Abmahnung

18. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Die Zeiten sind schwer geworden.
Man muss vorsichtig sein, was man sagt oder schreibt. Ganz besonders wenn man sich aus Kostengründen keinen großen Stab von mit allen Wassern gewaschenen Juristen leisten und bei Abmahnungen und Unterlassungserklärungen gleich zum Gegenschlag ausholen kann.

Da gibt es schon Fälle, in denen der eine oder andere Bürger mit einem Schreiben von einer Anwaltskanzlei auf 90-100 Gramm Papier, oben mit mächtig beeindruckendem Briefkopf und unten mit unleserlicher Unterschrift abgemahnt oder zu Unterlassung bestimmter Behauptungen aufgefordert wurde. Streitwert so um die 50.000 Teuronen. Entsprechende Kostennote des Anwalts liegt dem Schreiben gleich bei. Zahlbar bis …. auf eines unserer Konten. Ansonsten – Drohung.

Ein ganzer Geschäftszweig hat sich da entwickelt.
So wie früher die Anzeigen bei (angeblichen) Verstößen gegen die Preisauszeichnungsverordnung, weil der Bäckerin das Preisschild aus dem letzten traurigen Stück Sahnetorte in der Auslage gefallen war.
Heute kann man solche Geschäftsideen zur Abzocke umsetzen ohne den Hintern aus der Tür heben zu müssen.
Man holt sich einfach einen jungen, engagierten Jurastudenten, oder noch günstiger einen langzeitarbeitslosen Juristen (güüüüübs denn düüüüüüü) für 1 Euro pro Stunde, setzt ihn an einen Computer mit Internetzugang (Flatrate empfehlenswert) und schickt ihn mit einer entsprechenden Wortliste zum Ermitteln abmahnungsfähiger Vorgänge zu Google.
Dazu noch ein Drucker und ordentliches, wichtig aussehenden Geschäftspapier um die täglichen Fundsachen zum Postversand zu bringen und schon war es ein erfolgreicher „Arbeitstag“ mit Gebührenforderungen von mindestens 500 € je Geschäftsvorfall. Zahlt die abgemahnte Person nicht fristgerecht, legt man eine Mahnung mit weiteren Kosten und Gebühren nach. Geht der Beschuldigte nicht zum Anwalt und wehrt sich nicht gleich mit juristischen Mitteln gegen die Abzocke, steht irgendwann der Gerichtsvollzieher vor der Türe um das Geld einzutreiben.
Merke: Bei Abmahnung immer sofort anwaltliche Verstärkung besorgen!!!

Dieses Geschäftsmodell ist bekannt und hat auch in den Medien schon seine Würdigung gefunden.
Aber jetzt gibt es ein neues Geschäftsmodell, wie die Abarten und Varianten bei den Computerviren. Es funktioniert wie das Spiel bei Hase und Igel. Man sucht sich einen Hasen aus und dann schickt ihm der erste Igel eine Abmahnung. Jetzt bekommt der Hase Angst und beherzigt den Rat sich Verstärkung zu holen, um sich zu wehren. Und hier kommt der zweite Igel ins Spiel, denn der steckt mit dem ersten Igel unter einer Decke und weiß ganz genau, dass der Hase vom ersten Igel abgemahnt wurde und auf der Suche nach „qualifizierter“ Hilfe ist. Und wo wird der Hase wohl Hilfe suchen? In den gelben Seiten? In der Tageszeitung? Im Bekanntenkreis? Wohl eher nicht!
Was würden Sie machen?
Also ich würde, so im ersten Impuls, bei Google nach „Abmahnung“, „Anwalt“ und „Wohnort“ suchen, um mir einen Überblick über fachkundige Juristen in der Nähe zu verschaffen und/oder mich in entsprechenden Internetboards erkundigen und mich nach telefonischer Terminvereinbarung mit einem Anwalt meiner Wahl treffen.
Dass ich extra für die Abmahnung ausgesucht worden bin, weil ich zufälligerweise in der gleichen Ortschaft wohne wie der zweite Igel, darauf bin ich natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekommen.
Die Treibjagd war erfolgreich, weil der Hase vorher von den Igeln gezielt ausgesucht worden war. Treibst du mir meine Kunden zu – treib ich dir deine Kunden zu.
Wer daran verdient?
Merke: Die Anwälte verdienen immer, egal wie die Geschichte ausgeht!

Also sind Sie misstrauisch wie Lumpi, denn bei ihrem Internetauftritt bringen Sie sich leicht in eine exponierte Position und wenn Sie nicht aufpassen, kann Ihnen jeder in den Schritt sehen.
Da sollte man schon vor dem Balanceakt für eine leistungsfähige Infrastruktur und hochmotivierte Mitstreiter sorgen.

Achten Sie mal auf die kontextsensitive Google-Werbung auf den Webseiten. Die Leute, die dort werben haben dafür bezahlt und wollen Geld verdienen.
Erfahrene Jäger latschen halt nicht ziellos durch den Wald, sondern legen sich an der Tränke oder am Futterplatz auf die Lauer.
Oder lassen sich das Wild zutreiben.

