Neujahrsansprache 2004

31. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Der Jahreswechsel ist meist der richtige Zeitpunkt um kritisch über das Geschehene zu schauen und, was bleibt weiter übrig, mit zusammengekniffenen Augen in die Zukunft zu blicken.
Unser Bundeskanzler wird sicher heute Abend in seiner Neujahransprache das Wort „vertrauensvoll“ und „Zukunft“ mehrfach verwenden. Und natürlich wird er wieder, wie jedes Jahr, über die rechtzeitig eingetretene Naturkatastrophe in Asien reden, um nicht über die von ihm selbst mit erzeugte Katastrophe im Inland reden zu müssen.

War ich vor einigen Wochen bei den Reizthemen der Nation noch in der Lage, die Schieflage der Republik und den Dummfug einiger ihrer Insassen mit Ironie und Sarkasmus zu beschreiben, so ist mir diese Fähigkeit und die dazu notwendige Toleranz dazu zwischenzeitlich abhanden gekommen.

Zuviel ist in den letzten Tagen dieses Jahres noch geschehen, als dass ich diese seichten oberlehrerhaften gebetsmühlenartig vorgetragenen Sprüche und die nunmehr teilweise geheuchelte Reue diverser Damen und Herren aus Politik und Wirtschaft, deren Namen ich hier wegen dem limitierten Platzangebot eines Weblogs nicht aufzählen kann, noch ertragen könnte. Denken Sie sich einfach einige Kandidaten für eine solche Liste aus und ich bin mir sicher, wir hätten erhebliche Mehrfachnennungen.

Man muss dazu nicht immer gleich in die hohe Politik schauen, wo sich Berufspolitiker, Funktionäre und Lobbyisten in einem System aus Korruption, Schwarzgeld, Bestechung und Vetternwirtschaft trefflich eingerichtet haben.

Ein Blick in die Wirtschaft, ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick auf die Macher, ihre Netzwerke, ein Blick auf die gut bezahlten Legionäre des Kapitals, die sich Geschäftsführer, Vorstand und Aufsichtsrat nennen, aber funktionieren wie Berufskiller, Auftragsmörder und Kriminelle. Menschen ohne eigenes finanzielles Risiko, unbeteiligt an der Sache, die nach Erledigung ihres Auftrags mit ihrem Blutlohn das Weite suchen und sich wie Geier um den nächsten Auftrag des Kapitals schlagen.

Unterstützt wird dies von einem Heer gefügiger Vasallen in Ministerien, Behörden, Ämtern, Verbänden und Parteien, die dabei den eigenen Vorteil nicht aus dem Auge verlieren. Sie haben sich in jahrzehntelanger Kleinarbeit ein undurchdringliches Gestrüpp aus Regelwerken und Vorschriften geschaffen, das sie administrieren und gegen jeden Eindringling hartnäckig verteidigen. In diesem Gestrüpp bleibt jeder hängen, der keine Helfer hat, jeder der sich keine Lobby leisten kann oder aus Überzeugung nicht leisten will. Und jeder der in diesem Lande leben muss oder noch so dumm ist es zu wollen.

Fast vernachlässigen darf man in diesem System die kleinen Gauner, Betrüger und Blutsauger, die mit immer wieder neuen Tricks auf der Jagd nach der schnellen Geld und dem eigenen Vorteil sind.
Der einzige Unterschied zu den großen Gaunern ist nur die Dimension der Tat.
Warum lügen, wenn man sich nur der Medien bemächtigen muss.
Warum bestechen, wenn man ganz legal Subventionen verteilen und annehmen kann.
Warum korrupt werden, wenn man sich für „Beratung“ entlohnen lassen kann?
Warum betrügen, wenn man die Preise bestimmen kann?
Warum rauben, wenn man nur die Gesetze ändern muss?
Warum stehlen, wenn man legal enteignen kann?
Warum erpressen, wenn man Steuern erheben kann?
Warum eine Bank ausrauben, wenn man eine hat?
Warum eine Rentnerin abzocken, wenn man alle abzocken kann?
Warum einen Arbeitnehmer kündigen, wenn man mit der ganzen Fabrik umziehen kann.

