Working Poor

23. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

“Working Poor” heißt frei übersetzt ins vulgärsprachliche Deutsch soviel wie „echt arme Sau“ und bezeichnet einen Menschen, bzw. eine Bevölkerungsgruppe, die trotz Erwerbstätigkeit keinen “existenzsichernden Lebensunterhalt” (living wage) verdienen kann.

Diese armen Schweine -ich bleibe jetzt bewusst bei dieser Bezeichnung, damit nicht der Eindruck entsteht es würde sich um Menschen in einem fernen, fremdsprachlichen Land handeln-, diese armen Schweine also, leben hier mitten in Europa mitten unter uns und können ackern und baggern soviel sie wollen, sie kommen nie auf einen „grünen Zweig“ und bleiben weiter arm oder werden durch Arbeit noch ärmer.
Jetzt hat mich mal die Frage beschäftigt wodurch „working poor“ bedingt ist und warum dieser offensichtliche Missstand nicht beseitigt wird. Dabei habe ich schnell herausgefunden (eigentlich hatte ich es ja geahnt), dass sich mit dieser Frage Legionen von „Experten“ aller politischen Strömungen und wissenschaftlicher Fachbereiche befassen. Ich will Ihnen die unterschiedlichen „Experten“-Ansichten ersparen und das Ergebnis meiner nächtlichen Streifzüge durch das Welde-Wide-Web in einem Satz zusammenfassen, der mir aus einem deutschsprachigen Forum ins Auge gestochen und von meinem querdenkenden Hirn mit einem sarkastischen Lacher quittiert wurde, als er sich mir Gedächtnis grub: „Mit normaler Denke eines intelligenten Wesens hat das zusammenhanglose und logikfreie Argumentationsverhalten dieser Dummfug lallenden Demenzpatienten und selbsternannten „Experten“ nun wirklich nichts mehr zu tun.“

Dabei scheint das Problem so einfach und wichtig zu sein, wie die ordentliche Ernährung eines menschlichen Organismus. Verbunden mit regelmäßigen Stuhlgang und normalem Umgang mit Alkohol, Nikotin, Koffein und Sex ist das meist schon die halbe Miete für ein gesundes Leben zum eigenen Wohle. Kommen dazu noch regelmäßige Arbeit, etwas Sport und Freizeit, sowie familiäres/gesellschaftliches/kulturelles/politisches Engagement, so wird aus dem Individuum (normalerweise) ein wichtiger, wenn nicht gar wertvoller Teil einer Gesellschaft.
Sollte ich, altersbedingt, irgendein menschliches Bedürfnis übersehen haben, so bitte ich um Nachsicht.

Also habe ich mich selbst daran gemacht um eine Definition für die „arme Sau“ zu finden und habe mich bei Wikipedia zuerst mal in den Begriff der „Armut“ eingelesen: «Armut ist die unzureichende Mittelausstattung zur Befriedigung der lebenswichtigen Grundbedürfnisse. Sie ist häufig bestimmt durch ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Armut schränkt die Betroffenen in der freien Ausgestaltung ihres Lebens ein. Hauptursachen von Armut sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sowie stark ungleiche Einkommensverteilung

„Aha“, hab ich mir gedacht, „das ist doch schon mal was! Der „armen Sau“ fehlt also Einkommen, bzw. Arbeit mit Einkommen zum Auskommen.“
«Das vom Statistischen Bundesamt errechnete monatliche Nettoäquivalenzeinkommen betrug 2002 in den alten Bundesländern 1217 Euro, in den neuen Bundesländern 1008 Euro. Nach den EU-Kriterien für die Armutsgrenze (60 %) liegen die Armutsgrenzen demnach bei 730,20 Euro für den Westen und 604,80 Euro für den Osten.
Nach ersten Zahlen für den “Armuts- und Reichtumsbericht”, den die Bundesregierung Anfang 2005 vorlegen will, galten im Jahr 2003 13 Prozent der Bevölkerung als arm. 2002 waren es nach diesen Angaben noch 12,7 Prozent. Ein Drittel der Armen sind allein Erziehende und ihre Kinder. 19 Prozent sind Paare mit mehr als drei Kindern. Die Zahl der Kinder in Deutschland, die von Sozialhilfe leben, stieg 2003 um 64 000 auf 1,08 Millionen» ©Wikipedia – Armut in Deutschland

