Goldreserven

21. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Der Countdown läuft und wenn der Bundesgerd uns in der Nacht zum neuen Jahr wieder seine Sicht der Dinge erzählt, dann hat der Finanzhans entweder ein Problem, oder die Republik ist schon wieder um eine Illusion ärmer.

Worum es geht? Sie werden sich sicher denken können, dass es beim Finanzhans immer um das Geld anderer Leute geht, die sich (sowas soll es ja noch geben) noch nicht mit diktatorischer Fiskalenteignung anfreunden können.

Noch ist es erst wenige Tage her, seit der Finanzhans, der seit Beginn seiner Amtszeit die gravierende Haushaltssituation der Bundesrepublik beschönigt und unablässig klamme Sprüche klopft, sein neues Märchen „Finanzplan 2005“ der staunenden Öffentlichkeit vorstellte und gegen jegliche Kritik vehement verteidigte.
Und - ich kann mir eine gewisse Schadenfreude wirklich nicht verkneifen – schon hat er wieder ein Finanzloch.
Denn der Vorstand der Bundesbank zickt mit dem fest eingeplanten Verkauf von ca. 120 Tonnen Gold im Gegenwert von etwa einer Milliarde Euro herum.
So ungefähr ist der Sachverhalt über den die FTD am 20.12.2004 berichtet.
«In der Bundesbank gibt es Streit um den Verkauf der Goldreserven. Nach Informationen der FTD will Präsident Axel Weber die Bestände möglichst früh losschlagen. Im achtköpfigen Vorstand der Notenbank hat er aber nur das für Finanzmärkte zuständige Mitglied Hans-Helmut Kotz auf seiner Seite. Der Rest des Gremiums lehnt einen Verkauf noch in diesem Jahr ab.»

Obwohl also der neue Bundesbankpräsident von Eichels Gnaden, Axel Weber, artig und wie geplant alles daran setzt seinem Gönner aus der finanziellen Bredouille zu helfen, findet sich im Vorstand der Bank keine Mehrheit für den Verkauf des Goldes noch in diesem Jahr.

Aber dieser Verkauf vor dem 31.12.2004 ist für den Finanzhans sehr wichtig, obwohl sich dieser Sachverhalt dem unbedarfte Zeitgenossen und Mitbürger nicht auf den ersten Blick erschließt.

Lassen Sie mich deshalb informativ etwas ausholen:
Dass Gold aus den Währungsreserven der Bundesbank verkauft werden soll, steht schon längere Zeit fest. Einen kurzen Überblick über die Ereignisse der Vergangenheit kann man sich im Internet zusammengoogeln,
Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang eine Meldung des Hamburger Abendblatt vom 22. Januar 2004.
«Bundesbank verkauft Gold für die Bildung
Berlin - Der Vorschlag des Bundesbank-Chefs Ernst Welteke, Gold aus den deutschen Reserven zu verkaufen und so Projekte für Bildung und Forschung zu finanzieren, findet immer mehr Befürworter. Nach SPD und Grünen sagte gestern FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper, man wolle “statt Gold in den Tresoren Gold in den Köpfen”. Die Bundesbank will bis 2009 insgesamt 600 Tonnen Gold verkaufen. Das Geld daraus könnte zinsbringend angelegt werden, um mehr Professoren und bessere Einrichtungen zu bezahlen. Deutschland hält mit 3400 Tonnen im Wert von 28 Milliarden Euro nach den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt. dpa/ap»

Können Sie sich noch an den Herrn Welteke erinnern?
Ja, der war bis April 2004 Präsident der Bundesbank und wollte die Gewinne aus dem Verkauf der Goldreserven nicht dem Finanzhans überlassen um selbstgemachte Haushaltlöcher zu stopfen.
Dafür wurde er dann ordentlich abgewatscht bzw. durfte über ein gut gewetztes Messer springen.