Nur noch Brechreiz löst das alles bei Otto Normalverbraucher aus und er wendet sich angewidert ab.
Hören Sie die Gespräche Ihrer Mitbürger?
Hören Sie worüber gesprochen wird? Es dauert meist keine zwei Minuten, dann ist man beim Thema Nummer eins. Nein, nicht Sex und auch nicht das Wetter. Das war mal! Das war noch im letzten Jahrhundert.
Da werden die Köpfe zusammengesteckt, als würde man einen schmutzigen Witz erzählen. Dann noch rasch ein Blick rechts und links über die Schulter und dann geht es los.
Dann hören Sie Volkes Meinung zur Lage der Nation, zu Parteien, zu speziellen Politikern, zur Arbeitslosigkeit, zur Wirtschaft und auch zur Problematik der Ausländern.
Und sehr häufig hören Sie als letztes Wort: „DIE SIND DOCH ALLE GLEICH! DAS IST DOCH EIN EINZIGES LUMPENPACK!“

DA SOLLTEN DIE GEWÄHLTEN VERTRETER DES VOLKES MAL ZUHÖREN.
DA SOLLTEN DIE WIRTSCHAFTSBOSSE MAL ZUHÖREN.

Da ist nur noch Hohn und Spott und abgrundtiefe Verachtung für das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System dieser Republik.
Und vielleicht begreifen dann endlich noch ein paar Menschen, was sich da zusammenbraut!

Warum mir das ausgerechnet zum Jahreswechsel einfällt?
Ganz einfach, weil es in meiner Familie seit Jahren Tradition ist, sich zum Jahreswechsel für das neue Jahr etwas vorzunehmen und es in den nächsten 365 Tagen dann auch erfolgreich umzusetzen.
Was das ist, kann ich Ihnen leider nicht sagen, denn sonst können die Vorsätze nicht gelingen und die Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Aber wenn Sie sich auch einen guten Vorsatz für das Jahr 2005 ausdenken – dann treffen wir uns sicher in Berlin.

Vor Jahren hat mich mal ein „lieber Freund“ gefragt, was ich tun würde, wenn mir mein Arzt mitteilen würde, dass ich unheilbar erkrankt wäre und nur noch kurze Zeit zu leben hätte.
Spontan wollte ich damals antworten: „Einen Colt kaufen, nach Seattle fliegen und Bill Gates erschießen.“
Vor einigen Jahren hat sich dieser letzte Wunsch dann präzisiert und es ist „ein Flugzeug chartern und mich damit auf’s Weiße Haus zu stürzen“ daraus geworden.
Heute müsste ich zur Durchführung dieser letzten Tat und um das „Land von den Tyrannen zu befreien“ nicht mal mehr nach Amerika fliegen. So klein ist die Welt geworden.

Heute Abend wird mir der Rechtsverdreher aus Hannover mal wieder seine Sicht der Dinge zur Lage der Nation und sein übliches Wort zum Sonntag erzählen.
Getreu nach dem Motto: „Was interessiert mich mein Geschwätz von vor ein paar Tagen. Lassen Sie uns doch gemeinsam weiter vertrauensvoll in die Zukunft schauen.“

