Schuldenkompass

25. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Heise-Online meldet am 16.11.2004, dass die Internetbeauftragte der CDU, Martina Krogmann jetzt Mobilfunkverträge mit eingeschränktem Leistungsumfang fordert, damit die Nutzung von sogenannten Premium-SMS nicht oder nur noch begrenzt möglich ist.
Sie tut dies vor dem Hintergrund des aktuellen Schuldenkompass der Schufa, nach dem junge Menschen insbesondere durch Ausgaben für Telekommunikation in eine Schuldenspirale geraten könnten
.
In das gleiche Horn (wieso Horn, ich denke es geht um SMS?) stößt die Verbraucherschutz-Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ursula Heinen.

«Zusammen mit der Telekommunikationsbranche muss nach Mitteln und Wegen gesucht werden, die Ausgaben für die Handynutzung bei Jugendlichen begrenzbar zu halten”, fordert Krogmann. Dies dürfe jedoch nicht zu einer überzogenen Regulierung führen, die innovative Geschäftsmodelle blockiert. Zudem seien Eltern angehalten, ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen und moderaten Umgang mit Mobilfunkdienstleistungen zu erziehen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion will dazu im Dezember ihre Pläne vorstellen.»

Pläne?
Welche Pläne?
Vielleicht auch noch eine Gesetzesvorlage?
Wozu?
Wir ersaufen doch schon seit Jahrzehnten in Gesetzen, Verordnungen und Bevormundungen.
Wir sollten uns vielleicht mal überlegen, wie Jugendliche eigentlich an ein Handy kommen. Irgendwie scheint mir da ein kausaler Zusammenhang zwischen Handy und Telekommunikationskosten auf der Hand zu liegen, denn wie Heise-Online weiter meldet, wurden laut aktuellem Schuldenkompass (Achtung: größeres PDF-File) der Schufa «2003 aus der Telekommunikationsbranche mehr erstmalige “Zahlungsstörungen” (offene, ausreichend gemahnte und unbestrittene Forderungen) an die Schufa gemeldet als im Vorjahr. Insbesondere in der Mobilfunkbranche sei die Kundenzahl im Beobachtunszeitraum um knapp 10 Prozent von 59,3 Millionen auf 65 Millionen gestiegen.»

Bei einer Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland (ohne illegale Zuwanderer und Wirtschaftstouristen) ) in Höhe von ca. 83 Millionen (genaue Zahl hab ich jetzt demenzbedingt gerade nicht zur Hand) wären das ja etwa 78% der Bevölkerung.
Soviel Jugendliche hat die Bundesrepublik Deutschland? Mein Gott, da müssen sich ja ganze Familienclans in den letzten 9 Monaten kaninchenartig vermehrt haben. Ich hatte immer gedacht wir hätten, zumindest wird das immer erzählt, einen unerträglichen und nicht mehr finanzierbaren Rentnerüberhang.
Wie man sich täuschen (lassen) kann.

Und weil ich ein misstrauischer alter Sack bin, habe ich mir den aktuellen Schuldenkompass der Schufa mal genauer angesehen (Internet ist echt eine feine Sache) und was lese ich da im Vorwort auf Seite 4 ganz unten?
«Eine Besonderheit des Schulden-Kompasses ist sicherlich die Repräsentativität der Daten: Die anonymisierte Analyse der SCHUFA-Daten setzt auf einem Gesamtbestand von 340 Millionen Datensätzen von rund 62 Millionen volljährigen Personen auf

Äääääähhhhhhhhhhhhh – volljährig? Das ist doch ab 18 Jahren? Oder hat Rot-grün das klammheimlich auf 16 Jahre angesenkt um die Wahrscheinlichkeit einer Wiederwahl zu verbessern?

Weitere Verwirrung stiftet ein Blick auf Seite 8 des Schuldenkompass, wo die Kernergebnisse der Studie im Überblick wiedergegeben sind. Hier ein, für das Thema relevanter Auszug:

  • 20- bis 29-Jährige haben die meisten Zahlungsschwierigkeiten.
  • Zahlungsstörungen sind in der Telekommunikation und im Handel leicht gestiegen.(1)
  • Zahlungsstörungen gegenüber Kreditinstituten treten eher in älteren als in jüngeren Altersgruppen auf.

Völlige Klarheit schafft dann ein Blick in die Teilanalyse (1) auf Seite 36:
«Aus der Telekommunikationsbranche wurden 2003 deutlich mehr erstmalige Zahlungsstörungen an die SCHUFA gemeldet als im Vorjahr. Dies ließ sich über einen Großteil der Altersgruppen von 20 bis 49 Jahren beobachten. Die aus der Telekommunikationsbranche gemeldeten Zahlungsstörungen sind vor dem Hintergrund zu bewerten, dass insbesondere in der Mobilfunkbranche die Kundenzahl im Beobachtungszeitraum um knapp 10% von 59,3 Millionen auf 65 Millionen signifikant gestiegen ist. Durch den Anstieg der Kundenzahl hat folglich auch das Potenzial von Zahlungsstörungen zugenommen.»

