Rentnerbande

27. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Ein Team vom Hessischen Rundfunk hat sich um die Ungleichverteilung der finanziellen Mittel zwischen Rentnern und Alleinerziehenden gekümmert.
An sich keine schlechte Idee und durchaus im Trend der Zeit. Ein weiteres Puzzlestück zur Klärung der Fragen

  • warum es der BRddr so schlecht geht
  • warum in diesem reichen Land plötzlich überall das Geld fehlt?
  • wo das ganze Geld geblieben ist, das von den Generationen seit 1947 erarbeitet wurde?

Zur Visualisierung des Beitrags hat sich ein Team des HR auf dem Frankfurter Flughafen umgesehen und dort doch tatsächlich einige Rentner erwischt, die in Urlaub fliegen wollten.
Und das angesichts der Tatsache, dass in diesem unseren Lande Alleinerziehende von Sozialhilfe leben müssen.
Da war ein Rentnerehepaar dabei, die haben sogar behauptet, sie hätten sich das Geld für die Urlaubsreise „zusammengespart“. Dabei weiß doch jeder Mensch unter 30, dass das angesichts der gestiegenen Kosten für Telekommunikation und Verkehr gar nicht möglich ist.
Nicht einer der Rentner, die am Frankfurter Flughafen auf den Checkin warteten hatte ein schlechtes Gewissen und alle waren doch tatsächlich der Meinung, sie hätten sich ihre Rente „redlich“ verdient. Dieses Argument konnte bisher auch nicht aus der Welt geschafft werden, denn es ist kein Fall bekannt geworden, bei dem Rentner wegen Rentenbetrug angeklagt und rechtskräftig verurteilt wurden. Bisher führte die Spur wegen hoher Rentenbescheide immer zu dieser Agentur in Berlin und die konnte bisher immer darauf verweisen, dass bei der Berechnung der Renten alles ganz pingelig nach dem Buchstaben des Gesetzes ging.
Jetzt frag ich mich aber, wie die Rentner an diese offensichtlich überhöhten Rentenzahlungen kommen, die ihnen die Durchführung von Urlaubsreisen in die Karibik erlauben, während sich der Rest der darbenden Bevölkerung vor den Arbeits- und Sozialämtern die Beine in den Bauch steht und zum Überleben auf die Sonderangebote bei ALDI und LIDL angewiesen ist.

Äußerst verdächtig war den Reportern vom HR auch, dass die Rentner alle Koffer dabei hatten, mit denen sie vermutlich ihr in 40 und mehr Arbeitsjahren zusammengegaunertes Vermögen ins Ausland schleppen. Aber auch daran finden die zum Bundesfinanzministerium gehörenden Zollbeamten nichts Verdächtiges und lassen die Rentner ohne Durchsuchung und Beschlagnahmung das Land verlassen, dem finanziell angeblich das Wasser bis unter die Nasenlöcher steht. Das kapiere wer will. Vielleicht ist das ja Absicht, weil der Finanzhans immer noch hofft, dass die Rentner wegen dem „Strafbefreiungsgesetz“ bei der Rückkehr ihr ganzes Auslandvermögen wieder mitbringen.

Ein Sachverständiger durfte in der Sendung auch nicht fehlen. Der sah aus, als hätte er gerade Freigang aus einer geschlossenen Anstalt erhalten und vergessen sich vorher die Haare zu kämmen. Der war sowas von sachverständig, also sachverständiger kann man gar nicht mehr sein. So wie der die Lage der armen Alleinerziehenden erklärt hat, gewann ich den Eindruck dass diese jeden Tag mehrfach von maskierten Rentner auf offener Straße überfallen und ihrer kargen Barschaft beraubt werden.

Dazu wurde eine Rentnerin gezeigt, die sich ganz allein mit einem Einkaufswagen in den Supermarkt traute. „900 Euro Rente würde sie bekommen“, meinte sie, „und das für 40 Jahre Arbeit Schichtarbeit beim Postsortierdienst.“ So wie sie das sagte, war ihr das offensichtlich zu wenig und empfand das als ungerecht.
Jetzt frag ich mich, was diese Frau eigentlich noch will, jetzt wo sie alt ist und den Jungen auf der Tasche liegt. Beschwert sich durch die Blume, dass sie nicht genug Geld hat, dabei würde sie doch sowieso jeden überschüssigen Euro heimlich ihren Enkeln zustecken.