Was wird er noch erzählen?
«Was will uns der Kanzler der Arbeitslosigkeit, der Kanzler der leeren Kassen und der drückenden Schulden, der Kanzler der ungerechten Verteilung, jener, der die soziale Marktwirtschaft zerrissen und das Soziale verdrängt hat (*)» in der Sylvesternacht zum Jahr 2005 diesmal wieder weismachen?
Um die Erfolge der Regierung Schröder allen Zuhörern vor Augen zu führen, wäre es wohl das Beste, der Bundesgerd würde einfach aus seiner Rede zum außerordentlicher Parteitag der SPD am 17. April 1998 in Leipzig vorlesen, als er noch als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen gegen die Regierung Kohl gewettert hat:
«Ich habe an das Regierungshandeln der Zukunft einen ganz besonderen Vorbehalt - einen Vorbehalt, an dem ich mich messen lassen möchte und messen lassen werde, an dem wir uns im übrigen alle werden messen lassen müssen. Ich nenne ihn den “Beschäftigungsvorbehalt”. Meine Prüffrage - anders ausgedrückt - ist die Frage nach der Beschäftigungswirksamkeit aller Politik. Auf diesen Vorbehalt möchte ich, liebe Genossinnen und Genossen, fünf Grundsätze beziehen, fünf Grundsätze, die unsere Politik bestimmen werden.
Wir werden jede Maßnahme und jedes Instrument unserer Politik auf den Prüfstand stellen, ob es vorhandene Arbeit sichert oder neue Arbeit schafft. Politik kann - das wissen wir - und soll dem Ziel dienen, zu mehr Eigenverantwortung und Initiative zu befähigen. Die Menschen - das ist unsere Auffassung - wollen den Staat nicht vor der Nase haben. Nein, sie wollen ihn an ihrer Seite wissen. Bürokratischen Übermut und obrigkeitsstaatliches Denken haben sie satt - und wir auch.
Hier gilt es in Deutschland wieder anzusetzen: beim Leistungswillen und bei der schöpferischen Kraft unserer Menschen. Die muß der Staat ermutigen, die darf er nicht behindern.
Aber eines wissen wir auch, liebe Genossinnen und Genossen: Politik ist keine Glücksverheißung. Unser privates Glück - das werdet ihr vielleicht gerade mir glauben - müssen wir schon selber in die Hand nehmen.
Aber daß falsche Politik die Menschen ins Unglück treiben kann, das haben wir in den letzten Jahren zur Genüge erlebt.
Liebe Freundinnen, liebe Freunde, nie seit den Gründungsjahren der sozialen Marktwirtschaft war die deutsche Arbeitsgesellschaft so zerrissen wie heute: gespalten in Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslose, gespalten in die, die Überstunden kloppen, und die, die auf ungesicherte Gelegenheitsjobs angewiesen sind, vor allen Dingen aber gespalten zwischen denen, die sich ökonomisch sicher fühlen, weil ihre Arbeitsplätze ungefährdet sind und denen, die Angst um die eigene materielle Zukunft und die ihrer Familien haben.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Empfänger von Sozialhilfe um 700 000 gestiegen, liebe Genossinnen und Genossen - auch ein Ergebnis Kohlscher Politik in Bonn.
Noch nie in der Nachkriegsgeschichte gab es in Deutschland so viele Langzeitarbeitslose: Es sind über 1,6 Millionen. Alles in allem fehlen in diesem Land 7,6 Millionen wettbewerbsfähige Arbeitsplätze. Die Kosten der Arbeitslosigkeit belaufen sich dieses Jahr auf 180 Milliarden DM. Ist es da nicht hundertmal sinnvoller, endlich ranzugehen und Arbeit anstatt Arbeitslosigkeit zu finanzieren?»

Diesen Text kann man nicht mehr kommentieren. Das schaffe selbst ich nicht mehr.
Aber Sie sehen, dass die Tradition sich gute Vorsätze zu fassen auch in der Familie Schröder gepflegt wird.
Wenn Sie sich noch dieses Jahr erbrechen wollen, dann empfehle ich Ihnen, diese Rede ganz zu lesen.
Die Neujahrsansprachen von Gerhardt Schröder aus den vergangenen Jahren finden Sie im Internet unter www.bundeskanzler.de

Aber vielleicht geht es Ihnen wie mir und der der Bundesgerd kann in der Neujahrsnacht erzählen was er will, es interessiert niemand mehr.
Zu oft hat er gelogen, zu oft hat er getäuscht, zu oft gesagt und nicht getan!
Zu oft war es ihm recht, dass man ihn wohl falsch verstanden hat!