Jetzt komm ich mir aber von der Internetbeauftragten, CDU-Politikerin und MdB Martina Krogmann und der Verbraucherschutzbeauftragten der CDU/CSU Bundestagsfraktion Ursula Heinen voll vereimert vor.
Die Damen haben doch den Schuldenbericht noch nicht einmal bis Seite 4 gelesen! Denn hätten sie ihn gelesen, dann würden sie ja lügen oder bewusst die Unwahrheit sagen und das kann man ja von keinem Politiker behaupten. Zumindest von keinem deutschen Politiker!
Und wenn sie den Schuldenbericht angeguckt haben (das ist was anderes wie lesen), dann haben sie ihn vielleicht nicht verstanden oder nur so lange angeguckt, bis sie ihre Meinung dort gefunden hatten.

Und nun bin ich natürlich äußerst gespannt, was das für ein Münchhausenpapier werden wird, mit dem die CDU/CSU Bundestagsfraktion ihre Pläne für „den verantwortungsvollen und moderaten Umgang mit Mobilfunkdienstleistungen für Eltern und Kind“ vorstellen will.
Mit dem Schuldenkompass der Schufa kann das aber nichts zu tun haben.
Und wenn die Kids zu heftig SMSen - dann wirkt eine Prepaidkarte oder die (zeitweise) Konfiszierung des Kommunikationshobels meist wahre Wunder.

Ach ja, eine interessante Erkenntnis aus dem Schuldenkompass möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Dort heißt es auf Seite 8 u.a. „In Nordrhein-Westfalen, Berlin und in Brandenburg ist der prozentuale Anteil der Personen mit mindestens einem Negativmerkmal vergleichsweise hoch.“

Auch mir sind da -ganz spontan- ein paar noch lebende Personen aus diesen Bundesländern mit Negativmerkmalen eingefallen. Aber ich sag jetzt nicht welche.
Sie können sich ja selber ein paar ausdenken!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 25. November 2004 um 05:45:21 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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25. November 2004 05:45

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Heise-Online meldet am 16.11.2004, dass die Internetbeauftragte der CDU, Martina Krogmann jetzt Mobilfunkverträge mit eingeschränktem Leistungsumfang fordert, damit die Nutzung von sogenannten Premium-SMS nicht oder nur noch begrenzt möglich ist.
Sie tut dies vor dem Hintergrund des aktuellen Schuldenkompass der Schufa, nach dem junge Menschen insbesondere durch Ausgaben für Telekommunikation in eine Schuldenspirale geraten könnten
.
In das gleiche Horn (wieso Horn, ich denke es geht um SMS?) stößt die Verbraucherschutz-Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ursula Heinen.

«Zusammen mit der Telekommunikationsbranche muss nach Mitteln und Wegen gesucht werden, die Ausgaben für die Handynutzung bei Jugendlichen begrenzbar zu halten”, fordert Krogmann. Dies dürfe jedoch nicht zu einer überzogenen Regulierung führen, die innovative Geschäftsmodelle blockiert. Zudem seien Eltern angehalten, ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen und moderaten Umgang mit Mobilfunkdienstleistungen zu erziehen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion will dazu im Dezember ihre Pläne vorstellen.»

Pläne?
Welche Pläne?
Vielleicht auch noch eine Gesetzesvorlage?
Wozu?
Wir ersaufen doch schon seit Jahrzehnten in Gesetzen, Verordnungen und Bevormundungen.
Wir sollten uns vielleicht mal überlegen, wie Jugendliche eigentlich an ein Handy kommen. Irgendwie scheint mir da ein kausaler Zusammenhang zwischen Handy und Telekommunikationskosten auf der Hand zu liegen, denn wie Heise-Online weiter meldet, wurden laut aktuellem Schuldenkompass (Achtung: größeres PDF-File) der Schufa «2003 aus der Telekommunikationsbranche mehr erstmalige “Zahlungsstörungen” (offene, ausreichend gemahnte und unbestrittene Forderungen) an die Schufa gemeldet als im Vorjahr. Insbesondere in der Mobilfunkbranche sei die Kundenzahl im Beobachtunszeitraum um knapp 10 Prozent von 59,3 Millionen auf 65 Millionen gestiegen.»

