FuZo

20. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Gibt es in Ihrer Stadt auch eine FuZo?
Einen Bereich, wo man nur zu Fuß hindarf.
Nein, ich meine nicht eine öffentliche Bedürfnisanstalt, ich meine eine öffentliche Fußgängerzone.

Haben sie sich eigentlich schon mal Gedanken gemacht, welche Probleme durch solche Zonen eigentlich entstehen können?
Stellen sie sich mal vor, sie hätten dort ein Geschäft. Nur so ein kleines Ladengeschäft für Wolle und Nähbedarf oder für Batterien aller Art oder eine kleine Reiseagentur. Sie zahlen Gewerbesteuer an die Stadt, zahlen Einkommensteuer, zahlen Grundsteuer und Miete mit Mehrwertsteuer an den Vermieter der wiederum Gewerbesteuer an die Stadt bezahlt.
Und dann geht ihnen mitten im Sommer die Klimaanlage kaputt oder die Toilette ist verstopft oder sie bekommen eine neue Ladeneinrichtung geliefert und eingebaut.
Und ihr Laden liegt in einer „Fußgängerzone“. Da darf niemand, außer der Müllabfuhr, der Polizei, Krankenwagen oder Feuerwehr mit dem Auto rein.

Außer er hat eine Sondergenehmigung der Stadtverwaltung!
Auf diesen Sachverhalt hat selbige durch Veröffentlichung einer Pressemeldung hingewiesen:

Service für Handwerker: Ausnahmegenehmigung für Parken in der City

Das Amt für Wirtschaftsförderung informiert über einen Service der Stadtverwaltung. Aus aktuellem Anlass wird auf die Möglichkeit der Ausnahmegenehmigung für Handwerker zum Parken im eingeschränkten Halteverbot und in Bewohnerparkzonen - ohne einen Parkschein zu lösen - hingewiesen. Ebenso ist es mit dieser Ausnahmegenehmigung möglich, zur Durchführung von Notfallarbeiten die Fußgängerzone außerhalb der hierfür vorgesehenen Be- und Entladezeiten zu befahren und das Fahrzeug während der Dauer der Tätigkeit abzustellen. Leider kommt es gelegentlich vor, dass Handwerker, die über diesen Service nicht informiert sind, bei der Ausübung ihrer Tätigkeit schriftliche Verwarnungen mit der Verpflichtung zur Zahlung eines Verwarnungsgeldes wegen unerlaubten Parkens bekommen.
Die angesprochene Ausnahmegenehmigung erlaubt das Parken ausdrücklich im Falle der Ausübung der handwerklichen Arbeiten. Die Ausnahmegenehmigung berechtigt nicht zum Parken am Firmensitz. Die Ausnahmegenehmigung kann formlos beantragt werden beim Fachbereich Sicherheit und Ordnung, Telefon: ███████, Fax: ███████
Die Ausnahmegenehmigung ist gebührenpflichtig und kann wochen- und monatsweise oder für ein ganzes Jahr erteilt werden. Für spezielle Umbauten an Gebäuden werden außerdem im Rahmen der Baustellengenehmigung Parkausnahmegenehmigungen erteilt.

Sie sind jetzt gedanklich immer noch Besitzer eines kleinen Ladens in eben dieser Fußgängerzone.
Es ist Freitag und Sie rufen einen Handwerker an, weil die Toilette verstopft ist und die Sache nicht nur zum Himmel stinkt. Zwar ist es schon spät am Nachmittag, doch der Handwerker verspricht gegen 18:00 Uhr zu kommen, allerdings werde er schweres Gerät benötigen und trägt Ihnen auf, sich schon mal um die problemlose Zufahrt zur Fußgängerzone zu kümmern. Er habe noch genug von dem Ärger beim letzten Mal, als er nicht nur ein Verwarnungsgeld wegen unerlaubten Parkens bekam, sondern auch noch eine Anzeige wegen Beleidigung einer im städtischen Auftrag handelnden Politesse.
Also rasch die Nummer vom Amt für Wirtschaftsförderung rausgesucht und angerufen. Während es am anderen Ende läutet, ein schneller Blick auf die Uhr. Es ist 16:45 Uhr, da ist auf dem Amt niemand mehr da. Feierabend. Außerdem ist Freitag, die Stadtverwaltung und das Amt für Wirtschaftsförderung sind bereits im Wochenende.
Aufkommende Hektik bestimmt in der nächsten halben Stunde ihre vergeblichen Bemühungen sich eine gebührenpflichtige Ausnahmegenehmigung des städtischen Amtes für Wirtschaftsförderung zum Befahren und Parken in der Fußgängerzone außerhalb der hierfür vorgesehenen Be- und Entladezeiten zu beschaffen.
Dann erlöst Sie ihr kaufmännisches Denken von diesem Problem. Statt weiter unter erheblichem Zeit- und Kostenaufwand hinter irgendwelchen städtischen Angestellten herzutelefonieren und sich um ein bedrucktes und gestempeltes Stück Papier zu bemühen und dafür noch ein Entgelt zu bezahlen, ist es summa sumarum billiger ein Verwarnungsgeld wegen unerlaubten Parken in der Fußgängerzone in Kauf zu nehmen.

Ich frag mich sowieso schon die ganze Zeit, was die Ausstellung dieser gebührenpflichtigen Ausnahmegenehmigung zum Parken in der City eigentlich mit Wirtschaftsförderung zu tun hat.

