Indemnität

17. Februar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Sie kennen sicher den Begriff der nach §130 Strafgesetzbuch (StGB) strafbaren Volksverhetzung?
Und wissen Sie auch was in §46 unseres Grundgesetzes (GG) über Indemnität steht?
Warum sitzen Sie dann noch hier vor dem Bildschirm und gucken in die Röhre, statt bei Jauch auf dem Hocker mal locker ihre Joker zu zücken und eine Mio Teuronen zu machen?

Lesen bildet, aber es macht nicht reich. Noch nicht einmal an Erfahrung.
Sie müssen ihr Wissen nutzbringend einsetzen, für sich selbst und für andere, mit denen es das deutsche Bildungssystem nicht so gut gemeint hat.
Wissen vermittelt man immer am besten anhand von praktischen Beispielen.
Zum Beispiel hatte ich ein Problem mit dem Pauken von englischen Vokabeln, bis mir jemand zeigte wie man sich Eselsbrücken baut. Bis heute habe ich so nicht vergessen dass die „Garbe“ in der englischen Sprache „schief“ ist.

Wissen Sie was „brainwashing of the people“ auf Deutsch heißt?
Ich hätte instinktiv auf „Gehirnwäsche“ getippt.
Wissen Sie was „incitement of the people“ ist?
Hier hätte ich mich intuitiv für „Anstiftung“ oder „Aufforderung“ entschieden.

Was diese blöde Fragerei soll?
Na ich möchte Sie weiterbilden! Und ich möchte, dass Sie ihr Hirn, das der Schöpfer Ihnen sicher in ausreichender Menge gegeben hat, benutzen. An zu wenig Hirn kann es nicht scheitern, hat doch jeder Mensch ausreichend Hirnmasse, denn mir ist niemand bekannt, der sich über zu wenig beschwert hätte.

Also, jetzt stellen Sie sich mal folgende Situation vor:
Sie sind Bürger der BRddr und sitzen in einer Kneipe und tun laut ihre Meinung kund, dass die Alliierten mit den Bombenangriffen auf deutsche Städte im Frühjahr 1945 gezielten Mord an der deutschen Zivilbevölkerung begangen haben und dass das so schlimm ist wie der Holocaust.

Am Nachbartisch hört ein aufmerksamer Zeitgenosse zu und erstattet Anzeige gegen Sie wegen „Volksverhetzung“ gemäß §130 StGB.
Wir müssen diese Situation gar nicht bewerten oder diskutieren, auch spielt es für den Lernerfolg auch keine Rolle ob das richtig oder falsch ist.
Wenden wir stattdessen lieber folgenden Situation zu:
Sie sind vom Volke der BRddr gewählter Abgeordneter und halten eine Rede im Landes- oder Bundesparlament und behaupten, dass die Alliierten mit den Bombenangriffen auf deutsche Städte im Frühjahr 1945 gezielten Mord an der deutschen Zivilbevölkerung begangen haben und dass das so schlimm ist wie der Holocaust.

Wenn Sie jetzt denken, glauben oder meinen, dass ein aufmerksamer Zuhörer Anzeige wegen „Volksverhetzung“ gemäß §130 StGB gegen Sie erstatten kann, dann gehen Sie bei Jauch mit 500 Euro wieder nach Hause. Denn Sie wissen nicht was „Indemnity“ ist
Indemnity oder auf Deutsch „Indemnität“ ist nicht zu verwechseln mit der „Immunität eines Parlamentariers“, die im Englischen mit „privilege“ bezeichnet wird, das verdächtig nah am deutschen Wort „Privileg“, der Bezeichnung für eine „besondere Vergünstigung“ liegt.

Ein Abgeordneter hat das Privileg der „Indemnität“ und die schützt ihn vor zuhörenden Zeitgenossen. Das heißt eigentlich, dass er (fast) alles sagen kann was er will und passieren tut ihm – nix. Und das ist auch gut so und hat seine Gründe, wie vieles andere auch, in der jüngeren deutschen Geschichte, an die wir von einigen Herren und Organisationen immer wieder gerne erinnert werden.