Und jetzt kurz vor Jahresende könnte das ganze Mobbing umsonst gewesen sein und der Griff nach den Goldreserven ins Leere gehen.
Denn wenn der Verkauf nicht mehr im Jahr 2004 stattfindet, sondern erst nach dem 31.12.2004, dann trägt der geplante Verkaufserlös von ca. 1 Milliarde Euro nicht mehr zum Gewinn der Bundesbank für das Jahr 2004 bei. Und das bedeutet im Klartext, dass die Bundesbank dem Finanzhans in Jahr 2005 entsprechend weniger Gewinn überweisen wird. Das neue Jahr hätte noch nicht einmal angefangen, da wäre schon wieder ein Finanzloch im neuen Haushalt zu stopfen. Und deshalb ist der Finanzhans ganz wild darauf, dass das Gold noch vor dem 31.12.2004 verkauft wird. Sonst hätte sich ja der ganze Aufwand nicht gelohnt oder die Welt am Sonntag hätte mit ihrem Artikel vom 11.April 2004 Recht gehabt.

Am 1.1.2005 nützt dem Finanzhans der Verkauf des Goldes nichts mehr, denn dann bekommt er den Gewinn erst im Jahr Wahljahr 2006 überwiesen. Und bis dahin müsste er sich, zumindest als ordentlicher Kaufmann, der sich für den von ihm angerichteten Schaden verantwortlich fühlt, längst am Schreibtisch erschossen oder am leeren Tresor erhängt haben.
Keine Angst, sowas würden nur ordentliche Kaufleute mit Charakter machen, die mit der Schmach ihres Versagens nicht weiterleben können!
Erwarten Sie sowas grundsätzlich nicht von jemand, der … .Aber lassen wir das so kurz vor dem Fest der Liebe.
Außerdem wäre so ein ungeplanter Staatstrauertrag in 2005 doch sicher schädlich für den zu erwartenden Aufschwung!
Können Sie sich eigentlich noch an die Reaktionen und Kommentare aus Wirtschaft und Politik erinnern, als im Frühjahr 1999 der Finanzminister Lafontaine nach kurzer Amtszeit zurückgetreten ist?
Damals konnte sich auch niemand in den kühnsten Träumen vorstellen, „was danach kommt“. Oder müsste das jetzt richtigerweise „was da nach kommt“ heißen?

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 21. Dezember 2004 um 05:45:37 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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21. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Der Countdown läuft und wenn der Bundesgerd uns in der Nacht zum neuen Jahr wieder seine Sicht der Dinge erzählt, dann hat der Finanzhans entweder ein Problem, oder die Republik ist schon wieder um eine Illusion ärmer.

Worum es geht? Sie werden sich sicher denken können, dass es beim Finanzhans immer um das Geld anderer Leute geht, die sich (sowas soll es ja noch geben) noch nicht mit diktatorischer Fiskalenteignung anfreunden können.

Noch ist es erst wenige Tage her, seit der Finanzhans, der seit Beginn seiner Amtszeit die gravierende Haushaltssituation der Bundesrepublik beschönigt und unablässig klamme Sprüche klopft, sein neues Märchen „Finanzplan 2005“ der staunenden Öffentlichkeit vorstellte und gegen jegliche Kritik vehement verteidigte.
Und - ich kann mir eine gewisse Schadenfreude wirklich nicht verkneifen – schon hat er wieder ein Finanzloch.
Denn der Vorstand der Bundesbank zickt mit dem fest eingeplanten Verkauf von ca. 120 Tonnen Gold im Gegenwert von etwa einer Milliarde Euro herum.
So ungefähr ist der Sachverhalt über den die FTD am 20.12.2004 berichtet.
«In der Bundesbank gibt es Streit um den Verkauf der Goldreserven. Nach Informationen der FTD will Präsident Axel Weber die Bestände möglichst früh losschlagen. Im achtköpfigen Vorstand der Notenbank hat er aber nur das für Finanzmärkte zuständige Mitglied Hans-Helmut Kotz auf seiner Seite. Der Rest des Gremiums lehnt einen Verkauf noch in diesem Jahr ab.»

Obwohl also der neue Bundesbankpräsident von Eichels Gnaden, Axel Weber, artig und wie geplant alles daran setzt seinem Gönner aus der finanziellen Bredouille zu helfen, findet sich im Vorstand der Bank keine Mehrheit für den Verkauf des Goldes noch in diesem Jahr.

