Steuerharmonisierung

2. März 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Das Wort „Harmonie“ kommt aus dem Griechischen (harmonia) und bedeutet Ebenmaß, Einklang oder, kurz gesagt, eine tiefere innere Gemeinsamkeit.

Mit dieser inneren Gemeinsamkeit ist es schon seit langem in der „Europäischen Union“ nicht mehr so weit her, wenn es um den „gemeinsamen Markt“ und um den „schnöden Mammon“ geht.
Kaum sind die Jubelschreie und Feierlichkeiten über die „EU-Ostvereiterung“ abgeklungen, die mancher im Westen wohl als ein Art „Operation Barbarossa“ verstanden haben muss, da bleiben westeuropäischen Politikern die salbungsvollen Worte über Sinn und Zweck dieser Erweiterung im Halse stecken.
Polen will seine Steuern nicht mit der EU harmonisieren und pocht außerdem auf ungehinderten Zugang zum „gemeinsamen europäischen Markt“.

Uuuuups, so hatte man sich das aber im alten Europa nicht vorgestellt. Hieß doch „Gemeinsamer Markt“ in der alten EU, „gemeinsames Rumklüngeln“, Besitzstandswahrung und Drehen an der Steuerschraube. Steuerharmonisierung war ein Thema für Expertengruppen, Sachverständige und Finanzminister zur Sicherung der Staatsfinanzen auf hohem Niveau unter Berücksichtigung der immer angespannten Finanzlage der Länder.
Da kann man nichts übers Knie brechen, da scheut man vor radikalen Änderungen oder gar Neuerungen zurück. Das muss alles wohl überlegt sein. Denn schließlich will man ja seinen Wohlstand nicht mindern oder gar seine Existenz gefährden.

Doch jetzt scheint es mit der Harmonie und der Gemütlichkeit vorbei zu sein:
«Mit Polen wird es keine direkte Harmonisierung der Steuern geben. Wir sind dagegen. In dieser Beziehung wird sich nichts bewegen”, sagte der polnische Vizepremier und Wirtschaftsminister Jerzy Hausner der Berliner Zeitung. Zwar könne er verstehen, dass sich einige seiner westlichen Kollegen Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Länder machen. Aber dieses Problem müssten sie in ihren Ländern lösen, nicht auf europäischer Ebene.»

Aaaahaaaa, hab ich mir doch fast gedacht, dass das so kommt. Zuerst stehen die Neuen vor der Tür und jammern rum, dass sie auch reinwollen in die Union in der Milch und Honig zu fließen scheint. Und kaum sind sie drin, warten sie nicht mehr artig bis sie was gefragt werden und antworten dann artig mit „Jawohl, Bitte, Danke“ sondern reißen den Schnabel auf pochen auf Vertragliches und Selbstverständliches: “Gemeinsamer Markt bedeutet freier Fluss von Kapital, Gütern, Dienstleistungen und Arbeitskräften. Wer das einschränken oder mit Sonderregeln verwässern will, rüttelt an den Grundfesten der EU.

Soooooo, war das aber nicht gedacht. Sooooo nicht! Wenn die alten Europäer vom „gemeinsamen Markt“ sprechen, dann meinen sie natürlich, dass die alten Platzhirsche ihren Markt in die Beitrittsländer ausdehnen dürfen, so wie bei der Annektierung der „neuen Bundesländer“ durch die BRD. Dass die Neuen aus dem „Wilden Osten“ jetzt mit ihren „Wild-Ost-Manieren und Methoden“ im gemeinsamen Markt der EU herumwerkeln, so war das nicht gemeint. Und überhaupt hätte man da vorher eine Expertengruppe bilden und jahrelang drüber palavern müssen, bevor man jetzt das Fenster nach Osten aufreißt und frische Kaltluft eindringt.

Aber das hätten sich die Politiker und Experten des alten Europa vorher überlegen und die Regelwerke vorher definieren müssen, bevor man neue Mitglieder in die Wohngemeinschaft aufnimmt und ihnen auch noch Geld dafür gibt.
Sonst ist es mit der Harmonie und dem Frieden vorbei, in dem Brävste nicht mehr in Frieden leben kann, wenn es seinem (neuen) Nachbarn nicht gefällt.

Bravo Polen, weiter so!
Irgendwie finde ich es Klasse, wie unsere Politprofis und Dampfplauderer endlich mal beim Wort genommen und vorgeführt werden.
„Macht hoch die Tür und die Tor macht weit“ geht in einer WG nur gut, solange jeder sein eigenes Zimmer hat, sich nicht vor Gemeinschaftsaufgaben drückt, die Regelwerke in den Gemeinschaftsräumen eingehalten werden und -das ist besonders wichtig- irgendeiner am Monatsende dafür sorgt, dass die Miete bezahlt wird.
Denn sonst gibt es heftig Ärger mit dem Besitzer und Vermieter.
Und dann findet die “tiefe innere Gemeinsamkeit” ein abruptes Ende.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. März 2005 um 05:45:57 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Steuerharmonisierung

2. März 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Das Wort „Harmonie“ kommt aus dem Griechischen (harmonia) und bedeutet Ebenmaß, Einklang oder, kurz gesagt, eine tiefere innere Gemeinsamkeit.