Er und seine Genossen können sich auf den Kopf stellen und dazu auch noch Grimassen schneiden. Sie können mit Engelszungen reden, Andersdenkende beschimpfen und als uneinsichtig, unbelehrbar bezeichnen und störrisch nennen, aber sicher werden viele Bürger dieser Republik nicht mit ihnen in ihre Zukunft fahren wollen.

NICHT MIT EINEM SCHIFF, DAS TITANIC HEISST!
Da bauen wir doch lieber mit guten Freunden an der ARCHE NOAH !!
Denn die Flut kommt.
Nach einer solchen Ebbe kommt immer eine Flut!

Welche Katastrophe darf es denn als nächstes sein“ habe ich vor einem Jahr geschrieben.
Ich konnte nicht wissen, dass die damals aufgezählten Ereignisse mit der Flutwelle in Asien einen weiteren traurigen Rekord erfahren würden.
Ein Prognose für das nächste Regierungsjahr von Rot-Grün in 2005 wage ich daher lieber nicht.

Statt dessen werde ich mich bis zum Beginn der Neujahrsansprache des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, im Kreise meiner Bedarfsgemeinschaft durch kollektives Kampftrinken und gegenseitiges Vorlesen der Neujahrsansprachen aus den Jahren 1999, 2000, 2001, 2002 und 2003 die Zeit vertreiben und mich in einen Zustand der staatsbürgerlichen Lethargie versetzen.

Oder können Sie unseren Bundeskasper Gerhard Schröder noch in nüchternem Zustand ertragen?

(*) Gerhard Schröder am 17. April 1998 über Bundeskanzler Helmut Kohl

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 31. Dezember 2004 um 05:45:02 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Neujahrsansprache 2004

31. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Der Jahreswechsel ist meist der richtige Zeitpunkt um kritisch über das Geschehene zu schauen und, was bleibt weiter übrig, mit zusammengekniffenen Augen in die Zukunft zu blicken.
Unser Bundeskanzler wird sicher heute Abend in seiner Neujahransprache das Wort „vertrauensvoll“ und „Zukunft“ mehrfach verwenden. Und natürlich wird er wieder, wie jedes Jahr, über die rechtzeitig eingetretene Naturkatastrophe in Asien reden, um nicht über die von ihm selbst mit erzeugte Katastrophe im Inland reden zu müssen.

War ich vor einigen Wochen bei den Reizthemen der Nation noch in der Lage, die Schieflage der Republik und den Dummfug einiger ihrer Insassen mit Ironie und Sarkasmus zu beschreiben, so ist mir diese Fähigkeit und die dazu notwendige Toleranz dazu zwischenzeitlich abhanden gekommen.

Zuviel ist in den letzten Tagen dieses Jahres noch geschehen, als dass ich diese seichten oberlehrerhaften gebetsmühlenartig vorgetragenen Sprüche und die nunmehr teilweise geheuchelte Reue diverser Damen und Herren aus Politik und Wirtschaft, deren Namen ich hier wegen dem limitierten Platzangebot eines Weblogs nicht aufzählen kann, noch ertragen könnte. Denken Sie sich einfach einige Kandidaten für eine solche Liste aus und ich bin mir sicher, wir hätten erhebliche Mehrfachnennungen.

Man muss dazu nicht immer gleich in die hohe Politik schauen, wo sich Berufspolitiker, Funktionäre und Lobbyisten in einem System aus Korruption, Schwarzgeld, Bestechung und Vetternwirtschaft trefflich eingerichtet haben.

