Schein Reform

11. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Es ist noch gar nicht so lange her, da war diese silberne Münze mit der knienden Frau ein gültiges Zahlungsmittel. Es handelt sich -nur als Information für die Leser, die sich nicht mehr daran erinnern können- um ein 50-Pfennig Stück deutscher Nation. Genauer gesagt um die Rückseite eines 50-Pfennig Stücks. Nostalgikern kann ich die Internetseite der Deutschen Bank zum Bargeld wärmstens empfehlen. Dort erfahren Sie auch, was Sie machen sollten, wenn man Ihnen falsche Euro untergejubelt hat.
Ich kann mich zwar noch dran erinnern, dass eines der wesentlichen Argumente zur Einführung des Euro die Fälschungssicherheit des neuen Papiergeldes war, aber anscheinend haben die Fälscher diesen Hinweis nicht für bare Münze genommen und fälschen trotzdem.
Nein - nicht die Münzen, die kann man doch nicht fotokopieren!
Das Papiergeld wird gekupfert, dass die Kopierer qualmen. Aber natürlich sollte man diese Information nicht so einfach unters Volk bringen. Wegen dem Vertrauen der Bevölkerung in die neue Währung und so halt.
Besonders ans Herz legen darf ich Ihnen die Hinweise der Deutschen Bank zum Falschgeld, ganz besonders den letzten Absatz mit dem Titel „Was tun, wenn Sie Geld als falsch erkannt haben?“
Wer nach der Lektüre dieses Artikels noch Falschgeld erkennt, der … also jetzt sag ich mal so … also das sollte man sicher im Einzelfall unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen Konsequenzen und unter Berücksichtigung der eigenen angespannten finanziellen Situation …
und überhaupt … wir sind doch nicht blöd. Oder doch?

Aber jetzt hurtig zurück zum fälschungssicheren Münzgeld!

Diese Münze mit dem gelben Rand kennen Sie sicher.
Dennoch sollten Sie sich diese Münze sehr, sehr genau ansehen.
Sie wird an fünf verschiedenen Münzstätten in der BRddr geprägt und mit den Kennbuchstaben der Prägeanstalt - Berlin (A), München (D), Stuttgart (F), Karlsruhe (G) und Hamburg (J) – versehen. Irgendwie habe ich das Prinzip der Kennzeichnung noch nicht ganz verstanden, ich hätte BMSKH genommen, aber vielleicht dienen diese seltsame Kennungen nur dazu die Geldfälscher zu verunsichern.
Diese Münze wird jetzt knapp, denn wenn es nach dem Willen von Superwolli Clement geht, dann werden damit bald Hunderttausende -ach was sag ich- Millionen von Langzeitarbeitlosen ihren Stundenlohn ausbezahlt bekommen. Ich hab mir das mal ausgerechnet und eine 1-Euro-Münze gewogen. Sie wiegt nach meiner Briefwaage exakt 8 Gramm und würde beim postalischen Versand Portokosten in Höhe von 0,55 Euro, also 55% des Wertes verursachen. Sie brauchen also einen Euro nur zweimal mit der Post zu schicken und schon sind sie pleite. So schnell kann das heutzutage gehen.

Und genau da liegt jetzt das Problem.
Denn es geht darum, wie ein Langzeitarbeitsloser, der einem Monat lang (160 Stunden) malocht hat, sein Geld nach Hause bekommt. Weil ein Bankkonto hat er als ALG II-Bezieher ja nicht mehr. Da haben die Banken schon vorgesorgt.
Und wie ich gerade an obigem betriebswirtschaftlichen Beispiel und durch repräsentative Datenerhebung bei Post und Bank, sowie durch eigene Recherchen im Internet nachgewiesen habe ist der Postversand unrentabel und würde einen Großteil des Kapitals aufzehren.
Also, was bleibt dem Langzeitarbeitslosen?
Barauszahlung, wie früher mit der Lohntüte und Selbstabholung mit allen damit verbundenen Risiken, wie Falschgeld, Verlust und –auch das muss man einkalkulieren – Beraubung.
Also was tun, wenn jeder potentielle Taschenräuber genau weiß, dass am Monatsende tonnenweise Münzgeld über die Straßen transportiert wird, wenn die Langzeitarbeitslosen ihre Millionen nach Hause schleppen. Jeder der nur ein bisschen schief geht oder eine offensichtlich schwere Tasche schleppt ist doch in erheblichem Maße raubgefährdet.
Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

