Verpasste Chance

8. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Manchmal weiß ich wirklich nicht mehr was sich Werbeleute so eigentlich denken.
Heute habe ich Post bekommen, weil sich fremde Personen um mein „Vermögen“ kümmern wollen, oder besser gesagt, wollen dass ich Anteile an ihrem Fond erwerben sollte.

Und um mir den Erfolg ihres Fonds vor Augen zu führen, haben sich die Werbemenschen etwas besonderes ausgedacht - einen Werbebrief mit einem aufgeklebten Kärtchen auf dem folgender Text gedruckt steht:

Unglaublich, aber wahr!
Hätten Sie 1954 bei Auflegung 10.000 EUR in diesen
Fonds investiert, wieviel wäre Ihr Investment heute wert?
Sie werden überrascht sein – die Antwort verbirgt sich
hinter dieser Karte…

Echt stark die Werbung, oder?
Egal welche Zahl auch immer hinter dieser Karte stehen mag um den wirtschaftlichen Erfolg des Funds zu dokumentieren – Jungs, habt ihr euch eigentlich mal überlegt wer 1957 über einen Betrag von 10.000 EUR verfügte?
Erstens gab es damals noch gar keine EURO und zweitens hat jeder Bürger dieser Republik am 20. Juni 1948 gerade mal 100 DM Bargeld bekommen. Schulden wurden im Kurs 10 Reichsmark zu 1 DM und Löhne, Mieten etc. im Kurs 1:1 umgestellt. Das neue Geldvolumen lag in den Monaten nach der Währungsreform in der Bundesrepublik Deutschland bei etwa 13 Mrd. DM (Bar- und Buchgeld)

Wenn jemand im Jahre 1954, also vor 50 Jahren soviel Geld, immerhin rund sagenhafte 20.000 DM hatte, dann besaß der eine aus damaliger Sicht gigantisches Vermögen und eine immense Kaufkraft. Sicher hätte er das Geld nicht ausgerechnet in einem Fonds angelegt,
Außerdem wäre er heute wahrscheinlich schon tot oder hätte es nicht mehr weit bis dahin, denn selbst als damals Dreißigjähriger, sofern er den Krieg überlebt hätte, wäre er heute auch schon 80 Jahre alt. Was macht man in diesem Alter noch mit viel Geld. Mitnehmen nach Drüben kann man trotz technischem Fortschritt ja immer noch nichts als die eigene Haut.
Und den Erben würde der Fiskus so ordentlich in die Tasche greifen, dass ein Großteil der Rendite draufgehen würde.

Viel besser als ein Blick in die Historie des Fonds, nach dem Motto „was wäre gewesen wenn Sie 10.000 EUR angelegt hätten“ wäre doch sicher ein Ausblick in die Zukunft des Fonds „was wird sein wenn Sie heute 10.000 EUR anlegen.“
Und das noch garantiert. Dann müsste für diesen Fonds keine Werbung gemacht werden. Oder sehe ich das falsch?

Hätten Sie am 29. November 1954 10.000 EUR in den Templeton Growth
Fund investiert, würde Sie heute über eine Anlagesumme verfügen von
2.195.960 ,- EUR
Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 11,6% in EUR.
Quelle: Franklin Templeton. Stand: 31.12.2003. Berechnungsbasis Nettoinventarwert (Ausgabeaufschlag unberücksichtigt), Ausschüttung wieder angelegt.
Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft.

Na, also –sag ich doch immer. Man(n) soll keinem Bus, keiner Frau und keiner verpassten Gelegenheit nachlaufen.
Vor 50 Jahren hatte ich noch keine 10.000 EUR und in 50 Jahren bin ich tot.
Also was mach ich jetzt mit diesem Superangebot zum Reichwerden? Ab in den Mülleimer?

Stop, was seh ich denn da? Ab einer Anlagesumme von 2.500 EUR gibt es einen Tankgutschein in Höhe von 25 EUR und bei einer Anlagesumme ab 5.000 EUR sogar einen Tankgutschein im Wert von 50 EUR.
Und das bei den heutigen Benzinpreisen! Da komm ich aber doch ins Grübeln. Da könnt ich doch glatt 40-45 Liter Sprit dafür kaufen, in der Garage einlagern und in 10 Jahren sicher mit 100% Profit verkaufen.

P.S.
Der angebotene thesaurierende Fonds gehört zur Risikoklasse 4 im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes (1=niedrig 5=hoch) und die verkaufende Bank erbringt keine Beratungsleistung.
Es gibt sicher weit schönere Möglichkeiten sein Geld anzulegen, als in einer hochriskanten Fondsanlage.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. Januar 2005 um 05:45:19 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Verpasste Chance

8. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Manchmal weiß ich wirklich nicht mehr was sich Werbeleute so eigentlich denken.
Heute habe ich Post bekommen, weil sich fremde Personen um mein „Vermögen“ kümmern wollen, oder besser gesagt, wollen dass ich Anteile an ihrem Fond erwerben sollte.

