Vorbeugung

10. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Jeder Bürger dieser Republik sollte dazu verpflichtet werden mindestens einmal im Monat auf den vorbeizugucken, damit er weiß in welcher Republik er eigentlich lebt und versteht wovon die Politiker eigentlich reden.

Auf den Internetseiten mit dezent babyblauem Hintergrund erfährt der Bürger was in der Republik geschah und manchmal erfährt er auch was in der Republik geschehen wird.

So kann man dort folgende Information finden:

«Arbeitslosenstatistik ab 2005: Höhere Zahlen aber nicht mehr Arbeitslose»

Ich muss zugeben, dass nach dem Konsum dieser Zeile mein Gehirn kurz gestutzt hat und ich instinktiv versuchte den Verklemmer dadurch hormonell in den Griff zu bekommen, dass ich einfach weiterlas und zusätzliche Informationen als Denkfutter nachschob.

«Im Zuge der Arbeitsmarktreform Hartz IV werden Anfang kommenden Jahres die Arbeitslosenzahlen ansteigen - es werden aber nicht mehr Menschen ohne Arbeit sein. Hintergrund: Arbeitsfähige Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger, die künftig Arbeitslosengeld II erhalten, werden dann in der Statistik mitgezählt.»

An dieser Stelle beschloss ich vorerst auf die weitere Informationszufuhr zu verzichten, denn mein Kleinhirnschwelldrüsenfaktor schnellte in einen medizinisch bedenklichen Bereich und da seit der Gesundheitsreform der abrupte gemeine Gallenausstoß (Galensis vulgaris spontanis) nicht mehr als Volkskrankheit anerkannt ist, ging es mir wie dem Durchschnitt unserer Bürger - gleich gut oder gleich schlecht.
Also noch kein Grund zur Sorge. Reine Prophylaxe. Durch gezielte Anwendung der im Schwangerschaftskurs für werdende Väter erlernten Atemtechnik gelang es mir binnen weniger Minuten meinen Organismus in eine Art vorgeburtlichen Zustand zu bringen. Gelernt ist halt gelernt. Verlangen Sie das mal von einem jüngeren, unerfahrenen Arbeitnehmer.
Vorsichtig machte ich mich danach daran, mich langsam weiter durch diesen Text zu tasten.

«Die Zusammenlegung von Sozialhilfe (für erwerbsfähige Sozialhilfe-Empfänger) und Arbeitslosenhilfe zur Grundsicherung für Arbeitsuchende (Arbeitslosengeld II) wird rein zahlenmäßig zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen führen: weil arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger künftig Arbeitslosengeld II (Alg II) erhalten und als arbeitslos gelten.
Bereits nach geltender Rechtslage müssen sich arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger als arbeitslos melden. Dies ist allerdings in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen nicht immer geschehen, unter anderem, weil die Entscheidung über die Arbeitsfähigkeit ins Ermessen der Sozialämter fiel oder gar der Selbsteinschätzung unterlag.»


Also ich will mich ja jetzt nicht loben, aber besonders der letzte Satz assoziierte bei mir eine Verknüpfung zum amtlichen „Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II), Arbeitslosengeld II / Sozialgeld“.
Genauer auf die Frage auf der Seite 2 dieses Antrages (ganz oben), wo es wörtlich heißt: „Können Sie -Ihrer Einschätzung nach- mindestens 3 Stunden täglich einer Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen?  Ja  Nein, weil …“

Sehen Sie, das liebe ich so an unseren Parteien, unseren Behörden und den Anstalten, die jetzt Agenturen heißen, aber nicht sind, dass die den gleichen Fehler nie zweimal machen.

NATÜRLICH kann bei uns jeder arbeiten, außer er liegt auf der Intensivstation oder wird gerade zu Grabe getragen.
Das Problem ist doch, dass er entweder nicht (mehr) arbeiten darf, oder arbeiten soll ohne von der Bezahlung leben zu können. Und das nicht nur von der Hand in den Mund.

