Anglerlatein

15. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Als ich mich am Dienstag, denn 11. Januar 2004 mit meinem letzten Tässchen rentnermagenschonenden Kaffee durch die elektronischen Medien des Internets klickte, hab ich mir doch fast den früher Herztod erkasperst.
Mein Gott bin ich erschrocken, als mir die Schlagzeile der Berliner Zeitung ins noch morgentrübe Auge schlug:

«Grüne wollen Fliegen teurer machen»

„Jetzt schrecken die auf der Jagd nach dem schnöden Mammon anderer Leute noch nicht einmal mehr vor den Hobbyanglern zurück“, zuckte mir durch das eben erst langsam warm laufende Hirn. Nicht genug dass die armen Männer (ich hab noch nie ne Frau beim Angeln gesehen) stundenlang fast chancenlos an, durch die Öko-Maßnahmen immer kälter werdenden Gewässern hocken oder gar bis zum Schritt im kalten Wasser stehen müssen, um in immer klareren Wasser von den Fischen noch besser gesehen zu werden.
Jetzt sollen sie auch noch zusätzlich zur kostenpflichtigen Anglerlizenz, dem kleinen Anglerlatinum, dem jährlichen Eignungstest nach den ökologischen Richtlinien der „Bundesvereinigung für artengerechtes Sportfischen“, der Fangquotenregelung für heimische Süßwasserfische und der Sportgerätesondersteuer in Höhe des halben Mehrwertsteuersatzes zur Renaturierung industriell genutzter Binnengewässer, auch noch mit einer „Fliegensteuer“ belastet werden.

In richtigem Deutsch müsste doch die Schlagzeile etwa so aussehen:

„Grüne Fliegen sollen teurer werden“

Es gibt diese großen, grünlich schillernden Fliegen, die meist in ländlichen Gegenden in der Nähe von Misthaufen und fladenartigem Kuhdung vermehrt auftreten. Der Volksmund nennt diese Fliegen, die sich während ihres Fluges durch ein markantes sonores Brummen bemerkbar machen, fälschlicherweise „Schmeißfliege“.
Dabei haben selbst international anerkannte Wissenschaftler längst eindeutig nachgewiesen, dass diese Fliegenart wegen ihres nicht aerodynamischen Körperbaus absolut nicht für das „Schmeißen“ (volkstümlich für „werfen“) geeignet ist.
Jetzt fehlt wirklich nur noch, dass die Kommune unseren renaturierten Baggersee nebst eigenhändig ökologisch liebevoll zum Erholungsgebiet umgestalteten Umland auch noch zur Hamsterverdachtsfläche erklärt.

Ach übrigens, hätte ich jetzt fast vergessen, der Artikel in der Berliner Zeitung unter der redaktionell etwas lax formulierten Überschrift

hat überhaupt nichts mit Anglern und Fischen zu tun.
Nur mit Fliegen. Und Autofahren. Und Bahnfahren. Und der Kerosinsteuer.
Und der Fortentwicklung der Ökosteuer.
Und was uns die bringt, das wissen wir ja schon aus den Vorjahren.
Mir persönlich wäre es ja lieber, man würde die Ökosteuer abwickeln oder einwickeln, statt entwickeln.

Aber auch mich hört ja mal wieder keiner!
Na ja, ist vielleicht auch manchmal besser so.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. Januar 2005 um 05:45:20 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Mein lieber Freund!

Als ich mich am Dienstag, denn 11. Januar 2004 mit meinem letzten Tässchen rentnermagenschonenden Kaffee durch die elektronischen Medien des Internets klickte, hab ich mir doch fast den früher Herztod erkasperst.
Mein Gott bin ich erschrocken, als mir die Schlagzeile der Berliner Zeitung ins noch morgentrübe Auge schlug:

«Grüne wollen Fliegen teurer machen»

„Jetzt schrecken die auf der Jagd nach dem schnöden Mammon anderer Leute noch nicht einmal mehr vor den Hobbyanglern zurück“, zuckte mir durch das eben erst langsam warm laufende Hirn. Nicht genug dass die armen Männer (ich hab noch nie ne Frau beim Angeln gesehen) stundenlang fast chancenlos an, durch die Öko-Maßnahmen immer kälter werdenden Gewässern hocken oder gar bis zum Schritt im kalten Wasser stehen müssen, um in immer klareren Wasser von den Fischen noch besser gesehen zu werden.
Jetzt sollen sie auch noch zusätzlich zur kostenpflichtigen Anglerlizenz, dem kleinen Anglerlatinum, dem jährlichen Eignungstest nach den ökologischen Richtlinien der „Bundesvereinigung für artengerechtes Sportfischen“, der Fangquotenregelung für heimische Süßwasserfische und der Sportgerätesondersteuer in Höhe des halben Mehrwertsteuersatzes zur Renaturierung industriell genutzter Binnengewässer, auch noch mit einer „Fliegensteuer“ belastet werden.

In richtigem Deutsch müsste doch die Schlagzeile etwa so aussehen:

„Grüne Fliegen sollen teurer werden“

Es gibt diese großen, grünlich schillernden Fliegen, die meist in ländlichen Gegenden in der Nähe von Misthaufen und fladenartigem Kuhdung vermehrt auftreten. Der Volksmund nennt diese Fliegen, die sich während ihres Fluges durch ein markantes sonores Brummen bemerkbar machen, fälschlicherweise „Schmeißfliege“.
Dabei haben selbst international anerkannte Wissenschaftler längst eindeutig nachgewiesen, dass diese Fliegenart wegen ihres nicht aerodynamischen Körperbaus absolut nicht für das „Schmeißen“ (volkstümlich für „werfen“) geeignet ist.
Jetzt fehlt wirklich nur noch, dass die Kommune unseren renaturierten Baggersee nebst eigenhändig ökologisch liebevoll zum Erholungsgebiet umgestalteten Umland auch noch zur Hamsterverdachtsfläche erklärt.

Ach übrigens, hätte ich jetzt fast vergessen, der Artikel in der Berliner Zeitung unter der redaktionell etwas lax formulierten Überschrift

hat überhaupt nichts mit Anglern und Fischen zu tun.
Nur mit Fliegen. Und Autofahren. Und Bahnfahren. Und der Kerosinsteuer.
Und der Fortentwicklung der Ökosteuer.
Und was uns die bringt, das wissen wir ja schon aus den Vorjahren.
Mir persönlich wäre es ja lieber, man würde die Ökosteuer abwickeln oder einwickeln, statt entwickeln.

Aber auch mich hört ja mal wieder keiner!
Na ja, ist vielleicht auch manchmal besser so.

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