Managergehälter

15. März 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Nun ist sie wieder da, die Diskussion um die gläsernen Taschen der Wirtschaftsmanager, denn die Regierung verlangt, dass die Chefs der Deutschland AG ihre Gehälter offen legen.
Just mal wieder zum richtigen Zeitpunkt, um von einigen anderen Problemchen dieser Republik abzulenken.
Nicht dass ich prinzipiell etwas gegen die Offenlegung von Gehälter von Managern hätte. Das ist nichts anderes als die Erweiterung der bisher schon für Aktiengesellschaften bestehenden Publizierungspflicht. Denn schon heute muss angegeben werden, was die Herren Vorstände neben ihrer eigentlichen Tätigkeit noch in den Aufsichtsräten anderer Unternehmen tun. Da kann man doch neben die Tätigkeit auch noch gleich den Betrag schreiben und fertig ist die Chose.

In anderen Länder, auch in Europa, ist das längst eine Selbstverständlichkeit.
Man muss sich einfach nur vor Augen führen, dass Manager (sofern ihnen nicht die Firma ganz oder teilweise gehört) nichts anderes sind, als gegen Entgelt beschäftigte Angestellte einer Kapitalgesellschaft. Die Jungs haben, wenn man die variablen Bestandteile ihres meist nicht geringen Gehaltes vernachlässigt, null finanzielles Risiko, denn sie wirtschaften nur mit dem Geld anderer Leute. Und denen sind sie nach dem Aktienrecht heute schon zur Rechenschaft verpflichtet. Da kommt es in der Bilanz und im Rechenschaftsbericht auf die Angabe des jährlichen Salärs auch nicht mehr an.
Und außerdem kann einer Berufsgruppe, die immer wieder laut Einkommenshöhen nach amerikanischen Standarrds begehrt, auch zugemutet werden sich den Regelwerken amerikanischer Standards zur Publizierung dieser Einkommenshöhen zu unterwerfen.

Die Sueddeutsche Zeitung hat sich jetzt unter dem Titel „Ein Maßstab für Maßlosigkeit“ dieses Themas angenommen. Nicht dass der Artikel besonders interessant wäre, aber ein bisschen zeigt er, wie von wem in dieser Sache herumtaktiert wird.
Die Frau Bundesjustizministerin Zypries, die sich erst vor kurzem mit dem Straftatbestand des unerlaubten Vaterschaftstests disqualifiziert hat, hat nun ein Gesetzesvorhaben präsentiert, das Manager zwingen soll ihre Einkünfte zu veröffentlichen. Denn «sie tragen, wenn ihre Unternehmen Zehntausende oder gar Hunderttausende von Mitarbeitern beschäftigen, ein großes Stück sozialer Verantwortung. Dem sollten sie in jeder Hinsicht gerecht werden» schreibt die Sueddeutsche Zeitung.

Das hat die Sueddeutsche doch schön formuliert!
Und die Regierung hat sich das schön ausgedacht!
Aber so richtig rund würde das Gesetzesvorhaben doch nur dann, wenn nicht nur die Wirtschaftsmanager, sondern auch die Politmanager der Deutschland AG ihre Einkünfte aus haupt- und nebenberuflichen Tätigkeiten offen legen müssten.
Denn wie schreibt die Sueddeutsche so schön:
«Wer Langzeitarbeitslose verpflichtet, ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse detailliert offen zu legen, erwartet ein ähnliches Maß an Offenheit auch von Deutschlands Topmanagern. Sie arbeiten im Dienste ihrer Anteilseigner, und sie tragen, wenn sie Zehntausende oder gar Hunderttausende von Mitarbeitern beschäftigen, ein großes Stück sozialer Verantwortung. Dem sollten sie in jeder Hinsicht gerecht werden».
Gemeint hat die Sueddeutsche zwar nur die Manager aus der Wirtschaft, aber auch für die politischen Manager muss die gleiche Richtschnur gelten.

Denn nur so würde ein Paar Schuhe daraus, aber dazu fehlen der Frau Bundesjustizministerin die Eier, und so wird es eben nur mal wieder ein Ablenkungsmanöver zur Sicherung der eigenen Pfründe bleiben.
Wie rar in dieser Deutschland AG die guten Beispiele sind und wie leicht die Schuld bei den Anderen gefunden wird, weiß man nicht erst seit der Bundesgerd die „Mitnahmementalität“ der Deutschen öffentlich gerügt. hat.
War das eigentlich noch vor Laurenz Mayer und Arentz oder danach? So langsam fällt es mir wirklich schwer bei den ganzen Schieberen, Schweinereien und Skandälchen die Übersicht zu behalten.

