Der Regenmacher

24. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Eigentlich ist es ja nicht meine Art, mich über Menschen zu äußern, die ich persönlich kenne.
Da benütze ich lieber jede Gelegenheit zur direkten Kommunikation und das immer mit deutlichen Worten unter vier Augen und nur für die Ohren, für die es bestimmt ist.

Aber heute will ich mal davon eine Ausnahme machen, denn vor einigen Tagen ging eine Meldung durch die Presse, die eigentlich erfreulich ist und zu der man anerkennend die Mundwinkel verzieht und bewundernd mit dem Kopf nickt und „alle Achtung“ sagt.
Sowas passiert nicht alle Tage, zumindest nicht mir. Das mit den Mundwinkeln, mein ich.

Doch schön der Reihe nach.
Der Spiegel berichtet am 6. November 2004 über einen Menschen der sein Geld dafür hergibt, damit andere Menschen etwas lernen und leisten können:

Hasso Plattner lässt Euros regnen
«Vor fünf Jahren startete Hasso Plattner, Mitbegründer und Aufsichtsratvorsitzender des Softwarekonzerns SAP, in Potsdam ein Institut für Softwaresystemtechnik.
Bei 124 Millionen Mark sollten die Investitionen zunächst liegen: 24 Millionen für einen Neubau, der vor drei Jahren eingeweiht wurde, und 100 Millionen für den Lehrbetrieb der nächsten zwanzig Jahre.
Wie Plattner am Freitag in Potsdam mitteilte, wird er bis zum Jahr 2020 weitere mehr als 200 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen aufwenden. Das Potsdamer Institut ist nicht die einzige Einrichtung, die von Plattners Zuwendungen profitiert. So hatte er im vergangenen Jahr bereits über seine Stiftung zehn Millionen Euro für den Ausbau der Mannheimer Universitätsbibliothek spendiert.»

Soweit die von mir etwas gekürzte Meldung des Spiegel, die mit einem etwas -wie ich meine- unvorteilhaften Foto des Mäzen versehen ist. Etwas grauer ist er geworden, seit ich ihn zum letzen Mal gesehen habe, aber den Krawattenknoten trägt er immer noch wie kein anderer oberhalb von “Halbmast” und auch die Kragenecken zeigten bei ihm schon immer ein etwas konträres Eigenleben.
Wie vor 25 Jahren als wir zum ersten Mal zusammentrafen. Im Herbst 1979 oder Frühjahr 1980 muss es gewesen sein, als sich unsere beruflichen Wege kreuzten und für einige Jahre synchronisierten. Reich war er damals nur an Ideen, gepaart mit einer ungeheuren Dynamik und Begeisterungsfähigkeit für alles was neu war, angeblich nicht funktionieren sollte oder vollkommen unmöglich war.

Warum schreib ich das jetzt?
Weil ich kurze Zeit später bei Heise-Online die gleiche Meldung gelesen und mir die Kommentare der (meist jungen?) Forenuser zu dieser Meldung angetan habe.
Mit PISA I und PISA II im Hinterkopf ist mir dabei der Kamm geschwollen:

Selbst die wenigen Kommentare, die nicht gleich von Anfang an mit Dummlall-Argumentation und Ideologengesabber beginnen, werden von einer anscheinend denkunfähigen, dauerpubertierenden Meute im windelfähigen Alter niedergemacht, von denen einige noch nicht einmal den Namen des Mäzen richtig schreiben können.
Es scheint eine Eigenart einer gewissen Bevölkerungsgruppe geworden zu sein, alles besser zu wissen und zu allem eine Art kollektiver Meinung zu haben, ohne sich vorher informieren zu müssen.
Macht ja eh keinen Sinn, wenn man die Weisheit und Genialität bereits rektal über die Pampers inhaliert hat und es täglich schafft, trotz unkontrollierter Abgabe großer Mengen dieser Substanz, sich wieder bis über die Augenbrauen damit abzufüllen.

Jeder vernünftige Mensch hätte sich mit wenigen Mausklicks über den Menschen und Unternehmer Hasso Plattner informieren können und erfahren, dass er sich sein Vermögen durch eigene Ideen, viel Arbeit, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen SELBST erarbeitet hat. Hasso Plattner ist kein verwöhntes Milliardärsohnchen, das vom geerbten Vermögen ein bisschen was abgibt um von den Medien hofiert zu werden. Hasso Plattner weiß ganz genau was er tut.
Wer vor dreißig Jahren, zusammen mit Arbeitskollegen und Freunden, auf einer grünen Wiese am Waldrand bei Walldorf in Baden eine Firma für betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware gegründet und zu einem weltweit führenden Konzern mit 30.000 Mitarbeitern aufgebaut hat, der weiß auch, was er mit der Gründung eines Forschungsinstituts auf einem brachliegenden Gelände und der Investition von mehr als 250 Millionen Euro (zur Erinnerung, das ist ca. eine halbe Milliarde DM) in seiner Geburtsstadt Berlin machen wird. Schließlich ist es sein Geld, das er dort investiert!

