Countdown

7. Dezember 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Der „Countdown“ läuft, nur noch wenige Tage bis ALGII und die Nerven liegen blank – meint der Kommentator der Süddeutschen Zeitung und bezieht sich damit auf den Leitartikel der SZ vom gleichen Tag.

„Cover your arse“ habe ich im Geschäftsleben erfahren müssen und schon als junger Spund während der 18-monatiger Ausbildung zum Verteidiger des Vaterlandes (ja, ja 18 Monate, durfte man uns damals schikanieren um MÄNNER aus uns zu machen) habe ich gelernt, dass es der Erhaltung der körperlichen Unversehrtheit sehr zuträglich ist, wenn man edle Körperteile frühzeitig aus der Schusslinie nimmt.
Also immer Kopf und Arsch runter, wenn die Lage brenzlig wird!

Und die Lage der Nation wird nicht erst brenzlig, sie ist es schon.
Rauchentwicklung allenthalben. Feuernester und Glimmbrände ohne Ende.
Und ab Januar 2005 frischt der Wind auf.
Ist halt schon schlecht wenn man zusieht wie in Nachbars Garten das Moos verglimmt und auf die dumme Idee kommt mit einem Gebläse dagegen zu halten, damit der Rauch die eigene Villa nicht erreicht.
Das dürfte eine heiße Angelegenheit werden. Aber wir haben bis dahin ja auch noch „massenhaft“ Zeit.
Nichts desto trotz, kann man aber schon mal mit den Schuldzuweisungen beginnen.

Während in den Arbeitsagenturen die Sachbearbeiter im Schicht- und Wochenenddienst noch am Erfassen der ALGII-Anträge sind, gehen jetzt die ersten Beschwerden über fehlerhafte Bescheide ein und bleiben dort erst mal bis zum 1. Januar 2005 unbearbeitet liegen.
«„Uns sind da die Hände gebunden. Zu Widersprüchen können wir erst Stellung nehmen, wenn das Gesetz in Kraft getreten ist“, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Auch wie viele Widersprüche schon eingegangen sind, ist der Behörde nach eigenen Angaben nicht bekannt. Man rechne aber nicht mit einer „Welle von Widersprüchen“. » Das schreibt die Süddeutsche Zeitung am 2. Dezember des Jahres 2004.

Die Antragsteller, die also anhand des falschen Bescheids wissen, dass sie ab Januar 2005 weniger Geld oder sogar gar kein Geld mehr erhalten, können schon heute davon ausgehen, dass sich an diesem Zustand zumindest bis Februar nichts ändern wird. Sie sollten sich also schon mal darum kümmern, woher sie die Miete für die nächsten zwei Monate und die Kosten für die Grundversorgung ihrer Familie nehmen. Wie wäre es mit einem Antrag beim Sozialamt?
Oder, das ist zwar nicht jedermanns Sache, aber ich würde das so machen, man geht einfach persönlich, mit der ganzen Familie bei der Bundesagentur vorbei um seine Argumente selbst vorzutragen. Es müssen ja nicht gleich schlagende Argumente sein.
Sollte jemand dazu seelische und moralische Unterstützung brauchen kann er sich auch direkt an die von Superwolli Clement eingerichtete Hotline unter der Nummer (018 88)6150 oder unter der Telefonnummer (0800)440055-0 gleich an den Ombudsrat wenden. Der schießt dann auch so lange das Geld vor, bis die BA den Antrag bearbeitet hat.

