Der Fall Daschner

29. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Heute war ich bei HR-Online und habe die Kommentare im Forum zum Fall „Daschner“ gelesen.
Sicher hat jeder, der sich aus welchem Blickwinkel auch immer, mit diesem Fall beschäftigt, dazu eine Meinung.
Entweder eine Meinung, die er sich selbst gebildet hat, oder eine Meinung die er irgendwo gehört und die ihm gefallen hat.

Ich persönlich halte die fast zweijährigen Ermittlungen, die Anklage und das Verfahren für eine Katastrophe, die aber gut zum Bild unserer Gesellschaft und dem Zustand unserer Justiz passt.
Denn wir kümmern uns immer mehr nicht mehr um das, um das wir uns kümmern müssten, sondern immer mehr um das, um das wir uns kümmern wollen.
Wir kümmern uns um das was uns interessant erscheint und verlieren uns in endlosen und auch sinnlosen Diskussionen, die bald jeglichen Bezug zur Realität verlieren.

Im Fall Daschner diskutieren wir das Recht des Mörders auf körperliche Unversehrtheit und verlieren dabei das Recht des Opfers auf Leben aus den Augen.
Wir diskutieren das Recht eines Täters, der durch die Ermordung von Jacob von Metzler
gegen alle juristischen und religiösen Gesetze dieser Welt verstoßen und sich damit außerhalb unserer Gesellschaft gestellt hat. Wir setzen die verbale Androhung von körperlichem Schmerz bei der Vernehmung dieses Täters gleich mit einer grundlegenden Gefährdung unseres Rechtsystems. Wir setzen es gleich mit einem gegen den Täter gerichtetes Unrecht.
Welches Recht hat dann Jakob von Metzler? Hatte er kein Recht auf körperliche Unversehrtheit?

Ist es nicht primäre Aufgabe unserer Gesellschaft und unserer Justiz Jakob von Metzler zu seinem Recht zu verhelfen? Gerade weil er es nicht mehr selbst tun kann?

Und was machen stattdessen? Nicht das, was wir müssten – sondern das was wir wollen.
Wir machen das, was uns am besten gefällt.
Wenn Jakob von Metzler diesem Prozess beiwohnen könnte, es würde ihn das kalte Grausen über unsere Rechtsverständnis packen. Da sitzt sein Mörder, aber nicht auf der Anklagebank. Auf der sitzt der Polizeibeamte, der versuchte das Leben von Jakob von Metzler zu retten und den Mörder dazu zu bringen den Aufenthaltsort des Kindes zu verraten.

Sind wir uns eigentlich klar darüber, was wir dem Menschen Jakob von Metzler antun?
Sind wir uns klar darüber, was wir seiner Familie antun, welche Wertschätzung wir ihrem Sohn und ihrem Bruder entgegenbringen?
Sind wir uns klar darüber, was wir dem Polizeibeamten Daschner, dem Menschen Daschner und Familienvater Daschner antun?
Ist es uns klar, welche Signale wir mit diesem Prozess an den Straftäter schicken?
Die Frage, ob der Polizeibeamte Daschner dem Mörder eines Kindes körperliche Schmerzen androhen durfte oder nicht, diese Frage mag für die juristische Theorie gut ein, für unsere Gesellschaft ist sie es nicht.
Zumindest nicht solange, bis die durchgeführte Misshandlung von Jugendlichen durch militärische Vorgesetzte nicht mit dem gleichen juristischen Eifer verfolgt und bestraft wird.
Und so lange nicht, wie die Strafe eines Mörders nicht -wie bei dem Opfer- lebenslänglich heißt.

Ich würde mir als Vater eines entführten Kindes wünschen, dass die vernehmenden Polizeibeamten dem Täter die Schmerzen nicht nur androhen.
Was ich an Stelle des Herrn Daschner gemacht hätte?
Ich hätte dem Herrn Markus Gäfgen nicht nur gedroht.
Ich hätte ihn mit einem 15 Zentimeter langen Zimmermannsnagel an den männlichen Weichteilen an die Tür zum Vernehmungszimmer genagelt und dort hängen lassen bis Jakob von Metzler gefunden wird.

Soll ich Ihnen jetzt noch verraten, was ich an Stelle des Vaters von Jakob von Metzler gemacht hätte, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte 5 Minuten mit Markus Gäfgen alleine zu sein?

