Kuckuckskinder

13. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Wenn Mann und/oder Frau im Biologie- oder Naturkundeunterricht aufgepasst hat, dann wird Mann oder Frau sich auch noch an die etwas unkonventionelle Art erinnern, mit der der Kuckucksvogel das Ergebnis seiner Populationsaktivitäten anderen Artgenossen zur Aufzucht ins Nest legt.
Dennoch ist die Verwendung des Namens „Kuckuckskind“ im Humanbereich nicht ganz zutreffend und fast eine Beleidigung für das gleichnamige Federtier. Denn im Gegensatz zu den Vogelzieheltern, bei denen man durchaus von einer untergeschobenen Adoption sprechen kann, wurde bei den menschlichen Ersatzeltern definitiv nur der weibliche Teil fremdbevögelt und hat sich anschließend das Ei selbst ins Nest gelegt.
Hier handelt es sich also beim gewollten oder ungewollten Ergebnis dieser Aktivitäten eindeutig um ein in Eigenarbeit erzeugtes Eigenprodukt, dessen Zeugung sich vom Geburtstermin durch mathematische Verfahren auf den Zeitraum weniger Wochen oder gar Tage zurückrechnen lässt.
Nun ist es bei der menschlichen Fortpflanzung nicht wie in der freien Natur, wo es zur Befruchtung ja teilweise genügt, dass Wind, Bienen oder Vögel den Anteil männlicher Samenspender über das Land verteilen. Daher hält sich im Volksmund, trotz unzähliger Aufklärungsversuche, auch hartnäckig der Begriff des „Vögelns“ für diese Art von Populationsmaßnahmen.
Wir sehen also, dass der Vorgang, um den es sich hier handelt äußerst kompliziert ist.
Deshalb haben sich nun auch ausgebildete Juristen dieser Problematik angenommen und sind auf eine ganz clevere Idee gekommen, die sie nun in ein Gesetz gießen wollen, welches bei Strafe verbietet, die Vaterschaft eines Kindes gegen den Willen der leiblichen Mutter feststellen zu lassen.

Dabei wird leider übersehen, dass auch Männer gerne die Gewissheit hätten, ob sie neben ihrer Rolle als Vater auch in der die Rolle des Genitors ihren Mann gestanden haben. Denn, das wissen wir doch alle, Frauen sind in der Vortäuschung falscher Tatsachen die wahren Weltmeister. Da reicht die Spanne vom vorgetäuschten Orgasmus (hab ich sogar schon im Kino gesehen), über die vorgetäuschte Schwangerschaft bis zur vorgetäuschten Vaterschaft.
Nicht dass Männer jetzt ein grundsätzliches Problem mit vorgetäuschten Orgasmen hätten, ach wo denken Sie hin.
Selbst vorgetäuschte Schwangerschaften erzielen bei Männern nur zeitlich begrenzte Wirkung. Denn nach spätestens 10 oder 11 Monaten verliert die Schreckensnachricht selbst bei den Dümmsten aller unverheirateten Männer ihre Wirkung. Und verheiratete Männer sehen nach diesem Zeitraum sicher Anlass an die dringend notwendig erscheinende Wiederaufnahme der ehelichen Pflichten zu erinnern.
Ganz anders sieht es aber mit vorgetäuschten Vaterschaften aus. Denn dabei ist das Problem nicht, wie von Frauen und auch von weiblichen Juristen gerne behauptet wird eine mögliche Gefährdung oder Zerrüttung der ehelichen oder unehelichen Lebensgemeinschaft. Es geht vielmehr um die Aufklärung eines (möglichen) Betruges, bei dem der Täterin (es sind seltsamerweise immer Frauen) ein Vetorecht zur Verhinderung eines Ermittlungsverfahrens eingeräumt werden soll.
Das wäre ja fast so, als könnte eine Frau einen Mann berauben und sich im Verdachtsfall dann erfolgreich weigern ihre Fingerabdrücke für die Ermittlungen zur Verfügung zu stellen um damit eine Aufdeckung der Straftat unmöglich zu machen.