Bei einer Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland (ohne illegale Zuwanderer und Wirtschaftstouristen) ) in Höhe von ca. 83 Millionen (genaue Zahl hab ich jetzt demenzbedingt gerade nicht zur Hand) wären das ja etwa 78% der Bevölkerung.
Soviel Jugendliche hat die Bundesrepublik Deutschland? Mein Gott, da müssen sich ja ganze Familienclans in den letzten 9 Monaten kaninchenartig vermehrt haben. Ich hatte immer gedacht wir hätten, zumindest wird das immer erzählt, einen unerträglichen und nicht mehr finanzierbaren Rentnerüberhang.
Wie man sich täuschen (lassen) kann.

Und weil ich ein misstrauischer alter Sack bin, habe ich mir den aktuellen Schuldenkompass der Schufa mal genauer angesehen (Internet ist echt eine feine Sache) und was lese ich da im Vorwort auf Seite 4 ganz unten?
«Eine Besonderheit des Schulden-Kompasses ist sicherlich die Repräsentativität der Daten: Die anonymisierte Analyse der SCHUFA-Daten setzt auf einem Gesamtbestand von 340 Millionen Datensätzen von rund 62 Millionen volljährigen Personen auf

Äääääähhhhhhhhhhhhh – volljährig? Das ist doch ab 18 Jahren? Oder hat Rot-grün das klammheimlich auf 16 Jahre angesenkt um die Wahrscheinlichkeit einer Wiederwahl zu verbessern?

Weitere Verwirrung stiftet ein Blick auf Seite 8 des Schuldenkompass, wo die Kernergebnisse der Studie im Überblick wiedergegeben sind. Hier ein, für das Thema relevanter Auszug:

  • 20- bis 29-Jährige haben die meisten Zahlungsschwierigkeiten.
  • Zahlungsstörungen sind in der Telekommunikation und im Handel leicht gestiegen.(1)
  • Zahlungsstörungen gegenüber Kreditinstituten treten eher in älteren als in jüngeren Altersgruppen auf.

Völlige Klarheit schafft dann ein Blick in die Teilanalyse (1) auf Seite 36:
«Aus der Telekommunikationsbranche wurden 2003 deutlich mehr erstmalige Zahlungsstörungen an die SCHUFA gemeldet als im Vorjahr. Dies ließ sich über einen Großteil der Altersgruppen von 20 bis 49 Jahren beobachten. Die aus der Telekommunikationsbranche gemeldeten Zahlungsstörungen sind vor dem Hintergrund zu bewerten, dass insbesondere in der Mobilfunkbranche die Kundenzahl im Beobachtungszeitraum um knapp 10% von 59,3 Millionen auf 65 Millionen signifikant gestiegen ist. Durch den Anstieg der Kundenzahl hat folglich auch das Potenzial von Zahlungsstörungen zugenommen.»

Jetzt komm ich mir aber von der Internetbeauftragten, CDU-Politikerin und MdB Martina Krogmann und der Verbraucherschutzbeauftragten der CDU/CSU Bundestagsfraktion Ursula Heinen voll vereimert vor.
Die Damen haben doch den Schuldenbericht noch nicht einmal bis Seite 4 gelesen! Denn hätten sie ihn gelesen, dann würden sie ja lügen oder bewusst die Unwahrheit sagen und das kann man ja von keinem Politiker behaupten. Zumindest von keinem deutschen Politiker!
Und wenn sie den Schuldenbericht angeguckt haben (das ist was anderes wie lesen), dann haben sie ihn vielleicht nicht verstanden oder nur so lange angeguckt, bis sie ihre Meinung dort gefunden hatten.

Und nun bin ich natürlich äußerst gespannt, was das für ein Münchhausenpapier werden wird, mit dem die CDU/CSU Bundestagsfraktion ihre Pläne für „den verantwortungsvollen und moderaten Umgang mit Mobilfunkdienstleistungen für Eltern und Kind“ vorstellen will.
Mit dem Schuldenkompass der Schufa kann das aber nichts zu tun haben.
Und wenn die Kids zu heftig SMSen - dann wirkt eine Prepaidkarte oder die (zeitweise) Konfiszierung des Kommunikationshobels meist wahre Wunder.

Ach ja, eine interessante Erkenntnis aus dem Schuldenkompass möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.
Dort heißt es auf Seite 8 u.a. „In Nordrhein-Westfalen, Berlin und in Brandenburg ist der prozentuale Anteil der Personen mit mindestens einem Negativmerkmal vergleichsweise hoch.“

Auch mir sind da -ganz spontan- ein paar noch lebende Personen aus diesen Bundesländern mit Negativmerkmalen eingefallen. Aber ich sag jetzt nicht welche.
Sie können sich ja selber ein paar ausdenken!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 25. November 2004 um 05:45:21 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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