Ticker gucken

19. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Ticker gucken ist geil!
An manchen Tagen gibt es wirklich nichts schöneres als auf den News-Ticker einer beliebigen Zeitung zu starren.
Da jagt ein Brüller den anderen. Manchmal kommen die Hämmer so schnell hintereinander, dass man schon gar nicht mehr auslachen kann, bevor der nächste Witz sich seitlich in den Bildschirm schiebt.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Dinger immer von rechts kommen?
Also zu einer kurzen Kaffeepause im Büro oder auch zu Hause gibt es wirklich nichts Schöneres als sich vor den Bildschirm zu hocken, sich lässig zurückzulehnen, den dampfenden Kaffeetopf entspannt in der linken Hand auf der Tischplatte zu haben und die rechte Hand klickbereit an der Maus.
Gute Reaktion und Zielvermögen ist gefragt, denn die Ticker sind verhältnismäßig klein und wuseln ihren Text in Kurzform über den Bildschirm. Will man mehr wissen, als das, was der Header so an Informationen hergibt, jagt man mit dem Mauszeiger hinter ihm her und zwingt ihn mit einem doppelten Mausklick zum Anhalten. Keine Angst, wenn das beim ersten Mal nicht gleich auf Anhieb gelingt und die News sich aus dem linken Bildschirmrand verpisst. Die kommt wieder – aber Achtung, natürlich auf der rechten Seite.
Ist das gleiche System wie bei den Landtagswahlen – rechts rein, links raus.
Es soll ja Blondinen geben, die sehen einer solchen verschwundenen Nachricht links um den Bildschirm herum nach, um zu sehen wohin die Nachricht verschwunden ist. Das sind übrigens die gleichen Frauen, die beim Autofahren immer auf dem Lenkrad hängen um zu gucken wie lange ihr Auto vorne ist. Achten Sie mal drauf, wenn Sie nächstes Mal auf der Autobahn unterwegs sind. Besonders bei Mercedes A-Klasse, Fiat Pinto, Opel Coma, Ford Fiasko und Renault Climax lohnt sich ein seitlicher Blick allemal.
Aber das nur am Rande, zurück zu den News-Tickern.

Da tickert gerade die Nachricht über den Ticker, dass «„rein rechnerisch das Geldvermögen der privaten Haushalte in Brandenburg 25.100 Euro beträgt“. Das errechnete der Landesbetrieb für Statistik in Potsdam. Lebens-, private Renten- sowie Sterbegeld-, Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen hätten den größten Anteil daran. Das Geldvermögen erreichte zu 62 Prozent den Bundesdurchschnitt. Gegenüber 1998 nahm das durchschnittliche Geldvermögen je Haushalt in Brandenburg um mehr als die Hälfte zu».

Ich bin noch dabei mir vorzustellen, wie der Durchschnittsbrandenburger mit seinem Geldvermögen von 25.100 Euro in Form von Lebens-, private Renten- sowie Sterbegeld-, Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen seine monatliche Miete und die Brötchen beim Bäcker bezahlt, da drückt schon der nächste Hammer von rechts ins Display:

«Narren übernahmen die Macht in Brandenburger Rathäusern. In vielen Orten Brandenburgs haben die Narren die Rathäuser erobert. Widerstandslos übergaben die Oberbürgermeister der drei kreisfreien Städte Potsdam, Cottbus und Brandenburg/Havel die Schlüssel zu ihren Amtssitzen und damit die Macht ab. Eine Ausnahme war Frankfurt (Oder), wo die Stadtverwaltung ihrer gewohnten Arbeit nachging und Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) im Urlaub ist
Jetzt bin ich doch etwas verwirrt, ich dachte die Wahlen waren erst vor ein paar Wochen. Oder haben die jetzt ganz heimlich still und leise noch mal gewählt? Also ich steig da jetzt nicht mehr durch, welche Narren jetzt im Rathaus sind und welche davor stehen.

