Kindergeld

7. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Ach du Schande!
Was gab es früher für ein Theater in der Familie wenn die Kinder Kinder bekamen. Was für eine Schande für die Familie!
Angehörige der Unterschicht versuchten das Missgeschick durch rasche Verehelichung und einen etwas größeren Brautstrauß, der die zunehmenden körperliche Veränderung der Gattin kaschieren sollte, zu legalisieren.
In den oberen Bevölkerungsschichten wurde das „Malheur“ variantenreicher gelöst und füllt in seinen diversen Ausprägungen ganze Bibliotheken voller „Herz und Schmerz“-Literatur(?).

Heut ist das Problem ein ganz anderes. Heute spielt es keine Rolle mehr wie alt die Mutter ist, Hauptsache sie wurde nicht minderjährig gegen ihren Willen geschwängert. Es spielt auch keine so große Rolle mehr, wer der Vater ist , Hauptsache es ist kein Ausländer oder gar ein Asylant. Es spielt auch keine Rolle, wenn man nicht weiß wer der Vater ist und nur den Schatten einer Ahnung hat wer es gewesen sein könnte.
Man hat auch kein Problem damit, einfach auf irgendeinen männlichen Trottel zu zeigen und ihn mit der Tatsache seiner Vaterschaft zu konfrontieren, obwohl bei dem Vereinsausflug die ganze Fußballmannschaft endlich mal gestanden hat wie ein Mann.

Nein, das alles spielt heute keine Rolle mehr. Und heiraten muss wegen einem Kind auch niemand mehr.

Aber jetzt gibt es doch ein Problem, wie ich beim Herumschmökern in der Wirtschaftswoche (WiWo), der Zeitschrift für den ahnungslosen Unternehmer und Kapitalanleger, erfahren musste.
Unter dem Titel „Wenn die Tochter schwanger wird“ wird berichtet, dass der Bundesfinanzhof sich mit dem Kindergeldanspruch Kinder bekommender Kinder beschäftigt hat und unter dem Aktenzeichen (VIII R 23/02) seine weise Entscheidung unter das Volk bringt.

Für Kinder in Ausbildung, die noch nicht 27 Jahre alt sind, zahlt der Staat Kindergeld.
«Das ändert sich aber, wenn die Tochter selbst Mutter wird und sich deshalb eine Pause gönnt. Lässt sie sich wegen ihres Babys beurlauben, kappt der Staat gleichzeitig den Zuschuss für diese Zeit. Das gilt selbst dann, wenn eine Studentin zwar offiziell beurlaubt ist, aber während der Zeit freiwillig weiter Vorlesungen besucht. Nur in den Wochen unmittelbar vor und nach der Geburt (Mutterschutz) fließt das Kindergeld weiter.»

Das ist eine sehr weise Entscheidung des Gerichts finde ich.
Denn es ist sicher jedem Bürger der sich am staatlichen Vermögen bereichern möchte zuzumuten, das Ausbleiben der monatlichen Regelblutung seiner Tochter an die Kindergeldstelle der zuständigen Bundesagentur für Arbeit zu melden, damit diese die Auszahlung des Kindergeldes bis wenige Wochen vor der Geburt erst mal einstellt, auch wenn die Tochter mit ihrem dicken Bauch weiter die Vorlesungen an der Uni besucht, um den paarungswilligen Studenten zu zeigen, welche Formen durch ungehemmte Populationsfreudigkeit entstehen können.
Nicht ganz verstanden habe ich aber die Frist für die erneute Antragstellung auf Gewährung von Kindergeld in „den Wochen unmittelbar vor und nach der Geburt (Mutterschutz)“.

  1. Kann es hier nicht durch gezielte Manipulation des Geburtstermins (Früh- oder Spätgeburt) zur Erschleichung staatlicher Hilfe kommen?
  2. Führt diese Regelung nicht zu einem erhöhtem Verwaltungsaufwand in den Kindergeldstellen der eh schon stark überlasteten Bundesagentur für Arbeit?
  3. Muss im Falle einer Fehlgeburt das bereits erhaltene Kindergeld wieder zurückgezahlt werden?
  4. Wie stellt die Bundesagentur für Arbeit sicher, dass Kinder adoptierende Kinder nicht gegenüber selbstgebärenden Kinder benachteiligt werden?
  5. Ist durch den Gesetzgeber sichergestellt, dass Vater werdende Kinder und Mutter werdende Kinder gleich behandelt werden und eine Diskriminierung männlicher Bevölkerungsgruppen verhindert wird?
  6. Sind in der Gesetzgebung zur Kindergeldzahlung die Bewertungskriterien berücksichtigt, mit denen in der Wirtschaft die Bewertung von unfertigen Erzeugnissen (Work in Process) nach steuerlichen Gesichtspunkten vorgenommen werden muss?
  7. Hält der Gesetzgeber es für vertretbar, dass nach der Geburt bis zum Ende des Mutterschutzes ein Anspruch auf Kindergeld sowohl für das neugeborene Kind als auch für die Kindsmutter besteht?