Getreu nach dem Motto „Cover your arse“ haben die Verantwortlichen dieser guinessbuchverdächtigen „Arbeitsmarktreform“ jetzt noch einen „Nebenkriegsschauplatz“ eröffnet. Bekannt ist diese Verhaltensweise auch aus der Wirtschaft, wenn gegen Ende eines Projektes mit unrühmlichem Ausgang die „Suche nach einem Schuldigen“ einsetzt, um dann mit der „Bestrafung eines absolut Unbeteiligten“ die Gemüter der aufgebrachten Massen zu befriedigen.
Der Spiegel meldet mit dem Aufmacher “Clever soll aufhören rumzunölen“, (Nöler: abwertende Bezeichnung für Kritiker), dass die Bundesagentur für Arbeit von einem „Machtkampf“ erschüttert wird, denn SPD-Chef Franz Müntefering legte dem Vorsitzenden des BA-Verwaltungsrats, Arbeitgebervertreter Peter Clever, den Rücktritt nahe.
«„Der Mann ist dort fehl am Platze“, sagte Müntefering vor mehreren hundert Betriebsräten. Als Arbeitgebervertreter sollte er besser für mehr Stellenangebote sorgen. Clever hatte zuvor die Vermittlungsleistung der BA heftig kritisiert.»
Aber vielleicht ist der Herr Clever einfach nur clever und beherzigt nur, was er während er Grundausbildung beim Militär gelernt hat.
„Cover your arse“ - mostly a clever move!

Die Reaktion waren vorauszusehen, muss man aber nicht unbedingt gelesen haben:

  • Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt stellte sich hinter Clever.
  • Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) reagierte sehr verärgert.
  • Superminister Wolfgang Clement (SPD) sagte, die BA habe Erfolge: „Das kann und darf nicht schlecht geredet werden, insbesondere nicht von denen, die es besser wissen müssten.“
  • Die grüne Arbeitsmarktexpertin Thea Dückert sagte: „Mit der Entsendung eines solchen Vertreters in den BA-Aufsichtsrat drohen die Arbeitgeber, sich zu diskreditieren.“
  • Isolde Kunkel-Weber, die für Verdi im BA-Aufsichtsrat sitzt, sagte über Clever: „Er schiebt den schwarzen Peter den Beschäftigten der BA zu, das ist ungerecht.“
  • Der BA-Hauptpersonalratsvorsitzende Eberhard Einsiedler nannte Clevers Kritik in der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” “unsolidarisch und undifferenziert”. Als BA- Mitarbeiter könne man schon Frust aufbauen, wenn man morgens um halb fünf in die Agentur fahre, um Stapel von Anträgen auf Arbeitslosengeld II zu bearbeiten, “und schon auf dem Weg dorthin hört, dass wir alle nichts taugen”.

Der Kommentator der Süddeutschen Zeitung spricht mir aus dem Herzen, wenn er meint, dass die Nerven wohl blank liegen und die Suche nach dem „Schwarzen Peter“ begonnen hat.
«Die Bundesagentur für Arbeit hat auf die Risiken oft genug hingewiesen. Weil die Regierung aber einen Erfolg am Arbeitsmarkt braucht, wurde Hartz IV in großer Zeitnot und gegen viele Widerstände durchgedrückt.
Nun, kurz vor dem hektisch vorbereiteten Start, macht sich Angst bei den Beteiligten breit. Denn während die positiven Folgen der Reform erst allmählich wirken können, drohen Chaos und neue Proteste bereits im Januar.
Dann wird auch die Schwarze-Peter-Suche nach dem Schuldigen erst wirklich beginnen. Der Schlagabtausch, den sich der Kanzler und seine Getreuen mit Peter Clever liefern, ist nur ein Vorbote davon.»

Ich hatte ja prophezeit, dass es ein „heißer Herbst“ werden würde. Das war falsch, das gebe ich offen zu, da es nicht gelungen ist, die Fackel des Protestes über die Mauer in Richtung Westen zu werfen.
Aber in 2005 dürfte es einen Frühling mit erhöhten Temperatur geben.
Da hilft es der Bundesregierung auch nichts mehr, wenn sie die Montagsdemos verbiete würde. Denn wenn die Demo am Rosenmontag verboten wird, dann rollen die Jecken die Republik auf. Da verstehen die keinen Spaß und lassen sich auch nit mehr durch den Aschermittwoch bremsen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. Dezember 2004 um 05:45:59 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Der „Countdown“ läuft, nur noch wenige Tage bis ALGII und die Nerven liegen blank – meint der Kommentator der Süddeutschen Zeitung und bezieht sich damit auf den Leitartikel der SZ vom gleichen Tag.