Die hr-Gerichtsreporterin, Heike Borufka bezeichnet in ihren Kommentaren den „Fall Daschner“ als einen „großen Schaden für den Rechtsstaat“ und wagt sogar den Vergleich mit den Folterungen irakischer Häftlinge durch US-amerikanische Soldaten.
Über den Mörder Markus Gäfgen, der kaltblütig ein 11-jähriges Kind ermordet hat, schreibt sie: «Markus Gäfgen, mittlerweile 29 Jahre alt, aber immer noch so jungenhaft und kindlich in seiner Ausstrahlung, antwortete eloquent, freundlich, sehr höflich und gut vorbereitet. Er war sich seiner Rolle offensichtlich bewußt. Er ist Hauptbelastungszeuge in einem Prozess, in dem es um die Rechtsauffassung und Grundwerte dieser Demokratie geht.
Eineinhalb Stunden saßen sich der Kindesmörder Magnus Gäfgen und der Vizepräsident der Frankfurter Polizei, Wolfgang Daschner, gegenüber. Eine Begegnung, die bedrückte, die Unbehagen auslöste. Doch Wolfgang Daschner zeigte auch an diesem dritten Verhandlungstag keine Regung. Er verzog keine Miene, er nickte nicht, er schüttelte auch nicht mit dem Kopf. Völlig selbstbeherrscht, beinahe arrogant verfolgte er die Vernehmung von Magnus Gäfgen»

Ich weiß nicht wie Ihnen geht, aber mir bereitet dieser Prozess, solche Formulierungen und Verdrehungen der Realitäten derart heftige körperliche Schmerzen, dass es schon fast einer Folter gleichkommt.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten
Weitere Links zum Thema:
Humboldt-Forum-Recht: Darf der Staat foltern?” - Eine Podiumsdiskussion

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 29. November 2004 um 05:45:24 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Der Fall Daschner”

  1. Machopan’s Rauchzeichen » Mario auf dem Dach meint:

    […] Können Sie sich noch an den Fall „Daschner“ und die Markus Gäfgen, dem Mörder des 11-jährigen Jakob von Metzler, verbal angedrohte „Zufügung von Schmerzen“ erinnern? Damals wurde Wolfgang Daschner, der stellvertretende Polizeipräsident der Stadt Frankfurt am Main wegen „Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat“ und der mitangeklagte Krimnalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit wegen „Nötigung im Amt“ angeklagt und verurteilt. […]

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Der Fall Daschner

29. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Heute war ich bei HR-Online und habe die Kommentare im Forum zum Fall „Daschner“ gelesen.
Sicher hat jeder, der sich aus welchem Blickwinkel auch immer, mit diesem Fall beschäftigt, dazu eine Meinung.
Entweder eine Meinung, die er sich selbst gebildet hat, oder eine Meinung die er irgendwo gehört und die ihm gefallen hat.

Ich persönlich halte die fast zweijährigen Ermittlungen, die Anklage und das Verfahren für eine Katastrophe, die aber gut zum Bild unserer Gesellschaft und dem Zustand unserer Justiz passt.
Denn wir kümmern uns immer mehr nicht mehr um das, um das wir uns kümmern müssten, sondern immer mehr um das, um das wir uns kümmern wollen.
Wir kümmern uns um das was uns interessant erscheint und verlieren uns in endlosen und auch sinnlosen Diskussionen, die bald jeglichen Bezug zur Realität verlieren.

Im Fall Daschner diskutieren wir das Recht des Mörders auf körperliche Unversehrtheit und verlieren dabei das Recht des Opfers auf Leben aus den Augen.
Wir diskutieren das Recht eines Täters, der durch die Ermordung von Jacob von Metzler
gegen alle juristischen und religiösen Gesetze dieser Welt verstoßen und sich damit außerhalb unserer Gesellschaft gestellt hat. Wir setzen die verbale Androhung von körperlichem Schmerz bei der Vernehmung dieses Täters gleich mit einer grundlegenden Gefährdung unseres Rechtsystems. Wir setzen es gleich mit einem gegen den Täter gerichtetes Unrecht.
Welches Recht hat dann Jakob von Metzler? Hatte er kein Recht auf körperliche Unversehrtheit?

Ist es nicht primäre Aufgabe unserer Gesellschaft und unserer Justiz Jakob von Metzler zu seinem Recht zu verhelfen? Gerade weil er es nicht mehr selbst tun kann?