Jetzt glauben Sie sicher, dass ich Sie mal wieder vereimern will und die Sache mit dem Kindergeld wäre gar nicht so kompliziert.
Glauben Sie!
Ich aber weiß!
Und Sie vergessen dabei, dass wir in DEUTSCHLAND leben und “von der Wiege bis zur Bahre, braucht der Deutsche Formulare.”

Stellen Sie sich mal vor Sie hätten eine Tochter. Volljährig aber noch jünger als 27 Jahre. Die Tochter studiert und Sie beantragen bei der Kindergeldstelle der Bundesagentur für Arbeit (kann mir eigentlich mal jemand erklären, was das Kindergeld mit Arbeitslosigkeit zu tun hat und warum die BA dafür zuständig ist?) Kindergeld für Ihre Tochter.
Damit die Tochter nach dem Studium nicht ganz mittellos da steht und so als Grundstock für den späteren Hausstand schenken Sie ihr ein paar Aktien.

Sie glauben, das hat nichts miteinander zu tun.
Sehen Sie glauben schon wieder!
Ich aber weiß!
Denn auch mit diesem Fall hat sich auch ein deutsches Gericht beschäftigt. Das steht auch in der WiWo. Diesmal war es aber das Finanzgericht Münster.
Doch lesen Sie selbst:
«Erfolgreiche Jungbörsianer können für ihre Eltern ein teures Vergnügen sein: Nimmt ein volljähriger Nachwuchsaktionär im Jahr mehr als 7680 Euro ein, geht das Kindergeld flöten.
Das Finanzamt schmeißt in den Einnahmentopf neben Lohn aus Job oder Ausbildung auch Gewinne aus Aktienverkäufen innerhalb eines Jahres nach Kauf. Von der Summe dürfen Werbungskosten abgezogen werden, nicht aber gezahlte Steuern oder Sonderausgaben. Drücken könnte die vom Amt errechnete Summe aber ein Steuerkniff für Aktionäre: Laut Gesetz dürfen Verluste aus Aktienverkäufen, die innerhalb Jahresfrist nach Kauf angefallen sind, von Gewinnen abgezogen werden. Das Finanzgericht Münster entschied jetzt: Das gelte sowohl für einen Verlust aus dem gleichen Jahr als auch für ein Minus aus dem Vorjahr oder den Folgejahren (7 K 3336/03). Im Urteilsfall hatte ein Jugendlicher mit seinen Aktiengeschäften 1999 den Grenzbetrag überschritten. Das Finanzamt verlangte von den Eltern Rückzahlung des Kindergelds. Im Folgejahr machte der Aktienfan dann aber Verluste, die er von den Gewinnen aus dem Vorjahr abziehen wollte. Damit lag er wieder unter der Kindergeldgrenze, seine Eltern forderten vom Finanzamt die Wiederauszahlung des Kindergelds für 1999. Als sich die Beamten weigerten, zogen die Eltern vor das Gericht – und bekamen Recht.
Abgehandelt ist der Fall damit nicht. Das Finanzamt legte Revision beim Bundesfinanzhof ein (VIII R 64/04). Eltern, denen das Finanzamt ebenfalls wegen Börsengewinnen ihrer Kinder den staatlichen Zuschuss gekappt hat, können sich an dieses Verfahren mit einem Einspruch anhängen. Entscheidet der Bundesfinanzhof für die Eltern, profitieren sie von dem Urteil.»