Apropo Straftat!
Ist es nicht strafbar einen anderen Menschen einer Tat zu bezichtigen, die er nicht begangen hat?
Ist es nicht nur menschlich verwerflich einen unschuldigen Menschen lebenslang für etwas zur Rechenschaft (im finanziellen Sinne) zu ziehen, an dem er gar nicht beteiligt war?
Wäre das nicht ein Ansatz, um das Problem für alle Seiten vernünftig und für eine kultivierte Gesellschaft des 21 Jahrhunderts angemessen zu lösen?

Denn das Problem bei Kuckuckskindern ist für Männer ja nicht, dass Sie nicht den eigenen Lenden entstammen, sondern dass sie untergeschoben werden, was einen ungeheuerlichen Vertrauensbruch darstellt.
Oder was würden Sie zu einem Mann sagen, der plötzlich mit einem Baby im Arm nach Hause kommt und Ihnen mitteilt Sie wären gerade Mutter geworden?

Da würden Sie doch auch zum Wattestäbchen greifen, eine Speichelprobe einholen und amtlicherseits klären lassen wollen, warum dieser Zeugungsprozess so unbemerkt an Ihnen vorbei gehuscht ist.
Und das nicht nur weil Sie mit konkreten finanziellen Verpflichtungen konfrontiert werden, sondern aus dem Biologieunterricht auch noch wissen, dass die Möglichkeit der erfolgreichen Fremdbestäubung besteht.

Eben – na also!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten
Links zum Thema:
Spiegel: Zahlväter rüsten zum Wattestäbchenkrieg
Spiegel: Wattestäbchen auf Irrwegen
RP-Online: Zypries will Vaterschaftstest-Entwurf überarbeiten
N-TV: Streit um Kuckuckskinder

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. Januar 2005 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Kuckuckskinder

13. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Wenn Mann und/oder Frau im Biologie- oder Naturkundeunterricht aufgepasst hat, dann wird Mann oder Frau sich auch noch an die etwas unkonventionelle Art erinnern, mit der der Kuckucksvogel das Ergebnis seiner Populationsaktivitäten anderen Artgenossen zur Aufzucht ins Nest legt.
Dennoch ist die Verwendung des Namens „Kuckuckskind“ im Humanbereich nicht ganz zutreffend und fast eine Beleidigung für das gleichnamige Federtier. Denn im Gegensatz zu den Vogelzieheltern, bei denen man durchaus von einer untergeschobenen Adoption sprechen kann, wurde bei den menschlichen Ersatzeltern definitiv nur der weibliche Teil fremdbevögelt und hat sich anschließend das Ei selbst ins Nest gelegt.
Hier handelt es sich also beim gewollten oder ungewollten Ergebnis dieser Aktivitäten eindeutig um ein in Eigenarbeit erzeugtes Eigenprodukt, dessen Zeugung sich vom Geburtstermin durch mathematische Verfahren auf den Zeitraum weniger Wochen oder gar Tage zurückrechnen lässt.
Nun ist es bei der menschlichen Fortpflanzung nicht wie in der freien Natur, wo es zur Befruchtung ja teilweise genügt, dass Wind, Bienen oder Vögel den Anteil männlicher Samenspender über das Land verteilen. Daher hält sich im Volksmund, trotz unzähliger Aufklärungsversuche, auch hartnäckig der Begriff des „Vögelns“ für diese Art von Populationsmaßnahmen.
Wir sehen also, dass der Vorgang, um den es sich hier handelt äußerst kompliziert ist.
Deshalb haben sich nun auch ausgebildete Juristen dieser Problematik angenommen und sind auf eine ganz clevere Idee gekommen, die sie nun in ein Gesetz gießen wollen, welches bei Strafe verbietet, die Vaterschaft eines Kindes gegen den Willen der leiblichen Mutter feststellen zu lassen.