„Cover your arse“ habe ich im Geschäftsleben erfahren müssen und schon als junger Spund während der 18-monatiger Ausbildung zum Verteidiger des Vaterlandes (ja, ja 18 Monate, durfte man uns damals schikanieren um MÄNNER aus uns zu machen) habe ich gelernt, dass es der Erhaltung der körperlichen Unversehrtheit sehr zuträglich ist, wenn man edle Körperteile frühzeitig aus der Schusslinie nimmt.
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Und die Lage der Nation wird nicht erst brenzlig, sie ist es schon.
Rauchentwicklung allenthalben. Feuernester und Glimmbrände ohne Ende.
Und ab Januar 2005 frischt der Wind auf.
Ist halt schon schlecht wenn man zusieht wie in Nachbars Garten das Moos verglimmt und auf die dumme Idee kommt mit einem Gebläse dagegen zu halten, damit der Rauch die eigene Villa nicht erreicht.
Das dürfte eine heiße Angelegenheit werden. Aber wir haben bis dahin ja auch noch „massenhaft“ Zeit.
Nichts desto trotz, kann man aber schon mal mit den Schuldzuweisungen beginnen.

Während in den Arbeitsagenturen die Sachbearbeiter im Schicht- und Wochenenddienst noch am Erfassen der ALGII-Anträge sind, gehen jetzt die ersten Beschwerden über fehlerhafte Bescheide ein und bleiben dort erst mal bis zum 1. Januar 2005 unbearbeitet liegen.
«„Uns sind da die Hände gebunden. Zu Widersprüchen können wir erst Stellung nehmen, wenn das Gesetz in Kraft getreten ist“, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Auch wie viele Widersprüche schon eingegangen sind, ist der Behörde nach eigenen Angaben nicht bekannt. Man rechne aber nicht mit einer „Welle von Widersprüchen“. » Das schreibt die Süddeutsche Zeitung am 2. Dezember des Jahres 2004.

Die Antragsteller, die also anhand des falschen Bescheids wissen, dass sie ab Januar 2005 weniger Geld oder sogar gar kein Geld mehr erhalten, können schon heute davon ausgehen, dass sich an diesem Zustand zumindest bis Februar nichts ändern wird. Sie sollten sich also schon mal darum kümmern, woher sie die Miete für die nächsten zwei Monate und die Kosten für die Grundversorgung ihrer Familie nehmen. Wie wäre es mit einem Antrag beim Sozialamt?
Oder, das ist zwar nicht jedermanns Sache, aber ich würde das so machen, man geht einfach persönlich, mit der ganzen Familie bei der Bundesagentur vorbei um seine Argumente selbst vorzutragen. Es müssen ja nicht gleich schlagende Argumente sein.
Sollte jemand dazu seelische und moralische Unterstützung brauchen kann er sich auch direkt an die von Superwolli Clement eingerichtete Hotline unter der Nummer (018 88)6150 oder unter der Telefonnummer (0800)440055-0 gleich an den Ombudsrat wenden. Der schießt dann auch so lange das Geld vor, bis die BA den Antrag bearbeitet hat.