Und was machen stattdessen? Nicht das, was wir müssten – sondern das was wir wollen.
Wir machen das, was uns am besten gefällt.
Wenn Jakob von Metzler diesem Prozess beiwohnen könnte, es würde ihn das kalte Grausen über unsere Rechtsverständnis packen. Da sitzt sein Mörder, aber nicht auf der Anklagebank. Auf der sitzt der Polizeibeamte, der versuchte das Leben von Jakob von Metzler zu retten und den Mörder dazu zu bringen den Aufenthaltsort des Kindes zu verraten.

Sind wir uns eigentlich klar darüber, was wir dem Menschen Jakob von Metzler antun?
Sind wir uns klar darüber, was wir seiner Familie antun, welche Wertschätzung wir ihrem Sohn und ihrem Bruder entgegenbringen?
Sind wir uns klar darüber, was wir dem Polizeibeamten Daschner, dem Menschen Daschner und Familienvater Daschner antun?
Ist es uns klar, welche Signale wir mit diesem Prozess an den Straftäter schicken?
Die Frage, ob der Polizeibeamte Daschner dem Mörder eines Kindes körperliche Schmerzen androhen durfte oder nicht, diese Frage mag für die juristische Theorie gut ein, für unsere Gesellschaft ist sie es nicht.
Zumindest nicht solange, bis die durchgeführte Misshandlung von Jugendlichen durch militärische Vorgesetzte nicht mit dem gleichen juristischen Eifer verfolgt und bestraft wird.
Und so lange nicht, wie die Strafe eines Mörders nicht -wie bei dem Opfer- lebenslänglich heißt.

Ich würde mir als Vater eines entführten Kindes wünschen, dass die vernehmenden Polizeibeamten dem Täter die Schmerzen nicht nur androhen.
Was ich an Stelle des Herrn Daschner gemacht hätte?
Ich hätte dem Herrn Markus Gäfgen nicht nur gedroht.
Ich hätte ihn mit einem 15 Zentimeter langen Zimmermannsnagel an den männlichen Weichteilen an die Tür zum Vernehmungszimmer genagelt und dort hängen lassen bis Jakob von Metzler gefunden wird.

Soll ich Ihnen jetzt noch verraten, was ich an Stelle des Vaters von Jakob von Metzler gemacht hätte, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte 5 Minuten mit Markus Gäfgen alleine zu sein?

Die hr-Gerichtsreporterin, Heike Borufka bezeichnet in ihren Kommentaren den „Fall Daschner“ als einen „großen Schaden für den Rechtsstaat“ und wagt sogar den Vergleich mit den Folterungen irakischer Häftlinge durch US-amerikanische Soldaten.
Über den Mörder Markus Gäfgen, der kaltblütig ein 11-jähriges Kind ermordet hat, schreibt sie: «Markus Gäfgen, mittlerweile 29 Jahre alt, aber immer noch so jungenhaft und kindlich in seiner Ausstrahlung, antwortete eloquent, freundlich, sehr höflich und gut vorbereitet. Er war sich seiner Rolle offensichtlich bewußt. Er ist Hauptbelastungszeuge in einem Prozess, in dem es um die Rechtsauffassung und Grundwerte dieser Demokratie geht.
Eineinhalb Stunden saßen sich der Kindesmörder Magnus Gäfgen und der Vizepräsident der Frankfurter Polizei, Wolfgang Daschner, gegenüber. Eine Begegnung, die bedrückte, die Unbehagen auslöste. Doch Wolfgang Daschner zeigte auch an diesem dritten Verhandlungstag keine Regung. Er verzog keine Miene, er nickte nicht, er schüttelte auch nicht mit dem Kopf. Völlig selbstbeherrscht, beinahe arrogant verfolgte er die Vernehmung von Magnus Gäfgen»

Ich weiß nicht wie Ihnen geht, aber mir bereitet dieser Prozess, solche Formulierungen und Verdrehungen der Realitäten derart heftige körperliche Schmerzen, dass es schon fast einer Folter gleichkommt.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 29. November 2004 um 05:45:24 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Der Fall Daschner”

  1. Machopan’s Rauchzeichen » Mario auf dem Dach meint:

    […] Können Sie sich noch an den Fall „Daschner“ und die Markus Gäfgen, dem Mörder des 11-jährigen Jakob von Metzler, verbal angedrohte „Zufügung von Schmerzen“ erinnern? Damals wurde Wolfgang Daschner, der stellvertretende Polizeipräsident der Stadt Frankfurt am Main wegen „Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat“ und der mitangeklagte Krimnalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit wegen „Nötigung im Amt“ angeklagt und verurteilt. […]

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