Ein paar Narren werden sicher fehlen, denn wenn man dem nächster Ticker glauben darf, dann ziehen es immer mehr vor, ihren dauernden Aufenthalt in ländliche Gegenden zu verlegen, wenn sie sich endgültig aus dem Staub machen. Ja Sack und Asche – das ist ja unglaublich :

«Einäscherungen immer häufiger außerhalb Berlins. Aus Kostengründen lassen immer mehr Berliner ihre Toten außerhalb der Stadtgrenzen einäschern. Das Statistische Landesamt geht davon aus, dass 2003 für jede dritte Verbrennung ein Krematorium jenseits der Stadt gewählt wurde. Wie das Amt am Donnerstag mitteilte, war es sechs Jahre zuvor nur jede zehnte. Nach Angaben der Berliner Bestatter-Innung ist eine Einäscherung außerhalb bis zu 40 Prozent günstiger. Die schlechte Wirtschaftslage und der Wegfall des Sterbegelds zwingen zum sparen.»

Schlechte Wirtschaftslage? Dass ich nicht lache! Gerade ist der Ticker mit den Infos über das durchschnittliche Geldvermögen der privaten Haushalte ins linksseitige Nirwana meines Bildschirms verschwunden und jetzt lassen sich die Bürger in ländlichen Gegenden einäschern, ohne die Kohle vorher vom Konto zu holen um sich für 25.100 Euro ein ordentliches Begräbnis in der Bundeshauptstadt zu gönnen? Aber 40% ist natürlich ne stattliche Marge für eine Selbstverbrennung, wenn man berücksichtigt dass sich andere Leute an 2% Wirtschaftswachstum schon (oder nur?) die Finger verbrannt haben.

Hab auch gar keine Zeit dazu, denn schon tickerts wieder – wieder von rechts-
«Verwaltungsgericht genehmigt rechte Demonstration in Halbe. Rechtsgerichtete Gruppierungen dürfen sich nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Cottbus an diesem Samstag auf dem Waldfriedhof in Halbe (Dahme-Spreewald) unter Auflagen versammeln. Das Verwaltungsgericht Cottbus gab am Mittwoch entsprechenden Eilanträgen statt. Wie die Behörde weiter mitteilte, lagen die rechtlichen Voraussetzungen für ein vollständiges Verbot des so genannten Heldengedenkens nicht vor.»

Na, jetzt ist doch fast alles in Butter!
Da dürfen die Rechtsradikalen mit juristischem Segen ihre rabattgeäscherten Verstorbenen auf den Waldfriedhöfen besuchen, um ihnen von den 25.100 Euro zu erzählen, die das Finanzamt auf dem Konto beschlagnahmt hat, bis die Erbfolge geklärt und die Erbschaftssteuer bezahlt ist, während in den umliegenden Rathäusern die Narren ihre Macht ausüben.
Nur, wie der Bürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) in einer solch prekären politischen und wirtschaftlichen Situation in Urlaub fahren kann und dadurch geschickt die Machtübernahme der Narren verhindert, wird sicher noch ein juristisches Nachspiel haben.

AuuuuAuuuuuAuuuuu – da kommt schon der nächste Streich!
Aus dem Ticker – von rechts!
Was haben die?
Das ist ja echt unglaublich. Das ist ja unvorstellbar!
Da sind doch der Bundesgerd, der Finanzhans und die halbe Bundesregierung nach Cap Carneval, das jetzt Cap Kennedy heißt, gefahren um anhand von Bildmaterial der NASA zu klären, ob irgendwo in Deutschland noch Geldtöpfe oder Schätze versteckt sein könnten. Und bei der Besichtigung der Rakete haben sie, wie es halt so ihre Art ist, an allen Knöpfchen und Hebelchen herumgespielt, ohne zu wissen was dann passiert. Ja und da ist die Rakete in den Weltraum gestartet und wird sich nach Ansicht der Experten in den unendlichen Weiten des Universums selbst zerstören. Die Medien sprechen von einer nationalen Tragödie.

