Homo ludens

9. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Freude und Lachen ist selten geworden, seit aus der Bundesmonopolyzentrale in Berlin eine Ereigniskarte nach der anderen für Verwirrung und Empörung im Lande sorgt. „Gehe über das Gefängnis zurück nach der Badstraße und rück 4000 Euro raus“, gehört seit der Umstellung der Spielregeln durch Rot-Grün noch zu den geringfügigsten Adaptierungen und Strafmassnahmen.

Da lechzt des Bürger Körper zunehmend nach Lustigem aus internationalen Medien und sein Auge hastet über die Schlagzeilen der gedruckten und elektronischen Gazetten auf der Suche nach INPUT.

Zwei Meldungen haben zu früher Morgenstunde dafür gesorgt, dass die zum nationalen Überleben des bundesdeutschen Individuums täglich benötigte Dosis noch rechtzeitig zum Frühstück vereinnahmt werden konnte.

Florian Rötzer sei Dank, der über TELEPOLIS die bundesdeutsche Internetgemeinde mit wichtigen Ereignissen aus nah und fern versorgt.

Unter dem Titel: Keine Lust mehr auf körperlichen Sex? berichtet Florian am 2.12.2004 darüber, dass in Japan der Verkauf von Kondomen stark zurückgegangen ist, und benennt das Breitband-Internet als Schuldigen
«Zumindest scheint der Verkauf von Kondomen zurückzugehen. Das sagte der größte japanische Kondomhersteller Okamoto zum World Aids Day. Nach Daten des Gesundheitsministerium sind Kondomverkäufe im Land seit 1980 bis 2003 um 43 Prozent zurück gegangen»
Dabei ist es doch längst bekannt, dass die Japaner -nach eigener Einschätzung- nicht unbedingt zu den kopulationsfreudigsten Erdenbürgern gehören.

Sie sollten sich diesen Artikel über den Besorgnis erregenden sinkenden Verbrauch von Latexverhüterli im Land der aufgehenden Sonne wirklich antun, bevor unser Finanzhans noch auf die Idee kommt, den Staatshaushalt über die Anhebung der Vergnügungsteuer zu sanieren und solche Filetstücke des freien Journalismus einem schlechten Preis-/Leistungsverhältnis zuführt.
Und, noch eins, werden Sie misstrauisch wenn ihr Partner laut darüber nachdenkt, sich den laufenden Werbekampagnen zur Installation einer DSL-Flatrate hinzugeben. Es könnte das Ende Ihrer Familienplanung bedeuten.

Am 3.12.2004 legt Florian dann noch mal nach.
Diesmal ist es die gute (alte) Email: In Südkorea benutzen die jungen Menschen nach einer Umfrage kaum mehr Email, weil sie zu langsam ist.
«Zumindest in Korea, wo Email als als altes Kommunikationsmittel gilt. So sagt ein Student, dass er Email nur benutzt, wenn er mit älteren Menschen zu tun hat. Eine junge Frau meint, sie benutze ihren Email-Account nur noch für den Empfang von Handy- und Kreditkartenrechnungen. Nach einer Umfrage von Lee Okhwa unter 2.000 Schülern und Studenten hätten zwei Drittel gesagt, dass sie selten oder gar nicht Email benutzen.
„Die neue Generation hasst Langeweile und Warten. Sie neigt dazu, ihren Gefühlen sofort Ausdruck zu verleihen. Der Niedergang der Email ist eine natürliche Folge von solchen Eigenschaften der neuen Generation“, meint Lee Okhwa, Professorin für Computerbildung an der Universität Chungbuk»

Jetzt sind wir es ja gewohnt, dass ein Email von Südkorea nach Nordkorea jahrelang unterwegs sein kann und selbst Fernschach so keinen Spaß macht. Email braucht man wirklich nur noch zur Kommunikation mit den älteren Menschen außerhalb des Campus um Geld und Nahrungsmittel bei den Familienmitgliedern einzufordern. Und um den Abend mit einer netten Studentin und dem ältesten Spiel der Welt gestalten zu können, also da genügt heute wirklich eine SMS mit den Worten: „bei dir oder bei mir“

Und wenn Sie sich jetzt schon bisher durchgelesen haben, dann schauen Sie doch auch noch kurz bei Wikipedia rein, was dort über den spielenden Menschen, den homo ludens, steht. Mir hat besonders der Satz „aus Spiel wird Ernst und wenn sich die Regeln erst richtig ‘eingespielt’ haben, sind sie nicht mehr ohne weiteres zu ändern und beginnen ihrerseits Zwangscharakter anzunehmen“ gefallen.

Das gilt auch für die Regelwerke beim schwarz-rot-senffarbigem Gesellschaftsspiel der Firma Rot-Grün, einer Mischung aus Barricade, Schwarzer Peter, Vier gewinnt, Mensch ärgere dich nicht, Fang den Hut und Monopoly.
Spielen Sie doch einfach mal eine Runde Monopoly nach der Monte-Carlo-Methode und finden Sie heraus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie die Arschkarte ziehen und ins Gefängnis wandern.