Halali.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten
Links zum Thema
Abmahner und Absahner im Web
Das Buch dazu gibt es hier
Abmahnunwesen
KFZ-Kennzeichen Abmahner

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 18. Dezember 2004 um 05:45:03 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Die Zeiten sind schwer geworden.
Man muss vorsichtig sein, was man sagt oder schreibt. Ganz besonders wenn man sich aus Kostengründen keinen großen Stab von mit allen Wassern gewaschenen Juristen leisten und bei Abmahnungen und Unterlassungserklärungen gleich zum Gegenschlag ausholen kann.

Da gibt es schon Fälle, in denen der eine oder andere Bürger mit einem Schreiben von einer Anwaltskanzlei auf 90-100 Gramm Papier, oben mit mächtig beeindruckendem Briefkopf und unten mit unleserlicher Unterschrift abgemahnt oder zu Unterlassung bestimmter Behauptungen aufgefordert wurde. Streitwert so um die 50.000 Teuronen. Entsprechende Kostennote des Anwalts liegt dem Schreiben gleich bei. Zahlbar bis …. auf eines unserer Konten. Ansonsten – Drohung.

Ein ganzer Geschäftszweig hat sich da entwickelt.
So wie früher die Anzeigen bei (angeblichen) Verstößen gegen die Preisauszeichnungsverordnung, weil der Bäckerin das Preisschild aus dem letzten traurigen Stück Sahnetorte in der Auslage gefallen war.
Heute kann man solche Geschäftsideen zur Abzocke umsetzen ohne den Hintern aus der Tür heben zu müssen.
Man holt sich einfach einen jungen, engagierten Jurastudenten, oder noch günstiger einen langzeitarbeitslosen Juristen (güüüüübs denn düüüüüüü) für 1 Euro pro Stunde, setzt ihn an einen Computer mit Internetzugang (Flatrate empfehlenswert) und schickt ihn mit einer entsprechenden Wortliste zum Ermitteln abmahnungsfähiger Vorgänge zu Google.
Dazu noch ein Drucker und ordentliches, wichtig aussehenden Geschäftspapier um die täglichen Fundsachen zum Postversand zu bringen und schon war es ein erfolgreicher „Arbeitstag“ mit Gebührenforderungen von mindestens 500 € je Geschäftsvorfall. Zahlt die abgemahnte Person nicht fristgerecht, legt man eine Mahnung mit weiteren Kosten und Gebühren nach. Geht der Beschuldigte nicht zum Anwalt und wehrt sich nicht gleich mit juristischen Mitteln gegen die Abzocke, steht irgendwann der Gerichtsvollzieher vor der Türe um das Geld einzutreiben.
Merke: Bei Abmahnung immer sofort anwaltliche Verstärkung besorgen!!!

Dieses Geschäftsmodell ist bekannt und hat auch in den Medien schon seine Würdigung gefunden.
Aber jetzt gibt es ein neues Geschäftsmodell, wie die Abarten und Varianten bei den Computerviren. Es funktioniert wie das Spiel bei Hase und Igel. Man sucht sich einen Hasen aus und dann schickt ihm der erste Igel eine Abmahnung. Jetzt bekommt der Hase Angst und beherzigt den Rat sich Verstärkung zu holen, um sich zu wehren. Und hier kommt der zweite Igel ins Spiel, denn der steckt mit dem ersten Igel unter einer Decke und weiß ganz genau, dass der Hase vom ersten Igel abgemahnt wurde und auf der Suche nach „qualifizierter“ Hilfe ist. Und wo wird der Hase wohl Hilfe suchen? In den gelben Seiten? In der Tageszeitung? Im Bekanntenkreis? Wohl eher nicht!
Was würden Sie machen?
Also ich würde, so im ersten Impuls, bei Google nach „Abmahnung“, „Anwalt“ und „Wohnort“ suchen, um mir einen Überblick über fachkundige Juristen in der Nähe zu verschaffen und/oder mich in entsprechenden Internetboards erkundigen und mich nach telefonischer Terminvereinbarung mit einem Anwalt meiner Wahl treffen.
Dass ich extra für die Abmahnung ausgesucht worden bin, weil ich zufälligerweise in der gleichen Ortschaft wohne wie der zweite Igel, darauf bin ich natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekommen.
Die Treibjagd war erfolgreich, weil der Hase vorher von den Igeln gezielt ausgesucht worden war. Treibst du mir meine Kunden zu – treib ich dir deine Kunden zu.
Wer daran verdient?
Merke: Die Anwälte verdienen immer, egal wie die Geschichte ausgeht!

Also sind Sie misstrauisch wie Lumpi, denn bei ihrem Internetauftritt bringen Sie sich leicht in eine exponierte Position und wenn Sie nicht aufpassen, kann Ihnen jeder in den Schritt sehen.
Da sollte man schon vor dem Balanceakt für eine leistungsfähige Infrastruktur und hochmotivierte Mitstreiter sorgen.

Achten Sie mal auf die kontextsensitive Google-Werbung auf den Webseiten. Die Leute, die dort werben haben dafür bezahlt und wollen Geld verdienen.
Erfahrene Jäger latschen halt nicht ziellos durch den Wald, sondern legen sich an der Tränke oder am Futterplatz auf die Lauer.
Oder lassen sich das Wild zutreiben.

Halali.

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