Zeit der Narren

11. Februar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Gott sei Dank ist es geschafft.
Wir haben die Zeit der Narren überstanden. Es ist vorbei. Dieses Land kann wieder zur Normalität zurückkehren. Die Büttenreden aus Funk und Fernsehen sind Schnee von gestern. Die Narren werden abgeschminkt, die Masken vom Gesicht genommen und das „Häs“ oder wie immer das Gewand der Narren auch heißen mag, eingemottet und in den Schrank gehängt.

Am Aschermittwoch habe ich mir einige der Büttenredner angetan.
Angela Merkel sprach vor den Narren in Münster. Ihre Kostümierung fand ich allerdings etwas fade, obwohl die Maskenbildner mit Farbe und Perücke ihr Bestes versucht hatten. Die Büttenrede, die immer wieder von einem eigens engagierten Schulorchester unterbrochen wurde, war inhaltlich eigentlich ganz okay. Ab und an muss die Angie mal vom Zettel ablesen, weil sie den Faden verloren hatte und plötzlich wahlkämpferisch auf den Bundesgerd und die Rot-Grünen zu schimpfen begann. Aber dann hat immer die Schülerkapelle rechtzeitig getrötet und die Narren haben geklatscht.

Den Bundeskasper hab ich auch gesehen. Nur kurz. Maskierung null, nur etwas Makeup um die Lefzen besser zur Geltung zu bringen und Dynamik auszustrahlen. Gesichtsmimik wie immer beim Berner Sennhund ausgeliehen. Perücke null, nur Echthaar ungefärbt, aber einzeln in Form balsamiert und gesprayt, echte Handarbeit. Kostümierung null, aber dafür feinstes Tuch vom Designer. Seine Büttenrede war eine Wiederholung. Er hat das gleiche gesagt wie letztes Jahr und all die Jahre davor. Die Narren müssten jetzt vertrauensvoll nach vorne blicken (dabei saßen die alle da und haben ihm da vorne zugeguckt, wie er auf dem Podium rumgekaspert ist) und dass wir alle es jetzt anpacken sollen und wenn wir das jetzt machen, dann müssten wir das jetzt gemeinsam machen und gemeinsam an einem Strang ziehen.
Als sich in meinem Großhirn die Vision eines am Seile baumelnden Mannes, den man am Hals aufhängt bis dass der Tod durch den Strang eintritt, ausbreitete, habe ich auf den Kanal mit dem Stoiber Ede umgeschaltet.

Der Stoiber Ede hatte sich kostümiert. Ich bin nur nicht drauf gekommen was er oder es sein sollte. Irgendwie hat es mich an einen dieser alten Schwarz-Weiß-Filme von Edgar Wallace erinnert. Es könnte „Der Frosch mit der Maske“ oder „Der Hund von Baskerville“ gewesen sein. Da spielt so ein alter, weißhaariger Mann mit, der immer irgendwie Dreck am Stecken hat und auf äußerst nebulöse Art in das Verbrechen verwickelt ist. Aber so nix Genaues weiß man nicht.
Also „der schwarze Abt“, ach was sag ich, der Stoiber Ede hat zu den Narren gesprochen und die waren ganz begeistert. Besonders begeistert waren sie, als der Stoiber Ede auf den Bundeskasper geschimpft hat. Denn der sei nämlich schuld an den Braunen. Und überhaupt hätte der Bundeskasper ja immer wieder was versprochen und dann nicht gehalten. Und deswegen sind jetzt überall in der Republik die Braunen und marschieren durch die Straßen. Ich bin dann gleich ans Fenster und hab rausgeguckt, weil ich wissen wollte ob das stimmt. Also bei mir vor dem Fenster war nix. Kein Brauner, kein Narr, kein Mensch, gar nix. Auch kein Grüner. Denn die waren in Biberach.