Ein Blick in die Wirtschaft, ein Blick hinter die Kulissen, ein Blick auf die Macher, ihre Netzwerke, ein Blick auf die gut bezahlten Legionäre des Kapitals, die sich Geschäftsführer, Vorstand und Aufsichtsrat nennen, aber funktionieren wie Berufskiller, Auftragsmörder und Kriminelle. Menschen ohne eigenes finanzielles Risiko, unbeteiligt an der Sache, die nach Erledigung ihres Auftrags mit ihrem Blutlohn das Weite suchen und sich wie Geier um den nächsten Auftrag des Kapitals schlagen.

Unterstützt wird dies von einem Heer gefügiger Vasallen in Ministerien, Behörden, Ämtern, Verbänden und Parteien, die dabei den eigenen Vorteil nicht aus dem Auge verlieren. Sie haben sich in jahrzehntelanger Kleinarbeit ein undurchdringliches Gestrüpp aus Regelwerken und Vorschriften geschaffen, das sie administrieren und gegen jeden Eindringling hartnäckig verteidigen. In diesem Gestrüpp bleibt jeder hängen, der keine Helfer hat, jeder der sich keine Lobby leisten kann oder aus Überzeugung nicht leisten will. Und jeder der in diesem Lande leben muss oder noch so dumm ist es zu wollen.

Fast vernachlässigen darf man in diesem System die kleinen Gauner, Betrüger und Blutsauger, die mit immer wieder neuen Tricks auf der Jagd nach der schnellen Geld und dem eigenen Vorteil sind.
Der einzige Unterschied zu den großen Gaunern ist nur die Dimension der Tat.
Warum lügen, wenn man sich nur der Medien bemächtigen muss.
Warum bestechen, wenn man ganz legal Subventionen verteilen und annehmen kann.
Warum korrupt werden, wenn man sich für „Beratung“ entlohnen lassen kann?
Warum betrügen, wenn man die Preise bestimmen kann?
Warum rauben, wenn man nur die Gesetze ändern muss?
Warum stehlen, wenn man legal enteignen kann?
Warum erpressen, wenn man Steuern erheben kann?
Warum eine Bank ausrauben, wenn man eine hat?
Warum eine Rentnerin abzocken, wenn man alle abzocken kann?
Warum einen Arbeitnehmer kündigen, wenn man mit der ganzen Fabrik umziehen kann.

Nur noch Brechreiz löst das alles bei Otto Normalverbraucher aus und er wendet sich angewidert ab.
Hören Sie die Gespräche Ihrer Mitbürger?
Hören Sie worüber gesprochen wird? Es dauert meist keine zwei Minuten, dann ist man beim Thema Nummer eins. Nein, nicht Sex und auch nicht das Wetter. Das war mal! Das war noch im letzten Jahrhundert.
Da werden die Köpfe zusammengesteckt, als würde man einen schmutzigen Witz erzählen. Dann noch rasch ein Blick rechts und links über die Schulter und dann geht es los.
Dann hören Sie Volkes Meinung zur Lage der Nation, zu Parteien, zu speziellen Politikern, zur Arbeitslosigkeit, zur Wirtschaft und auch zur Problematik der Ausländern.
Und sehr häufig hören Sie als letztes Wort: „DIE SIND DOCH ALLE GLEICH! DAS IST DOCH EIN EINZIGES LUMPENPACK!“

DA SOLLTEN DIE GEWÄHLTEN VERTRETER DES VOLKES MAL ZUHÖREN.
DA SOLLTEN DIE WIRTSCHAFTSBOSSE MAL ZUHÖREN.

Da ist nur noch Hohn und Spott und abgrundtiefe Verachtung für das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System dieser Republik.
Und vielleicht begreifen dann endlich noch ein paar Menschen, was sich da zusammenbraut!