Und wenn in diesem unserem Land genügend Arbeit mit diesen Merkmalen geben würde, dann wäre jeder der nicht arbeitet ein Faulenzer oder Lebenskünstler. Und die brauchen keine Antragsformulare für ALG II, sondern meist nur einen liebevollen Schubs und wenn das nichts nützt auch mal einen Tritt in den Hintern.

Aber bevor ich mich jetzt wieder aufrege (die Galle macht mir in der letzten Zeit einige Probleme, der Arzt meint es wäre so eine Art Trendkrankheit, ich sollte halt auf meinen Lebenswandel und regelmäßigen Stuhlgang achten und Stress vermeiden), möchte ich Ihnen die Einschätzungen der weiteren Entwicklung am Arbeitsmarkt durch den Regeierungssprecher Béla Anda nicht vorenthalten:

«Schätzungen, wie viele Alg-II-Bezieher ab Januar zusätzlich in die Arbeitslosenstatistik hineinwachsen, bewegen sich zwischen 200.000 und 400.000 Personen, erklärte Regierungssprecher Béla Anda am 25. Oktober. Anda unterstrich, dass es sich nicht um einen tatsächlich negativen Effekt handelt, sondern “um eine Chance für all diejenigen, die dann dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen”. Genaue Zahlen können noch nicht genannt werden, weil die Zahl der künftigen Arbeitslosengeld-II-Bezieher noch nicht feststeht: unter anderem, weil der Rücklauf der Arbeitslosengeld II-Anträge noch nicht abgeschlossen ist.»

Wussten Sie eigentlich, dass der menschliche Körper pro Tag etwa 600 ml Galle produziert, die während der Fastenperiode in der Gallenblase gespeichert werden?
Da muss ja während der bisher 6-jährigen Fastenperiode unter unserer rot-grünen Bundesregierung ja ordentlich was zusammengekommen sein.
Na wenn die Blase mal platzt – dann aber, mein lieber Herr Gesangverein.
Ob dem Herrn Anda und seinem Dienstherrn da nur noch Prophylaxe hilft oder eine radikale Umstellung der Lebensgewohnheiten schon unvermeidbar geworden ist?

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. November 2004 um 05:45:47 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Jeder Bürger dieser Republik sollte dazu verpflichtet werden mindestens einmal im Monat auf den vorbeizugucken, damit er weiß in welcher Republik er eigentlich lebt und versteht wovon die Politiker eigentlich reden.

Auf den Internetseiten mit dezent babyblauem Hintergrund erfährt der Bürger was in der Republik geschah und manchmal erfährt er auch was in der Republik geschehen wird.

So kann man dort folgende Information finden:

«Arbeitslosenstatistik ab 2005: Höhere Zahlen aber nicht mehr Arbeitslose»

Ich muss zugeben, dass nach dem Konsum dieser Zeile mein Gehirn kurz gestutzt hat und ich instinktiv versuchte den Verklemmer dadurch hormonell in den Griff zu bekommen, dass ich einfach weiterlas und zusätzliche Informationen als Denkfutter nachschob.

«Im Zuge der Arbeitsmarktreform Hartz IV werden Anfang kommenden Jahres die Arbeitslosenzahlen ansteigen - es werden aber nicht mehr Menschen ohne Arbeit sein. Hintergrund: Arbeitsfähige Sozialhilfeempfängerinnen und -empfänger, die künftig Arbeitslosengeld II erhalten, werden dann in der Statistik mitgezählt.»

An dieser Stelle beschloss ich vorerst auf die weitere Informationszufuhr zu verzichten, denn mein Kleinhirnschwelldrüsenfaktor schnellte in einen medizinisch bedenklichen Bereich und da seit der Gesundheitsreform der abrupte gemeine Gallenausstoß (Galensis vulgaris spontanis) nicht mehr als Volkskrankheit anerkannt ist, ging es mir wie dem Durchschnitt unserer Bürger - gleich gut oder gleich schlecht.
Also noch kein Grund zur Sorge. Reine Prophylaxe. Durch gezielte Anwendung der im Schwangerschaftskurs für werdende Väter erlernten Atemtechnik gelang es mir binnen weniger Minuten meinen Organismus in eine Art vorgeburtlichen Zustand zu bringen. Gelernt ist halt gelernt. Verlangen Sie das mal von einem jüngeren, unerfahrenen Arbeitnehmer.
Vorsichtig machte ich mich danach daran, mich langsam weiter durch diesen Text zu tasten.