Und jetzt gebe ich Ihnen noch einen guten kostenlosen Rat:
„Wenn Sie das nächste mal vom Verlangen auf das andere Geschlecht erfasst werden, dann …denken Sie an die Artikel in der Wirtschaftswoche und verkaufen Sie vorher Ihre Aktien“

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. Januar 2005 um 05:45:24 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Kindergeld

7. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Ach du Schande!
Was gab es früher für ein Theater in der Familie wenn die Kinder Kinder bekamen. Was für eine Schande für die Familie!
Angehörige der Unterschicht versuchten das Missgeschick durch rasche Verehelichung und einen etwas größeren Brautstrauß, der die zunehmenden körperliche Veränderung der Gattin kaschieren sollte, zu legalisieren.
In den oberen Bevölkerungsschichten wurde das „Malheur“ variantenreicher gelöst und füllt in seinen diversen Ausprägungen ganze Bibliotheken voller „Herz und Schmerz“-Literatur(?).

Heut ist das Problem ein ganz anderes. Heute spielt es keine Rolle mehr wie alt die Mutter ist, Hauptsache sie wurde nicht minderjährig gegen ihren Willen geschwängert. Es spielt auch keine so große Rolle mehr, wer der Vater ist , Hauptsache es ist kein Ausländer oder gar ein Asylant. Es spielt auch keine Rolle, wenn man nicht weiß wer der Vater ist und nur den Schatten einer Ahnung hat wer es gewesen sein könnte.
Man hat auch kein Problem damit, einfach auf irgendeinen männlichen Trottel zu zeigen und ihn mit der Tatsache seiner Vaterschaft zu konfrontieren, obwohl bei dem Vereinsausflug die ganze Fußballmannschaft endlich mal gestanden hat wie ein Mann.

Nein, das alles spielt heute keine Rolle mehr. Und heiraten muss wegen einem Kind auch niemand mehr.

Aber jetzt gibt es doch ein Problem, wie ich beim Herumschmökern in der Wirtschaftswoche (WiWo), der Zeitschrift für den ahnungslosen Unternehmer und Kapitalanleger, erfahren musste.
Unter dem Titel „Wenn die Tochter schwanger wird“ wird berichtet, dass der Bundesfinanzhof sich mit dem Kindergeldanspruch Kinder bekommender Kinder beschäftigt hat und unter dem Aktenzeichen (VIII R 23/02) seine weise Entscheidung unter das Volk bringt.

Für Kinder in Ausbildung, die noch nicht 27 Jahre alt sind, zahlt der Staat Kindergeld.
«Das ändert sich aber, wenn die Tochter selbst Mutter wird und sich deshalb eine Pause gönnt. Lässt sie sich wegen ihres Babys beurlauben, kappt der Staat gleichzeitig den Zuschuss für diese Zeit. Das gilt selbst dann, wenn eine Studentin zwar offiziell beurlaubt ist, aber während der Zeit freiwillig weiter Vorlesungen besucht. Nur in den Wochen unmittelbar vor und nach der Geburt (Mutterschutz) fließt das Kindergeld weiter.»

Das ist eine sehr weise Entscheidung des Gerichts finde ich.
Denn es ist sicher jedem Bürger der sich am staatlichen Vermögen bereichern möchte zuzumuten, das Ausbleiben der monatlichen Regelblutung seiner Tochter an die Kindergeldstelle der zuständigen Bundesagentur für Arbeit zu melden, damit diese die Auszahlung des Kindergeldes bis wenige Wochen vor der Geburt erst mal einstellt, auch wenn die Tochter mit ihrem dicken Bauch weiter die Vorlesungen an der Uni besucht, um den paarungswilligen Studenten zu zeigen, welche Formen durch ungehemmte Populationsfreudigkeit entstehen können.
Nicht ganz verstanden habe ich aber die Frist für die erneute Antragstellung auf Gewährung von Kindergeld in „den Wochen unmittelbar vor und nach der Geburt (Mutterschutz)“.

  1. Kann es hier nicht durch gezielte Manipulation des Geburtstermins (Früh- oder Spätgeburt) zur Erschleichung staatlicher Hilfe kommen?
  2. Führt diese Regelung nicht zu einem erhöhtem Verwaltungsaufwand in den Kindergeldstellen der eh schon stark überlasteten Bundesagentur für Arbeit?
  3. Muss im Falle einer Fehlgeburt das bereits erhaltene Kindergeld wieder zurückgezahlt werden?
  4. Wie stellt die Bundesagentur für Arbeit sicher, dass Kinder adoptierende Kinder nicht gegenüber selbstgebärenden Kinder benachteiligt werden?
  5. Ist durch den Gesetzgeber sichergestellt, dass Vater werdende Kinder und Mutter werdende Kinder gleich behandelt werden und eine Diskriminierung männlicher Bevölkerungsgruppen verhindert wird?
  6. Sind in der Gesetzgebung zur Kindergeldzahlung die Bewertungskriterien berücksichtigt, mit denen in der Wirtschaft die Bewertung von unfertigen Erzeugnissen (Work in Process) nach steuerlichen Gesichtspunkten vorgenommen werden muss?
  7. Hält der Gesetzgeber es für vertretbar, dass nach der Geburt bis zum Ende des Mutterschutzes ein Anspruch auf Kindergeld sowohl für das neugeborene Kind als auch für die Kindsmutter besteht?