Die derzeit laufende Debatte über Mehrarbeit ohne Lohnausgleich und der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns nimmt die bereits eingetretenen und kommenden „Erfolge“ der „Reformpolitik“ zwar zur Kenntnis, übergeht aber vollkommen, dass ein immer größerer Teil der Arbeiternehmer nicht mehr von ihrem Lohn leben kann.
Dieser (gewollte?) Effekt bezieht sich nicht nur auf das durch Hartz IV forcierte Heer der Gelegenheits-, Mini- und Ein-Euro-Jobs, deren Lohn schon definitionsgemäß keinen Bezug zum Lebensunterhalt hat, sondern betrifft zunehmend die “regulären” Beschäftigungsverhältnissen mit 40 und mehr Arbeitsstunden pro Woche. „Working Poor“ vom Feinsten eben.
Damit ist aber auch schon das Niveau angedeutet, wo die Untergrenze des Lohns für den Vollzeitarbeitsplatz eines “Working Poor” gesetzt werden wird. Gerade noch “existenzsichernd” sollte das Arbeitsentgelt nach Möglichkeit schon sein, damit diese Arbeitnehmer nicht auch noch den Sozialkassen zur Last fällt.
Dabei müsste eigentlich jeder Mensch, besonders jeder Unternehmer, verstehen, dass es wirtschaftlicher Unsinn ist, längerfristig einer Tätigkeit nachzugehen, bei der man keinen Profit macht oder keine Aussicht hat jemals Profit zu machen. Dennoch wird es von den Arbeitnehmern erwartet und verlangt.

Und jetzt geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf:
„Wenn es immer mehr arme Säue gibt, dann geraten doch (rein rechnerisch) die ‘nicht armen Säue’ in die Minderzahl und mutieren zu einer Gruppe in einer Gesellschaft, in der der Schwanz mit dem Hund wackelt, um es mal salopp auszudrücken.
Da zu befürchten steht, dass das nicht lange gut gehen wird, habe ich deshalb schon mal bei Wikipedia unter „Existenzangst“ nachgeschlagen, aber nichts gefunden.
Fündig bin ich allerdings bei „Existenz“ (Notwendigkeit für eine Lebensgrundlage) und „Angst“ geworden und bei „Angst“ habe ich gelernt, dass „Angst“ zu den sieben primären Emotionen des Menschen gehört und was mit Schweißausbrüchen, Zittern, Muskelverspannungen, Herzschmerzen, Atmungsstörungen, Durchfall und Funktionsstörungen des Blasenschließmuskels zu tun hat.
Und „Angst“ ist ein –normalerweise- in die Zukunft gerichtetes Warnsignal.

Wenn also „Existenzangst“ zu einer seuchenartigen, hochgradig ansteckenden Volkskrankheit wird, dann wird wohl jedem klar werden, warum die Krankenkassen die Beiträge ‘gar nie’ nicht senken können und das Flehen der Gesundheitsulla nicht erhören werden.
Eigentlich müsste man diese Krankheit ja der WHO melden und die Erreger dieser Seuche mit allen Mitteln bekämpfen.

Oder seh ich das jetzt zu medizinisch, - tiermedizinisch meine ich natürlich?
Ach, fast hätte ich es vergessen – neben der „armen Sau“ gibt es auch noch die „dumme Sau“. Aber über die schreib ich ein andermal, denn dieses unerschöpfliche Thema würde jetzt doch den Rahmen sprengen.

Tara ruft.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 23. November 2004 um 05:45:33 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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23. November 2004 05:45

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Diese armen Schweine -ich bleibe jetzt bewusst bei dieser Bezeichnung, damit nicht der Eindruck entsteht es würde sich um Menschen in einem fernen, fremdsprachlichen Land handeln-, diese armen Schweine also, leben hier mitten in Europa mitten unter uns und können ackern und baggern soviel sie wollen, sie kommen nie auf einen „grünen Zweig“ und bleiben weiter arm oder werden durch Arbeit noch ärmer.
Jetzt hat mich mal die Frage beschäftigt wodurch „working poor“ bedingt ist und warum dieser offensichtliche Missstand nicht beseitigt wird. Dabei habe ich schnell herausgefunden (eigentlich hatte ich es ja geahnt), dass sich mit dieser Frage Legionen von „Experten“ aller politischen Strömungen und wissenschaftlicher Fachbereiche befassen. Ich will Ihnen die unterschiedlichen „Experten“-Ansichten ersparen und das Ergebnis meiner nächtlichen Streifzüge durch das Welde-Wide-Web in einem Satz zusammenfassen, der mir aus einem deutschsprachigen Forum ins Auge gestochen und von meinem querdenkenden Hirn mit einem sarkastischen Lacher quittiert wurde, als er sich mir Gedächtnis grub: „Mit normaler Denke eines intelligenten Wesens hat das zusammenhanglose und logikfreie Argumentationsverhalten dieser Dummfug lallenden Demenzpatienten und selbsternannten „Experten“ nun wirklich nichts mehr zu tun.“

Dabei scheint das Problem so einfach und wichtig zu sein, wie die ordentliche Ernährung eines menschlichen Organismus. Verbunden mit regelmäßigen Stuhlgang und normalem Umgang mit Alkohol, Nikotin, Koffein und Sex ist das meist schon die halbe Miete für ein gesundes Leben zum eigenen Wohle. Kommen dazu noch regelmäßige Arbeit, etwas Sport und Freizeit, sowie familiäres/gesellschaftliches/kulturelles/politisches Engagement, so wird aus dem Individuum (normalerweise) ein wichtiger, wenn nicht gar wertvoller Teil einer Gesellschaft.
Sollte ich, altersbedingt, irgendein menschliches Bedürfnis übersehen haben, so bitte ich um Nachsicht.