Um die Nebenjobs der Politiker ist es ja verdächtig still geworden. Und damit niemand auf die Idee kommt, dieses Thema, von dem mehr als 600 Bundestagsabgeordnete und einige tausend Landtagsabgeordnete, Kreistagsabgeordnete betroffen wären, wieder aufzuwärmen, müssen jetzt eine Handvoll Vorstände von sieben im DAX gelisteten Aktiengesellschaften als die üblichen Verdächtigen herhalten.
Es ist halt immer leicht „Haltet den Dieb“ auf die andere Straßenseite zu rufen, um von dem eigenen Griff in den Opferstock abzulenken.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. März 2005 um 05:45:45 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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15. März 2005 05:45

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Nun ist sie wieder da, die Diskussion um die gläsernen Taschen der Wirtschaftsmanager, denn die Regierung verlangt, dass die Chefs der Deutschland AG ihre Gehälter offen legen.
Just mal wieder zum richtigen Zeitpunkt, um von einigen anderen Problemchen dieser Republik abzulenken.
Nicht dass ich prinzipiell etwas gegen die Offenlegung von Gehälter von Managern hätte. Das ist nichts anderes als die Erweiterung der bisher schon für Aktiengesellschaften bestehenden Publizierungspflicht. Denn schon heute muss angegeben werden, was die Herren Vorstände neben ihrer eigentlichen Tätigkeit noch in den Aufsichtsräten anderer Unternehmen tun. Da kann man doch neben die Tätigkeit auch noch gleich den Betrag schreiben und fertig ist die Chose.

In anderen Länder, auch in Europa, ist das längst eine Selbstverständlichkeit.
Man muss sich einfach nur vor Augen führen, dass Manager (sofern ihnen nicht die Firma ganz oder teilweise gehört) nichts anderes sind, als gegen Entgelt beschäftigte Angestellte einer Kapitalgesellschaft. Die Jungs haben, wenn man die variablen Bestandteile ihres meist nicht geringen Gehaltes vernachlässigt, null finanzielles Risiko, denn sie wirtschaften nur mit dem Geld anderer Leute. Und denen sind sie nach dem Aktienrecht heute schon zur Rechenschaft verpflichtet. Da kommt es in der Bilanz und im Rechenschaftsbericht auf die Angabe des jährlichen Salärs auch nicht mehr an.
Und außerdem kann einer Berufsgruppe, die immer wieder laut Einkommenshöhen nach amerikanischen Standarrds begehrt, auch zugemutet werden sich den Regelwerken amerikanischer Standards zur Publizierung dieser Einkommenshöhen zu unterwerfen.

Die Sueddeutsche Zeitung hat sich jetzt unter dem Titel „Ein Maßstab für Maßlosigkeit“ dieses Themas angenommen. Nicht dass der Artikel besonders interessant wäre, aber ein bisschen zeigt er, wie von wem in dieser Sache herumtaktiert wird.
Die Frau Bundesjustizministerin Zypries, die sich erst vor kurzem mit dem Straftatbestand des unerlaubten Vaterschaftstests disqualifiziert hat, hat nun ein Gesetzesvorhaben präsentiert, das Manager zwingen soll ihre Einkünfte zu veröffentlichen. Denn «sie tragen, wenn ihre Unternehmen Zehntausende oder gar Hunderttausende von Mitarbeitern beschäftigen, ein großes Stück sozialer Verantwortung. Dem sollten sie in jeder Hinsicht gerecht werden» schreibt die Sueddeutsche Zeitung.

Das hat die Sueddeutsche doch schön formuliert!
Und die Regierung hat sich das schön ausgedacht!
Aber so richtig rund würde das Gesetzesvorhaben doch nur dann, wenn nicht nur die Wirtschaftsmanager, sondern auch die Politmanager der Deutschland AG ihre Einkünfte aus haupt- und nebenberuflichen Tätigkeiten offen legen müssten.
Denn wie schreibt die Sueddeutsche so schön:
«Wer Langzeitarbeitslose verpflichtet, ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse detailliert offen zu legen, erwartet ein ähnliches Maß an Offenheit auch von Deutschlands Topmanagern. Sie arbeiten im Dienste ihrer Anteilseigner, und sie tragen, wenn sie Zehntausende oder gar Hunderttausende von Mitarbeitern beschäftigen, ein großes Stück sozialer Verantwortung. Dem sollten sie in jeder Hinsicht gerecht werden».
Gemeint hat die Sueddeutsche zwar nur die Manager aus der Wirtschaft, aber auch für die politischen Manager muss die gleiche Richtschnur gelten.

Denn nur so würde ein Paar Schuhe daraus, aber dazu fehlen der Frau Bundesjustizministerin die Eier, und so wird es eben nur mal wieder ein Ablenkungsmanöver zur Sicherung der eigenen Pfründe bleiben.
Wie rar in dieser Deutschland AG die guten Beispiele sind und wie leicht die Schuld bei den Anderen gefunden wird, weiß man nicht erst seit der Bundesgerd die „Mitnahmementalität“ der Deutschen öffentlich gerügt. hat.
War das eigentlich noch vor Laurenz Mayer und Arentz oder danach? So langsam fällt es mir wirklich schwer bei den ganzen Schieberen, Schweinereien und Skandälchen die Übersicht zu behalten.

Um die Nebenjobs der Politiker ist es ja verdächtig still geworden. Und damit niemand auf die Idee kommt, dieses Thema, von dem mehr als 600 Bundestagsabgeordnete und einige tausend Landtagsabgeordnete, Kreistagsabgeordnete betroffen wären, wieder aufzuwärmen, müssen jetzt eine Handvoll Vorstände von sieben im DAX gelisteten Aktiengesellschaften als die üblichen Verdächtigen herhalten.
Es ist halt immer leicht „Haltet den Dieb“ auf die andere Straßenseite zu rufen, um von dem eigenen Griff in den Opferstock abzulenken.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. März 2005 um 05:45:45 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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