Getreu nach dem Motto „Cover your arse“ haben die Verantwortlichen dieser guinessbuchverdächtigen „Arbeitsmarktreform“ jetzt noch einen „Nebenkriegsschauplatz“ eröffnet. Bekannt ist diese Verhaltensweise auch aus der Wirtschaft, wenn gegen Ende eines Projektes mit unrühmlichem Ausgang die „Suche nach einem Schuldigen“ einsetzt, um dann mit der „Bestrafung eines absolut Unbeteiligten“ die Gemüter der aufgebrachten Massen zu befriedigen.
Der Spiegel meldet mit dem Aufmacher “Clever soll aufhören rumzunölen“, (Nöler: abwertende Bezeichnung für Kritiker), dass die Bundesagentur für Arbeit von einem „Machtkampf“ erschüttert wird, denn SPD-Chef Franz Müntefering legte dem Vorsitzenden des BA-Verwaltungsrats, Arbeitgebervertreter Peter Clever, den Rücktritt nahe.
«„Der Mann ist dort fehl am Platze“, sagte Müntefering vor mehreren hundert Betriebsräten. Als Arbeitgebervertreter sollte er besser für mehr Stellenangebote sorgen. Clever hatte zuvor die Vermittlungsleistung der BA heftig kritisiert.»
Aber vielleicht ist der Herr Clever einfach nur clever und beherzigt nur, was er während er Grundausbildung beim Militär gelernt hat.
„Cover your arse“ - mostly a clever move!

Die Reaktion waren vorauszusehen, muss man aber nicht unbedingt gelesen haben:

  • Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt stellte sich hinter Clever.
  • Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) reagierte sehr verärgert.
  • Superminister Wolfgang Clement (SPD) sagte, die BA habe Erfolge: „Das kann und darf nicht schlecht geredet werden, insbesondere nicht von denen, die es besser wissen müssten.“
  • Die grüne Arbeitsmarktexpertin Thea Dückert sagte: „Mit der Entsendung eines solchen Vertreters in den BA-Aufsichtsrat drohen die Arbeitgeber, sich zu diskreditieren.“
  • Isolde Kunkel-Weber, die für Verdi im BA-Aufsichtsrat sitzt, sagte über Clever: „Er schiebt den schwarzen Peter den Beschäftigten der BA zu, das ist ungerecht.“
  • Der BA-Hauptpersonalratsvorsitzende Eberhard Einsiedler nannte Clevers Kritik in der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” “unsolidarisch und undifferenziert”. Als BA- Mitarbeiter könne man schon Frust aufbauen, wenn man morgens um halb fünf in die Agentur fahre, um Stapel von Anträgen auf Arbeitslosengeld II zu bearbeiten, “und schon auf dem Weg dorthin hört, dass wir alle nichts taugen”.

Der Kommentator der Süddeutschen Zeitung spricht mir aus dem Herzen, wenn er meint, dass die Nerven wohl blank liegen und die Suche nach dem „Schwarzen Peter“ begonnen hat.
«Die Bundesagentur für Arbeit hat auf die Risiken oft genug hingewiesen. Weil die Regierung aber einen Erfolg am Arbeitsmarkt braucht, wurde Hartz IV in großer Zeitnot und gegen viele Widerstände durchgedrückt.
Nun, kurz vor dem hektisch vorbereiteten Start, macht sich Angst bei den Beteiligten breit. Denn während die positiven Folgen der Reform erst allmählich wirken können, drohen Chaos und neue Proteste bereits im Januar.
Dann wird auch die Schwarze-Peter-Suche nach dem Schuldigen erst wirklich beginnen. Der Schlagabtausch, den sich der Kanzler und seine Getreuen mit Peter Clever liefern, ist nur ein Vorbote davon.»

Ich hatte ja prophezeit, dass es ein „heißer Herbst“ werden würde. Das war falsch, das gebe ich offen zu, da es nicht gelungen ist, die Fackel des Protestes über die Mauer in Richtung Westen zu werfen.
Aber in 2005 dürfte es einen Frühling mit erhöhten Temperatur geben.
Da hilft es der Bundesregierung auch nichts mehr, wenn sie die Montagsdemos verbiete würde. Denn wenn die Demo am Rosenmontag verboten wird, dann rollen die Jecken die Republik auf. Da verstehen die keinen Spaß und lassen sich auch nit mehr durch den Aschermittwoch bremsen.

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