„Und wenn die Rakete jemals wieder unversehrt zur Erde zurückkehren sollte“, tickert sich langsam zum Mitdenken durch mein Gehirn, „dann wäre das keine nationale Tragödie, sondern eine nationale Katastrophe.“

In diesem Sinne – ein schönes Wochende.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 19. November 2004 um 05:45:35 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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An manchen Tagen gibt es wirklich nichts schöneres als auf den News-Ticker einer beliebigen Zeitung zu starren.
Da jagt ein Brüller den anderen. Manchmal kommen die Hämmer so schnell hintereinander, dass man schon gar nicht mehr auslachen kann, bevor der nächste Witz sich seitlich in den Bildschirm schiebt.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass die Dinger immer von rechts kommen?
Also zu einer kurzen Kaffeepause im Büro oder auch zu Hause gibt es wirklich nichts Schöneres als sich vor den Bildschirm zu hocken, sich lässig zurückzulehnen, den dampfenden Kaffeetopf entspannt in der linken Hand auf der Tischplatte zu haben und die rechte Hand klickbereit an der Maus.
Gute Reaktion und Zielvermögen ist gefragt, denn die Ticker sind verhältnismäßig klein und wuseln ihren Text in Kurzform über den Bildschirm. Will man mehr wissen, als das, was der Header so an Informationen hergibt, jagt man mit dem Mauszeiger hinter ihm her und zwingt ihn mit einem doppelten Mausklick zum Anhalten. Keine Angst, wenn das beim ersten Mal nicht gleich auf Anhieb gelingt und die News sich aus dem linken Bildschirmrand verpisst. Die kommt wieder – aber Achtung, natürlich auf der rechten Seite.
Ist das gleiche System wie bei den Landtagswahlen – rechts rein, links raus.
Es soll ja Blondinen geben, die sehen einer solchen verschwundenen Nachricht links um den Bildschirm herum nach, um zu sehen wohin die Nachricht verschwunden ist. Das sind übrigens die gleichen Frauen, die beim Autofahren immer auf dem Lenkrad hängen um zu gucken wie lange ihr Auto vorne ist. Achten Sie mal drauf, wenn Sie nächstes Mal auf der Autobahn unterwegs sind. Besonders bei Mercedes A-Klasse, Fiat Pinto, Opel Coma, Ford Fiasko und Renault Climax lohnt sich ein seitlicher Blick allemal.
Aber das nur am Rande, zurück zu den News-Tickern.

Da tickert gerade die Nachricht über den Ticker, dass «„rein rechnerisch das Geldvermögen der privaten Haushalte in Brandenburg 25.100 Euro beträgt“. Das errechnete der Landesbetrieb für Statistik in Potsdam. Lebens-, private Renten- sowie Sterbegeld-, Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen hätten den größten Anteil daran. Das Geldvermögen erreichte zu 62 Prozent den Bundesdurchschnitt. Gegenüber 1998 nahm das durchschnittliche Geldvermögen je Haushalt in Brandenburg um mehr als die Hälfte zu».

Ich bin noch dabei mir vorzustellen, wie der Durchschnittsbrandenburger mit seinem Geldvermögen von 25.100 Euro in Form von Lebens-, private Renten- sowie Sterbegeld-, Ausbildungs- und Aussteuerversicherungen seine monatliche Miete und die Brötchen beim Bäcker bezahlt, da drückt schon der nächste Hammer von rechts ins Display:

«Narren übernahmen die Macht in Brandenburger Rathäusern. In vielen Orten Brandenburgs haben die Narren die Rathäuser erobert. Widerstandslos übergaben die Oberbürgermeister der drei kreisfreien Städte Potsdam, Cottbus und Brandenburg/Havel die Schlüssel zu ihren Amtssitzen und damit die Macht ab. Eine Ausnahme war Frankfurt (Oder), wo die Stadtverwaltung ihrer gewohnten Arbeit nachging und Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) im Urlaub ist
Jetzt bin ich doch etwas verwirrt, ich dachte die Wahlen waren erst vor ein paar Wochen. Oder haben die jetzt ganz heimlich still und leise noch mal gewählt? Also ich steig da jetzt nicht mehr durch, welche Narren jetzt im Rathaus sind und welche davor stehen.