Auch eine selbsterziehende Mutter mit zwei halbwüchsigen Kindern, die ihren Mann durch Scheidung verloren hatte, klagte den Reportern vom HR ihr Leid.
Mit (exakte Zahl habe ich leider vergessen) 1.300 Euro Sozialhilfe muss sie im Monat über die Runden kommen. Da hatte es eine Kriegerwitwe mit ihren zwei Kindern, die ihren Vater auf dem Schlachtfeld zum Ruhme des Vaterlandes verloren haben, ja noch besser. Denn die bekam bei der Währungsreform 1948 wenigstens noch 40 DM pro Person Startgeld, während bei der Währungsunion 1990 die meisten Bürger ja leer ausgingen.
Und von der Euroumstellung, der nachfolgenden Teuerungswelle und den Steuererhöhungen wollen wir jetzt erst gar nicht anfangen.

Irgendwas muss seitdem in dieser Republik schief laufen, denn die Jungen glauben anscheinend wirklich, dass die Alten ihnen ihr Geld wegnehmen.
Oder wird den Jungen nur glauben gemacht, dass die Alten ihnen das Geld wegnehmen?
Sowas Unverantwortliches würde doch niemand tun!
Oder doch?

Sicher reißt es die Jungen nicht gerade zu Begeisterungstürmen hin und macht ihnen nicht unbedingt Mut für die Zukunft, wenn sie zusehen müssen wie sie über die Runden kommen und erkennbar ist welches Schicksal sie im Alter erwartet.
Das ist der Unterschied zwischen Alt und Jung, zwischen jahrelanger Erfahrung und jugendlicher Spontanität, aber auch zwischen Glauben und Wissen.
Die Alten glaubten an ihre gesicherte Zukunft und die Jungen wissen, dass sie keine haben werden.

Der „alleinerziehende Rentner“ scheint mir daher das optimale Überlebensmodell in dieser aus den Fugen geratenen Gesellschaft zu sein.
Oder - und das ist jetzt natürlich bei dem gegenwärtigen Konflikt zwischen den Generationen etwas schwierig - das Erkennen wer wohl an diesem Konflikt ein primäres Interesse haben könnte.
Denn nicht beantwortet wurde in der Sendung vom HR die Frage, wo denn das ganze Geld geblieben ist, das von den Generationen seit 1947 erarbeitet wurde.
Aber darüber könnte vielleicht der Armutsbericht der Bundesregierung Aufschluss geben, sofern es tatsächlich bei der vorab bekannt gewordenen Version bleiben sollte.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. Dezember 2004 um 05:45:35 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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27. Dezember 2004 05:45

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Ein Team vom Hessischen Rundfunk hat sich um die Ungleichverteilung der finanziellen Mittel zwischen Rentnern und Alleinerziehenden gekümmert.
An sich keine schlechte Idee und durchaus im Trend der Zeit. Ein weiteres Puzzlestück zur Klärung der Fragen

  • warum es der BRddr so schlecht geht
  • warum in diesem reichen Land plötzlich überall das Geld fehlt?
  • wo das ganze Geld geblieben ist, das von den Generationen seit 1947 erarbeitet wurde?

Zur Visualisierung des Beitrags hat sich ein Team des HR auf dem Frankfurter Flughafen umgesehen und dort doch tatsächlich einige Rentner erwischt, die in Urlaub fliegen wollten.
Und das angesichts der Tatsache, dass in diesem unseren Lande Alleinerziehende von Sozialhilfe leben müssen.
Da war ein Rentnerehepaar dabei, die haben sogar behauptet, sie hätten sich das Geld für die Urlaubsreise „zusammengespart“. Dabei weiß doch jeder Mensch unter 30, dass das angesichts der gestiegenen Kosten für Telekommunikation und Verkehr gar nicht möglich ist.
Nicht einer der Rentner, die am Frankfurter Flughafen auf den Checkin warteten hatte ein schlechtes Gewissen und alle waren doch tatsächlich der Meinung, sie hätten sich ihre Rente „redlich“ verdient. Dieses Argument konnte bisher auch nicht aus der Welt geschafft werden, denn es ist kein Fall bekannt geworden, bei dem Rentner wegen Rentenbetrug angeklagt und rechtskräftig verurteilt wurden. Bisher führte die Spur wegen hoher Rentenbescheide immer zu dieser Agentur in Berlin und die konnte bisher immer darauf verweisen, dass bei der Berechnung der Renten alles ganz pingelig nach dem Buchstaben des Gesetzes ging.
Jetzt frag ich mich aber, wie die Rentner an diese offensichtlich überhöhten Rentenzahlungen kommen, die ihnen die Durchführung von Urlaubsreisen in die Karibik erlauben, während sich der Rest der darbenden Bevölkerung vor den Arbeits- und Sozialämtern die Beine in den Bauch steht und zum Überleben auf die Sonderangebote bei ALDI und LIDL angewiesen ist.