Dabei wird leider übersehen, dass auch Männer gerne die Gewissheit hätten, ob sie neben ihrer Rolle als Vater auch in der die Rolle des Genitors ihren Mann gestanden haben. Denn, das wissen wir doch alle, Frauen sind in der Vortäuschung falscher Tatsachen die wahren Weltmeister. Da reicht die Spanne vom vorgetäuschten Orgasmus (hab ich sogar schon im Kino gesehen), über die vorgetäuschte Schwangerschaft bis zur vorgetäuschten Vaterschaft.
Nicht dass Männer jetzt ein grundsätzliches Problem mit vorgetäuschten Orgasmen hätten, ach wo denken Sie hin.
Selbst vorgetäuschte Schwangerschaften erzielen bei Männern nur zeitlich begrenzte Wirkung. Denn nach spätestens 10 oder 11 Monaten verliert die Schreckensnachricht selbst bei den Dümmsten aller unverheirateten Männer ihre Wirkung. Und verheiratete Männer sehen nach diesem Zeitraum sicher Anlass an die dringend notwendig erscheinende Wiederaufnahme der ehelichen Pflichten zu erinnern.
Ganz anders sieht es aber mit vorgetäuschten Vaterschaften aus. Denn dabei ist das Problem nicht, wie von Frauen und auch von weiblichen Juristen gerne behauptet wird eine mögliche Gefährdung oder Zerrüttung der ehelichen oder unehelichen Lebensgemeinschaft. Es geht vielmehr um die Aufklärung eines (möglichen) Betruges, bei dem der Täterin (es sind seltsamerweise immer Frauen) ein Vetorecht zur Verhinderung eines Ermittlungsverfahrens eingeräumt werden soll.
Das wäre ja fast so, als könnte eine Frau einen Mann berauben und sich im Verdachtsfall dann erfolgreich weigern ihre Fingerabdrücke für die Ermittlungen zur Verfügung zu stellen um damit eine Aufdeckung der Straftat unmöglich zu machen.

Apropo Straftat!
Ist es nicht strafbar einen anderen Menschen einer Tat zu bezichtigen, die er nicht begangen hat?
Ist es nicht nur menschlich verwerflich einen unschuldigen Menschen lebenslang für etwas zur Rechenschaft (im finanziellen Sinne) zu ziehen, an dem er gar nicht beteiligt war?
Wäre das nicht ein Ansatz, um das Problem für alle Seiten vernünftig und für eine kultivierte Gesellschaft des 21 Jahrhunderts angemessen zu lösen?

Denn das Problem bei Kuckuckskindern ist für Männer ja nicht, dass Sie nicht den eigenen Lenden entstammen, sondern dass sie untergeschoben werden, was einen ungeheuerlichen Vertrauensbruch darstellt.
Oder was würden Sie zu einem Mann sagen, der plötzlich mit einem Baby im Arm nach Hause kommt und Ihnen mitteilt Sie wären gerade Mutter geworden?

Da würden Sie doch auch zum Wattestäbchen greifen, eine Speichelprobe einholen und amtlicherseits klären lassen wollen, warum dieser Zeugungsprozess so unbemerkt an Ihnen vorbei gehuscht ist.
Und das nicht nur weil Sie mit konkreten finanziellen Verpflichtungen konfrontiert werden, sondern aus dem Biologieunterricht auch noch wissen, dass die Möglichkeit der erfolgreichen Fremdbestäubung besteht.

Eben – na also!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten
Links zum Thema:
Spiegel: Zahlväter rüsten zum Wattestäbchenkrieg
Spiegel: Wattestäbchen auf Irrwegen
RP-Online: Zypries will Vaterschaftstest-Entwurf überarbeiten
N-TV: Streit um Kuckuckskinder

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. Januar 2005 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)