So, jetzt ist mir etwas besser.
Aber nur etwas, denn der Wahnsinn der dümmlichen Postings zu jeder Meldung bei Heise-Online hat Methode.
Auf welchem Niveau sich die Kommentare bei Heise-Online bewegen, zeigt folgender Snapshot aus einem Thread im Heise-Board zu einer Frage, die man sehr ausführlich bei Wikipedia beantwortet bekommt.
Das Schöne bei Heise ist aber, dass der Frager die Antwort gleich mitschickt, denn eigentlich wollte er ja nur fragen um selbst sein geballtes Knoff-Hoff zum Besten zu geben.
In den meisten Fällen reicht es jedoch noch nicht einmal für ein gefährliches Halbwissen.

«Was haben eigentlich alle mit XML?
XML als Format zum Datentransport wird vollkommen überschätzt.
Früher, da haben wir die Daten noch Fixed-Format - oder wenns hochkommt, mit Kommata separiert - übergeben. Satzstruktur dazu und fertig.
Heute muss es auf jeden Fall XML sein. Und wenn der Parser dann
bei >1Mio Datensätzen seinen Overflow bekommt, ist wieder mal die
Sch..ß-Technik dran schuld.
Denkt mal drüber nach!
floh »

Das mach ich - “floh“. (Nach eigenen Angaben die Kurzform von deflohration)
Ich denk da drüber nach!
Ich verspreche es hoch und heilig – beim Mundgeruch meines Hundes.
Ich mach ja schon fast nichts anderes mehr, als mir zu überlegen, wie man Menschen – die meinen schon alles zu wissen – zu einer Grundbildung verhelfen kann, die zumindest dem Niveau der Hauptschulreife entspricht.
Vielleicht sollten wir noch ein Institut bauen, ein HPI – Hauptschul Pildungs Institut, genau in der Bildungslücke und auf dem gleichen Grund wie die Bauabschnitte PISA I und PISA II.

Und der liebe „floh“ und seine Kohorte bekommen ein Stipendium.
Und wenn sie dann den Hauptschulanschluss (Berechtigung zum Besuch einer Hauptschule) geschafft und gelernt haben in einfachen Strukturen zu denken und dieses Gedachte, ohne fremde Hilfe auch in Schriftzeichen umsetzen können, dann dürfen sie sich auch zu Menschen wie dem Regenmacher äußern.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. November 2004 um 05:45:30 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Der Regenmacher

24. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Eigentlich ist es ja nicht meine Art, mich über Menschen zu äußern, die ich persönlich kenne.
Da benütze ich lieber jede Gelegenheit zur direkten Kommunikation und das immer mit deutlichen Worten unter vier Augen und nur für die Ohren, für die es bestimmt ist.

Aber heute will ich mal davon eine Ausnahme machen, denn vor einigen Tagen ging eine Meldung durch die Presse, die eigentlich erfreulich ist und zu der man anerkennend die Mundwinkel verzieht und bewundernd mit dem Kopf nickt und „alle Achtung“ sagt.
Sowas passiert nicht alle Tage, zumindest nicht mir. Das mit den Mundwinkeln, mein ich.

Doch schön der Reihe nach.
Der Spiegel berichtet am 6. November 2004 über einen Menschen der sein Geld dafür hergibt, damit andere Menschen etwas lernen und leisten können:

Hasso Plattner lässt Euros regnen
«Vor fünf Jahren startete Hasso Plattner, Mitbegründer und Aufsichtsratvorsitzender des Softwarekonzerns SAP, in Potsdam ein Institut für Softwaresystemtechnik.
Bei 124 Millionen Mark sollten die Investitionen zunächst liegen: 24 Millionen für einen Neubau, der vor drei Jahren eingeweiht wurde, und 100 Millionen für den Lehrbetrieb der nächsten zwanzig Jahre.
Wie Plattner am Freitag in Potsdam mitteilte, wird er bis zum Jahr 2020 weitere mehr als 200 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen aufwenden. Das Potsdamer Institut ist nicht die einzige Einrichtung, die von Plattners Zuwendungen profitiert. So hatte er im vergangenen Jahr bereits über seine Stiftung zehn Millionen Euro für den Ausbau der Mannheimer Universitätsbibliothek spendiert.»

Soweit die von mir etwas gekürzte Meldung des Spiegel, die mit einem etwas -wie ich meine- unvorteilhaften Foto des Mäzen versehen ist. Etwas grauer ist er geworden, seit ich ihn zum letzen Mal gesehen habe, aber den Krawattenknoten trägt er immer noch wie kein anderer oberhalb von “Halbmast” und auch die Kragenecken zeigten bei ihm schon immer ein etwas konträres Eigenleben.
Wie vor 25 Jahren als wir zum ersten Mal zusammentrafen. Im Herbst 1979 oder Frühjahr 1980 muss es gewesen sein, als sich unsere beruflichen Wege kreuzten und für einige Jahre synchronisierten. Reich war er damals nur an Ideen, gepaart mit einer ungeheuren Dynamik und Begeisterungsfähigkeit für alles was neu war, angeblich nicht funktionieren sollte oder vollkommen unmöglich war.