Jetzt glauben Sie sicher, dass ich Sie mal wieder vereimern will und die Sache mit dem Kindergeld wäre gar nicht so kompliziert.
Glauben Sie!
Ich aber weiß!
Und Sie vergessen dabei, dass wir in DEUTSCHLAND leben und “von der Wiege bis zur Bahre, braucht der Deutsche Formulare.”

Stellen Sie sich mal vor Sie hätten eine Tochter. Volljährig aber noch jünger als 27 Jahre. Die Tochter studiert und Sie beantragen bei der Kindergeldstelle der Bundesagentur für Arbeit (kann mir eigentlich mal jemand erklären, was das Kindergeld mit Arbeitslosigkeit zu tun hat und warum die BA dafür zuständig ist?) Kindergeld für Ihre Tochter.
Damit die Tochter nach dem Studium nicht ganz mittellos da steht und so als Grundstock für den späteren Hausstand schenken Sie ihr ein paar Aktien.

Sie glauben, das hat nichts miteinander zu tun.
Sehen Sie glauben schon wieder!
Ich aber weiß!
Denn auch mit diesem Fall hat sich auch ein deutsches Gericht beschäftigt. Das steht auch in der WiWo. Diesmal war es aber das Finanzgericht Münster.
Doch lesen Sie selbst:
«Erfolgreiche Jungbörsianer können für ihre Eltern ein teures Vergnügen sein: Nimmt ein volljähriger Nachwuchsaktionär im Jahr mehr als 7680 Euro ein, geht das Kindergeld flöten.
Das Finanzamt schmeißt in den Einnahmentopf neben Lohn aus Job oder Ausbildung auch Gewinne aus Aktienverkäufen innerhalb eines Jahres nach Kauf. Von der Summe dürfen Werbungskosten abgezogen werden, nicht aber gezahlte Steuern oder Sonderausgaben. Drücken könnte die vom Amt errechnete Summe aber ein Steuerkniff für Aktionäre: Laut Gesetz dürfen Verluste aus Aktienverkäufen, die innerhalb Jahresfrist nach Kauf angefallen sind, von Gewinnen abgezogen werden. Das Finanzgericht Münster entschied jetzt: Das gelte sowohl für einen Verlust aus dem gleichen Jahr als auch für ein Minus aus dem Vorjahr oder den Folgejahren (7 K 3336/03). Im Urteilsfall hatte ein Jugendlicher mit seinen Aktiengeschäften 1999 den Grenzbetrag überschritten. Das Finanzamt verlangte von den Eltern Rückzahlung des Kindergelds. Im Folgejahr machte der Aktienfan dann aber Verluste, die er von den Gewinnen aus dem Vorjahr abziehen wollte. Damit lag er wieder unter der Kindergeldgrenze, seine Eltern forderten vom Finanzamt die Wiederauszahlung des Kindergelds für 1999. Als sich die Beamten weigerten, zogen die Eltern vor das Gericht – und bekamen Recht.
Abgehandelt ist der Fall damit nicht. Das Finanzamt legte Revision beim Bundesfinanzhof ein (VIII R 64/04). Eltern, denen das Finanzamt ebenfalls wegen Börsengewinnen ihrer Kinder den staatlichen Zuschuss gekappt hat, können sich an dieses Verfahren mit einem Einspruch anhängen. Entscheidet der Bundesfinanzhof für die Eltern, profitieren sie von dem Urteil.»

Und jetzt gebe ich Ihnen noch einen guten kostenlosen Rat:
„Wenn Sie das nächste mal vom Verlangen auf das andere Geschlecht erfasst werden, dann …denken Sie an die Artikel in der Wirtschaftswoche und verkaufen Sie vorher Ihre Aktien“

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. Januar 2005 um 05:45:24 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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