  1. man verzehrt und versäuft den Monatslohn gleich am Ort der Auszahlung, beginnt dann zu randalieren und lässt sich von der Polizei nach Hause fahren.
  2. mehrere Personen rotten sich aus Sicherheitsgründen zu Transportkonvois zusammen
  3. man packt das ausgezahlte Münzgeld in einen alten gestrickten Männersocken und haut das Ding jedem über den Schädel, der in den Sicherheitsbereich von einer Armeslänge ungefragt eindringt, wobei sicher die Devise gelten muss „lieber einmal zuviel zuschlagen, als einmal zu wenig“

Die Maßnahmen 2 und 3 können auch auf einfache Art und Weise miteinander kombiniert werden, wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die dritte Möglichkeit möglicherweise rechtwidrig ist.

Wissen Sie eigentlich warum die Frau auf dem alten 50-Pfennig Stück kniet?
Aus dem gleichen Grund, warum sich auch heute noch keine Frau für 1 Euro hinlegt
Wegen der Kaufkraft! Oder war das der Ertragswinkel?

Außer die Frau müsste! Bleibt abzuwarten, ob der Begriff „jede zumutbare Tätigkeit“ nach Hartz IV nicht doch etwas zu eng gefasst ist.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und wenn das erst mit der EU-Osterweiterung richtig klappt, dann wird auch keine Frau mehr auf die Frage „Willste mal’n Euro“ mit „Nein“ antworten können, außer sie wäre der deutschen Sprache mächtig.

Ach, Sie halten meine wissenschaftlich fundierten Ausführungen für an den Haaren herbeigezogenen, totalen Blödsinn?
Dann haben Sie aber den Spiegel vom 18. November 2004 nicht gelesen.
Zumindest die südeuropäischen Länder hatten das Problem der 1-Euro-Münze bereits erkannt und vorgeschlagen 1-Euro-Scheine einzuführen.
Noch hat sich die Europäische Zentralbank gegen die Schein-Reform entschieden: «Geldscheine zu ein und zwei Euro wären mit zu großen Nachteilen verbunden, erklärte die Zentralbank heute in Frankfurt am Main.»

Na ja, geben wir den Jungs noch ein bisschen Zeit, bis sie die Vorteile des 1-Euro-Scheins erkennen. Das wird spätestens dann der Fall sein, wenn die EZB ihr neues Gebäude im Frankfurter Osten gebaut und bezogen hat und die Überfälle auf die 1-Euro-Jobber zunehmen.

Wenn der erste EZB-Banker mit einem mit Euros gefüllten Männersocken erschlagen wird, dann wird das Geschrei groß sein.
Aber dann soll keiner sagen, ich hätte davor nicht rechtzeitig gewarnt, denn mit Papiergeld ist noch niemand erschlagen worden.

