Privatvorsorge

6. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Nichts ist unmöglich!
Dass dieser Werbespruch von Toyota, der die Variantenvielfalt der angebotenen Produktpalette und die Leistungsfähigkeit des Unternehmens hervorheben soll, nicht nur in der Automobilindustrie seine Gültigkeit hat, sondern auch in anderen Wirtschaftszweigen, konnte ich dieser Tage durch eine Pressemeldung im rws-verlag feststellen.

Da hat doch ein deutscher Staatsbürger namens Paul, mit permanenten Aufenthalt in Deutschland, vor Jahren geglaubt etwas Einkommen am deutschen Fiskus vorbeischummeln zu müssen, um später sein Auskommen zu haben. Er hat wohl die Forderung unseres Staates nach mehr Eigenvorsorge für das Alter etwas zu wörtlich genommen. Denn natürlich ist diese Eigenvorsorge aus dem Einkommen zu bestreiten, das dem Steuerpflichtigen verbleibt nachdem der Fiskus seinen Anteil abgegriffen hat.
Also, der Paul hatte da einen Kumpel namens Herbert mit Wohnsitz in Liechtenstein und dem hat er dann einen größeren zweistelligen Millionenbetrag zur Altersvorsorge zukommen lassen. An sich noch nichts Weltbewegendes, wenn der Paul dabei nicht vergessen hätte dem deutschen Finanzamt seinen Anteil zu überlassen. Dieses „Vergessen“ nennen die Behörden „Steuerhinterziehung“ und verstehen da im Allgemeinen und Besonderen keinen Spaß.
Herbert hatte bei dem Vorgang kein Problem, denn in Liechtenstein ist die Verwaltung fremden Geldes nicht strafbar, sondern ein ordentliches und angesehenes Gewerbe, von dem in dem kleinen Ländchen viele Arbeitsplätze abhängig sind.
Hier könnte jetzt diese Geschichte zu Ende sein und alle würde auch heute noch glücklich und zufrieden leben, wenn sie nicht in der Zwischenzeit gestorben sind.
So in etwa hören ja alle Märchen auf.

Dieses Märchen hört anders auf, beziehungsweise ist noch gar nicht zu Ende.
Denn im Jahre anno 1996 kam das bestens gehütete Geheimnis der Paul’schen Altersicherung ans Tageslicht. Nicht Paul hat es in einem Anfall von Reue verraten, auch nicht Herbert, sondern zwei seiner Angestellten, die ihrem Arbeitgeber wohl damit etwas heimzahlen wollten.
So gelangte die Information über Pauls illegale Altersvorsorge über das Magazin „Der Spiegel“ in die deutsche Öffentlichkeit und schließlich auch zu den deutschen Steuerbehörden.
Es kam wie es kommen musste; Paul wurde zur Kasse gebeten und musste ca. 17 Millionen Schweizer Franken fällige Steuern an die deutschen Finanzbehörden nachbezahlen. Außerdem wurde er zu einer Haftstrafe von 11 Monaten verurteilt, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Eigentlich könnte man jetzt denken, dass die Geschichte damit zu Ende ist.
Paul hatte versucht, den Fiskus zu übervorteilen, war dabei erwischt worden und musste die fälligen Steuern nachzahlen.
Geschieht jeden Tag irgendwo in diesem unseren Lande, sind wir doch alle –aus Sicht unserer Steuerbehörden und der Gesetzgebung- notorische Steuerbetrüger.

Doch diese Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn Paul wollte das Geld, das er als Steuern an das deutsche Finanzamt bezahlen musste und den Schaden den er durch sein rechtswidriges Verhalten in Deutschland erlitten hatte, von seinem Freund Herbert aus Liechtenstein wieder haben.
Der lehnte das ab, denn schließlich war das Geld das Herbert für Paul verwalten sollte, ja noch alles da. Herbert war zwar für die Verwaltung des Geldes verantwortlich, aber nicht dafür, dass Paul die in Deutschland fälligen Steuern bezahlt und sah daher keinen Grund dies für seinen Freund Paul zu übernehmen.
Das wäre ja fast so, wie wenn ein Dieb seine Beute einem Freund zu Aufbewahrung anvertraut, von diesem verpfiffen und dann zu einer Geldstrafe verurteilt wird, sich diese dann von seinem Freund, der immer noch den Schmuck verwahrt, bezahlen lassen will.

Aber man sollte die Rechnung nicht ohne clevere Rechtsanwälte machen, denn „nichts ist unmöglich“.
Ich glaub mich tritt ein Pferd!

Aber eine Frage macht mich ganz rossig:
„Muss der Paul das Geld, das er vom liechtensteiner Herbert bekommen wird, jetzt in Deutschland versteuern, oder kann er das gleich zur Privatvorsorge in Liechtenstein, bei einem Verwalter seines Vertrauens lassen?“.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

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Privatvorsorge

6. Januar 2005 05:45

Mein lieber Freund!