Aber dieser Verkauf vor dem 31.12.2004 ist für den Finanzhans sehr wichtig, obwohl sich dieser Sachverhalt dem unbedarfte Zeitgenossen und Mitbürger nicht auf den ersten Blick erschließt.

Lassen Sie mich deshalb informativ etwas ausholen:
Dass Gold aus den Währungsreserven der Bundesbank verkauft werden soll, steht schon längere Zeit fest. Einen kurzen Überblick über die Ereignisse der Vergangenheit kann man sich im Internet zusammengoogeln,
Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang eine Meldung des Hamburger Abendblatt vom 22. Januar 2004.
«Bundesbank verkauft Gold für die Bildung
Berlin - Der Vorschlag des Bundesbank-Chefs Ernst Welteke, Gold aus den deutschen Reserven zu verkaufen und so Projekte für Bildung und Forschung zu finanzieren, findet immer mehr Befürworter. Nach SPD und Grünen sagte gestern FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper, man wolle “statt Gold in den Tresoren Gold in den Köpfen”. Die Bundesbank will bis 2009 insgesamt 600 Tonnen Gold verkaufen. Das Geld daraus könnte zinsbringend angelegt werden, um mehr Professoren und bessere Einrichtungen zu bezahlen. Deutschland hält mit 3400 Tonnen im Wert von 28 Milliarden Euro nach den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt. dpa/ap»

Können Sie sich noch an den Herrn Welteke erinnern?
Ja, der war bis April 2004 Präsident der Bundesbank und wollte die Gewinne aus dem Verkauf der Goldreserven nicht dem Finanzhans überlassen um selbstgemachte Haushaltlöcher zu stopfen.
Dafür wurde er dann ordentlich abgewatscht bzw. durfte über ein gut gewetztes Messer springen.

Und jetzt kurz vor Jahresende könnte das ganze Mobbing umsonst gewesen sein und der Griff nach den Goldreserven ins Leere gehen.
Denn wenn der Verkauf nicht mehr im Jahr 2004 stattfindet, sondern erst nach dem 31.12.2004, dann trägt der geplante Verkaufserlös von ca. 1 Milliarde Euro nicht mehr zum Gewinn der Bundesbank für das Jahr 2004 bei. Und das bedeutet im Klartext, dass die Bundesbank dem Finanzhans in Jahr 2005 entsprechend weniger Gewinn überweisen wird. Das neue Jahr hätte noch nicht einmal angefangen, da wäre schon wieder ein Finanzloch im neuen Haushalt zu stopfen. Und deshalb ist der Finanzhans ganz wild darauf, dass das Gold noch vor dem 31.12.2004 verkauft wird. Sonst hätte sich ja der ganze Aufwand nicht gelohnt oder die Welt am Sonntag hätte mit ihrem Artikel vom 11.April 2004 Recht gehabt.

Am 1.1.2005 nützt dem Finanzhans der Verkauf des Goldes nichts mehr, denn dann bekommt er den Gewinn erst im Jahr Wahljahr 2006 überwiesen. Und bis dahin müsste er sich, zumindest als ordentlicher Kaufmann, der sich für den von ihm angerichteten Schaden verantwortlich fühlt, längst am Schreibtisch erschossen oder am leeren Tresor erhängt haben.
Keine Angst, sowas würden nur ordentliche Kaufleute mit Charakter machen, die mit der Schmach ihres Versagens nicht weiterleben können!
Erwarten Sie sowas grundsätzlich nicht von jemand, der … .Aber lassen wir das so kurz vor dem Fest der Liebe.
Außerdem wäre so ein ungeplanter Staatstrauertrag in 2005 doch sicher schädlich für den zu erwartenden Aufschwung!
Können Sie sich eigentlich noch an die Reaktionen und Kommentare aus Wirtschaft und Politik erinnern, als im Frühjahr 1999 der Finanzminister Lafontaine nach kurzer Amtszeit zurückgetreten ist?
Damals konnte sich auch niemand in den kühnsten Träumen vorstellen, „was danach kommt“. Oder müsste das jetzt richtigerweise „was da nach kommt“ heißen?

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 21. Dezember 2004 um 05:45:37 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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