Und um mir den Erfolg ihres Fonds vor Augen zu führen, haben sich die Werbemenschen etwas besonderes ausgedacht - einen Werbebrief mit einem aufgeklebten Kärtchen auf dem folgender Text gedruckt steht:

Unglaublich, aber wahr!
Hätten Sie 1954 bei Auflegung 10.000 EUR in diesen
Fonds investiert, wieviel wäre Ihr Investment heute wert?
Sie werden überrascht sein – die Antwort verbirgt sich
hinter dieser Karte…

Echt stark die Werbung, oder?
Egal welche Zahl auch immer hinter dieser Karte stehen mag um den wirtschaftlichen Erfolg des Funds zu dokumentieren – Jungs, habt ihr euch eigentlich mal überlegt wer 1957 über einen Betrag von 10.000 EUR verfügte?
Erstens gab es damals noch gar keine EURO und zweitens hat jeder Bürger dieser Republik am 20. Juni 1948 gerade mal 100 DM Bargeld bekommen. Schulden wurden im Kurs 10 Reichsmark zu 1 DM und Löhne, Mieten etc. im Kurs 1:1 umgestellt. Das neue Geldvolumen lag in den Monaten nach der Währungsreform in der Bundesrepublik Deutschland bei etwa 13 Mrd. DM (Bar- und Buchgeld)

Wenn jemand im Jahre 1954, also vor 50 Jahren soviel Geld, immerhin rund sagenhafte 20.000 DM hatte, dann besaß der eine aus damaliger Sicht gigantisches Vermögen und eine immense Kaufkraft. Sicher hätte er das Geld nicht ausgerechnet in einem Fonds angelegt,
Außerdem wäre er heute wahrscheinlich schon tot oder hätte es nicht mehr weit bis dahin, denn selbst als damals Dreißigjähriger, sofern er den Krieg überlebt hätte, wäre er heute auch schon 80 Jahre alt. Was macht man in diesem Alter noch mit viel Geld. Mitnehmen nach Drüben kann man trotz technischem Fortschritt ja immer noch nichts als die eigene Haut.
Und den Erben würde der Fiskus so ordentlich in die Tasche greifen, dass ein Großteil der Rendite draufgehen würde.

Viel besser als ein Blick in die Historie des Fonds, nach dem Motto „was wäre gewesen wenn Sie 10.000 EUR angelegt hätten“ wäre doch sicher ein Ausblick in die Zukunft des Fonds „was wird sein wenn Sie heute 10.000 EUR anlegen.“
Und das noch garantiert. Dann müsste für diesen Fonds keine Werbung gemacht werden. Oder sehe ich das falsch?

Hätten Sie am 29. November 1954 10.000 EUR in den Templeton Growth
Fund investiert, würde Sie heute über eine Anlagesumme verfügen von
2.195.960 ,- EUR
Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 11,6% in EUR.
Quelle: Franklin Templeton. Stand: 31.12.2003. Berechnungsbasis Nettoinventarwert (Ausgabeaufschlag unberücksichtigt), Ausschüttung wieder angelegt.
Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft.

Na, also –sag ich doch immer. Man(n) soll keinem Bus, keiner Frau und keiner verpassten Gelegenheit nachlaufen.
Vor 50 Jahren hatte ich noch keine 10.000 EUR und in 50 Jahren bin ich tot.
Also was mach ich jetzt mit diesem Superangebot zum Reichwerden? Ab in den Mülleimer?

Stop, was seh ich denn da? Ab einer Anlagesumme von 2.500 EUR gibt es einen Tankgutschein in Höhe von 25 EUR und bei einer Anlagesumme ab 5.000 EUR sogar einen Tankgutschein im Wert von 50 EUR.
Und das bei den heutigen Benzinpreisen! Da komm ich aber doch ins Grübeln. Da könnt ich doch glatt 40-45 Liter Sprit dafür kaufen, in der Garage einlagern und in 10 Jahren sicher mit 100% Profit verkaufen.

P.S.
Der angebotene thesaurierende Fonds gehört zur Risikoklasse 4 im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes (1=niedrig 5=hoch) und die verkaufende Bank erbringt keine Beratungsleistung.
Es gibt sicher weit schönere Möglichkeiten sein Geld anzulegen, als in einer hochriskanten Fondsanlage.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 8. Januar 2005 um 05:45:19 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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