Pendlerpauschale

6. Juli 2006 05:45

Nun sind sich die schwarz-roten Koalitionäre in Sachen Steuermehreinnahmen doch noch einig geworden. Selbst die, die sich noch im letzten Jahr lauthals gegen eine Kürzung oder gar Streichung der „Pendlerpauschale“ ausgesprochen hatten, haben nun brav die Hand zum Schwur gehoben.

Die „Pendlerpauschale“ wird gekürzt und die ersten 20 Kilometer Anreise zum Arbeitsplatz werden zum Privatvergnügen der Arbeitnehmer, denn die (pauschalierten) Fahrtkosten dürfen ab 1.1.2007 nicht mehr vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden.
Faktisch ist das eine Steuererhöhung, auch wenn es von den Verantwortlichen als Einführung des „Werktorprinzips“ umschrieben wird.

Die Dimension dessen was sich die Regierungsparteien damit geleistet haben, ist manchem Arbeitnehmer wohl noch nicht so ganz klar geworden, denn in den Medien wird immer wieder darüber berichtet, dass im Rahmen der weiteren Umgestaltung unseres Steuerrechts zur Schaffung von mehr Steuergerechtigkeit die „Subventionen“ für die „Fahrten zur Arbeitsstätten“ gestrichen werden.
Das ist eine glatte Lüge, denn Fahrtkosten eines Arbeitnehmers zu seinem Arbeitsplatz sind keine Subventionen, sondern Kosten die dem Arbeitnehmer dadurch entstehen, dass er an seinem Arbeitsplatz Geld verdient, von dem ihm der Staat dann die Lohn- bzw. Einkommensteuer abzieht.
Durch die hinterfotzige Einführung des „Werktorprinzips“ bleibt ein wesentlicher Kostenanteil zur Erzielung des zu versteuernden Einkommens außen vor.

Warum man die Grenze ausgerechnet bei 20 Km gezogen hat, wird rasch klar wenn man sich mal auf den Internetseiten beim Statistischen Bundesamt umsieht. Dort gibt es in der „Fachreihe 14 – Steuern und Finanzen, erschienen am 24.11.2005, eine äußerst interessante Analyse zum Thema „Entfernungspauschale“ die man sich als PDF-File sogar kostenlos downloaden darf. Was ich sicherheitshalber getan habe, denn erfahrungsgemäß unterliegen „brisante“ Dokumente auf den offiziellen Internetseiten staatlicher Organe und den Webseiten der Parteien einem seltsamen Schwund.

Diese Analyse sollte man als Arbeitnehmer unbedingt lesen, denn dort wird haarklein ausgerechnet was es dem Staat an Steuermehreinnahmen bringt, wenn er die „Entfernungspauschale“ kürzt und den Bürgern mehr Geld aus der Tasche zieht..

Wie schizophren die Vorgehensweise unserer Politiker eigentlich ist und mit welcher Frechheit immer von der „Kostenentlastung des Faktors Arbeit“ auf Arbeitgeberseite zur Schaffung neuer Arbeitsplätze geredet wird, zeigt sich daran, dass die Kosten für den Faktor Arbeit einfach durch den „Wegfall von Subventionen“ auf die Arbeitnehmerseite verschoben werden.

Jeder Steuerpflichtige und jeder Arbeitnehmer kann sich das ganz einfach ausrechnen, was das konkret für ihn bedeutet. Ausgerechnet beim Manager Magazin gibt es dazu sogar eine Tabelle.

Wer mit dem Firmenwagen zur Arbeit fährt und dieses als geldwerten Vorteil versteuern muss, darf nicht glauben, dass er jetzt ab 1.1.2007 für die ersten 20 Kilometer keinen geldwerten Vorteil mehr versteuern muss. Denkste, denn hier wird natürlich im Rahmen der weiteren Steuergerechtigkeit in unserem Lande weiter mit zweierlei Maß gemessen, denn der Firmenwagenfahrer muss für etwas Steuern bezahlen, das beim Privatfahrer ein steuerliches Privatvergnügen ist.
Das hat zur beabsichtigten Folge, dass in beiden Fälle der Staat Nutznießer dieses Verfahrens ist.