Und jetzt geh ich zur Post, um im öffentlichen Interesse für einen Euro pro Stunde den Kunden die Briefmarken anzulecken. Mir schmecken die Marken zu 1,44 Euro am besten, aber fast 90 Minuten Arbeit, damit man sich so ein kleines Stückchen Papier kaufen kann, ist schon etwas heftig, oder?
Wir werden es sicher noch erleben, dass Briefmarken gefälscht und Briefmarkenautomaten ausgeraubt werden.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. Dezember 2004 um 05:45:12 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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11. Dezember 2004 05:45

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Es ist noch gar nicht so lange her, da war diese silberne Münze mit der knienden Frau ein gültiges Zahlungsmittel. Es handelt sich -nur als Information für die Leser, die sich nicht mehr daran erinnern können- um ein 50-Pfennig Stück deutscher Nation. Genauer gesagt um die Rückseite eines 50-Pfennig Stücks. Nostalgikern kann ich die Internetseite der Deutschen Bank zum Bargeld wärmstens empfehlen. Dort erfahren Sie auch, was Sie machen sollten, wenn man Ihnen falsche Euro untergejubelt hat.
Ich kann mich zwar noch dran erinnern, dass eines der wesentlichen Argumente zur Einführung des Euro die Fälschungssicherheit des neuen Papiergeldes war, aber anscheinend haben die Fälscher diesen Hinweis nicht für bare Münze genommen und fälschen trotzdem.
Nein - nicht die Münzen, die kann man doch nicht fotokopieren!
Das Papiergeld wird gekupfert, dass die Kopierer qualmen. Aber natürlich sollte man diese Information nicht so einfach unters Volk bringen. Wegen dem Vertrauen der Bevölkerung in die neue Währung und so halt.
Besonders ans Herz legen darf ich Ihnen die Hinweise der Deutschen Bank zum Falschgeld, ganz besonders den letzten Absatz mit dem Titel „Was tun, wenn Sie Geld als falsch erkannt haben?“
Wer nach der Lektüre dieses Artikels noch Falschgeld erkennt, der … also jetzt sag ich mal so … also das sollte man sicher im Einzelfall unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen Konsequenzen und unter Berücksichtigung der eigenen angespannten finanziellen Situation …
und überhaupt … wir sind doch nicht blöd. Oder doch?

Aber jetzt hurtig zurück zum fälschungssicheren Münzgeld!

Diese Münze mit dem gelben Rand kennen Sie sicher.
Dennoch sollten Sie sich diese Münze sehr, sehr genau ansehen.
Sie wird an fünf verschiedenen Münzstätten in der BRddr geprägt und mit den Kennbuchstaben der Prägeanstalt - Berlin (A), München (D), Stuttgart (F), Karlsruhe (G) und Hamburg (J) – versehen. Irgendwie habe ich das Prinzip der Kennzeichnung noch nicht ganz verstanden, ich hätte BMSKH genommen, aber vielleicht dienen diese seltsame Kennungen nur dazu die Geldfälscher zu verunsichern.
Diese Münze wird jetzt knapp, denn wenn es nach dem Willen von Superwolli Clement geht, dann werden damit bald Hunderttausende -ach was sag ich- Millionen von Langzeitarbeitlosen ihren Stundenlohn ausbezahlt bekommen. Ich hab mir das mal ausgerechnet und eine 1-Euro-Münze gewogen. Sie wiegt nach meiner Briefwaage exakt 8 Gramm und würde beim postalischen Versand Portokosten in Höhe von 0,55 Euro, also 55% des Wertes verursachen. Sie brauchen also einen Euro nur zweimal mit der Post zu schicken und schon sind sie pleite. So schnell kann das heutzutage gehen.

Und genau da liegt jetzt das Problem.
Denn es geht darum, wie ein Langzeitarbeitsloser, der einem Monat lang (160 Stunden) malocht hat, sein Geld nach Hause bekommt. Weil ein Bankkonto hat er als ALG II-Bezieher ja nicht mehr. Da haben die Banken schon vorgesorgt.
Und wie ich gerade an obigem betriebswirtschaftlichen Beispiel und durch repräsentative Datenerhebung bei Post und Bank, sowie durch eigene Recherchen im Internet nachgewiesen habe ist der Postversand unrentabel und würde einen Großteil des Kapitals aufzehren.
Also, was bleibt dem Langzeitarbeitslosen?
Barauszahlung, wie früher mit der Lohntüte und Selbstabholung mit allen damit verbundenen Risiken, wie Falschgeld, Verlust und –auch das muss man einkalkulieren – Beraubung.
Also was tun, wenn jeder potentielle Taschenräuber genau weiß, dass am Monatsende tonnenweise Münzgeld über die Straßen transportiert wird, wenn die Langzeitarbeitslosen ihre Millionen nach Hause schleppen. Jeder der nur ein bisschen schief geht oder eine offensichtlich schwere Tasche schleppt ist doch in erheblichem Maße raubgefährdet.
Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