Also habe ich mich selbst daran gemacht um eine Definition für die „arme Sau“ zu finden und habe mich bei Wikipedia zuerst mal in den Begriff der „Armut“ eingelesen: «Armut ist die unzureichende Mittelausstattung zur Befriedigung der lebenswichtigen Grundbedürfnisse. Sie ist häufig bestimmt durch ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Armut schränkt die Betroffenen in der freien Ausgestaltung ihres Lebens ein. Hauptursachen von Armut sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sowie stark ungleiche Einkommensverteilung

„Aha“, hab ich mir gedacht, „das ist doch schon mal was! Der „armen Sau“ fehlt also Einkommen, bzw. Arbeit mit Einkommen zum Auskommen.“
«Das vom Statistischen Bundesamt errechnete monatliche Nettoäquivalenzeinkommen betrug 2002 in den alten Bundesländern 1217 Euro, in den neuen Bundesländern 1008 Euro. Nach den EU-Kriterien für die Armutsgrenze (60 %) liegen die Armutsgrenzen demnach bei 730,20 Euro für den Westen und 604,80 Euro für den Osten.
Nach ersten Zahlen für den “Armuts- und Reichtumsbericht”, den die Bundesregierung Anfang 2005 vorlegen will, galten im Jahr 2003 13 Prozent der Bevölkerung als arm. 2002 waren es nach diesen Angaben noch 12,7 Prozent. Ein Drittel der Armen sind allein Erziehende und ihre Kinder. 19 Prozent sind Paare mit mehr als drei Kindern. Die Zahl der Kinder in Deutschland, die von Sozialhilfe leben, stieg 2003 um 64 000 auf 1,08 Millionen» ©Wikipedia – Armut in Deutschland

Die derzeit laufende Debatte über Mehrarbeit ohne Lohnausgleich und der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns nimmt die bereits eingetretenen und kommenden „Erfolge“ der „Reformpolitik“ zwar zur Kenntnis, übergeht aber vollkommen, dass ein immer größerer Teil der Arbeiternehmer nicht mehr von ihrem Lohn leben kann.
Dieser (gewollte?) Effekt bezieht sich nicht nur auf das durch Hartz IV forcierte Heer der Gelegenheits-, Mini- und Ein-Euro-Jobs, deren Lohn schon definitionsgemäß keinen Bezug zum Lebensunterhalt hat, sondern betrifft zunehmend die “regulären” Beschäftigungsverhältnissen mit 40 und mehr Arbeitsstunden pro Woche. „Working Poor“ vom Feinsten eben.
Damit ist aber auch schon das Niveau angedeutet, wo die Untergrenze des Lohns für den Vollzeitarbeitsplatz eines “Working Poor” gesetzt werden wird. Gerade noch “existenzsichernd” sollte das Arbeitsentgelt nach Möglichkeit schon sein, damit diese Arbeitnehmer nicht auch noch den Sozialkassen zur Last fällt.
Dabei müsste eigentlich jeder Mensch, besonders jeder Unternehmer, verstehen, dass es wirtschaftlicher Unsinn ist, längerfristig einer Tätigkeit nachzugehen, bei der man keinen Profit macht oder keine Aussicht hat jemals Profit zu machen. Dennoch wird es von den Arbeitnehmern erwartet und verlangt.

Und jetzt geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf:
„Wenn es immer mehr arme Säue gibt, dann geraten doch (rein rechnerisch) die ‘nicht armen Säue’ in die Minderzahl und mutieren zu einer Gruppe in einer Gesellschaft, in der der Schwanz mit dem Hund wackelt, um es mal salopp auszudrücken.
Da zu befürchten steht, dass das nicht lange gut gehen wird, habe ich deshalb schon mal bei Wikipedia unter „Existenzangst“ nachgeschlagen, aber nichts gefunden.
Fündig bin ich allerdings bei „Existenz“ (Notwendigkeit für eine Lebensgrundlage) und „Angst“ geworden und bei „Angst“ habe ich gelernt, dass „Angst“ zu den sieben primären Emotionen des Menschen gehört und was mit Schweißausbrüchen, Zittern, Muskelverspannungen, Herzschmerzen, Atmungsstörungen, Durchfall und Funktionsstörungen des Blasenschließmuskels zu tun hat.
Und „Angst“ ist ein –normalerweise- in die Zukunft gerichtetes Warnsignal.

Wenn also „Existenzangst“ zu einer seuchenartigen, hochgradig ansteckenden Volkskrankheit wird, dann wird wohl jedem klar werden, warum die Krankenkassen die Beiträge ‘gar nie’ nicht senken können und das Flehen der Gesundheitsulla nicht erhören werden.
Eigentlich müsste man diese Krankheit ja der WHO melden und die Erreger dieser Seuche mit allen Mitteln bekämpfen.

Oder seh ich das jetzt zu medizinisch, - tiermedizinisch meine ich natürlich?
Ach, fast hätte ich es vergessen – neben der „armen Sau“ gibt es auch noch die „dumme Sau“. Aber über die schreib ich ein andermal, denn dieses unerschöpfliche Thema würde jetzt doch den Rahmen sprengen.

Tara ruft.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 23. November 2004 um 05:45:33 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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