Lotterielos

20. Februar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Das monatliche, sechsseitige Informationsblatt, das mir mein Steuerberater in steter Regelmäßigkeit zukommen lässt, sorgt schon immer wieder mal für einen Verschlucker, einen tiefen Atemzug, einen heftigen Gallenheber, würgenden Brechreiz, mehrere wütende Schnaufer, spontane Weinkrämpfe oder auch, wie dieses mal, für einen sarkastischen Lacher.

Diesmal war es ausnahmsweise ein trockener Auflacher, der durch einen Hinweis der Finanzverwaltung für „ARBEITGEBER UND -NEHMER“ ausgelöst wurde. Hatte sich doch die Finanzveraltung mit der arbeitgeberseitigen Zuwendung eines Lotterieloses an einen Arbeitnehmer beschäftigt und war zu folgendem Ergebnis gekommen:
«Überlässt der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer ein Los für eine von einem Dritten veranstaltete Lotterie, ist lohnsteuerpflichtiger Vorteil nur der Wert des Loses. Dieser Vorteil kann lohnsteuerfrei sein, wenn die Freigrenze von derzeit 44 € pro Monat für bestimmte Sachbezüge nicht überschritten ist. Ein Gewinn aus der Lotterie steht nicht mehr mit dem Arbeitsverhältnis im Zusammenhang und ist daher nicht lohnsteuerpflichtig.»

Puuuhhh, da haben die deutschen Arbeitnehmer aber mal wieder Schwein gehabt!
Irgendwie ist das ja aber auch logisch, denn wenn der Arbeitnehmer das Los mit seinem eigenen (versteuerten) Geld gekauft hätte, wäre der Gewinn auch steuerfrei geblieben.
Sofern es sich bei der Lotterie um eine inländische Lotterie handelt!

Denn Gewinne aus einer ausländischen Lotterie müssen (selbstverständlich) im Inland versteuert werden.
Das ist auch logisch! Oder?
Dabei spielt es keine Rolle, ob das Los im Inland oder im Ausland gekauft wurde.
Das ist doch auch logisch?

  • Was aber ist, wenn das Los einer inländischen Lotterie im Ausland gekauft wird?
  • Welche steuerrechtlichen Konsequenzen sind zu beachten, wenn ein Arbeitgeber seine Arbeitnehmer ganz oder überwiegend mit Lotterielosen entlohnt?
  • Sind ausländische Lotterielose im Inland umsatzsteuerpflichtig?
  • Berechtigt der Erwerb eines ausländischen Lotterieloses durch einen steuerfiskalischen Inländer zum Vorsteuerabzug?
  • Welche steuerrechtlichen Konsequenzen ergeben sich aus dem Ankauf von Nieten?
  • Können die Kosten für den Erwerb eines Kugelschreibers zum Ankreuzen der Lottozahlen auf einem inländischen Lottozettel im Gewinnfall von der Steuer abgezogen werden?
  • Sind die Erwerbskosten des Lotteriescheins mit den zukünftigen Lotteriegewinnen verrechenbar bzw. können die Erwerbskosten steuerlich als Verlustvortrag geltend gemacht werden?

Alles unheimlich wichtige Fragen, mit denen sich im Rahmen der Europäischen Union Legionen von Beamten und Sachverständigen herumschlagen werden müssen.

Ach, da fällt mir gerade was ein.
Wissen sie eigentlich wo die Äland-Inseln liegen. (Das wäre doch mal ne schöne Frage an die Big-Brother-Kandidaten)
Ja! Dann kennen sie bestimmt auch Frau Lindmann aus der Gemeinde Saltvik, denn so groß sind die Äland-Inseln nicht.
Was das jetzt mit den Lotteriegewinnen zu tun hat?

Ja, die Frau Lindman hat am 7. Januar 1998 bei der Ziehung einer Lotterie der Gesellschaft AB Svenska Spel, die in Stockholm stattfand 1 000 000 SEK gewonnen. Sie hatte ihren Gewinnschein bei einem Aufenthalt in Schweden gekauft.
Wo das Problem ist?
Ja, Frau Lindmann wohnt in Finnland und daher hat das freudige Ereignis ihres Lotteriegewinns viele Leute beschäftigt, wie man dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs entnehmen kann:

«EuGH, Urteil vom 13. 11. 2003 - C-42/ 02 (Lexetius.com/2003,2433 [2003/11/411])
In der Rechtssache C-42/ 02 betreffend ein dem Gerichtshof nach Artikel 234 EG vom finnischen Ålands förvaltningsdomstol in dem bei diesem von Diana Elisabeth Lindman anhängig gemachten Verfahren vorgelegtes Ersuchen um Vorabentscheidung über die Auslegung von Artikel 49 EG erlässt DER GERICHTSHOF (Fünfte Kammer) unter Mitwirkung des Präsidenten der Vierten Kammer C. W. A. Timmermans in Wahrnehmung der Aufgaben des Präsidenten der Fünften Kammer sowie der Richter D. A. O. Edward (Berichterstatter) und P. Jann, Generalanwältin: C. Stix-Hackl, Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin, unter Berücksichtigung der schriftlichen Erklärungen - von Frau Lindman, die sich selbst vertritt, - der finnischen Regierung, vertreten durch E. Bygglin als Bevollmächtigte, - der belgischen Regierung, vertreten durch A. Snoecx als Bevollmächtigte im Beistand von P. Vlaemminck, avocat, - der dänischen Regierung, vertreten durch J. Molde als Bevollmächtigten, - der norwegischen Regierung, vertreten durch G. Hansson Bull und H. Klem als Bevollmächtigte, - der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch R. Lyal und K. Simonsson als Bevollmächtigte, - der Überwachungsbehörde der EFTA, vertreten durch E. Wright und V. Kronenberger als Bevollmächtigte, aufgrund des Sitzungsberichts, nach Anhörung der mündlichen Ausführungen der finnischen Regierung, vertreten durch E. Bygglin, der belgischen Regierung, vertreten durch P. De Wael als Bevollmächtigten, der Kommission, vertreten durch K. Simonsson, und der Überwachungsbehörde der EFTA, vertreten durch E. Wright, in der Sitzung vom 23. Januar 2003, nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 10. April 2003 folgendes Urteil (1):»

Falls Sie es zwischenzeitlich vergessen haben sollten, es geht nicht um einen internationalen Terroristenprozess, sondern nur darum, dass jemand im Lotto gewonnen hat.
Wenn Sie mehr über den Fall “Lindman” erfahren möchte, nur falls Ihnen möglicherweise in der Zukunft ein “Lottogewinn” widerfahren sollte, können Sie den für die Europäische Union so wichtigen Fall bei lexitus.com nachlesen.
Ich habe das Urteil bis zum Ende gelesen und mich dabei, zusammen mit einem Glas Wein, auf das „köstlichste“ vergnügt.
Aber verraten Sie das nicht unserem Finanzhans, sonst erhebt der noch auf das Lesen der Urteile vom Europäischen Gerichtshof bundesdeutsche Vergnügungssteuer.Und das könnte gleich zu einem weiteren Prozess führen, weil ja der Anlass des Vergnügens im europäischen Ausland erzeugt wurde und bisher nicht höchstrichterlich zweifelsfrei geklärt wurde, ob steuerpflichtige Inländer darüber ohne fiskalische Konsequenzen lachen dürfen.

Dass sich über die Gewinne aus nationalen und internationalen Glückspielen juristisch trefflich streiten lässt zeigt eine Recherche bei lexitus.com mit den Stichworten „Lotterie“ und „Gewinn

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 20. Februar 2005 um 05:45:08 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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20. Februar 2005 05:45

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Diesmal war es ausnahmsweise ein trockener Auflacher, der durch einen Hinweis der Finanzverwaltung für „ARBEITGEBER UND -NEHMER“ ausgelöst wurde. Hatte sich doch die Finanzveraltung mit der arbeitgeberseitigen Zuwendung eines Lotterieloses an einen Arbeitnehmer beschäftigt und war zu folgendem Ergebnis gekommen:
«Überlässt der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer ein Los für eine von einem Dritten veranstaltete Lotterie, ist lohnsteuerpflichtiger Vorteil nur der Wert des Loses. Dieser Vorteil kann lohnsteuerfrei sein, wenn die Freigrenze von derzeit 44 € pro Monat für bestimmte Sachbezüge nicht überschritten ist. Ein Gewinn aus der Lotterie steht nicht mehr mit dem Arbeitsverhältnis im Zusammenhang und ist daher nicht lohnsteuerpflichtig.»

Puuuhhh, da haben die deutschen Arbeitnehmer aber mal wieder Schwein gehabt!
Irgendwie ist das ja aber auch logisch, denn wenn der Arbeitnehmer das Los mit seinem eigenen (versteuerten) Geld gekauft hätte, wäre der Gewinn auch steuerfrei geblieben.
Sofern es sich bei der Lotterie um eine inländische Lotterie handelt!

Denn Gewinne aus einer ausländischen Lotterie müssen (selbstverständlich) im Inland versteuert werden.
Das ist auch logisch! Oder?
Dabei spielt es keine Rolle, ob das Los im Inland oder im Ausland gekauft wurde.
Das ist doch auch logisch?

  • Was aber ist, wenn das Los einer inländischen Lotterie im Ausland gekauft wird?
  • Welche steuerrechtlichen Konsequenzen sind zu beachten, wenn ein Arbeitgeber seine Arbeitnehmer ganz oder überwiegend mit Lotterielosen entlohnt?
  • Sind ausländische Lotterielose im Inland umsatzsteuerpflichtig?
  • Berechtigt der Erwerb eines ausländischen Lotterieloses durch einen steuerfiskalischen Inländer zum Vorsteuerabzug?
  • Welche steuerrechtlichen Konsequenzen ergeben sich aus dem Ankauf von Nieten?
  • Können die Kosten für den Erwerb eines Kugelschreibers zum Ankreuzen der Lottozahlen auf einem inländischen Lottozettel im Gewinnfall von der Steuer abgezogen werden?
  • Sind die Erwerbskosten des Lotteriescheins mit den zukünftigen Lotteriegewinnen verrechenbar bzw. können die Erwerbskosten steuerlich als Verlustvortrag geltend gemacht werden?

