Steuersystem

10. Juli 2006 05:45

Wissen Sie noch was Sie am Abend des 1. September 2005 gemacht haben?
Sie müssen nicht extra in Ihrem Terminkalender nachsehen, denn eigentlich ist es nicht wichtig.
Außer Sie hätten sich zufälligerweise im 2DF die Sendung „Berlin Mitte“ gesehen und staunend die geballte Sach- und Fachkompetenz zweier Steuerexperten zur Kenntnis genommen.
Nein, der Herr Steinbrück war da nicht dabei, damals war der Mann noch kein Steuerexperte.

In der Sendung wurden mit den Experten über wichtige Fragen diskutiert:
a. wie wird das Steuersystem 2007 aussehen?
b. wie wird Deutschland seine Schulden los?
c. wie lässt sich das finanzieren?
d. muss die Mehrwertsteuer erhöht werden?

Dramaturgisch korrekt ausgerichtet, waren dazu am 1. September 2005 auf dem Bildschirm erschienen:

  • die Moderatorin, ganz wie der Titel der Sendung versprach, in der Mitte
  • zu ihrer Linken und damit politisch korrekt, Hans Eichel (SPD), damals noch amtierender Bundesfinanzminister und Verwalter der während seiner siebenjährigen Amtszeit geplünderten Staatskasse
  • zu ihrer Rechten, ebenfalls politisch korrekt, Paul Kirchhof (parteilos), Finanzexperte und Mitglied des Kompetenzteams der Union und damals möglicherweise der neue Finanzminister im merkelschen Bundeskabinett

Wer die Sendung damals bis zum Ende ertragen konnte, erlebte eine Moderatorin die Gefahr lief die Kontrolle über ihre Sendung zu verlieren, einen Herrn Kirchhof, der mit Hilfe der Gebärdensprache seine Finanzmodelle in die Luft des Studios malte und einen Finanzminister, Eichel, der eifernd und geifernd die Erfolge seiner erfolglosen Finanzpolitik verteidigte und die kommenden Misserfolge seines Nachfolgers beschrieb.

Nun sind die Steuermodelle der Republik ja nicht generell verschieden, sondern meist mehr oder minder offen dafür ausgelegt dem steuerpflichtigen Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der einzige Unterschied besteht eigentlich nur darin, mit welcher Unverschämtheit und Unverfrorenheit dies geschieht. Während das Kirchhof-Modell eine Einheitsteuer von 25% bei Streichung aller Steuerprivilegien vorsah, setzte Eichel auf das Schließen von Steuerschlupflöchern, Verfolgung von Schwarzarbeit und Privatisierungserlöse.
Er gehe “jede Wette ein”, meine Eichel damals, „dass die einheitlichen 25 Prozent der Einkommensbesteuerung des Herrn Kirchhoff nicht umgesetzt würden.“

Das ist so ziemlich der einzige Punkt in dem der Finanzhans Recht behalten hat.
Allerdings muss man aus heutiger Sicht sagen, dass es zu der Themenstellung eigentlich die falschen Gesprächsteilnehmer waren, denn Eichel ist ja nicht mehr Finanzminister und Kirchhoff ist es gar nicht erst geworden.
Statt dessen …, na ja – das muss man jetzt nicht auch noch vertiefen, denn erstens kommt es schlimmer, zweitens als man denkt.

Natürlich sind wir heute, noch nicht einmal ein Jahr danach, alle schlauer und die meisten Fragen sind beantwortet:

a. noch schlimmer, noch komplizierter und ungerechter als in 2005
b. nur durch neue Schulden oder überhaupt nicht
c. mit dem Geld der kleinen Leute
d. ja, und das satt.

