Gewerkschaftsbeteiligung

16. Februar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Gewerkschaften sind (lt. Wikipedia) Interessenvertretungen von Arbeitnehmern, die sich zur Wahrung ihrer gemeinsamen Arbeitnehmerinteressen freiwillig und auf Dauer zusammengeschlossen haben.

Nun fragt man sich, nicht nur angesichts von mehr als 5 Millionen arbeitslosen ehemaligen Arbeitnehmern, was denn die Gewerkschaften zur Wahrung der Arbeitnehmerinteressen unternommen haben. Seit dem Seitenwechsel der SPD ins Arbeitgeberlager ist ihnen zwar ein traditioneller Weggefährte abhanden gekommen, erklärt aber nicht die Tatenlosigkeit der letzten Jahre. Wer als zahlendes Mitglied einer Gewerkschaft einen Aufschrei der Funktionäre oder gar den Aufruf zum (General)Streik erwartet hatte, wurde rasch eines Besseren belehrt. Schwindende Mitgliederzahlen und enttäuschte Mitglieder sind die unausweichliche Folge.
Es ist offensichtlich, dass der Einfluss der Gewerkschaften, die seit Jahrzehnten in das staatliche, gesellschaftliche und soziale Gefüge der BRddr eingebettet sind, einem erheblichen Schwund unterliegt. Das formelle und informelle Geflecht der Institutionen und Sozialpartner ist brüchig und die Nähe zu Politik und Wirtschaft eher hinderlich geworden. Nur Traumtänzer können glauben, dass durch Stillhalten der „soziale“ Frieden gewahrt und der Zugang zu „Hofe“ weiter offen bleibt.
Als ehemaliges Gewerkschaftsmitglied (lang, lang ist es her) habe ich mich immer wieder gefragt, wie die Gewerkschaften diesen Spagat zwischen der Vertretung arbeitnehmerseitiger Interessen und eigenen unternehmerischen Aktivitäten auf die Reihe bekommen wollen.
Gut erinnern kann ich mich auch noch an die „wirtschaftlichen Erfolge“ derartiger „Gewerkschaftsbetriebe“ in denen seltsamerweise Arbeitnehmerrechte oftmals erst eingeklagt werden mussten. Wer jemals in einem gewerkschaftseigenen Betrieb gearbeitet hat, kann ein Lied davon singen.
Gut erinnern kann ich mich auch noch an die Namen dieser Betriebe (z.B. „Neue Heimat“ und „Co op“) in denen durch «Korruption und Vetternwirtschaft, Missmanagement und blanker Ahnungslosigkeit» nicht nur Milliarden Deutsche Mark versenkt wurden, sondern auch noch 60.000 Arbeitsplätze den Bach runter gingen.
Daher hatte ich einen „Aha-Effekt“ als „Der Spiegel“ in seiner Ausgabe Nr. 3 vom 17.1.2005 auf Seite 76 vom „Ausverkauf der Genossen” berichtete, denn zusätzlich zu den bereits verlorenen Milliarden mussten die Genossen seit 2002 weitere 650 Millionen Euro in die marode Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften, die BGAG einschießen. Außerdem haben sie sich verpflichtet bis zum 31. Januar 2005 weitere 600 Millionen Euro „beizubringen“.
Und die wurden jetzt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
(BaFin) eingefordert.
Betroffen sind:

  • die IG Metall mit 24,97% (ca. 150 Mio. €)
  • der DGB mit 20,48% (ca. 123 Mio. €)
  • die IG Bergbau, Chemie, Energie mit 19,4% (ca, 116 Mio. €)
  • die IG Agrar-Umwelt mit 8,17% (ca. 49 Mio, €)
  • Ver.di mit 8,06% (ca. 48 Mio. €)
  • und andere Gewerkschaften mit 18,92% (ca. 113 Mio. €)