In Biberach an der Riss. Die Riss ist ein Fluss im Schwabenländle und die Stadt Biberach wurde in dem berühmten Lied (altes deutsches Liedgut) von der Schwäbischen Eisenbahn erstmals urkundlich erwähnt. „Schtugert, Ulm und Biberach“, heißt es da und weiter, „Meckabeura, Durlesbach“. Damit war mir sofort klar, wo die Büttenredner der Grünen ihren nächsten Auftritt haben werden. In Meckenbeuren, das liegt südlich von Ravensburg, in der Bundesrepublik etwas weiter unten und noch näher zur Schweizer Grenze, womit sich bei mir der Eindruck verstärkt, dass sich die Grünen kontinuierlich Richtung deutschsprachigem Ausland abzusetzen versuchen.
Die Grünen haben auch geschimpft. Auf den Stoiber Ede, und dass der schuld sei dass die Braunen soviel Zulauf bekommen und jetzt in Massen durch die Straßen marschieren werden um die Demokratie zu gefährden. Daraufhin bin ich noch mal zum Fenster gegangen und hab rausgeguckt. Und was war? Wieder niemand auf der Straße. Also bei mir sicher nicht.
Ja und dann haben die Grünen gesagt, dass die Braunen am 8. Mai in Berlin durchs Brandenburger Tor marschieren wollen und alle demokratischen Kräfte der Republik jetzt zusammenstehen müssen um das zu verhindern.
Und das versteh ich jetzt nicht! Denn der 8. Mai ist doch gar kein Montag.
Finden denn die Montagsdemos jetzt immer am Sonntag statt?
Also mal ganz ehrlich, können Sie sich daran erinnern, dass die Grünen wegen den Montagsdemonstranten auch soviel Gedöns wie bei den Braunen Marschierern gemacht haben?

Viel „Gedöns“ und „dicke Backen“ haben die „Gelben“ mit Guido „Prochnow“ Westerwelle bei ihrem Aschermittwoch in Passau gemacht. Auch der Guido war nicht richtig kostümiert. Ich hatte eigentlich so eine Art „Christopher Street Day“- Atmosphäre erwartet, aber es ging da ganz bieder zu. Viel Applaus hat der Guido bekommen als er sagte: “Wer sechs Jahre nach seinem Amtsantritt beim Thema Arbeitslosigkeit sich immer noch mit der Diagnose beschäftigt, dem sollte der Wähler den Job wegnehmen.”
Recht hat er der Guido, hab ich mir gedacht. Und wer seit mehr als 20 Jahren im Arsch der CDU rumkriecht und immer noch behauptet er hätte eine gelbe Farbe und ein eigenes Profil dem sollte der Wähler auch den Job wegnehmen.

Deshalb bin ich ganz froh, dass die Zeit der Narren jetzt vorbei ist.
Und wenn Ihnen ab heute noch jemand begegnet der Büttenreden hält und aussieht wie eine von den aus Funk und Fernsehen bekannten Witzfiguren – dann kann es sich nur um einen Narren handeln, der noch nicht mitbekommen hat, dass Aschermittwoch vorbei ist.
Denn jetzt ist Schluss mit lustig.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. Februar 2005 um 05:45:36 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Zeit der Narren

11. Februar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Gott sei Dank ist es geschafft.
Wir haben die Zeit der Narren überstanden. Es ist vorbei. Dieses Land kann wieder zur Normalität zurückkehren. Die Büttenreden aus Funk und Fernsehen sind Schnee von gestern. Die Narren werden abgeschminkt, die Masken vom Gesicht genommen und das „Häs“ oder wie immer das Gewand der Narren auch heißen mag, eingemottet und in den Schrank gehängt.

Am Aschermittwoch habe ich mir einige der Büttenredner angetan.
Angela Merkel sprach vor den Narren in Münster. Ihre Kostümierung fand ich allerdings etwas fade, obwohl die Maskenbildner mit Farbe und Perücke ihr Bestes versucht hatten. Die Büttenrede, die immer wieder von einem eigens engagierten Schulorchester unterbrochen wurde, war inhaltlich eigentlich ganz okay. Ab und an muss die Angie mal vom Zettel ablesen, weil sie den Faden verloren hatte und plötzlich wahlkämpferisch auf den Bundesgerd und die Rot-Grünen zu schimpfen begann. Aber dann hat immer die Schülerkapelle rechtzeitig getrötet und die Narren haben geklatscht.

Den Bundeskasper hab ich auch gesehen. Nur kurz. Maskierung null, nur etwas Makeup um die Lefzen besser zur Geltung zu bringen und Dynamik auszustrahlen. Gesichtsmimik wie immer beim Berner Sennhund ausgeliehen. Perücke null, nur Echthaar ungefärbt, aber einzeln in Form balsamiert und gesprayt, echte Handarbeit. Kostümierung null, aber dafür feinstes Tuch vom Designer. Seine Büttenrede war eine Wiederholung. Er hat das gleiche gesagt wie letztes Jahr und all die Jahre davor. Die Narren müssten jetzt vertrauensvoll nach vorne blicken (dabei saßen die alle da und haben ihm da vorne zugeguckt, wie er auf dem Podium rumgekaspert ist) und dass wir alle es jetzt anpacken sollen und wenn wir das jetzt machen, dann müssten wir das jetzt gemeinsam machen und gemeinsam an einem Strang ziehen.
Als sich in meinem Großhirn die Vision eines am Seile baumelnden Mannes, den man am Hals aufhängt bis dass der Tod durch den Strang eintritt, ausbreitete, habe ich auf den Kanal mit dem Stoiber Ede umgeschaltet.