Äußerst verdächtig war den Reportern vom HR auch, dass die Rentner alle Koffer dabei hatten, mit denen sie vermutlich ihr in 40 und mehr Arbeitsjahren zusammengegaunertes Vermögen ins Ausland schleppen. Aber auch daran finden die zum Bundesfinanzministerium gehörenden Zollbeamten nichts Verdächtiges und lassen die Rentner ohne Durchsuchung und Beschlagnahmung das Land verlassen, dem finanziell angeblich das Wasser bis unter die Nasenlöcher steht. Das kapiere wer will. Vielleicht ist das ja Absicht, weil der Finanzhans immer noch hofft, dass die Rentner wegen dem „Strafbefreiungsgesetz“ bei der Rückkehr ihr ganzes Auslandvermögen wieder mitbringen.

Ein Sachverständiger durfte in der Sendung auch nicht fehlen. Der sah aus, als hätte er gerade Freigang aus einer geschlossenen Anstalt erhalten und vergessen sich vorher die Haare zu kämmen. Der war sowas von sachverständig, also sachverständiger kann man gar nicht mehr sein. So wie der die Lage der armen Alleinerziehenden erklärt hat, gewann ich den Eindruck dass diese jeden Tag mehrfach von maskierten Rentner auf offener Straße überfallen und ihrer kargen Barschaft beraubt werden.

Dazu wurde eine Rentnerin gezeigt, die sich ganz allein mit einem Einkaufswagen in den Supermarkt traute. „900 Euro Rente würde sie bekommen“, meinte sie, „und das für 40 Jahre Arbeit Schichtarbeit beim Postsortierdienst.“ So wie sie das sagte, war ihr das offensichtlich zu wenig und empfand das als ungerecht.
Jetzt frag ich mich, was diese Frau eigentlich noch will, jetzt wo sie alt ist und den Jungen auf der Tasche liegt. Beschwert sich durch die Blume, dass sie nicht genug Geld hat, dabei würde sie doch sowieso jeden überschüssigen Euro heimlich ihren Enkeln zustecken.

Auch eine selbsterziehende Mutter mit zwei halbwüchsigen Kindern, die ihren Mann durch Scheidung verloren hatte, klagte den Reportern vom HR ihr Leid.
Mit (exakte Zahl habe ich leider vergessen) 1.300 Euro Sozialhilfe muss sie im Monat über die Runden kommen. Da hatte es eine Kriegerwitwe mit ihren zwei Kindern, die ihren Vater auf dem Schlachtfeld zum Ruhme des Vaterlandes verloren haben, ja noch besser. Denn die bekam bei der Währungsreform 1948 wenigstens noch 40 DM pro Person Startgeld, während bei der Währungsunion 1990 die meisten Bürger ja leer ausgingen.
Und von der Euroumstellung, der nachfolgenden Teuerungswelle und den Steuererhöhungen wollen wir jetzt erst gar nicht anfangen.

Irgendwas muss seitdem in dieser Republik schief laufen, denn die Jungen glauben anscheinend wirklich, dass die Alten ihnen ihr Geld wegnehmen.
Oder wird den Jungen nur glauben gemacht, dass die Alten ihnen das Geld wegnehmen?
Sowas Unverantwortliches würde doch niemand tun!
Oder doch?

Sicher reißt es die Jungen nicht gerade zu Begeisterungstürmen hin und macht ihnen nicht unbedingt Mut für die Zukunft, wenn sie zusehen müssen wie sie über die Runden kommen und erkennbar ist welches Schicksal sie im Alter erwartet.
Das ist der Unterschied zwischen Alt und Jung, zwischen jahrelanger Erfahrung und jugendlicher Spontanität, aber auch zwischen Glauben und Wissen.
Die Alten glaubten an ihre gesicherte Zukunft und die Jungen wissen, dass sie keine haben werden.

Der „alleinerziehende Rentner“ scheint mir daher das optimale Überlebensmodell in dieser aus den Fugen geratenen Gesellschaft zu sein.
Oder - und das ist jetzt natürlich bei dem gegenwärtigen Konflikt zwischen den Generationen etwas schwierig - das Erkennen wer wohl an diesem Konflikt ein primäres Interesse haben könnte.
Denn nicht beantwortet wurde in der Sendung vom HR die Frage, wo denn das ganze Geld geblieben ist, das von den Generationen seit 1947 erarbeitet wurde.
Aber darüber könnte vielleicht der Armutsbericht der Bundesregierung Aufschluss geben, sofern es tatsächlich bei der vorab bekannt gewordenen Version bleiben sollte.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. Dezember 2004 um 05:45:35 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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