Ein paar Narren werden sicher fehlen, denn wenn man dem nächster Ticker glauben darf, dann ziehen es immer mehr vor, ihren dauernden Aufenthalt in ländliche Gegenden zu verlegen, wenn sie sich endgültig aus dem Staub machen. Ja Sack und Asche – das ist ja unglaublich :

«Einäscherungen immer häufiger außerhalb Berlins. Aus Kostengründen lassen immer mehr Berliner ihre Toten außerhalb der Stadtgrenzen einäschern. Das Statistische Landesamt geht davon aus, dass 2003 für jede dritte Verbrennung ein Krematorium jenseits der Stadt gewählt wurde. Wie das Amt am Donnerstag mitteilte, war es sechs Jahre zuvor nur jede zehnte. Nach Angaben der Berliner Bestatter-Innung ist eine Einäscherung außerhalb bis zu 40 Prozent günstiger. Die schlechte Wirtschaftslage und der Wegfall des Sterbegelds zwingen zum sparen.»

Schlechte Wirtschaftslage? Dass ich nicht lache! Gerade ist der Ticker mit den Infos über das durchschnittliche Geldvermögen der privaten Haushalte ins linksseitige Nirwana meines Bildschirms verschwunden und jetzt lassen sich die Bürger in ländlichen Gegenden einäschern, ohne die Kohle vorher vom Konto zu holen um sich für 25.100 Euro ein ordentliches Begräbnis in der Bundeshauptstadt zu gönnen? Aber 40% ist natürlich ne stattliche Marge für eine Selbstverbrennung, wenn man berücksichtigt dass sich andere Leute an 2% Wirtschaftswachstum schon (oder nur?) die Finger verbrannt haben.

Hab auch gar keine Zeit dazu, denn schon tickerts wieder – wieder von rechts-
«Verwaltungsgericht genehmigt rechte Demonstration in Halbe. Rechtsgerichtete Gruppierungen dürfen sich nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Cottbus an diesem Samstag auf dem Waldfriedhof in Halbe (Dahme-Spreewald) unter Auflagen versammeln. Das Verwaltungsgericht Cottbus gab am Mittwoch entsprechenden Eilanträgen statt. Wie die Behörde weiter mitteilte, lagen die rechtlichen Voraussetzungen für ein vollständiges Verbot des so genannten Heldengedenkens nicht vor.»

Na, jetzt ist doch fast alles in Butter!
Da dürfen die Rechtsradikalen mit juristischem Segen ihre rabattgeäscherten Verstorbenen auf den Waldfriedhöfen besuchen, um ihnen von den 25.100 Euro zu erzählen, die das Finanzamt auf dem Konto beschlagnahmt hat, bis die Erbfolge geklärt und die Erbschaftssteuer bezahlt ist, während in den umliegenden Rathäusern die Narren ihre Macht ausüben.
Nur, wie der Bürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) in einer solch prekären politischen und wirtschaftlichen Situation in Urlaub fahren kann und dadurch geschickt die Machtübernahme der Narren verhindert, wird sicher noch ein juristisches Nachspiel haben.

AuuuuAuuuuuAuuuuu – da kommt schon der nächste Streich!
Aus dem Ticker – von rechts!
Was haben die?
Das ist ja echt unglaublich. Das ist ja unvorstellbar!
Da sind doch der Bundesgerd, der Finanzhans und die halbe Bundesregierung nach Cap Carneval, das jetzt Cap Kennedy heißt, gefahren um anhand von Bildmaterial der NASA zu klären, ob irgendwo in Deutschland noch Geldtöpfe oder Schätze versteckt sein könnten. Und bei der Besichtigung der Rakete haben sie, wie es halt so ihre Art ist, an allen Knöpfchen und Hebelchen herumgespielt, ohne zu wissen was dann passiert. Ja und da ist die Rakete in den Weltraum gestartet und wird sich nach Ansicht der Experten in den unendlichen Weiten des Universums selbst zerstören. Die Medien sprechen von einer nationalen Tragödie.

„Und wenn die Rakete jemals wieder unversehrt zur Erde zurückkehren sollte“, tickert sich langsam zum Mitdenken durch mein Gehirn, „dann wäre das keine nationale Tragödie, sondern eine nationale Katastrophe.“

In diesem Sinne – ein schönes Wochende.

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