Relativitätstheorie

8. Februar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“
Zumindest den Mitbürgern, die zu Hause geblieben sind. Man könnte nun fälschlicherweise annehmen, dass der zur Erweiterung seines eigenen Horizonts Reisende nur etwas über seine Eindrücke und Abenteuer in fremden Ländern erzählen kann.
Doch im Zeitalter moderner Medientechnik –man höre und staune- kann der Reisende den Zuhausegebliebenen auch etwas über ihr gemeinsames Heimatland erzählen. Denn frei nach Albert Einstein ist auch die Sichtweise auf die Dinge in unserem globalem Medienuniversum relativ.

Von relativ schlechter Ton- und Bildqualität waren auch die Nachrichten, die der Reisende mittels Satellitentechnik aus dem Heimatland empfangen durfte.
Doch „Die-dappelju-tie-vie“ macht es möglich und informiert die Welt in deutscher und u.a. englischer und spanischer Sprache über die wichtigsten Dinge aus der wiedervereinigten BRddr und trägt damit wesentlich zur Meinungsbildung über dieses Land bei.

„Hach wie schön, heimatliche klänge“, dachte ich mit ein gewissen Schadenfreude bei mir, als ich beim Scannen der Satellitensender auf der Insel Kuba auf die verrauschten Bild- und Toninformationen von DW-TV aus dem unter einem heftigen Winterbruch leidenden Heimatland stieß. Noch rasch ein Schluck Pina Colada und einige fachmännische Korrekturen an der technischen Empfangseinrichtung und schon stand einem Genuss der heimatlichen Nachrichtensendung nichts mehr im Wege.

Doch was musste ich da hören und sehen!
Mein geliebtes Heimatland, das ich erst vor wenigen Tagen verlassen hatte, war in die Hände der Nazis gefallen!
Glatzköpfe, Springerstiefel und Hakenkreuzfahnen auf dem Weg zur hinterhältigen Machtübernahme in Berlin, während Politiker zum Gedenken an den Holocaust in Ausschwitz und Israel weilten und in Demut ihre Häupter senkten.
Nationalsozialisten im Sächsischen Landtag, die während der Gedenkminute an die Opfer des Holocaust im Gänsemarsch den Saal verließen und mit ihren Beiträgen in der anschließenden Debatte Unmut und Empörung der anderen Parteien auslösten!
Was war geschehen?
„Hoo hoo hoo Brauner, ruhig Blut“, dachte ich mir, als ich bemerkte, dass mein heißblütiges schwäbisches Temperament mit mir durchging und nahm zur Beruhigung einen weiteren, diesmal etwas heftigeren, Schluck des weiter oben erwähnten köstlichen karibischen Getränks zu mir.
Nach dem Motto „Ruhe ist die erste Bürgerspflicht und noch ist Polen nicht verloren“ griff ich zum Handy und wählte die Nummer eines „guten Freundes“ in der Heimat. Während ich sehnsüchtig darauf wartete, dass und bis mein Rufsignal von der karibischen Insel ins Universum und von dort ins ferne Heimatland gesendet wurde, machte ich mir Sorgen um meine Lieben, die unter Umständen den in der Heimat herrschenden Unruhen bereits zum Opfer gefallen sein könnten.
Wie erleichtert war ich aber doch, als nach einigen Knackgeräuschen und atmosphärischen Störungen (könnten auch Abhörversuche diverser Geheimdienste gewesen sein) die vertraute Stimme des Freundes an mein Ohr drang, der sich mit den Worten „Weißt du wie viel Uhr es jetzt hier ist?“ und einigen für ihn typischen Kraftausdrücken meldete.
Soweit schien also in der Heimat alles in Ordnung zu sein!
Auch den Marsch der braunen Horden durch Deutschlands Straßen in Richtung Berlin konnte mir der Freund nicht bestätigen. Lediglich Edi „Scatman“ Stoiber hatte anscheinend laut darüber nachgedacht, dass die rot-grüne Politik der NPD die Wähler zutreiben könnte und so ganz unrecht hat er damit sicher nicht.
Es war aus Kostengründen nur ein kurzes Gespräch, denn meinem Wunsch mich doch zurückzurufen wollte der „gute Freund“, wie er mit einer weiteren umgangssprachlichen Bemerkung (die ich lieber für mich behalte) zum Ausdruck brachte, nicht nachkommen und hat das Gespräch beendet.
Während ich mir dann auf DW-TV noch ein Interview mit Herrn Spiegel vom Zentralrat der Deutschen Juden zu Gemüte führte und seinen Ausführungen entnehmen konnte, dass die Bedingungen des seit 1.1.2005 geltenden neuen Zuwanderungsgesetzes, speziell für die Kontigentjuden aus den osteuropäischen Ländern, noch zwischen dem Zentralrat und dem Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland abgestimmt werden müssten, stellte ich mir die Frage „Wer finanziert denn eigentlich die Deutsche Welle“ und wer finanziert eigentlich den „Zentralrat der Juden in Deutschland“?

Mehr von meinen Reiseeindrücken und der relativen Sicht auf die wichtigen Dinge des Lebens werde ich von mir geben, wenn die angegraute Biologie meines nunmehr gut bebräunten Adoniskörpers den „Jet lag“ verkraftet hat.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. Februar 2005 um 05:45:15 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Mein lieber Freund!