Dass ihnen wegen der Indemnität kaum etwas passieren kann, wissen die vom Volke gewählten Vertreter der NPD in den Landtagen (und vielleicht schon bald im Bundestag) auch.
Und die Volksvertreter der anderen Parteien wissen das natürlich auch, denn schließlich sind die auch schon viel, viel länger in den Parlamenten vertreten. Was sie aber nicht daran hindert, über die ungeliebten neuen Parlamentskollegen bei jeder sich (provozierten) Gelegenheit herzufallen und nach umfangreichen gesetzlichen Änderungen zu schreien, die den Haken haben (sollen), nicht für alle Parlamentarier zu gelten.
Auch vom Finanzhahn des Steuerzahlers möchte man die NPD abklemmen und mokiert sich darüber, dass die NPD sogar noch Geld vom Staat bekommt. Dabei wird sehr gerne vergessen, dass alle Parteien Geld vom Steuerzahler bekommen. So haben unsere Parteidemokraten das doch festgelegt, als sie sich zu Lasten des Steuerzahlers die Wahlkampfkostenerstattung ausgedacht haben.
Und das jetzt einseitig ändern zu wollen wäre doch äußerst undemokratisch und, so wie ich meine, sogar äußerst dumm.
Es könnte doch sonst der Eindruck entstehen, dass unsere demokratischen Abgeordneten gar nicht so sehr demokratisch sind, wenn es darum geht die Kaste der Privilegierten und die eigenen Interessen zu schützen. Denn schließlich fehlt jeder Euro, den die NPD als Wahlkampfkostenerstattung erhält den anderen Parteien in der Kasse.

Am Sonntag, den 13. Januar 2005 saß bei Frau Sabine Christansen eine ältere Dame, deren Name Programm zu sein scheint. Es war die Germanistin und Schriftstellerin Ruth Klüger, die zur NPD und zur Lage der Nation meinte: „Es gefällt mir zwar nicht, aber eine Demokratie muss das aushalten können“.

Ich denke auch, dass das „klüger“ ist und unsere Demokratie das auch aushalten kann. Aber dennoch sollte man endlich mal anfangen durch eine Politik, die sich mehr am „Wohle des Deutschen Volkes“ orientiert, zu einer Meinungsumbildung der „braunen Wählermassen“ beizutragen.
Das kostet nichts, belastet den Bundeshaushalt nicht und hinterlässt sowohl innen- als auch außenpolitisch einen wesentlich besseren Eindruck, als das jetzige Affentheater, das doch nur wieder von den eigentlichen Problemen dieses Landes ablenken soll.
Wenn man schon keine ausländische Naturkatastrophe zur Verfügung hat, um den Blick des Wählers auf den desolaten Zustand dieses Republik durch tränende Augen zu verschleiern, dann baut man eben eine inländische Bedrohung, die sich für den gleichen Zweck einsetzen lässt.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. Februar 2005 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Indemnität

17. Februar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Sie kennen sicher den Begriff der nach §130 Strafgesetzbuch (StGB) strafbaren Volksverhetzung?
Und wissen Sie auch was in §46 unseres Grundgesetzes (GG) über Indemnität steht?
Warum sitzen Sie dann noch hier vor dem Bildschirm und gucken in die Röhre, statt bei Jauch auf dem Hocker mal locker ihre Joker zu zücken und eine Mio Teuronen zu machen?

Lesen bildet, aber es macht nicht reich. Noch nicht einmal an Erfahrung.
Sie müssen ihr Wissen nutzbringend einsetzen, für sich selbst und für andere, mit denen es das deutsche Bildungssystem nicht so gut gemeint hat.
Wissen vermittelt man immer am besten anhand von praktischen Beispielen.
Zum Beispiel hatte ich ein Problem mit dem Pauken von englischen Vokabeln, bis mir jemand zeigte wie man sich Eselsbrücken baut. Bis heute habe ich so nicht vergessen dass die „Garbe“ in der englischen Sprache „schief“ ist.

Wissen Sie was „brainwashing of the people“ auf Deutsch heißt?
Ich hätte instinktiv auf „Gehirnwäsche“ getippt.
Wissen Sie was „incitement of the people“ ist?
Hier hätte ich mich intuitiv für „Anstiftung“ oder „Aufforderung“ entschieden.

Was diese blöde Fragerei soll?
Na ich möchte Sie weiterbilden! Und ich möchte, dass Sie ihr Hirn, das der Schöpfer Ihnen sicher in ausreichender Menge gegeben hat, benutzen. An zu wenig Hirn kann es nicht scheitern, hat doch jeder Mensch ausreichend Hirnmasse, denn mir ist niemand bekannt, der sich über zu wenig beschwert hätte.

Also, jetzt stellen Sie sich mal folgende Situation vor:
Sie sind Bürger der BRddr und sitzen in einer Kneipe und tun laut ihre Meinung kund, dass die Alliierten mit den Bombenangriffen auf deutsche Städte im Frühjahr 1945 gezielten Mord an der deutschen Zivilbevölkerung begangen haben und dass das so schlimm ist wie der Holocaust.

