Stabilitätspakt

22. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Eigentlich wundert es niemand mehr.
Seit wir wissen, dass mit dem Superklebstoff „Hartz IV“ die Arbeitsmarktprobleme der Republik gekittet werden können und „Mehrarbeit“ zu „mehr Arbeit“ in direkt proportionalem Verhältnis steht, Arafat das Milliardenvermögen auf Schweizer Bankkonten im Lotto gewonnen hat und Condoleezza Rice in der Lage ist, dem amerikanischen Präsidenten Dinge so erklären kann, dass es auch ein Sechsjähriger versteht (Es war einmal in Amerika), kommt es auf den Finanzhans auch nicht mehr an, der fest davon überzeugt ist mit seinem Haushalt die Defizitgrenze des Maastrichter Stabilitätspaktes zu schaffen.

Mit dem Titel „UNERSCHÜTTERLICHEN OPTIMISMUS“ würdigt der Spiegel diese heroische Haltung, nachdem es dem Finanzhans in den drei Jahren davor seine optimistischen Prognosen heftig verhagelt hat. Widrige Umstände sollen jeweils die Ursache gewesen sein, hieß es nachher. Es werden wohl eher optimistische Prognosen und Wunschdenken gewesen sein, weil eben nicht sein kann was nicht sein darf.
Also Augen zu und durch - „the same procedure as last year“.

Und seit dem griechischen Präzedenzfall weiß man ja auch, dass es sowieso wurst ist, ob man sich beim Zusammenhäkeln des Haushalts verrechnet oder verschätzt hat, oder gar beides. Wen interessiert es da noch, ob das falsche Zahlenmaterial durch Unvermögen, Dummheit, Absicht oder gar kriminelle Energie entstand?
Passieren tut doch eh nix! Also lasst doch die Hunde bellen und die Karawane weiter ziehen.

Ob Sachverständigenrat, EU-Kommission oder Wirtschaftsforschungsinstitute: Keiner erwartet, dass Deutschland im kommenden Jahr die Defizitvorgabe des Maastrichter Stabilitätspaktes einhalten kann. Lediglich der Finanzminister Hans Eichel glaubt weiter an einen vertragskonformen Bundeshaushalt.

Rein rechnerisch und auf dem Papier mag er damit vielleicht sogar recht haben.
Aber darum geht es auch schon gar nicht mehr. Sicher würde niemand über ein Defizit von „so um die 3%“ viele Worte verlieren – wenn man nicht wüsste, mit wie viel Aufwand es erkauft wurde.

Auch einen Sonderbonus hätte man sich, im Angesicht der Wiedervereinigung, für einen bestimmten Zeitraum mit der EU aushandeln können.
Aber man hat sich lieber dafür entschieden Luftschlösser zu bauen und die letzten Vermögenswerte zu verramschen, die man auf irgendeine Art noch kurzfristig zu Geld machen kann. Wie Spieler, die den letzten Bezug zur Realität verloren haben und alles auf eine Karte setzen und glauben mit dem letzten Stich das Spiel herumreißen zu können.

Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Spieler und einem Minister?
Der Spieler bringt sein Vermögen unters Volk, hebt die Hand zum Schwur und geht in die Insolvenz.
Der Minister hebt die Hand zum Schwur, bringt sein Volk ums Vermögen und geht in die Pension.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 22. November 2004 um 05:45:46 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Stabilitätspakt

22. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Eigentlich wundert es niemand mehr.
Seit wir wissen, dass mit dem Superklebstoff „Hartz IV“ die Arbeitsmarktprobleme der Republik gekittet werden können und „Mehrarbeit“ zu „mehr Arbeit“ in direkt proportionalem Verhältnis steht, Arafat das Milliardenvermögen auf Schweizer Bankkonten im Lotto gewonnen hat und Condoleezza Rice in der Lage ist, dem amerikanischen Präsidenten Dinge so erklären kann, dass es auch ein Sechsjähriger versteht (Es war einmal in Amerika), kommt es auf den Finanzhans auch nicht mehr an, der fest davon überzeugt ist mit seinem Haushalt die Defizitgrenze des Maastrichter Stabilitätspaktes zu schaffen.

Mit dem Titel „UNERSCHÜTTERLICHEN OPTIMISMUS“ würdigt der Spiegel diese heroische Haltung, nachdem es dem Finanzhans in den drei Jahren davor seine optimistischen Prognosen heftig verhagelt hat. Widrige Umstände sollen jeweils die Ursache gewesen sein, hieß es nachher. Es werden wohl eher optimistische Prognosen und Wunschdenken gewesen sein, weil eben nicht sein kann was nicht sein darf.
Also Augen zu und durch - „the same procedure as last year“.

Und seit dem griechischen Präzedenzfall weiß man ja auch, dass es sowieso wurst ist, ob man sich beim Zusammenhäkeln des Haushalts verrechnet oder verschätzt hat, oder gar beides. Wen interessiert es da noch, ob das falsche Zahlenmaterial durch Unvermögen, Dummheit, Absicht oder gar kriminelle Energie entstand?
Passieren tut doch eh nix! Also lasst doch die Hunde bellen und die Karawane weiter ziehen.

Ob Sachverständigenrat, EU-Kommission oder Wirtschaftsforschungsinstitute: Keiner erwartet, dass Deutschland im kommenden Jahr die Defizitvorgabe des Maastrichter Stabilitätspaktes einhalten kann. Lediglich der Finanzminister Hans Eichel glaubt weiter an einen vertragskonformen Bundeshaushalt.

Rein rechnerisch und auf dem Papier mag er damit vielleicht sogar recht haben.
Aber darum geht es auch schon gar nicht mehr. Sicher würde niemand über ein Defizit von „so um die 3%“ viele Worte verlieren – wenn man nicht wüsste, mit wie viel Aufwand es erkauft wurde.

Auch einen Sonderbonus hätte man sich, im Angesicht der Wiedervereinigung, für einen bestimmten Zeitraum mit der EU aushandeln können.
Aber man hat sich lieber dafür entschieden Luftschlösser zu bauen und die letzten Vermögenswerte zu verramschen, die man auf irgendeine Art noch kurzfristig zu Geld machen kann. Wie Spieler, die den letzten Bezug zur Realität verloren haben und alles auf eine Karte setzen und glauben mit dem letzten Stich das Spiel herumreißen zu können.

Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Spieler und einem Minister?
Der Spieler bringt sein Vermögen unters Volk, hebt die Hand zum Schwur und geht in die Insolvenz.
Der Minister hebt die Hand zum Schwur, bringt sein Volk ums Vermögen und geht in die Pension.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 22. November 2004 um 05:45:46 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)