Viel Spaß!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. Dezember 2004 um 05:45:55 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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9. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Freude und Lachen ist selten geworden, seit aus der Bundesmonopolyzentrale in Berlin eine Ereigniskarte nach der anderen für Verwirrung und Empörung im Lande sorgt. „Gehe über das Gefängnis zurück nach der Badstraße und rück 4000 Euro raus“, gehört seit der Umstellung der Spielregeln durch Rot-Grün noch zu den geringfügigsten Adaptierungen und Strafmassnahmen.

Da lechzt des Bürger Körper zunehmend nach Lustigem aus internationalen Medien und sein Auge hastet über die Schlagzeilen der gedruckten und elektronischen Gazetten auf der Suche nach INPUT.

Zwei Meldungen haben zu früher Morgenstunde dafür gesorgt, dass die zum nationalen Überleben des bundesdeutschen Individuums täglich benötigte Dosis noch rechtzeitig zum Frühstück vereinnahmt werden konnte.

Florian Rötzer sei Dank, der über TELEPOLIS die bundesdeutsche Internetgemeinde mit wichtigen Ereignissen aus nah und fern versorgt.

Unter dem Titel: Keine Lust mehr auf körperlichen Sex? berichtet Florian am 2.12.2004 darüber, dass in Japan der Verkauf von Kondomen stark zurückgegangen ist, und benennt das Breitband-Internet als Schuldigen
«Zumindest scheint der Verkauf von Kondomen zurückzugehen. Das sagte der größte japanische Kondomhersteller Okamoto zum World Aids Day. Nach Daten des Gesundheitsministerium sind Kondomverkäufe im Land seit 1980 bis 2003 um 43 Prozent zurück gegangen»
Dabei ist es doch längst bekannt, dass die Japaner -nach eigener Einschätzung- nicht unbedingt zu den kopulationsfreudigsten Erdenbürgern gehören.

Sie sollten sich diesen Artikel über den Besorgnis erregenden sinkenden Verbrauch von Latexverhüterli im Land der aufgehenden Sonne wirklich antun, bevor unser Finanzhans noch auf die Idee kommt, den Staatshaushalt über die Anhebung der Vergnügungsteuer zu sanieren und solche Filetstücke des freien Journalismus einem schlechten Preis-/Leistungsverhältnis zuführt.
Und, noch eins, werden Sie misstrauisch wenn ihr Partner laut darüber nachdenkt, sich den laufenden Werbekampagnen zur Installation einer DSL-Flatrate hinzugeben. Es könnte das Ende Ihrer Familienplanung bedeuten.

Am 3.12.2004 legt Florian dann noch mal nach.
Diesmal ist es die gute (alte) Email: In Südkorea benutzen die jungen Menschen nach einer Umfrage kaum mehr Email, weil sie zu langsam ist.
«Zumindest in Korea, wo Email als als altes Kommunikationsmittel gilt. So sagt ein Student, dass er Email nur benutzt, wenn er mit älteren Menschen zu tun hat. Eine junge Frau meint, sie benutze ihren Email-Account nur noch für den Empfang von Handy- und Kreditkartenrechnungen. Nach einer Umfrage von Lee Okhwa unter 2.000 Schülern und Studenten hätten zwei Drittel gesagt, dass sie selten oder gar nicht Email benutzen.
„Die neue Generation hasst Langeweile und Warten. Sie neigt dazu, ihren Gefühlen sofort Ausdruck zu verleihen. Der Niedergang der Email ist eine natürliche Folge von solchen Eigenschaften der neuen Generation“, meint Lee Okhwa, Professorin für Computerbildung an der Universität Chungbuk»

Jetzt sind wir es ja gewohnt, dass ein Email von Südkorea nach Nordkorea jahrelang unterwegs sein kann und selbst Fernschach so keinen Spaß macht. Email braucht man wirklich nur noch zur Kommunikation mit den älteren Menschen außerhalb des Campus um Geld und Nahrungsmittel bei den Familienmitgliedern einzufordern. Und um den Abend mit einer netten Studentin und dem ältesten Spiel der Welt gestalten zu können, also da genügt heute wirklich eine SMS mit den Worten: „bei dir oder bei mir“

Und wenn Sie sich jetzt schon bisher durchgelesen haben, dann schauen Sie doch auch noch kurz bei Wikipedia rein, was dort über den spielenden Menschen, den homo ludens, steht. Mir hat besonders der Satz „aus Spiel wird Ernst und wenn sich die Regeln erst richtig ‘eingespielt’ haben, sind sie nicht mehr ohne weiteres zu ändern und beginnen ihrerseits Zwangscharakter anzunehmen“ gefallen.

Das gilt auch für die Regelwerke beim schwarz-rot-senffarbigem Gesellschaftsspiel der Firma Rot-Grün, einer Mischung aus Barricade, Schwarzer Peter, Vier gewinnt, Mensch ärgere dich nicht, Fang den Hut und Monopoly.
Spielen Sie doch einfach mal eine Runde Monopoly nach der Monte-Carlo-Methode und finden Sie heraus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie die Arschkarte ziehen und ins Gefängnis wandern.

Viel Spaß!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. Dezember 2004 um 05:45:55 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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