Warum mir das ausgerechnet zum Jahreswechsel einfällt?
Ganz einfach, weil es in meiner Familie seit Jahren Tradition ist, sich zum Jahreswechsel für das neue Jahr etwas vorzunehmen und es in den nächsten 365 Tagen dann auch erfolgreich umzusetzen.
Was das ist, kann ich Ihnen leider nicht sagen, denn sonst können die Vorsätze nicht gelingen und die Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Aber wenn Sie sich auch einen guten Vorsatz für das Jahr 2005 ausdenken – dann treffen wir uns sicher in Berlin.

Vor Jahren hat mich mal ein „lieber Freund“ gefragt, was ich tun würde, wenn mir mein Arzt mitteilen würde, dass ich unheilbar erkrankt wäre und nur noch kurze Zeit zu leben hätte.
Spontan wollte ich damals antworten: „Einen Colt kaufen, nach Seattle fliegen und Bill Gates erschießen.“
Vor einigen Jahren hat sich dieser letzte Wunsch dann präzisiert und es ist „ein Flugzeug chartern und mich damit auf’s Weiße Haus zu stürzen“ daraus geworden.
Heute müsste ich zur Durchführung dieser letzten Tat und um das „Land von den Tyrannen zu befreien“ nicht mal mehr nach Amerika fliegen. So klein ist die Welt geworden.

Heute Abend wird mir der Rechtsverdreher aus Hannover mal wieder seine Sicht der Dinge zur Lage der Nation und sein übliches Wort zum Sonntag erzählen.
Getreu nach dem Motto: „Was interessiert mich mein Geschwätz von vor ein paar Tagen. Lassen Sie uns doch gemeinsam weiter vertrauensvoll in die Zukunft schauen.“

Was wird er noch erzählen?
«Was will uns der Kanzler der Arbeitslosigkeit, der Kanzler der leeren Kassen und der drückenden Schulden, der Kanzler der ungerechten Verteilung, jener, der die soziale Marktwirtschaft zerrissen und das Soziale verdrängt hat (*)» in der Sylvesternacht zum Jahr 2005 diesmal wieder weismachen?
Um die Erfolge der Regierung Schröder allen Zuhörern vor Augen zu führen, wäre es wohl das Beste, der Bundesgerd würde einfach aus seiner Rede zum außerordentlicher Parteitag der SPD am 17. April 1998 in Leipzig vorlesen, als er noch als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen gegen die Regierung Kohl gewettert hat:
«Ich habe an das Regierungshandeln der Zukunft einen ganz besonderen Vorbehalt - einen Vorbehalt, an dem ich mich messen lassen möchte und messen lassen werde, an dem wir uns im übrigen alle werden messen lassen müssen. Ich nenne ihn den “Beschäftigungsvorbehalt”. Meine Prüffrage - anders ausgedrückt - ist die Frage nach der Beschäftigungswirksamkeit aller Politik. Auf diesen Vorbehalt möchte ich, liebe Genossinnen und Genossen, fünf Grundsätze beziehen, fünf Grundsätze, die unsere Politik bestimmen werden.
Wir werden jede Maßnahme und jedes Instrument unserer Politik auf den Prüfstand stellen, ob es vorhandene Arbeit sichert oder neue Arbeit schafft. Politik kann - das wissen wir - und soll dem Ziel dienen, zu mehr Eigenverantwortung und Initiative zu befähigen. Die Menschen - das ist unsere Auffassung - wollen den Staat nicht vor der Nase haben. Nein, sie wollen ihn an ihrer Seite wissen. Bürokratischen Übermut und obrigkeitsstaatliches Denken haben sie satt - und wir auch.
Hier gilt es in Deutschland wieder anzusetzen: beim Leistungswillen und bei der schöpferischen Kraft unserer Menschen. Die muß der Staat ermutigen, die darf er nicht behindern.
Aber eines wissen wir auch, liebe Genossinnen und Genossen: Politik ist keine Glücksverheißung. Unser privates Glück - das werdet ihr vielleicht gerade mir glauben - müssen wir schon selber in die Hand nehmen.
Aber daß falsche Politik die Menschen ins Unglück treiben kann, das haben wir in den letzten Jahren zur Genüge erlebt.
Liebe Freundinnen, liebe Freunde, nie seit den Gründungsjahren der sozialen Marktwirtschaft war die deutsche Arbeitsgesellschaft so zerrissen wie heute: gespalten in Arbeitsplatzbesitzer und Arbeitslose, gespalten in die, die Überstunden kloppen, und die, die auf ungesicherte Gelegenheitsjobs angewiesen sind, vor allen Dingen aber gespalten zwischen denen, die sich ökonomisch sicher fühlen, weil ihre Arbeitsplätze ungefährdet sind und denen, die Angst um die eigene materielle Zukunft und die ihrer Familien haben.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Empfänger von Sozialhilfe um 700 000 gestiegen, liebe Genossinnen und Genossen - auch ein Ergebnis Kohlscher Politik in Bonn.
Noch nie in der Nachkriegsgeschichte gab es in Deutschland so viele Langzeitarbeitslose: Es sind über 1,6 Millionen. Alles in allem fehlen in diesem Land 7,6 Millionen wettbewerbsfähige Arbeitsplätze. Die Kosten der Arbeitslosigkeit belaufen sich dieses Jahr auf 180 Milliarden DM. Ist es da nicht hundertmal sinnvoller, endlich ranzugehen und Arbeit anstatt Arbeitslosigkeit zu finanzieren?»