Irgendwann kommt der Tag, an dem die berufsbedingten Kosten des Arbeitnehmers den vom Arbeitgeber nach Abzug von Steuern und Abgaben ausbezahlten Nettolohn übersteigen.
Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass am 1.1.2007 die Mehrwertsteuer auf 19% steigt und damit auch die Benzinpreise, außerdem steigt die Mehrwertsteuer auf die KFZ-Versicherung. Biodiesel wird auch teurer. Und die Preise für öffentliche Verkehrsmittel unterliegen ebenfalls der Mehrwertsteuer und außerdem natürlich dem permanenten Anstieg der Energiekosten für Strom und Gas.
Dann denken wir uns noch die immer wieder lobend zur Steuerung des Verkehrs erwähnte PKW-Maut dazu und kommen zu einem Szenario, das für den einen oder anderen Mitbürger, vor allem für die Geringverdiener, zur Existenzbedrohung werden wird.
Steigende Kosten und neue Steuern im Gesundheitswesen, für die gesetzliche Rentenversicherung und die staatlicherseits geforderte Eigenvorsorge, sowie stetig steigende Lebenshaltungskosten sollte man dabei nicht vergessen.

Wann das sein wird lässt sich nicht so pauschal sagen und ist eine Frage der Entfernung und des ihm verbleibenden Nettoverdienstes, aber dass das Pendel spätestens dann zurückschlägt ist sicher.

Der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine hat bereits angekündigt gegen die Kürzung der Pendlerpauschale „durch alle Instanzen bis hin zum Bundesverfassungsgericht“ klagen zu wollen und .Steuerzahlerpräsident Karl Heinz Däke warf Finanzminister Steinbrück vor, mit den Einschnitten in der Pendlerpauschale einen Verfassungsverstoß bewusst in Kauf zu nehmen.

Man kann daher nur jedem Steuerzahler raten gegen Steuerbescheide für das Fiskaljahr 2006 und folgende Einspruch einzulegen.
Denn nur wer durch Einspruch verhindert, dass sein Steuerbescheid rechtkräftig wird und ein Aussetzen des Verfahrens beantragt, bekommt im Falle eines Erfolges dieser Klage auch sein Geld wieder zurück.

Den stummen Rest der Republik hat der Staat dann aber auf jeden Fall erfolgreich abgezockt.
Früher mussten die Räuber ihren Opfern auf der Straße auflauern, heute geht das vom Reichstag aus.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Juli 2006 um 05:45:25 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Pendlerpauschale

6. Juli 2006 05:45

Nun sind sich die schwarz-roten Koalitionäre in Sachen Steuermehreinnahmen doch noch einig geworden. Selbst die, die sich noch im letzten Jahr lauthals gegen eine Kürzung oder gar Streichung der „Pendlerpauschale“ ausgesprochen hatten, haben nun brav die Hand zum Schwur gehoben.

Die „Pendlerpauschale“ wird gekürzt und die ersten 20 Kilometer Anreise zum Arbeitsplatz werden zum Privatvergnügen der Arbeitnehmer, denn die (pauschalierten) Fahrtkosten dürfen ab 1.1.2007 nicht mehr vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden.
Faktisch ist das eine Steuererhöhung, auch wenn es von den Verantwortlichen als Einführung des „Werktorprinzips“ umschrieben wird.

Die Dimension dessen was sich die Regierungsparteien damit geleistet haben, ist manchem Arbeitnehmer wohl noch nicht so ganz klar geworden, denn in den Medien wird immer wieder darüber berichtet, dass im Rahmen der weiteren Umgestaltung unseres Steuerrechts zur Schaffung von mehr Steuergerechtigkeit die „Subventionen“ für die „Fahrten zur Arbeitsstätten“ gestrichen werden.
Das ist eine glatte Lüge, denn Fahrtkosten eines Arbeitnehmers zu seinem Arbeitsplatz sind keine Subventionen, sondern Kosten die dem Arbeitnehmer dadurch entstehen, dass er an seinem Arbeitsplatz Geld verdient, von dem ihm der Staat dann die Lohn- bzw. Einkommensteuer abzieht.
Durch die hinterfotzige Einführung des „Werktorprinzips“ bleibt ein wesentlicher Kostenanteil zur Erzielung des zu versteuernden Einkommens außen vor.

Warum man die Grenze ausgerechnet bei 20 Km gezogen hat, wird rasch klar wenn man sich mal auf den Internetseiten beim Statistischen Bundesamt umsieht. Dort gibt es in der „Fachreihe 14 – Steuern und Finanzen, erschienen am 24.11.2005, eine äußerst interessante Analyse zum Thema „Entfernungspauschale“ die man sich als PDF-File sogar kostenlos downloaden darf. Was ich sicherheitshalber getan habe, denn erfahrungsgemäß unterliegen „brisante“ Dokumente auf den offiziellen Internetseiten staatlicher Organe und den Webseiten der Parteien einem seltsamen Schwund.