  1. man verzehrt und versäuft den Monatslohn gleich am Ort der Auszahlung, beginnt dann zu randalieren und lässt sich von der Polizei nach Hause fahren.
  2. mehrere Personen rotten sich aus Sicherheitsgründen zu Transportkonvois zusammen
  3. man packt das ausgezahlte Münzgeld in einen alten gestrickten Männersocken und haut das Ding jedem über den Schädel, der in den Sicherheitsbereich von einer Armeslänge ungefragt eindringt, wobei sicher die Devise gelten muss „lieber einmal zuviel zuschlagen, als einmal zu wenig“

Die Maßnahmen 2 und 3 können auch auf einfache Art und Weise miteinander kombiniert werden, wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die dritte Möglichkeit möglicherweise rechtwidrig ist.

Wissen Sie eigentlich warum die Frau auf dem alten 50-Pfennig Stück kniet?
Aus dem gleichen Grund, warum sich auch heute noch keine Frau für 1 Euro hinlegt
Wegen der Kaufkraft! Oder war das der Ertragswinkel?

Außer die Frau müsste! Bleibt abzuwarten, ob der Begriff „jede zumutbare Tätigkeit“ nach Hartz IV nicht doch etwas zu eng gefasst ist.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und wenn das erst mit der EU-Osterweiterung richtig klappt, dann wird auch keine Frau mehr auf die Frage „Willste mal’n Euro“ mit „Nein“ antworten können, außer sie wäre der deutschen Sprache mächtig.

Ach, Sie halten meine wissenschaftlich fundierten Ausführungen für an den Haaren herbeigezogenen, totalen Blödsinn?
Dann haben Sie aber den Spiegel vom 18. November 2004 nicht gelesen.
Zumindest die südeuropäischen Länder hatten das Problem der 1-Euro-Münze bereits erkannt und vorgeschlagen 1-Euro-Scheine einzuführen.
Noch hat sich die Europäische Zentralbank gegen die Schein-Reform entschieden: «Geldscheine zu ein und zwei Euro wären mit zu großen Nachteilen verbunden, erklärte die Zentralbank heute in Frankfurt am Main.»

Na ja, geben wir den Jungs noch ein bisschen Zeit, bis sie die Vorteile des 1-Euro-Scheins erkennen. Das wird spätestens dann der Fall sein, wenn die EZB ihr neues Gebäude im Frankfurter Osten gebaut und bezogen hat und die Überfälle auf die 1-Euro-Jobber zunehmen.

Wenn der erste EZB-Banker mit einem mit Euros gefüllten Männersocken erschlagen wird, dann wird das Geschrei groß sein.
Aber dann soll keiner sagen, ich hätte davor nicht rechtzeitig gewarnt, denn mit Papiergeld ist noch niemand erschlagen worden.

Und jetzt geh ich zur Post, um im öffentlichen Interesse für einen Euro pro Stunde den Kunden die Briefmarken anzulecken. Mir schmecken die Marken zu 1,44 Euro am besten, aber fast 90 Minuten Arbeit, damit man sich so ein kleines Stückchen Papier kaufen kann, ist schon etwas heftig, oder?
Wir werden es sicher noch erleben, dass Briefmarken gefälscht und Briefmarkenautomaten ausgeraubt werden.

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