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“
Zumindest den Mitbürgern, die zu Hause geblieben sind. Man könnte nun fälschlicherweise annehmen, dass der zur Erweiterung seines eigenen Horizonts Reisende nur etwas über seine Eindrücke und Abenteuer in fremden Ländern erzählen kann.
Doch im Zeitalter moderner Medientechnik –man höre und staune- kann der Reisende den Zuhausegebliebenen auch etwas über ihr gemeinsames Heimatland erzählen. Denn frei nach Albert Einstein ist auch die Sichtweise auf die Dinge in unserem globalem Medienuniversum relativ.

Von relativ schlechter Ton- und Bildqualität waren auch die Nachrichten, die der Reisende mittels Satellitentechnik aus dem Heimatland empfangen durfte.
Doch „Die-dappelju-tie-vie“ macht es möglich und informiert die Welt in deutscher und u.a. englischer und spanischer Sprache über die wichtigsten Dinge aus der wiedervereinigten BRddr und trägt damit wesentlich zur Meinungsbildung über dieses Land bei.

„Hach wie schön, heimatliche klänge“, dachte ich mit ein gewissen Schadenfreude bei mir, als ich beim Scannen der Satellitensender auf der Insel Kuba auf die verrauschten Bild- und Toninformationen von DW-TV aus dem unter einem heftigen Winterbruch leidenden Heimatland stieß. Noch rasch ein Schluck Pina Colada und einige fachmännische Korrekturen an der technischen Empfangseinrichtung und schon stand einem Genuss der heimatlichen Nachrichtensendung nichts mehr im Wege.

Doch was musste ich da hören und sehen!
Mein geliebtes Heimatland, das ich erst vor wenigen Tagen verlassen hatte, war in die Hände der Nazis gefallen!
Glatzköpfe, Springerstiefel und Hakenkreuzfahnen auf dem Weg zur hinterhältigen Machtübernahme in Berlin, während Politiker zum Gedenken an den Holocaust in Ausschwitz und Israel weilten und in Demut ihre Häupter senkten.
Nationalsozialisten im Sächsischen Landtag, die während der Gedenkminute an die Opfer des Holocaust im Gänsemarsch den Saal verließen und mit ihren Beiträgen in der anschließenden Debatte Unmut und Empörung der anderen Parteien auslösten!
Was war geschehen?
„Hoo hoo hoo Brauner, ruhig Blut“, dachte ich mir, als ich bemerkte, dass mein heißblütiges schwäbisches Temperament mit mir durchging und nahm zur Beruhigung einen weiteren, diesmal etwas heftigeren, Schluck des weiter oben erwähnten köstlichen karibischen Getränks zu mir.
Nach dem Motto „Ruhe ist die erste Bürgerspflicht und noch ist Polen nicht verloren“ griff ich zum Handy und wählte die Nummer eines „guten Freundes“ in der Heimat. Während ich sehnsüchtig darauf wartete, dass und bis mein Rufsignal von der karibischen Insel ins Universum und von dort ins ferne Heimatland gesendet wurde, machte ich mir Sorgen um meine Lieben, die unter Umständen den in der Heimat herrschenden Unruhen bereits zum Opfer gefallen sein könnten.
Wie erleichtert war ich aber doch, als nach einigen Knackgeräuschen und atmosphärischen Störungen (könnten auch Abhörversuche diverser Geheimdienste gewesen sein) die vertraute Stimme des Freundes an mein Ohr drang, der sich mit den Worten „Weißt du wie viel Uhr es jetzt hier ist?“ und einigen für ihn typischen Kraftausdrücken meldete.
Soweit schien also in der Heimat alles in Ordnung zu sein!
Auch den Marsch der braunen Horden durch Deutschlands Straßen in Richtung Berlin konnte mir der Freund nicht bestätigen. Lediglich Edi „Scatman“ Stoiber hatte anscheinend laut darüber nachgedacht, dass die rot-grüne Politik der NPD die Wähler zutreiben könnte und so ganz unrecht hat er damit sicher nicht.
Es war aus Kostengründen nur ein kurzes Gespräch, denn meinem Wunsch mich doch zurückzurufen wollte der „gute Freund“, wie er mit einer weiteren umgangssprachlichen Bemerkung (die ich lieber für mich behalte) zum Ausdruck brachte, nicht nachkommen und hat das Gespräch beendet.
Während ich mir dann auf DW-TV noch ein Interview mit Herrn Spiegel vom Zentralrat der Deutschen Juden zu Gemüte führte und seinen Ausführungen entnehmen konnte, dass die Bedingungen des seit 1.1.2005 geltenden neuen Zuwanderungsgesetzes, speziell für die Kontigentjuden aus den osteuropäischen Ländern, noch zwischen dem Zentralrat und dem Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland abgestimmt werden müssten, stellte ich mir die Frage „Wer finanziert denn eigentlich die Deutsche Welle“ und wer finanziert eigentlich den „Zentralrat der Juden in Deutschland“?

Mehr von meinen Reiseeindrücken und der relativen Sicht auf die wichtigen Dinge des Lebens werde ich von mir geben, wenn die angegraute Biologie meines nunmehr gut bebräunten Adoniskörpers den „Jet lag“ verkraftet hat.

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