Mit dieser inneren Gemeinsamkeit ist es schon seit langem in der „Europäischen Union“ nicht mehr so weit her, wenn es um den „gemeinsamen Markt“ und um den „schnöden Mammon“ geht.
Kaum sind die Jubelschreie und Feierlichkeiten über die „EU-Ostvereiterung“ abgeklungen, die mancher im Westen wohl als ein Art „Operation Barbarossa“ verstanden haben muss, da bleiben westeuropäischen Politikern die salbungsvollen Worte über Sinn und Zweck dieser Erweiterung im Halse stecken.
Polen will seine Steuern nicht mit der EU harmonisieren und pocht außerdem auf ungehinderten Zugang zum „gemeinsamen europäischen Markt“.

Uuuuups, so hatte man sich das aber im alten Europa nicht vorgestellt. Hieß doch „Gemeinsamer Markt“ in der alten EU, „gemeinsames Rumklüngeln“, Besitzstandswahrung und Drehen an der Steuerschraube. Steuerharmonisierung war ein Thema für Expertengruppen, Sachverständige und Finanzminister zur Sicherung der Staatsfinanzen auf hohem Niveau unter Berücksichtigung der immer angespannten Finanzlage der Länder.
Da kann man nichts übers Knie brechen, da scheut man vor radikalen Änderungen oder gar Neuerungen zurück. Das muss alles wohl überlegt sein. Denn schließlich will man ja seinen Wohlstand nicht mindern oder gar seine Existenz gefährden.

Doch jetzt scheint es mit der Harmonie und der Gemütlichkeit vorbei zu sein:
«Mit Polen wird es keine direkte Harmonisierung der Steuern geben. Wir sind dagegen. In dieser Beziehung wird sich nichts bewegen”, sagte der polnische Vizepremier und Wirtschaftsminister Jerzy Hausner der Berliner Zeitung. Zwar könne er verstehen, dass sich einige seiner westlichen Kollegen Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Länder machen. Aber dieses Problem müssten sie in ihren Ländern lösen, nicht auf europäischer Ebene.»

Aaaahaaaa, hab ich mir doch fast gedacht, dass das so kommt. Zuerst stehen die Neuen vor der Tür und jammern rum, dass sie auch reinwollen in die Union in der Milch und Honig zu fließen scheint. Und kaum sind sie drin, warten sie nicht mehr artig bis sie was gefragt werden und antworten dann artig mit „Jawohl, Bitte, Danke“ sondern reißen den Schnabel auf pochen auf Vertragliches und Selbstverständliches: “Gemeinsamer Markt bedeutet freier Fluss von Kapital, Gütern, Dienstleistungen und Arbeitskräften. Wer das einschränken oder mit Sonderregeln verwässern will, rüttelt an den Grundfesten der EU.

Soooooo, war das aber nicht gedacht. Sooooo nicht! Wenn die alten Europäer vom „gemeinsamen Markt“ sprechen, dann meinen sie natürlich, dass die alten Platzhirsche ihren Markt in die Beitrittsländer ausdehnen dürfen, so wie bei der Annektierung der „neuen Bundesländer“ durch die BRD. Dass die Neuen aus dem „Wilden Osten“ jetzt mit ihren „Wild-Ost-Manieren und Methoden“ im gemeinsamen Markt der EU herumwerkeln, so war das nicht gemeint. Und überhaupt hätte man da vorher eine Expertengruppe bilden und jahrelang drüber palavern müssen, bevor man jetzt das Fenster nach Osten aufreißt und frische Kaltluft eindringt.

Aber das hätten sich die Politiker und Experten des alten Europa vorher überlegen und die Regelwerke vorher definieren müssen, bevor man neue Mitglieder in die Wohngemeinschaft aufnimmt und ihnen auch noch Geld dafür gibt.
Sonst ist es mit der Harmonie und dem Frieden vorbei, in dem Brävste nicht mehr in Frieden leben kann, wenn es seinem (neuen) Nachbarn nicht gefällt.

Bravo Polen, weiter so!
Irgendwie finde ich es Klasse, wie unsere Politprofis und Dampfplauderer endlich mal beim Wort genommen und vorgeführt werden.
„Macht hoch die Tür und die Tor macht weit“ geht in einer WG nur gut, solange jeder sein eigenes Zimmer hat, sich nicht vor Gemeinschaftsaufgaben drückt, die Regelwerke in den Gemeinschaftsräumen eingehalten werden und -das ist besonders wichtig- irgendeiner am Monatsende dafür sorgt, dass die Miete bezahlt wird.
Denn sonst gibt es heftig Ärger mit dem Besitzer und Vermieter.
Und dann findet die “tiefe innere Gemeinsamkeit” ein abruptes Ende.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. März 2005 um 05:45:57 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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