Vielleicht haben sie ja eine Idee.
Ich komm nicht drauf!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 20. November 2004 um 05:45:48 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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FuZo

20. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Gibt es in Ihrer Stadt auch eine FuZo?
Einen Bereich, wo man nur zu Fuß hindarf.
Nein, ich meine nicht eine öffentliche Bedürfnisanstalt, ich meine eine öffentliche Fußgängerzone.

Haben sie sich eigentlich schon mal Gedanken gemacht, welche Probleme durch solche Zonen eigentlich entstehen können?
Stellen sie sich mal vor, sie hätten dort ein Geschäft. Nur so ein kleines Ladengeschäft für Wolle und Nähbedarf oder für Batterien aller Art oder eine kleine Reiseagentur. Sie zahlen Gewerbesteuer an die Stadt, zahlen Einkommensteuer, zahlen Grundsteuer und Miete mit Mehrwertsteuer an den Vermieter der wiederum Gewerbesteuer an die Stadt bezahlt.
Und dann geht ihnen mitten im Sommer die Klimaanlage kaputt oder die Toilette ist verstopft oder sie bekommen eine neue Ladeneinrichtung geliefert und eingebaut.
Und ihr Laden liegt in einer „Fußgängerzone“. Da darf niemand, außer der Müllabfuhr, der Polizei, Krankenwagen oder Feuerwehr mit dem Auto rein.

Außer er hat eine Sondergenehmigung der Stadtverwaltung!
Auf diesen Sachverhalt hat selbige durch Veröffentlichung einer Pressemeldung hingewiesen:

Service für Handwerker: Ausnahmegenehmigung für Parken in der City

Das Amt für Wirtschaftsförderung informiert über einen Service der Stadtverwaltung. Aus aktuellem Anlass wird auf die Möglichkeit der Ausnahmegenehmigung für Handwerker zum Parken im eingeschränkten Halteverbot und in Bewohnerparkzonen - ohne einen Parkschein zu lösen - hingewiesen. Ebenso ist es mit dieser Ausnahmegenehmigung möglich, zur Durchführung von Notfallarbeiten die Fußgängerzone außerhalb der hierfür vorgesehenen Be- und Entladezeiten zu befahren und das Fahrzeug während der Dauer der Tätigkeit abzustellen. Leider kommt es gelegentlich vor, dass Handwerker, die über diesen Service nicht informiert sind, bei der Ausübung ihrer Tätigkeit schriftliche Verwarnungen mit der Verpflichtung zur Zahlung eines Verwarnungsgeldes wegen unerlaubten Parkens bekommen.
Die angesprochene Ausnahmegenehmigung erlaubt das Parken ausdrücklich im Falle der Ausübung der handwerklichen Arbeiten. Die Ausnahmegenehmigung berechtigt nicht zum Parken am Firmensitz. Die Ausnahmegenehmigung kann formlos beantragt werden beim Fachbereich Sicherheit und Ordnung, Telefon: ███████, Fax: ███████
Die Ausnahmegenehmigung ist gebührenpflichtig und kann wochen- und monatsweise oder für ein ganzes Jahr erteilt werden. Für spezielle Umbauten an Gebäuden werden außerdem im Rahmen der Baustellengenehmigung Parkausnahmegenehmigungen erteilt.

Sie sind jetzt gedanklich immer noch Besitzer eines kleinen Ladens in eben dieser Fußgängerzone.
Es ist Freitag und Sie rufen einen Handwerker an, weil die Toilette verstopft ist und die Sache nicht nur zum Himmel stinkt. Zwar ist es schon spät am Nachmittag, doch der Handwerker verspricht gegen 18:00 Uhr zu kommen, allerdings werde er schweres Gerät benötigen und trägt Ihnen auf, sich schon mal um die problemlose Zufahrt zur Fußgängerzone zu kümmern. Er habe noch genug von dem Ärger beim letzten Mal, als er nicht nur ein Verwarnungsgeld wegen unerlaubten Parkens bekam, sondern auch noch eine Anzeige wegen Beleidigung einer im städtischen Auftrag handelnden Politesse.
Also rasch die Nummer vom Amt für Wirtschaftsförderung rausgesucht und angerufen. Während es am anderen Ende läutet, ein schneller Blick auf die Uhr. Es ist 16:45 Uhr, da ist auf dem Amt niemand mehr da. Feierabend. Außerdem ist Freitag, die Stadtverwaltung und das Amt für Wirtschaftsförderung sind bereits im Wochenende.
Aufkommende Hektik bestimmt in der nächsten halben Stunde ihre vergeblichen Bemühungen sich eine gebührenpflichtige Ausnahmegenehmigung des städtischen Amtes für Wirtschaftsförderung zum Befahren und Parken in der Fußgängerzone außerhalb der hierfür vorgesehenen Be- und Entladezeiten zu beschaffen.
Dann erlöst Sie ihr kaufmännisches Denken von diesem Problem. Statt weiter unter erheblichem Zeit- und Kostenaufwand hinter irgendwelchen städtischen Angestellten herzutelefonieren und sich um ein bedrucktes und gestempeltes Stück Papier zu bemühen und dafür noch ein Entgelt zu bezahlen, ist es summa sumarum billiger ein Verwarnungsgeld wegen unerlaubten Parken in der Fußgängerzone in Kauf zu nehmen.

Ich frag mich sowieso schon die ganze Zeit, was die Ausstellung dieser gebührenpflichtigen Ausnahmegenehmigung zum Parken in der City eigentlich mit Wirtschaftsförderung zu tun hat.

Vielleicht haben sie ja eine Idee.
Ich komm nicht drauf!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 20. November 2004 um 05:45:48 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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