Nichts ist unmöglich!
Dass dieser Werbespruch von Toyota, der die Variantenvielfalt der angebotenen Produktpalette und die Leistungsfähigkeit des Unternehmens hervorheben soll, nicht nur in der Automobilindustrie seine Gültigkeit hat, sondern auch in anderen Wirtschaftszweigen, konnte ich dieser Tage durch eine Pressemeldung im rws-verlag feststellen.

Da hat doch ein deutscher Staatsbürger namens Paul, mit permanenten Aufenthalt in Deutschland, vor Jahren geglaubt etwas Einkommen am deutschen Fiskus vorbeischummeln zu müssen, um später sein Auskommen zu haben. Er hat wohl die Forderung unseres Staates nach mehr Eigenvorsorge für das Alter etwas zu wörtlich genommen. Denn natürlich ist diese Eigenvorsorge aus dem Einkommen zu bestreiten, das dem Steuerpflichtigen verbleibt nachdem der Fiskus seinen Anteil abgegriffen hat.
Also, der Paul hatte da einen Kumpel namens Herbert mit Wohnsitz in Liechtenstein und dem hat er dann einen größeren zweistelligen Millionenbetrag zur Altersvorsorge zukommen lassen. An sich noch nichts Weltbewegendes, wenn der Paul dabei nicht vergessen hätte dem deutschen Finanzamt seinen Anteil zu überlassen. Dieses „Vergessen“ nennen die Behörden „Steuerhinterziehung“ und verstehen da im Allgemeinen und Besonderen keinen Spaß.
Herbert hatte bei dem Vorgang kein Problem, denn in Liechtenstein ist die Verwaltung fremden Geldes nicht strafbar, sondern ein ordentliches und angesehenes Gewerbe, von dem in dem kleinen Ländchen viele Arbeitsplätze abhängig sind.
Hier könnte jetzt diese Geschichte zu Ende sein und alle würde auch heute noch glücklich und zufrieden leben, wenn sie nicht in der Zwischenzeit gestorben sind.
So in etwa hören ja alle Märchen auf.

Dieses Märchen hört anders auf, beziehungsweise ist noch gar nicht zu Ende.
Denn im Jahre anno 1996 kam das bestens gehütete Geheimnis der Paul’schen Altersicherung ans Tageslicht. Nicht Paul hat es in einem Anfall von Reue verraten, auch nicht Herbert, sondern zwei seiner Angestellten, die ihrem Arbeitgeber wohl damit etwas heimzahlen wollten.
So gelangte die Information über Pauls illegale Altersvorsorge über das Magazin „Der Spiegel“ in die deutsche Öffentlichkeit und schließlich auch zu den deutschen Steuerbehörden.
Es kam wie es kommen musste; Paul wurde zur Kasse gebeten und musste ca. 17 Millionen Schweizer Franken fällige Steuern an die deutschen Finanzbehörden nachbezahlen. Außerdem wurde er zu einer Haftstrafe von 11 Monaten verurteilt, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Eigentlich könnte man jetzt denken, dass die Geschichte damit zu Ende ist.
Paul hatte versucht, den Fiskus zu übervorteilen, war dabei erwischt worden und musste die fälligen Steuern nachzahlen.
Geschieht jeden Tag irgendwo in diesem unseren Lande, sind wir doch alle –aus Sicht unserer Steuerbehörden und der Gesetzgebung- notorische Steuerbetrüger.

Doch diese Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn Paul wollte das Geld, das er als Steuern an das deutsche Finanzamt bezahlen musste und den Schaden den er durch sein rechtswidriges Verhalten in Deutschland erlitten hatte, von seinem Freund Herbert aus Liechtenstein wieder haben.
Der lehnte das ab, denn schließlich war das Geld das Herbert für Paul verwalten sollte, ja noch alles da. Herbert war zwar für die Verwaltung des Geldes verantwortlich, aber nicht dafür, dass Paul die in Deutschland fälligen Steuern bezahlt und sah daher keinen Grund dies für seinen Freund Paul zu übernehmen.
Das wäre ja fast so, wie wenn ein Dieb seine Beute einem Freund zu Aufbewahrung anvertraut, von diesem verpfiffen und dann zu einer Geldstrafe verurteilt wird, sich diese dann von seinem Freund, der immer noch den Schmuck verwahrt, bezahlen lassen will.

Aber man sollte die Rechnung nicht ohne clevere Rechtsanwälte machen, denn „nichts ist unmöglich“.
Ich glaub mich tritt ein Pferd!

Aber eine Frage macht mich ganz rossig:
„Muss der Paul das Geld, das er vom liechtensteiner Herbert bekommen wird, jetzt in Deutschland versteuern, oder kann er das gleich zur Privatvorsorge in Liechtenstein, bei einem Verwalter seines Vertrauens lassen?“.

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