter und Mordio!

  2. Machopan meint:

    Danke!
    Lag wohl an dem Zedernwäldchen in dem ich meine Siesta gehalten habe.

  3. lyriost meint:

    Bei allen Kungeleien, die es natürlich gibt, haben die Arbeitnehmervertreter auf jeden Fall nirgendwo eine Mehrheit im Aufsichtsrat, es sei denn, die Manager werden als Arbeitnehmer gezählt, was ja immer wieder gern gemacht wird. Und ist es nicht so, daß die Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden bei Stimmenpatt doppelt zählt?

  4. Machopan meint:

    Ja, bei Patt zählt die Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden doppelt.
    Aber nur bei Patt.
    Und über eine Kampfabstimmung im AR habe ich in der Presse nix gefunden. Da stand nur dass “der Aufsichtsrat von Siemens unter Führung des ehemaligen Vorstandschefs Heinrich von Pierer beschlossen hat, die Bezüge der zwölf Vorstände des Unternehmens um rund 30 Prozent anzuheben.”

    Auch hat keiner der Gewerkschaftsvertreter kundgetan, dass die Arbeitnehmerschaft dagegen gestimmt hätte, aber man diesen “skandalösen Vorgang” mit den Stimmen der AN nicht verhindern konnte.
    ;-)

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