Der Stoiber Ede hatte sich kostümiert. Ich bin nur nicht drauf gekommen was er oder es sein sollte. Irgendwie hat es mich an einen dieser alten Schwarz-Weiß-Filme von Edgar Wallace erinnert. Es könnte „Der Frosch mit der Maske“ oder „Der Hund von Baskerville“ gewesen sein. Da spielt so ein alter, weißhaariger Mann mit, der immer irgendwie Dreck am Stecken hat und auf äußerst nebulöse Art in das Verbrechen verwickelt ist. Aber so nix Genaues weiß man nicht.
Also „der schwarze Abt“, ach was sag ich, der Stoiber Ede hat zu den Narren gesprochen und die waren ganz begeistert. Besonders begeistert waren sie, als der Stoiber Ede auf den Bundeskasper geschimpft hat. Denn der sei nämlich schuld an den Braunen. Und überhaupt hätte der Bundeskasper ja immer wieder was versprochen und dann nicht gehalten. Und deswegen sind jetzt überall in der Republik die Braunen und marschieren durch die Straßen. Ich bin dann gleich ans Fenster und hab rausgeguckt, weil ich wissen wollte ob das stimmt. Also bei mir vor dem Fenster war nix. Kein Brauner, kein Narr, kein Mensch, gar nix. Auch kein Grüner. Denn die waren in Biberach.

In Biberach an der Riss. Die Riss ist ein Fluss im Schwabenländle und die Stadt Biberach wurde in dem berühmten Lied (altes deutsches Liedgut) von der Schwäbischen Eisenbahn erstmals urkundlich erwähnt. „Schtugert, Ulm und Biberach“, heißt es da und weiter, „Meckabeura, Durlesbach“. Damit war mir sofort klar, wo die Büttenredner der Grünen ihren nächsten Auftritt haben werden. In Meckenbeuren, das liegt südlich von Ravensburg, in der Bundesrepublik etwas weiter unten und noch näher zur Schweizer Grenze, womit sich bei mir der Eindruck verstärkt, dass sich die Grünen kontinuierlich Richtung deutschsprachigem Ausland abzusetzen versuchen.
Die Grünen haben auch geschimpft. Auf den Stoiber Ede, und dass der schuld sei dass die Braunen soviel Zulauf bekommen und jetzt in Massen durch die Straßen marschieren werden um die Demokratie zu gefährden. Daraufhin bin ich noch mal zum Fenster gegangen und hab rausgeguckt. Und was war? Wieder niemand auf der Straße. Also bei mir sicher nicht.
Ja und dann haben die Grünen gesagt, dass die Braunen am 8. Mai in Berlin durchs Brandenburger Tor marschieren wollen und alle demokratischen Kräfte der Republik jetzt zusammenstehen müssen um das zu verhindern.
Und das versteh ich jetzt nicht! Denn der 8. Mai ist doch gar kein Montag.
Finden denn die Montagsdemos jetzt immer am Sonntag statt?
Also mal ganz ehrlich, können Sie sich daran erinnern, dass die Grünen wegen den Montagsdemonstranten auch soviel Gedöns wie bei den Braunen Marschierern gemacht haben?

Viel „Gedöns“ und „dicke Backen“ haben die „Gelben“ mit Guido „Prochnow“ Westerwelle bei ihrem Aschermittwoch in Passau gemacht. Auch der Guido war nicht richtig kostümiert. Ich hatte eigentlich so eine Art „Christopher Street Day“- Atmosphäre erwartet, aber es ging da ganz bieder zu. Viel Applaus hat der Guido bekommen als er sagte: “Wer sechs Jahre nach seinem Amtsantritt beim Thema Arbeitslosigkeit sich immer noch mit der Diagnose beschäftigt, dem sollte der Wähler den Job wegnehmen.”
Recht hat er der Guido, hab ich mir gedacht. Und wer seit mehr als 20 Jahren im Arsch der CDU rumkriecht und immer noch behauptet er hätte eine gelbe Farbe und ein eigenes Profil dem sollte der Wähler auch den Job wegnehmen.

Deshalb bin ich ganz froh, dass die Zeit der Narren jetzt vorbei ist.
Und wenn Ihnen ab heute noch jemand begegnet der Büttenreden hält und aussieht wie eine von den aus Funk und Fernsehen bekannten Witzfiguren – dann kann es sich nur um einen Narren handeln, der noch nicht mitbekommen hat, dass Aschermittwoch vorbei ist.
Denn jetzt ist Schluss mit lustig.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. Februar 2005 um 05:45:36 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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