Diesen Text kann man nicht mehr kommentieren. Das schaffe selbst ich nicht mehr.
Aber Sie sehen, dass die Tradition sich gute Vorsätze zu fassen auch in der Familie Schröder gepflegt wird.
Wenn Sie sich noch dieses Jahr erbrechen wollen, dann empfehle ich Ihnen, diese Rede ganz zu lesen.
Die Neujahrsansprachen von Gerhardt Schröder aus den vergangenen Jahren finden Sie im Internet unter www.bundeskanzler.de

Aber vielleicht geht es Ihnen wie mir und der der Bundesgerd kann in der Neujahrsnacht erzählen was er will, es interessiert niemand mehr.
Zu oft hat er gelogen, zu oft hat er getäuscht, zu oft gesagt und nicht getan!
Zu oft war es ihm recht, dass man ihn wohl falsch verstanden hat!

Er und seine Genossen können sich auf den Kopf stellen und dazu auch noch Grimassen schneiden. Sie können mit Engelszungen reden, Andersdenkende beschimpfen und als uneinsichtig, unbelehrbar bezeichnen und störrisch nennen, aber sicher werden viele Bürger dieser Republik nicht mit ihnen in ihre Zukunft fahren wollen.

NICHT MIT EINEM SCHIFF, DAS TITANIC HEISST!
Da bauen wir doch lieber mit guten Freunden an der ARCHE NOAH !!
Denn die Flut kommt.
Nach einer solchen Ebbe kommt immer eine Flut!

Welche Katastrophe darf es denn als nächstes sein“ habe ich vor einem Jahr geschrieben.
Ich konnte nicht wissen, dass die damals aufgezählten Ereignisse mit der Flutwelle in Asien einen weiteren traurigen Rekord erfahren würden.
Ein Prognose für das nächste Regierungsjahr von Rot-Grün in 2005 wage ich daher lieber nicht.

Statt dessen werde ich mich bis zum Beginn der Neujahrsansprache des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, im Kreise meiner Bedarfsgemeinschaft durch kollektives Kampftrinken und gegenseitiges Vorlesen der Neujahrsansprachen aus den Jahren 1999, 2000, 2001, 2002 und 2003 die Zeit vertreiben und mich in einen Zustand der staatsbürgerlichen Lethargie versetzen.

Oder können Sie unseren Bundeskasper Gerhard Schröder noch in nüchternem Zustand ertragen?

(*) Gerhard Schröder am 17. April 1998 über Bundeskanzler Helmut Kohl

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

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