Am Nachbartisch hört ein aufmerksamer Zeitgenosse zu und erstattet Anzeige gegen Sie wegen „Volksverhetzung“ gemäß §130 StGB.
Wir müssen diese Situation gar nicht bewerten oder diskutieren, auch spielt es für den Lernerfolg auch keine Rolle ob das richtig oder falsch ist.
Wenden wir stattdessen lieber folgenden Situation zu:
Sie sind vom Volke der BRddr gewählter Abgeordneter und halten eine Rede im Landes- oder Bundesparlament und behaupten, dass die Alliierten mit den Bombenangriffen auf deutsche Städte im Frühjahr 1945 gezielten Mord an der deutschen Zivilbevölkerung begangen haben und dass das so schlimm ist wie der Holocaust.

Wenn Sie jetzt denken, glauben oder meinen, dass ein aufmerksamer Zuhörer Anzeige wegen „Volksverhetzung“ gemäß §130 StGB gegen Sie erstatten kann, dann gehen Sie bei Jauch mit 500 Euro wieder nach Hause. Denn Sie wissen nicht was „Indemnity“ ist
Indemnity oder auf Deutsch „Indemnität“ ist nicht zu verwechseln mit der „Immunität eines Parlamentariers“, die im Englischen mit „privilege“ bezeichnet wird, das verdächtig nah am deutschen Wort „Privileg“, der Bezeichnung für eine „besondere Vergünstigung“ liegt.

Ein Abgeordneter hat das Privileg der „Indemnität“ und die schützt ihn vor zuhörenden Zeitgenossen. Das heißt eigentlich, dass er (fast) alles sagen kann was er will und passieren tut ihm – nix. Und das ist auch gut so und hat seine Gründe, wie vieles andere auch, in der jüngeren deutschen Geschichte, an die wir von einigen Herren und Organisationen immer wieder gerne erinnert werden.

Dass ihnen wegen der Indemnität kaum etwas passieren kann, wissen die vom Volke gewählten Vertreter der NPD in den Landtagen (und vielleicht schon bald im Bundestag) auch.
Und die Volksvertreter der anderen Parteien wissen das natürlich auch, denn schließlich sind die auch schon viel, viel länger in den Parlamenten vertreten. Was sie aber nicht daran hindert, über die ungeliebten neuen Parlamentskollegen bei jeder sich (provozierten) Gelegenheit herzufallen und nach umfangreichen gesetzlichen Änderungen zu schreien, die den Haken haben (sollen), nicht für alle Parlamentarier zu gelten.
Auch vom Finanzhahn des Steuerzahlers möchte man die NPD abklemmen und mokiert sich darüber, dass die NPD sogar noch Geld vom Staat bekommt. Dabei wird sehr gerne vergessen, dass alle Parteien Geld vom Steuerzahler bekommen. So haben unsere Parteidemokraten das doch festgelegt, als sie sich zu Lasten des Steuerzahlers die Wahlkampfkostenerstattung ausgedacht haben.
Und das jetzt einseitig ändern zu wollen wäre doch äußerst undemokratisch und, so wie ich meine, sogar äußerst dumm.
Es könnte doch sonst der Eindruck entstehen, dass unsere demokratischen Abgeordneten gar nicht so sehr demokratisch sind, wenn es darum geht die Kaste der Privilegierten und die eigenen Interessen zu schützen. Denn schließlich fehlt jeder Euro, den die NPD als Wahlkampfkostenerstattung erhält den anderen Parteien in der Kasse.

Am Sonntag, den 13. Januar 2005 saß bei Frau Sabine Christansen eine ältere Dame, deren Name Programm zu sein scheint. Es war die Germanistin und Schriftstellerin Ruth Klüger, die zur NPD und zur Lage der Nation meinte: „Es gefällt mir zwar nicht, aber eine Demokratie muss das aushalten können“.

Ich denke auch, dass das „klüger“ ist und unsere Demokratie das auch aushalten kann. Aber dennoch sollte man endlich mal anfangen durch eine Politik, die sich mehr am „Wohle des Deutschen Volkes“ orientiert, zu einer Meinungsumbildung der „braunen Wählermassen“ beizutragen.
Das kostet nichts, belastet den Bundeshaushalt nicht und hinterlässt sowohl innen- als auch außenpolitisch einen wesentlich besseren Eindruck, als das jetzige Affentheater, das doch nur wieder von den eigentlichen Problemen dieses Landes ablenken soll.
Wenn man schon keine ausländische Naturkatastrophe zur Verfügung hat, um den Blick des Wählers auf den desolaten Zustand dieses Republik durch tränende Augen zu verschleiern, dann baut man eben eine inländische Bedrohung, die sich für den gleichen Zweck einsetzen lässt.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. Februar 2005 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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