Besonders delikat an der Geschichte ist, dass einige Gewerkschaftsfunktionäre persönliche Anteilseigner der Treuhandgesellschaften sind, über die die Gewerkschaften die BGAG besitzen.
So schreibt der Spiegel, die «Multifunktionärin Engelen-Kefer, gleichzeitig stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, ist sogar Großanteilseignerin. Laut Handelsregisterauszug ist sie 50-Prozent-Gesellschafterin der Vermögensverwaltungs- und Treuhandgesellschaft des DGB, die wiederum 20,48 Prozent der Holding-Anteile (BGAG) besitzt»
Damit wäre die Vertreterin arbeitnehmerseitiger Interessen und „Multimillionärin“ Engelen-Kefer mit mehr als 60 Millionen Euro dabei. Nicht vergessen darf man dabei auch die Rolle dieser Dame im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit, dem mittlerweile größten Arbeitgeber der Bundesrepublik Deutschland.

Und das finanzielle Desaster bei der BGAG ist unter Umständen noch nicht zu Ende.
Denn derzeit prüft die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young die Risikopositionen der BGAG erneut, so dass durchaus weiterer Kapitalbedarf erwartet werden kann.
Auch der Finanzkonzern BHW steht zur Disposition, den die Gewerkschaften für 700 Millionen Euro verkaufen möchten.

Ist Ihnen jetzt klar geworden, warum die Gewerkschaften bei den „Reformen“ auf dem Arbeitsmarkt so schön still halten und trotz den höchsten Arbeitslosenzahlen seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland aus den Gewerkschaftszentralen kein Mucks und kein Streikaufruf zu erwarten ist?
Weil die Gewerkschaften und einige ihre Spitzenfunktionäre ganz andere Probleme haben und sich primär mal lieber um den eigenen Geldbeutel kümmern, statt Geld (das man nicht hat) für die Finanzierung eines Streiks auszugeben.
Da ist es doch besser man arrangiert sich in einem „Spitzengespräch“ mit Regierungsmitgliedern und/oder lässt bei den nächsten Tarifverhandlungen halt mal Fünfe gerade sein.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. Februar 2005 um 05:45:05 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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16. Februar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Gewerkschaften sind (lt. Wikipedia) Interessenvertretungen von Arbeitnehmern, die sich zur Wahrung ihrer gemeinsamen Arbeitnehmerinteressen freiwillig und auf Dauer zusammengeschlossen haben.

Nun fragt man sich, nicht nur angesichts von mehr als 5 Millionen arbeitslosen ehemaligen Arbeitnehmern, was denn die Gewerkschaften zur Wahrung der Arbeitnehmerinteressen unternommen haben. Seit dem Seitenwechsel der SPD ins Arbeitgeberlager ist ihnen zwar ein traditioneller Weggefährte abhanden gekommen, erklärt aber nicht die Tatenlosigkeit der letzten Jahre. Wer als zahlendes Mitglied einer Gewerkschaft einen Aufschrei der Funktionäre oder gar den Aufruf zum (General)Streik erwartet hatte, wurde rasch eines Besseren belehrt. Schwindende Mitgliederzahlen und enttäuschte Mitglieder sind die unausweichliche Folge.
Es ist offensichtlich, dass der Einfluss der Gewerkschaften, die seit Jahrzehnten in das staatliche, gesellschaftliche und soziale Gefüge der BRddr eingebettet sind, einem erheblichen Schwund unterliegt. Das formelle und informelle Geflecht der Institutionen und Sozialpartner ist brüchig und die Nähe zu Politik und Wirtschaft eher hinderlich geworden. Nur Traumtänzer können glauben, dass durch Stillhalten der „soziale“ Frieden gewahrt und der Zugang zu „Hofe“ weiter offen bleibt.
Als ehemaliges Gewerkschaftsmitglied (lang, lang ist es her) habe ich mich immer wieder gefragt, wie die Gewerkschaften diesen Spagat zwischen der Vertretung arbeitnehmerseitiger Interessen und eigenen unternehmerischen Aktivitäten auf die Reihe bekommen wollen.
Gut erinnern kann ich mich auch noch an die „wirtschaftlichen Erfolge“ derartiger „Gewerkschaftsbetriebe“ in denen seltsamerweise Arbeitnehmerrechte oftmals erst eingeklagt werden mussten. Wer jemals in einem gewerkschaftseigenen Betrieb gearbeitet hat, kann ein Lied davon singen.
Gut erinnern kann ich mich auch noch an die Namen dieser Betriebe (z.B. „Neue Heimat“ und „Co op“) in denen durch «Korruption und Vetternwirtschaft, Missmanagement und blanker Ahnungslosigkeit» nicht nur Milliarden Deutsche Mark versenkt wurden, sondern auch noch 60.000 Arbeitsplätze den Bach runter gingen.
Daher hatte ich einen „Aha-Effekt“ als „Der Spiegel“ in seiner Ausgabe Nr. 3 vom 17.1.2005 auf Seite 76 vom „Ausverkauf der Genossen” berichtete, denn zusätzlich zu den bereits verlorenen Milliarden mussten die Genossen seit 2002 weitere 650 Millionen Euro in die marode Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften, die BGAG einschießen. Außerdem haben sie sich verpflichtet bis zum 31. Januar 2005 weitere 600 Millionen Euro „beizubringen“.
Und die wurden jetzt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
(BaFin) eingefordert.
Betroffen sind:

  • die IG Metall mit 24,97% (ca. 150 Mio. €)
  • der DGB mit 20,48% (ca. 123 Mio. €)
  • die IG Bergbau, Chemie, Energie mit 19,4% (ca, 116 Mio. €)
  • die IG Agrar-Umwelt mit 8,17% (ca. 49 Mio, €)
  • Ver.di mit 8,06% (ca. 48 Mio. €)
  • und andere Gewerkschaften mit 18,92% (ca. 113 Mio. €)

Besonders delikat an der Geschichte ist, dass einige Gewerkschaftsfunktionäre persönliche Anteilseigner der Treuhandgesellschaften sind, über die die Gewerkschaften die BGAG besitzen.
So schreibt der Spiegel, die «Multifunktionärin Engelen-Kefer, gleichzeitig stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, ist sogar Großanteilseignerin. Laut Handelsregisterauszug ist sie 50-Prozent-Gesellschafterin der Vermögensverwaltungs- und Treuhandgesellschaft des DGB, die wiederum 20,48 Prozent der Holding-Anteile (BGAG) besitzt»
Damit wäre die Vertreterin arbeitnehmerseitiger Interessen und „Multimillionärin“ Engelen-Kefer mit mehr als 60 Millionen Euro dabei. Nicht vergessen darf man dabei auch die Rolle dieser Dame im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit, dem mittlerweile größten Arbeitgeber der Bundesrepublik Deutschland.

Und das finanzielle Desaster bei der BGAG ist unter Umständen noch nicht zu Ende.
Denn derzeit prüft die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young die Risikopositionen der BGAG erneut, so dass durchaus weiterer Kapitalbedarf erwartet werden kann.
Auch der Finanzkonzern BHW steht zur Disposition, den die Gewerkschaften für 700 Millionen Euro verkaufen möchten.

Ist Ihnen jetzt klar geworden, warum die Gewerkschaften bei den „Reformen“ auf dem Arbeitsmarkt so schön still halten und trotz den höchsten Arbeitslosenzahlen seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland aus den Gewerkschaftszentralen kein Mucks und kein Streikaufruf zu erwarten ist?
Weil die Gewerkschaften und einige ihre Spitzenfunktionäre ganz andere Probleme haben und sich primär mal lieber um den eigenen Geldbeutel kümmern, statt Geld (das man nicht hat) für die Finanzierung eines Streiks auszugeben.
Da ist es doch besser man arrangiert sich in einem „Spitzengespräch“ mit Regierungsmitgliedern und/oder lässt bei den nächsten Tarifverhandlungen halt mal Fünfe gerade sein.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. Februar 2005 um 05:45:05 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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