Alles unheimlich wichtige Fragen, mit denen sich im Rahmen der Europäischen Union Legionen von Beamten und Sachverständigen herumschlagen werden müssen.

Ach, da fällt mir gerade was ein.
Wissen sie eigentlich wo die Äland-Inseln liegen. (Das wäre doch mal ne schöne Frage an die Big-Brother-Kandidaten)
Ja! Dann kennen sie bestimmt auch Frau Lindmann aus der Gemeinde Saltvik, denn so groß sind die Äland-Inseln nicht.
Was das jetzt mit den Lotteriegewinnen zu tun hat?

Ja, die Frau Lindman hat am 7. Januar 1998 bei der Ziehung einer Lotterie der Gesellschaft AB Svenska Spel, die in Stockholm stattfand 1 000 000 SEK gewonnen. Sie hatte ihren Gewinnschein bei einem Aufenthalt in Schweden gekauft.
Wo das Problem ist?
Ja, Frau Lindmann wohnt in Finnland und daher hat das freudige Ereignis ihres Lotteriegewinns viele Leute beschäftigt, wie man dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs entnehmen kann:

«EuGH, Urteil vom 13. 11. 2003 - C-42/ 02 (Lexetius.com/2003,2433 [2003/11/411])
In der Rechtssache C-42/ 02 betreffend ein dem Gerichtshof nach Artikel 234 EG vom finnischen Ålands förvaltningsdomstol in dem bei diesem von Diana Elisabeth Lindman anhängig gemachten Verfahren vorgelegtes Ersuchen um Vorabentscheidung über die Auslegung von Artikel 49 EG erlässt DER GERICHTSHOF (Fünfte Kammer) unter Mitwirkung des Präsidenten der Vierten Kammer C. W. A. Timmermans in Wahrnehmung der Aufgaben des Präsidenten der Fünften Kammer sowie der Richter D. A. O. Edward (Berichterstatter) und P. Jann, Generalanwältin: C. Stix-Hackl, Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin, unter Berücksichtigung der schriftlichen Erklärungen - von Frau Lindman, die sich selbst vertritt, - der finnischen Regierung, vertreten durch E. Bygglin als Bevollmächtigte, - der belgischen Regierung, vertreten durch A. Snoecx als Bevollmächtigte im Beistand von P. Vlaemminck, avocat, - der dänischen Regierung, vertreten durch J. Molde als Bevollmächtigten, - der norwegischen Regierung, vertreten durch G. Hansson Bull und H. Klem als Bevollmächtigte, - der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch R. Lyal und K. Simonsson als Bevollmächtigte, - der Überwachungsbehörde der EFTA, vertreten durch E. Wright und V. Kronenberger als Bevollmächtigte, aufgrund des Sitzungsberichts, nach Anhörung der mündlichen Ausführungen der finnischen Regierung, vertreten durch E. Bygglin, der belgischen Regierung, vertreten durch P. De Wael als Bevollmächtigten, der Kommission, vertreten durch K. Simonsson, und der Überwachungsbehörde der EFTA, vertreten durch E. Wright, in der Sitzung vom 23. Januar 2003, nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 10. April 2003 folgendes Urteil (1):»

Falls Sie es zwischenzeitlich vergessen haben sollten, es geht nicht um einen internationalen Terroristenprozess, sondern nur darum, dass jemand im Lotto gewonnen hat.
Wenn Sie mehr über den Fall “Lindman” erfahren möchte, nur falls Ihnen möglicherweise in der Zukunft ein “Lottogewinn” widerfahren sollte, können Sie den für die Europäische Union so wichtigen Fall bei lexitus.com nachlesen.
Ich habe das Urteil bis zum Ende gelesen und mich dabei, zusammen mit einem Glas Wein, auf das „köstlichste“ vergnügt.
Aber verraten Sie das nicht unserem Finanzhans, sonst erhebt der noch auf das Lesen der Urteile vom Europäischen Gerichtshof bundesdeutsche Vergnügungssteuer.Und das könnte gleich zu einem weiteren Prozess führen, weil ja der Anlass des Vergnügens im europäischen Ausland erzeugt wurde und bisher nicht höchstrichterlich zweifelsfrei geklärt wurde, ob steuerpflichtige Inländer darüber ohne fiskalische Konsequenzen lachen dürfen.

Dass sich über die Gewinne aus nationalen und internationalen Glückspielen juristisch trefflich streiten lässt zeigt eine Recherche bei lexitus.com mit den Stichworten „Lotterie“ und „Gewinn

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