Aber, wenn ich ganz ehrlich bin, ich hatte schon damals im September so ein dumpfes Gefühl, dass die Jungs keine Ahnung haben und hinter diesem ganzen Gelaber kein vernünftiges Steuersystem steckt.
Und seltsamerweise bin ich dieses Gefühl auch nicht losgeworden, nachdem die Kanzlerin die Republik der kleinen Tritte ausgerufen hat.
Denn mir war sofort klar, welche Art der Tritte sie damit gemeint hat:

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. Juli 2006 um 05:45:36 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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10. Juli 2006 05:45

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Sie müssen nicht extra in Ihrem Terminkalender nachsehen, denn eigentlich ist es nicht wichtig.
Außer Sie hätten sich zufälligerweise im 2DF die Sendung „Berlin Mitte“ gesehen und staunend die geballte Sach- und Fachkompetenz zweier Steuerexperten zur Kenntnis genommen.
Nein, der Herr Steinbrück war da nicht dabei, damals war der Mann noch kein Steuerexperte.

In der Sendung wurden mit den Experten über wichtige Fragen diskutiert:
a. wie wird das Steuersystem 2007 aussehen?
b. wie wird Deutschland seine Schulden los?
c. wie lässt sich das finanzieren?
d. muss die Mehrwertsteuer erhöht werden?

Dramaturgisch korrekt ausgerichtet, waren dazu am 1. September 2005 auf dem Bildschirm erschienen:

  • die Moderatorin, ganz wie der Titel der Sendung versprach, in der Mitte
  • zu ihrer Linken und damit politisch korrekt, Hans Eichel (SPD), damals noch amtierender Bundesfinanzminister und Verwalter der während seiner siebenjährigen Amtszeit geplünderten Staatskasse
  • zu ihrer Rechten, ebenfalls politisch korrekt, Paul Kirchhof (parteilos), Finanzexperte und Mitglied des Kompetenzteams der Union und damals möglicherweise der neue Finanzminister im merkelschen Bundeskabinett

Wer die Sendung damals bis zum Ende ertragen konnte, erlebte eine Moderatorin die Gefahr lief die Kontrolle über ihre Sendung zu verlieren, einen Herrn Kirchhof, der mit Hilfe der Gebärdensprache seine Finanzmodelle in die Luft des Studios malte und einen Finanzminister, Eichel, der eifernd und geifernd die Erfolge seiner erfolglosen Finanzpolitik verteidigte und die kommenden Misserfolge seines Nachfolgers beschrieb.

Nun sind die Steuermodelle der Republik ja nicht generell verschieden, sondern meist mehr oder minder offen dafür ausgelegt dem steuerpflichtigen Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der einzige Unterschied besteht eigentlich nur darin, mit welcher Unverschämtheit und Unverfrorenheit dies geschieht. Während das Kirchhof-Modell eine Einheitsteuer von 25% bei Streichung aller Steuerprivilegien vorsah, setzte Eichel auf das Schließen von Steuerschlupflöchern, Verfolgung von Schwarzarbeit und Privatisierungserlöse.
Er gehe “jede Wette ein”, meine Eichel damals, „dass die einheitlichen 25 Prozent der Einkommensbesteuerung des Herrn Kirchhoff nicht umgesetzt würden.“

Das ist so ziemlich der einzige Punkt in dem der Finanzhans Recht behalten hat.
Allerdings muss man aus heutiger Sicht sagen, dass es zu der Themenstellung eigentlich die falschen Gesprächsteilnehmer waren, denn Eichel ist ja nicht mehr Finanzminister und Kirchhoff ist es gar nicht erst geworden.
Statt dessen …, na ja – das muss man jetzt nicht auch noch vertiefen, denn erstens kommt es schlimmer, zweitens als man denkt.

Natürlich sind wir heute, noch nicht einmal ein Jahr danach, alle schlauer und die meisten Fragen sind beantwortet:

a. noch schlimmer, noch komplizierter und ungerechter als in 2005
b. nur durch neue Schulden oder überhaupt nicht
c. mit dem Geld der kleinen Leute
d. ja, und das satt.

Aber, wenn ich ganz ehrlich bin, ich hatte schon damals im September so ein dumpfes Gefühl, dass die Jungs keine Ahnung haben und hinter diesem ganzen Gelaber kein vernünftiges Steuersystem steckt.
Und seltsamerweise bin ich dieses Gefühl auch nicht losgeworden, nachdem die Kanzlerin die Republik der kleinen Tritte ausgerufen hat.
Denn mir war sofort klar, welche Art der Tritte sie damit gemeint hat:

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