Warum schreib ich das jetzt?
Weil ich kurze Zeit später bei Heise-Online die gleiche Meldung gelesen und mir die Kommentare der (meist jungen?) Forenuser zu dieser Meldung angetan habe.
Mit PISA I und PISA II im Hinterkopf ist mir dabei der Kamm geschwollen:

Selbst die wenigen Kommentare, die nicht gleich von Anfang an mit Dummlall-Argumentation und Ideologengesabber beginnen, werden von einer anscheinend denkunfähigen, dauerpubertierenden Meute im windelfähigen Alter niedergemacht, von denen einige noch nicht einmal den Namen des Mäzen richtig schreiben können.
Es scheint eine Eigenart einer gewissen Bevölkerungsgruppe geworden zu sein, alles besser zu wissen und zu allem eine Art kollektiver Meinung zu haben, ohne sich vorher informieren zu müssen.
Macht ja eh keinen Sinn, wenn man die Weisheit und Genialität bereits rektal über die Pampers inhaliert hat und es täglich schafft, trotz unkontrollierter Abgabe großer Mengen dieser Substanz, sich wieder bis über die Augenbrauen damit abzufüllen.

Jeder vernünftige Mensch hätte sich mit wenigen Mausklicks über den Menschen und Unternehmer Hasso Plattner informieren können und erfahren, dass er sich sein Vermögen durch eigene Ideen, viel Arbeit, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen SELBST erarbeitet hat. Hasso Plattner ist kein verwöhntes Milliardärsohnchen, das vom geerbten Vermögen ein bisschen was abgibt um von den Medien hofiert zu werden. Hasso Plattner weiß ganz genau was er tut.
Wer vor dreißig Jahren, zusammen mit Arbeitskollegen und Freunden, auf einer grünen Wiese am Waldrand bei Walldorf in Baden eine Firma für betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware gegründet und zu einem weltweit führenden Konzern mit 30.000 Mitarbeitern aufgebaut hat, der weiß auch, was er mit der Gründung eines Forschungsinstituts auf einem brachliegenden Gelände und der Investition von mehr als 250 Millionen Euro (zur Erinnerung, das ist ca. eine halbe Milliarde DM) in seiner Geburtsstadt Berlin machen wird. Schließlich ist es sein Geld, das er dort investiert!

So, jetzt ist mir etwas besser.
Aber nur etwas, denn der Wahnsinn der dümmlichen Postings zu jeder Meldung bei Heise-Online hat Methode.
Auf welchem Niveau sich die Kommentare bei Heise-Online bewegen, zeigt folgender Snapshot aus einem Thread im Heise-Board zu einer Frage, die man sehr ausführlich bei Wikipedia beantwortet bekommt.
Das Schöne bei Heise ist aber, dass der Frager die Antwort gleich mitschickt, denn eigentlich wollte er ja nur fragen um selbst sein geballtes Knoff-Hoff zum Besten zu geben.
In den meisten Fällen reicht es jedoch noch nicht einmal für ein gefährliches Halbwissen.

«Was haben eigentlich alle mit XML?
XML als Format zum Datentransport wird vollkommen überschätzt.
Früher, da haben wir die Daten noch Fixed-Format - oder wenns hochkommt, mit Kommata separiert - übergeben. Satzstruktur dazu und fertig.
Heute muss es auf jeden Fall XML sein. Und wenn der Parser dann
bei >1Mio Datensätzen seinen Overflow bekommt, ist wieder mal die
Sch..ß-Technik dran schuld.
Denkt mal drüber nach!
floh »

Das mach ich - “floh“. (Nach eigenen Angaben die Kurzform von deflohration)
Ich denk da drüber nach!
Ich verspreche es hoch und heilig – beim Mundgeruch meines Hundes.
Ich mach ja schon fast nichts anderes mehr, als mir zu überlegen, wie man Menschen – die meinen schon alles zu wissen – zu einer Grundbildung verhelfen kann, die zumindest dem Niveau der Hauptschulreife entspricht.
Vielleicht sollten wir noch ein Institut bauen, ein HPI – Hauptschul Pildungs Institut, genau in der Bildungslücke und auf dem gleichen Grund wie die Bauabschnitte PISA I und PISA II.

Und der liebe „floh“ und seine Kohorte bekommen ein Stipendium.
Und wenn sie dann den Hauptschulanschluss (Berechtigung zum Besuch einer Hauptschule) geschafft und gelernt haben in einfachen Strukturen zu denken und dieses Gedachte, ohne fremde Hilfe auch in Schriftzeichen umsetzen können, dann dürfen sie sich auch zu Menschen wie dem Regenmacher äußern.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. November 2004 um 05:45:30 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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