Diese Analyse sollte man als Arbeitnehmer unbedingt lesen, denn dort wird haarklein ausgerechnet was es dem Staat an Steuermehreinnahmen bringt, wenn er die „Entfernungspauschale“ kürzt und den Bürgern mehr Geld aus der Tasche zieht..

Wie schizophren die Vorgehensweise unserer Politiker eigentlich ist und mit welcher Frechheit immer von der „Kostenentlastung des Faktors Arbeit“ auf Arbeitgeberseite zur Schaffung neuer Arbeitsplätze geredet wird, zeigt sich daran, dass die Kosten für den Faktor Arbeit einfach durch den „Wegfall von Subventionen“ auf die Arbeitnehmerseite verschoben werden.

Jeder Steuerpflichtige und jeder Arbeitnehmer kann sich das ganz einfach ausrechnen, was das konkret für ihn bedeutet. Ausgerechnet beim Manager Magazin gibt es dazu sogar eine Tabelle.

Wer mit dem Firmenwagen zur Arbeit fährt und dieses als geldwerten Vorteil versteuern muss, darf nicht glauben, dass er jetzt ab 1.1.2007 für die ersten 20 Kilometer keinen geldwerten Vorteil mehr versteuern muss. Denkste, denn hier wird natürlich im Rahmen der weiteren Steuergerechtigkeit in unserem Lande weiter mit zweierlei Maß gemessen, denn der Firmenwagenfahrer muss für etwas Steuern bezahlen, das beim Privatfahrer ein steuerliches Privatvergnügen ist.
Das hat zur beabsichtigten Folge, dass in beiden Fälle der Staat Nutznießer dieses Verfahrens ist.

Irgendwann kommt der Tag, an dem die berufsbedingten Kosten des Arbeitnehmers den vom Arbeitgeber nach Abzug von Steuern und Abgaben ausbezahlten Nettolohn übersteigen.
Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass am 1.1.2007 die Mehrwertsteuer auf 19% steigt und damit auch die Benzinpreise, außerdem steigt die Mehrwertsteuer auf die KFZ-Versicherung. Biodiesel wird auch teurer. Und die Preise für öffentliche Verkehrsmittel unterliegen ebenfalls der Mehrwertsteuer und außerdem natürlich dem permanenten Anstieg der Energiekosten für Strom und Gas.
Dann denken wir uns noch die immer wieder lobend zur Steuerung des Verkehrs erwähnte PKW-Maut dazu und kommen zu einem Szenario, das für den einen oder anderen Mitbürger, vor allem für die Geringverdiener, zur Existenzbedrohung werden wird.
Steigende Kosten und neue Steuern im Gesundheitswesen, für die gesetzliche Rentenversicherung und die staatlicherseits geforderte Eigenvorsorge, sowie stetig steigende Lebenshaltungskosten sollte man dabei nicht vergessen.

Wann das sein wird lässt sich nicht so pauschal sagen und ist eine Frage der Entfernung und des ihm verbleibenden Nettoverdienstes, aber dass das Pendel spätestens dann zurückschlägt ist sicher.

Der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine hat bereits angekündigt gegen die Kürzung der Pendlerpauschale „durch alle Instanzen bis hin zum Bundesverfassungsgericht“ klagen zu wollen und .Steuerzahlerpräsident Karl Heinz Däke warf Finanzminister Steinbrück vor, mit den Einschnitten in der Pendlerpauschale einen Verfassungsverstoß bewusst in Kauf zu nehmen.

Man kann daher nur jedem Steuerzahler raten gegen Steuerbescheide für das Fiskaljahr 2006 und folgende Einspruch einzulegen.
Denn nur wer durch Einspruch verhindert, dass sein Steuerbescheid rechtkräftig wird und ein Aussetzen des Verfahrens beantragt, bekommt im Falle eines Erfolges dieser Klage auch sein Geld wieder zurück.

Den stummen Rest der Republik hat der Staat dann aber auf jeden Fall erfolgreich abgezockt.
Früher mussten die Räuber ihren Opfern auf der Straße auflauern, heute geht das vom Reichstag aus.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Juli 2006 um 05:45:25 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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