«Die Zusammenlegung von Sozialhilfe (für erwerbsfähige Sozialhilfe-Empfänger) und Arbeitslosenhilfe zur Grundsicherung für Arbeitsuchende (Arbeitslosengeld II) wird rein zahlenmäßig zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen führen: weil arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger künftig Arbeitslosengeld II (Alg II) erhalten und als arbeitslos gelten.
Bereits nach geltender Rechtslage müssen sich arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger als arbeitslos melden. Dies ist allerdings in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen nicht immer geschehen, unter anderem, weil die Entscheidung über die Arbeitsfähigkeit ins Ermessen der Sozialämter fiel oder gar der Selbsteinschätzung unterlag.»


Also ich will mich ja jetzt nicht loben, aber besonders der letzte Satz assoziierte bei mir eine Verknüpfung zum amtlichen „Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II), Arbeitslosengeld II / Sozialgeld“.
Genauer auf die Frage auf der Seite 2 dieses Antrages (ganz oben), wo es wörtlich heißt: „Können Sie -Ihrer Einschätzung nach- mindestens 3 Stunden täglich einer Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen?  Ja  Nein, weil …“

Sehen Sie, das liebe ich so an unseren Parteien, unseren Behörden und den Anstalten, die jetzt Agenturen heißen, aber nicht sind, dass die den gleichen Fehler nie zweimal machen.

NATÜRLICH kann bei uns jeder arbeiten, außer er liegt auf der Intensivstation oder wird gerade zu Grabe getragen.
Das Problem ist doch, dass er entweder nicht (mehr) arbeiten darf, oder arbeiten soll ohne von der Bezahlung leben zu können. Und das nicht nur von der Hand in den Mund.

Und wenn in diesem unserem Land genügend Arbeit mit diesen Merkmalen geben würde, dann wäre jeder der nicht arbeitet ein Faulenzer oder Lebenskünstler. Und die brauchen keine Antragsformulare für ALG II, sondern meist nur einen liebevollen Schubs und wenn das nichts nützt auch mal einen Tritt in den Hintern.

Aber bevor ich mich jetzt wieder aufrege (die Galle macht mir in der letzten Zeit einige Probleme, der Arzt meint es wäre so eine Art Trendkrankheit, ich sollte halt auf meinen Lebenswandel und regelmäßigen Stuhlgang achten und Stress vermeiden), möchte ich Ihnen die Einschätzungen der weiteren Entwicklung am Arbeitsmarkt durch den Regeierungssprecher Béla Anda nicht vorenthalten:

«Schätzungen, wie viele Alg-II-Bezieher ab Januar zusätzlich in die Arbeitslosenstatistik hineinwachsen, bewegen sich zwischen 200.000 und 400.000 Personen, erklärte Regierungssprecher Béla Anda am 25. Oktober. Anda unterstrich, dass es sich nicht um einen tatsächlich negativen Effekt handelt, sondern “um eine Chance für all diejenigen, die dann dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen”. Genaue Zahlen können noch nicht genannt werden, weil die Zahl der künftigen Arbeitslosengeld-II-Bezieher noch nicht feststeht: unter anderem, weil der Rücklauf der Arbeitslosengeld II-Anträge noch nicht abgeschlossen ist.»

Wussten Sie eigentlich, dass der menschliche Körper pro Tag etwa 600 ml Galle produziert, die während der Fastenperiode in der Gallenblase gespeichert werden?
Da muss ja während der bisher 6-jährigen Fastenperiode unter unserer rot-grünen Bundesregierung ja ordentlich was zusammengekommen sein.
Na wenn die Blase mal platzt – dann aber, mein lieber Herr Gesangverein.
Ob dem Herrn Anda und seinem Dienstherrn da nur noch Prophylaxe hilft oder eine radikale Umstellung der Lebensgewohnheiten schon unvermeidbar geworden ist?

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. November 2004 um 05:45:47 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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